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Realität und Utopie: Das Frauenbild in der Sowjetunion und die Darstellung der Frau auf politischen Plakaten in der Zeit von 1917–1933

Title: Realität und Utopie: Das Frauenbild in der Sowjetunion und die Darstellung der Frau auf politischen Plakaten in der Zeit von 1917–1933

Seminar Paper , 2007 , 44 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Claudia Krobitzsch (Author)

History of Europe - Ages of World Wars
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Die Frau in der Sowjetunion.
Die Frau hat in der russischen bzw. sowjetischen Geschichte einen besonderen Patz. Sie wurde Jahrhunderte lang in einer patriarchisch dominierten Welt unterdrückt und als willenloses Wesen zweiter Klasse behandelt. Die schlagartige Umformung der Gesellschaft, die mit der Revolution von 1917 einherging, trieb die Sowjetischen Frauen und Männer nahezu über Nacht in ein rechtlich und institutionell radikal verändertes Rahmensystem. Die Umformung der sozialen Verhaltensweisen ließ sich nicht so kurzfristig erzwingen und war ein Zeit intensives und schwieriges Unterfangen. Die weitgreifenden politischen, ökonomischen und sozialen Veränderungen nach der Revolution hatten unmittelbaren Einfluss auf die Frau in der sowjetischen Gesellschaft. Die Veränderungen, die nicht nur uneingeschränkte Verbesserungen brachten, betrafen die sowjetisch Frau in den urbanen Zentren ebenso wie die Frau auf dem Land. Dorothy Atkinson drückt den Umstand folgendermaßen aus: “accidents of history have created unanticipated new problems; and some old problems have turned out to be unexpectedly resistant to solution”

Die veränderte Rolle der Frau in der Sowjetunion in Gegensatz zu jener, die sie im imperialen Russland hatte, soll im Folgenden zum Thema gemacht werden. Das Ziel des Sowjetregimes war die Erziehung eines "neuen Menschen", d.h. eines Wesens, das völlig losgelöst ist von den alten Strukturen des Staates, der Gesellschaft, der Religion und das tauglich für die Umsetzung der kommunistischen Ideale wäre. Propaganda diente zur Verwirklichung dieser Ziele und war ein wesentliches Merkmal des Sowjetstaates (wie auch anderer totalitärer Staaten) und wurde in allen Lebensbereichen sehr stark eingesetzt.

Die Emanzipation der Frau war ein entscheidender Aspekt in der marxistischen Ideologie. Sie thematisierte offen die zweifache Unterdrückung, die die Frau, besonders die Proletarierin, erfuhr: Zum einen die Unterdrückung Aufgrund ihres Geschlechts, was alle Frauen betraf. Zweitens, die Unterdrückung als Arbeiterin durch die Kapitalisten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frauenpolitik nach der Oktoberrevolution

2.1. Die Frau in der Stadt

2.2. Die Frau auf dem Land

2.3. Die Befreiung der Frau

3. Plakate – Propaganda wider Realität

3.1. Die Frau auf Plakaten in der SU

3.2. Die Arbeiterin in der Rolle der Assistentin

3.3. Die Bäuerin – Sündenbock und Heldin

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Frau in der sowjetischen Gesellschaft und deren bildliche Repräsentation auf politischen Plakaten zwischen 1917 und 1933. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Kluft zwischen der realen Lebenssituation von Frauen und ihrer idealisierten Darstellung durch das Sowjetregime in der Propaganda konstruiert und vermittelt wurde.

  • Wandel des Frauenbildes von allegorischen Darstellungen hin zum Typus der Arbeiterin und Bäuerin.
  • Einfluss der marxistisch-leninistischen Ideologie und Klassenzuschreibungen auf die Geschlechterrollen.
  • Die Funktion der Propaganda als Instrument der Massenmobilisierung und Erziehung zum "neuen Menschen".
  • Widersprüchliche Darstellung der Bäuerin im Kontext der Zwangskollektivierung.
  • Analyse der offiziellen Frauenpolitik in der frühen Sowjetunion und ihre soziale Umsetzung.

Auszug aus dem Buch

3.3. Die Bäuerin – Sündenbock und Heldin

Die Bäuerin auf Plakaten zu projizieren, stellte sich für die Partei als ein noch komplizierteres Unterfangen dar, als es die Arbeiterin war. Die Darstellung der Bäuerin hätte kaum widersprüchlicher sein können. Sie konnte Gut und Böse darstellen, wie keine andere. Einmal war sie stolze Mitträgerin der Revolution, dann die dicke egoistische Frau, ein andermal, in späteren Jahren, rief sie dazu auf, den Kolchosen beizutreten. Das Motiv der Bäuerin erfuhr einen größeren Wandel und war vielschichtiger als irgendeine andere Gruppe, die auf Plakaten dargestellt wurde.

„Ein dichtes Netz von Normen, Werten, Regeln und Vorurteilen, deren Bestand vor allem die Institutionen der russisch-orthodoxen Kirche nachhaltig zu sichern versuchten, bestimmte das Sozialverhalten der Dorfbewohner.“ Zur Zeit der Oktoberrevolution war Russland ein Agrarland. Auf dem Land lebten 4/5 der Bevölkerung. Mehr als die Hälfte von ihnen waren Frauen. Die Basis war vornehmlich in den urbanen Zentren und sie fand in geringerem Maße auch Unterstützung unter Soldaten. Unter der Landbevölkerung fand das Regime nur sehr wenig Zustimmung. Diese Abneigung beruhte auf Gegenseitigkeit. Die sowjetische Regierung betrachtete die Bauern als rückständig, ungebildet, abergläubig, auf ihren persönlichen Vorteil bedacht und politisch unbewusst. Auf der anderen Seite mussten die Bolschewisten sich bewusst sein, dass sie die große Masse der ländlichen Bevölkerung benötigten, um ihre Ziele zu verwirklichen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die patriarchale Vorgeschichte der russischen Frau und skizziert das Ziel der Arbeit, die Kluft zwischen der sozialen Realität und der propagandistischen Inszenierung in der frühen Sowjetunion aufzuzeigen.

2. Frauenpolitik nach der Oktoberrevolution: Dieses Kapitel behandelt die rechtliche Gleichstellung der Frau durch die Sowjetmacht sowie die komplexen Realitäten der Frauenarbeit in Städten und auf dem Land.

2.1. Die Frau in der Stadt: Hier wird der Prozess der zunehmenden Frauenarbeit in der Industrie beschrieben, der trotz neuer Gesetze durch prekäre Bedingungen und eine untergeordnete Rolle in Machtstrukturen geprägt war.

2.2. Die Frau auf dem Land: Dieser Abschnitt analysiert das Leben der Bäuerinnen in patriarchalen Großfamilien und die gescheiterten Versuche des Frauenministeriums Zhenotdel, sie ideologisch zu formen.

2.3. Die Befreiung der Frau: Die Untersuchung des gesellschaftlichen Konstrukts der Familie als Ziel sowjetischer Zersetzungspolitik und die Einführung der Zivilehe bilden den Fokus dieses Kapitels.

3. Plakate – Propaganda wider Realität: Dieses Kapitel erläutert, wie das visuelle Propagandainstrumentarium eingesetzt wurde, um Identifikationsfiguren zu schaffen und das Bewusstsein der Massen zu indoktrinieren.

3.1. Die Frau auf Plakaten in der SU: Dieser Teil beschreibt die Entwicklung von rein allegorischen Frauenfiguren (z.B. Freiheit, Geschichte) hin zu realistischen Klassenrepräsentationen ab 1920.

3.2. Die Arbeiterin in der Rolle der Assistentin: Die Analyse zeigt auf, wie die Arbeiterin zwar als Symbol der Revolution integriert wurde, jedoch stets im Schatten des männlichen Arbeiters als Assistentin verharrte.

3.3. Die Bäuerin – Sündenbock und Heldin: Hier wird die widersprüchliche Darstellung der Bäuerin zwischen dem "Baba"-Stereotyp und der heroischen "Kolchose-Bäuerin" in der Zeit der Zwangskollektivierung untersucht.

4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Frauenpolitik der Bolschewisten pragmatischen machtpolitischen Zwecken diente und die Klasse stets über dem Geschlecht stand.

Schlüsselwörter

Sowjetunion, Oktoberrevolution, Frauenpolitik, Propaganda, Politische Plakate, Geschlechterrollen, Kollektivierung, Klassenkampf, Rabotnitsa, Kolkhoznitsa, Zhenotdel, Neue Menschen, Identität, Soziale Transformation, Arbeiterin.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht das Frauenbild in der Sowjetunion zwischen 1917 und 1933, wobei der Fokus auf dem Vergleich zwischen der realen Lebenssituation und der Darstellung auf politischen Propagandaplakaten liegt.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Frauenpolitik der frühen Sowjetära, die Rolle der Propaganda als Erziehungsinstrument, die Konstruktion von Klassenidentitäten und die unterschiedliche Darstellung von Arbeiterinnen und Bäuerinnen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der vom Regime propagierten Emanzipation und der tatsächlichen, oftmals durch patriarchale Strukturen und machtpolitische Erwägungen geprägten Lebenswirklichkeit der Frauen aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt die Analyse historischer Quellen (Gesetze, Reden Lenins und Stalins) in Verbindung mit einer kunsthistorischen/ikonographischen Interpretation politischer Plakate.

Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Mittelpunkt?

Der Hauptteil gliedert sich in die politische Analyse der Frauenrolle nach der Revolution und die tiefgehende Untersuchung des visuellen Wandels der Frauenfiguren auf Plakaten, unter besonderer Berücksichtigung der Kollektivierungsphase.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit zusammenfassen?

Zu den prägenden Begriffen gehören Sowjetunion, Frauenpolitik, Propaganda, Klassenkampf, Kollektivierung, Geschlechterrollen, Arbeiterin, Bäuerin und Ideologie.

Warum wurde die Bäuerin auf Plakaten so widersprüchlich dargestellt?

Dies lag an der tiefen Zwiespältigkeit der Partei gegenüber der Landbevölkerung: Einerseits wurde die Bäuerin als "rückständig" und "egoistisch" (Baba) stigmatisiert, andererseits in der Kollektivierungsphase als politisch bewusste "Heldin" (Kolkhoznitsa) inszeniert.

Welche Funktion hatte die Figur der Kolkhoznitsa?

Die Kolkhoznitsa war keine realistische Abbildung, sondern ein politisches "Script", das der Propaganda als Modell für das anzustrebende Ideal in der Zukunft diente, um den Widerstand gegen die Kollektivierung zu brechen.

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Details

Title
Realität und Utopie: Das Frauenbild in der Sowjetunion und die Darstellung der Frau auf politischen Plakaten in der Zeit von 1917–1933
College
University of Leipzig  (Historisches Institut)
Course
Revolution als Kultur: Kultureller Wandel und Selbstinszenierung des bolschewistischen Russland 1917-1930er Jahre.
Grade
1,0
Author
Claudia Krobitzsch (Author)
Publication Year
2007
Pages
44
Catalog Number
V75455
ISBN (eBook)
9783638812528
ISBN (Book)
9783638814003
Language
German
Tags
Realität Utopie Frauenbild Sowjetunion Darstellung Frau Plakaten Zeit Revolution Kultur Kultureller Wandel Selbstinszenierung Russland Jahre
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Claudia Krobitzsch (Author), 2007, Realität und Utopie: Das Frauenbild in der Sowjetunion und die Darstellung der Frau auf politischen Plakaten in der Zeit von 1917–1933, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75455
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