Die vorliegende Hausarbeit knüpft an das Seminar „Geschichte Andalusiens“ an.
Das berühmte altspanische Heldenepos El Cantar De Mio Cid handelt von einem kastilischen Ritter, der zur Zeit der Reconquista in Spanien lebte, gegen die Mauren kämpfte und daraufhin zum spanischen Nationalhelden wurde. Er wird als Idealfigur verherrlicht und als Vorreiter der Kreuzzüge dargestellt.
Dieses Heldenepos, dessen Autor unbekannt ist, ist das einzige mittelalterliche Epos Spaniens, das fast vollständig überliefert wurde. Zum Teil orientiert es sich eng an belegbaren historischen Fakten, andererseits verändert es diese Fakten oder erfindet neue hinzu.
Während der Hispanist Menéndez Pidal von „erstaunlich vorhandener historischer Treue“ sprach und mit seinen Forschungen zur Überhöhung der Figur des Cid zum Nationalhelden beitrug, gibt es eine Anzahl von Wissenschaftlern, die auf historische Unglaubwürdigkeiten verweisen, insbesondere in Bezug auf die geographischen Angaben und die Charakterisierung der auftretenden Personen. Insbesondere Fletcher kritisiert die Auffassung Menéndez Pidals wie folgt: „Für Menéndez Pidal gab es keine Trennung zwischen Geschichte und Mythos. Der Cid der Geschichte war in seinem Charakter und in seinen Taten ebenso makellos wie der Cid der Sage. [..]“
In den folgenden Ausführungen wird untersucht, inwieweit sich der Text an der Historizität orientiert hat und welche Aspekte fiktiv sind. Dabei wird der Schwerpunkt auf die auftretenden Personen, insbesondere die Person des Cid, und die geographischen Begebenheiten gelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Inhalt des Cantar de Mio Cid
3. Die historische Figur des Cid
4. Gegenüberstellung des Cid im Epos mit dem historischen Cid
5. Weitere Faktoren, die zur Mythisierung des Heldenepos beitragen
5.1. Die Symbolik der Zahl Drei
5.2. Die Löwen-Szene
5.3. Die Unbesiegbarkeit und Vergötterung des Helden
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem altspanischen Heldenepos "El Cantar de Mio Cid" und der historischen Realität der Figur Rodrigo Díaz de Vivar. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Epos historische Fakten durch Fiktion und mythische Überhöhung verändert, um ein ideales Heldenbild für die Zeit der Reconquista zu schaffen.
- Historischer Kontext der Figur Rodrigo Díaz de Vivar
- Gegenüberstellung von literarischem Heldenepos und historischer Überlieferung
- Analyse von Symbolik und literarischen Stilmitteln zur Idealisierung
- Untersuchung der Mythisierung und politischen Instrumentalisierung des Cid
- Darstellung der maurischen Gegenspieler als Kontrast zur christlichen Idealfigur
Auszug aus dem Buch
4. Gegenüberstellung des Cid im Epos mit dem historischen Cid
Im Epos wird der Cid ausschließlich mit positiven Charakterzügen beschrieben: Stark, mutig, listig, gerecht, großzügig u. a. Er wird als der perfekte Mensch des Mittelalters dargestellt, der praktisch unfehlbar ist. Spitzer bezeichnet ihn als „rebelde leal, el rebelde que no se rebela“7
Seine List wird in der Episode deutlich, als er gemeinsam mit seinem Freund Martín Antolínez mit zwei jüdischen Pfandleihern einen Handel abschließt: Er verpfändet zwei Truhen, die zuvor mit Sand gefüllt wurden, indem er vorgibt, als seien sie mit Gold gefüllt:
V 113: „Tiene dos arcas llenas de oro esmersado.
V117: “el campeador dexa las ha en vuestra mano, [...]
Dies ist die einzige Stelle im Epos, wo der Cid offenbar nicht ganz ehrenhaft handelt. Durch die Widrigkeiten, mit denen er zu kämpfen hat, wird ihm dieser Schwindel aber vom Leser sofort verziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, skizziert die Ambivalenz zwischen historischer Vorlage und mythischer Überhöhung des Cid-Epos und nennt das Ziel der Untersuchung.
2. Der Inhalt des Cantar de Mio Cid: In diesem Kapitel wird die Handlung des Epos, von der Verbannung des Cid bis zu seiner vollständigen Rehabilitation, kurz zusammengefasst.
3. Die historische Figur des Cid: Hier werden die biographischen Fakten über den echten Rodrigo Díaz de Vivar beleuchtet und von den späteren Legenden abgegrenzt.
4. Gegenüberstellung des Cid im Epos mit dem historischen Cid: Dieses Kapitel vergleicht den literarischen, nahezu unfehlbaren Helden mit dem historisch belegten, komplexeren Charakter und beleuchtet die gezielte Beschönigung seiner Taten.
5. Weitere Faktoren, die zur Mythisierung des Heldenepos beitragen: Dieses Kapitel analysiert literarische Kniffe wie die Symbolik der Zahl Drei, die legendäre Löwen-Szene und die Darstellung der maurischen Gegner zur Stärkung des Heldenmythos.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Epos ein stark idealisiertes Bild des Cid entwirft, welches den historischen Fakten in wesentlichen Punkten widerspricht und primär der nationalen Identitätsstiftung diente.
Schlüsselwörter
El Cantar de Mio Cid, Rodrigo Díaz de Vivar, Reconquista, Heldenepos, Mythisierung, Historiographie, Rittertum, König Alfonso VI., Propaganda, Mittelalter, Literaturanalyse, Valencia, Almoraviden, Spanien, Vasallentreue
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht, inwieweit das altspanische Heldenepos "El Cantar de Mio Cid" historische Fakten verarbeitet oder diese für eine mythische Heldenverehrung verändert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind der Abgleich der literarischen Cid-Figur mit dem realen Rodrigo Díaz de Vivar sowie die Analyse von literarischen Mitteln, die der Überhöhung und Mythisierung des Protagonisten dienen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Kontrast zwischen dem perfekten "Cid" der Sage und dem militärisch und politisch agierenden, teils grausamen historischen Rodrigo aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Analyse von Textpassagen aus dem Epos sowie auf den Rückgriff auf historische Quellen, wie die "Historia Roderici" und andere zeitgenössische Aufzeichnungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Inhaltsangabe, die historische Einordnung der Person, die Gegenüberstellung von Epos und Realität sowie eine Untersuchung von narrativen Faktoren wie der Symbolik der Zahl Drei und dem Umgang mit maurischen Gegnern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Reconquista, Mythisierung, Vasallentreue, Rittertum, historische Authentizität und Propaganda.
Wie unterscheidet sich die Löwen-Szene im Epos von der historischen Realität?
Die im Epos beschriebene Szene, in der der Cid einen Löwen bändigt, ist eine fiktive Episode ohne historische Grundlage, die dazu dient, den Mut und die Souveränität des Helden symbolisch hervorzuheben.
Warum wurde die Person des Cid so stark mythisiert?
Die Mythisierung diente vermutlich als politisches Instrument zur Stärkung des spanischen Nationalbewusstseins während der Reconquista, indem ein makelloser, frommer und unbesiegbarer Held als Identifikationsfigur geschaffen wurde.
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- Diplomkaufmann (FH) Claas Riemer (Author), 2007, El Cantar De Mio Cid: Ein Vergleich des Heldenepos mit der Realität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75316