Neuere Entwicklungen in der Behandlung Opiatabhängiger


Hausarbeit, 2002

32 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhalt

- Zur Geschichte und Entdeckung des Morphins und den daraus entstandenen Opiaten

- Die Rezeptoren

- Die „gängigsten“ Substanzen bei der Behandlung von Opiatabhängigen
- Opium
- Morphium
- Heroin
- Codein
- Dihydrocodein
- Die Methadone L-Polamidon und d,l Methadon
- Buprenorphin
- 1,4 Benzodiazepine
- Barbiturate

- Substitution in den „Kinderschuhen“
- Die ersten akzeptierenden
Ansätze
- Die Rahmenbedingungen

- Die Umsetzung der Substitutionsprogramme - Die Codeinsubstitution - Die Methadonsubstitution - Beigebrauch - zwei „Erfahrungsberichte“ von Betroffenen - Die Substitution mit Subutex

- Die Heroinstudie

- Persönliche Stellungnahme -www.bfarm.de

Zur Geschichte und Entdeckung des Morphins und den daraus entstandenen Opiaten

Als es dem deutschen Chemiker und Apotheker Friedrich Wilhelm Sertürner im Jahre 1804 gelang, das Morphium, als Schlafmacher, aus dem bereits weit verbreiteten Opium zu isolieren, begann ein „neues Zeitalter des Morphinismus“.

Bereits 1828 wurde es von dem Pharmakonzern Merck, unter dem Namen „ Merck`s

Morphine“, produziert und vermarktet.

Im 19. Jahrhundert war Opium in nahezu jedem westlichen Haushalt zu finden. Ob nun als Schlummertrunk für Kleinkinder („soothing Syrup“) oder als Rauschdroge für jene,, die sich Alkohol nicht leisten konnten. Ob bei einfachen Arbeitern oder in Intellektuellenkreisen, Opium war zu dieser Zeit „allgegenwärtig“.

Es war angezeigt für jegliche Art von Schmerzen, Durchfall, Asthma u.v.m.

Zitat: „Es wäre vermutlich einfacher, die Krankheiten aufzuzählen, bei denen Opium nie eingesetzt wurde, als diejenigen bei denen es verwendet wurde“(Kreutel 1988)

Mit der Zeit bemerkten allerdings immer mehr Menschen auch die negativen Auswirkungen des Opiumkonsums, da sich mehr und mehr Abhängigkeiten ausbildeten.

Von der Isolierung des Morphins erhoffte man sich, nun endlich einen Weg gefunden zu haben, die gewünschten Wirkungen des Opiums, wie die analgetische, die schlaffördernde und die antitussive, zu erhalten, ohne dabei die negative Auswirkung der Abhängigkeit zu erzeugen.

Nachdem diese Hoffnung fehlschlug, spekulierte man, das Problem durch die Entwicklung der Injektionsspritze Mitte der 50 er Jahre lösen zu können. Diese Erwartung ging auf die Annahme zurück, dass sich eine Abhängigkeit nur bei oraler Einnahme einstellte (Opiumhunger).

Doch auch diese Hoffnung schlug fehl, und ein Injizieren des Morphiums beschleunigte die Ausbildung einer Toleranzentwicklung hingegen noch.

Im deutsch – französischen Krieg 1870/71 wurde Morphium zum ersten mal im großen Maßstab eingesetzt. Durch die vielen morphinabhängigen Veteranen wurde dessen Gefahr nun zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit deutlich.

Auch die Soldaten des amerikanischen Bürgerkriegs, sowie die des preußisch- österreichischen, erhielten teilweise schon Morphium, so dass die Entzugssymptome im Volksmund schon als „Soldatenkrankheit“ bezeichnet wurden.

Im Jahre 1879 wurde die suchtbildende Eigenschaft des Morphins dann von Louis Lewin wissenschaftlich nachgewiesen.

Wieder einmal auf der Suche nach einem stark analgetisch wirksamen Medikament ohne(!) suchterzeugende Eigenschaft stieß der Chemiker C.R.A. Wright dann, bei einer Molekularanalyse des Morphins, auf das Diamorphin ( 3,6-Diacetylmorphin), besser bekannt unter dem Handelsnamen „ Heroin“.

Den Pharmakologen Dr. Hoffmann und Dr. Heiner Dreser, angestellt bei der damaligen Farbenfabrik „ Friedrich Bayer & Co.“, gelang es als erste, das Heroin fabrikmäßig herzustellen, und so ließ sich der Konzern den Namen der Substanz 1898 schützen.

Anfang des 20. Jahrhunderts startete Bayer einen riesigen Werbefeldzug. In zwölf Sprachen wurde auf dem ganzen Globus für das neue „ Wundermittel“ geworben und Gratisproben verteilt. Die daraufhin folgende Nachfrage übertraf alle Erwartungen bei weitem, und den Bestellungen konnte kaum nachgekommen werden.

Bayer bewarb „Heroin“ als nicht- süchtig machendes Mittel gegen Bronchitis, Regelschmerzen, Multiple Sklerose, Asthma, Magenkrebs, Epilepsie, Schizophrenie, Schlafbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Durchfall und sogar als Hustenmittel für Kinder, und gegen Darmkoliken bei Säuglingen. Darüber hinaus galt es als Antidepressivum und Antiepeleptikum.

In der ersten Zeit wurde es sogar als Entzugsmittel gegen bestehenden Morphinismus empfohlen. Dies änderte sich im Jahre 1904, als das, gegenüber Morphium sogar erhöhte, Abhängigkeitspotential nachgewiesen wurde. Mit der Unterzeichnung des internationalen Opiumabkommens 1921( Haager Abkommen), wurde es dann zum verschreibungspflichtiges Betäubungsmittel erklärt.

In der Bundesrepublik Deutschland ist Heroin seit 1958 nicht mehr als fertiges Arzneimittel erhältlich, und wurde mit dem am 22.12.1972 in Kraft getretenen BTMG, welches das Opiumgesetz vom 30.12.1920 ablöste, endgültig verboten. Anfang und Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Heroin, in fast allen Mitteleuropäischen Ländern, vom Markt genommen. Lediglich in GB blieb es immer ein verschreibungsfähiges BTM und wird dort bis heute bei Krebspatienten und teilweise auch zur Entzugsbehandlung Opiatabhängiger eingesetzt. Mit dem Heroinverbot in den USA 1924 fing, parallel zum Rückgang der legalen Heroin- Herstellung, der Aufbau des Schwarzmarktes und der illegalen Vertriebswege an.

In Deutschland war es zunächst einmal einige Jahre ruhig um das Thema Heroin geworden.

Erst Ende der 60 er und Anfang der 70 er Jahre tauchten wieder die ersten Opiumzubereitungen auf, diesmal allerdings nicht in den Apotheken.

In den ersten 2- 3 Jahren wurde„ Berliner Tinke“ angeboten. Hierbei handelte es sich um eine Opiumlösung, welche durch Auskochen des Papaver somniferum gewonnen, und in fertig aufgezogen Spritzen verkauft wurde. Durch diese Verkaufsform, und das daraus entstehende „needle sharing“, beim gemeinsamen Kauf einer Spritze, verbreiteten sich Krankheiten unter den Abhängigen damals sehr schnell.

Heroin war zu dieser Anfangszeit noch sehr teuer, und nur wenige konnten sich die Preise von bis zu 1200 DM/g leisten. Das Pulver war damals noch weiß (heute hellbraun/beige) und die Verkaufsform ein halbes Halbes für 250- 300.-(DM)

Heroin galt noch als „die Droge der Reichen“, ähnlich dem Kokain.

Seitdem wurde der Markt allerdings kontinuierlich ausgebaut. Dies wurde unter anderem deutlich, als es der Polizei und dem Geheimdienst 1972 gelang, die in Marseille ansässige „French Connection“ zu zerschlagen. Obwohl damit eine der bedeutendsten Quellen ausgeschaltet wurde, entstand keine ernstzunehmende Heroinverknappung. Andere „Zulieferer“ hatten nur auf eine solche Gelegenheit gewartet und sorgten dafür, dass der bestehende Bedarf umgehend wieder gedeckt wurde.

In der ersten Hälfte der 70 er Jahre verbreitete sich der Heroinmissbrauch dann über ganz Mittel- und Westeuropa.

Massive internationale Einsätze zur Bekämpfung des Heroinschmuggels wurden gestartet und zeigten auch immer wieder kurze Erfolge. Ständige Verschärfung der Gesetze, Änderungen der BTMVV und die Kriminalisierung der Abhängigen war in den 80 er Jahren der Weg, der die Lösung der Drogenproblematik mit sich bringen sollte. Wirklich verändern konnten harte Strafen und die Vernichtung von (Schlaf)Mohnfeldern aber nicht wirklich etwas.

Die Nachfrage bestand weiterhin, und so wurden, bis heute, immer wieder Wege gefunden diesen Bedarf zu decken.

Die Rezeptoren

Damit Opiate im menschlichen Körper ihre Wirkung entfalten können, müssen sie an speziellen Schlüsselpunkten, den sogenannten Rezeptoren „andocken“. Bei den Opiatrezeptoren handelt es sich um Nervenenden, deren Existenz 1973 im menschlichen Körper nachgewiesen wurden. Ohne diese Rezeptoren würde die Einnahme von Opiaten vollkommen ohne Wirkung bleiben, da diese es dem Organismus erst ermöglichen die Substanzen aufzunehmen / aufzuschlüsseln. Die Rezeptoren sind im ZNS ( zentralen Nervensystem) nicht gleichmäßig verteilt, sondern finden sich hauptsächlich in bestimmten Rückenmarkshinterhornabschnitten und in Teilen des Mittelhirns, welche als entscheidend für die Schmerzübertragung angesehen werden, sowie im lymbischen System.

Als Opiatrezeptoren gelten die m-Rezeptoren, an welche auch die endogenen Opiate ( auch Endoopioide genannt) binden.

Die Existenz der Endoopioide ( körpereigene Opiate) wurden 1975 nachgewiesen, sie zählen zu den Peptiden des menschlichen Endorphinhaushalts.

Man vermutet dass der menschliche Körper sogar in der Lage ist, in geringen Mengen Morphin zu produzieren.

Die höchste Konzentration an Endorphinen und somit auch eine Häufung von m- Rezeptoren befinden sich im mittleren Teil des lymbischen Systems ( u.a. im Hippocalamus) und somit in Hirnzellen die für Emotionalität und gesteigertes Wohlbefinden zuständig sind.

Die Opiatrezeptoren dienen im menschlichen Organismus also als natürliche Kontaktpunkte für die Aufnahme der körpereigen Endorphine / Morphine, welche bei besonderen Schmerz- oder Stresssituationen ausgeschüttet werden.

In Versuchen wurde nachgewiesen, dass die Endorphin- Ausschüttung auch alleine über die Psyche erfolgen kann, da eine durch die Einnahme von Placebos erzielte Schmerzfreiheit durch die Gabe von Naloxon aufgehoben werden kann.

Werden mehrere Opiate gleichzeitig eingenommen, kann es zu einer gegenseitigen Wirkungsverstärkung kommen. Es ist allerdings auch möglich, dass sich diese Stoffe bei einer kombinierten Einnahme gegenseitig „blockieren“ und sich in der Entfaltung ihrer Wirkung hemmen. Dies ist durch ein „Konkurrieren“ der einzelnen Substanzen an den Rezeptoren zu erklären.

Da das Thema Schlaf- und Beruhigungsmittel Missbrauch in der opiatabhängigen Szene fest verwurzelt ist, kann es, bei einer Betrachtung der aktuellen Situation, meiner Meinung nach nicht völlig außen vor bleiben.

Für die 1,4- Benzodiazepine wie z.B. Diazepam haben Versuche 1977 die Erkenntnis erbracht, dass es im menschlichen Organismus für diese Stoffe spezifische Rezeptoren, ähnlich den opiat- Rezeptoren, gibt.

Dadurch unterscheiden sich diese Tranquilizer von anderen, zentral-dämpfenden Stoffen wie den Barbituraten.

Obwohl es bis heute nicht gelungen ist, die Rezeptoren, für die 1,4- Benzodiazepine nachzuweisen, ist man sich mittlerweile sicher, dass diese vor allem im ZNS, der Großhirnrinde und dem lymbischen System angeordnet sind.

Es gilt als gesichert, dass alle Tranquilizer, trotz unterschiedlicher, chemischer Struktur, dämpfend auf das lymbische System einwirken, welches für affektive Verhaltensweisen wie Angst und Wut von Bedeutung ist.

Bei den Barbituraten geht man davon aus, dass es für diese keine spezifischen Rezeptoren gibt. Zumindest konnten bis heute keine solchen entdeckt werden und es gibt auch keinerlei Anzeichen für deren Existenz.

Die hypnotische Eigenschaft von Barbituraten geht vermutlich auf eine Vielzahl von unspezifischen Nervenzellen zurück, auf welche diese Stoffe einwirken.

Als erwiesen gilt, dass Barbiturate im ZNS die Wirkung des körpereigenen Neurotransmitters GABA verstärken. GABA (gamma- Aminobuttersäure) hat im ZNS die Funktion auf wichtige Reaktionen in den Nervenzellen hemmend einzuwirken.

Die Wirkungsverstärkung des Neurotransmitters wird erreicht indem sich die Barbiturate an die GABA- Rezeptoren binden, also an die Bindungsstellen der gamma- Amonobuttersäure.

Bereits nach einer zweiwöchigen, täglichen Einnahme bildet der Organismus eine Abhängigkeit aus. Diese entsteht dadurch, dass die Anzahl der GABA- Rezeptoren durch deren verstärkte Wirkung abnimmt, da der Körper versucht durch eine Verringerung dieser Rezeptoren wieder ein Gleichgewicht herzustellen um seine ursprüngliche Situation wieder zu erreichen.

Werden dem Körper die Barbiturate dann nicht mehr länger zugeführt kommt es zu einem Mangel an GABA. Die hemmende Wirkung auf die Nervenzellen fehlt somit und der Körper reagiert unter anderem mit starken Krampfanfällen, Angstzuständen, Schlafstörungen u.v.m.

Die „gängigsten“ Substanzen bei der Behandlung Opiatabhängiger

-Opium

-Morphium

-Heroin

-Codein

-Dihydrocodein

-Polamidon/ Methadon

-Buprenorphin (Subutex)

-1,4-Benzodiazepine

-Barbiturate

OPIUM:

Opium ist der Rohstoff für die Morphingewinnung und die Heroinherstellung.

.Es wird durch abendliches Anritzen der grünen, noch unreifen Samenkapsel ( 8-14 Tage nach Abfallen der Blütenblätter) des „Papaver somniferum“ (Schlafmohn) gewonnen.

Der über Nacht ausgetretene Milchsaft wird am nächsten Morgen abgeschabt, wenn dieser erhärtet und bräunlich verfärbt ist. Auf diese Art wird aus ca. 20 000 Mohnkapseln ein Kilo Rohopium gewonnen. Abhängig von der Qualität des Mohns (Morphingehalt zwischen 7% und 23%) ist dann auch das Endprodukt. Oft werden Pflanzen mit höherm Wirkstoffgehalt mit weniger potenten Exemplaren vermischt, so dass ein durchschnittlicher Morphingehalt von ca. 12 % erzielt wird.

Im Opium sind neben Wachsen, Harz, Protein und Zucker ca. 20 verschiedene Alkaloide vertreten, welche zum Teil dem Phenanthrenen- Typ (Morphinan- Typ) angehören, wie das Morphin ( 7- 23 % ), das Codein ( max. 3 % ), das Thebain ( max 3 % meist jedoch deutlich weniger) u.a. Der andere, in Opium vertretene Alkaloidtyp ist der Benzylisochinolin-Typ zu

welchem das Narcotin (Noscapin max. 12 % ), das Papaverin ( max. 1,5 % ) das Narcein ( max. 0,2 % ) u.m. zu zählen sind. (Quelle:: www.ang..kfunigraz.ac.at.de)

Opium findet heutzutage in der Medizin nahezu keine Verwendung mehr. Wenn es überhaupt noch zum Einsatz kommt, dann nur in einer standardisierten Form mit genau 10 % Morphingehalt.

In der Regel werden aber synthetische Zubereitungen wie Tramal /Tramadol eingesetzt, oder die einzelnen Alkaloide des Opiums werden isoliert und dem Patienten in purer Form verabreicht.

Die offizielle Opiumproduktion beträgt ca. 2000 Tonnen pro Jahr ( Quelle s.o.). Für den Schwarzmarkt fehlen selbstverständlich verlässliche Angaben, es dürfte jedoch deutlich mehr sein, und 2000 Tonnen reichen hier vermutlich noch nicht einmal als „Monatsration“ aus.

Der Konsum von Opiaten ist kein Neuzeitproblem. Geht man zurück in der Geschichte, findet man schriftliche Zeugnisse aus Sumerien und Ägypten über den Gebrauch von Opium als Rauschdroge bis in das 4. Jahrtausend vor Chr.

In Mitteleuropa wurde der Schlafmohn vermutlich erst ab dem 2. Jahrtausend v. Chr. kultiviert. Über Ägypten muss das Wissen über die Wirkung der Pflanze nach Griechenland gelangt sein, denn schon Homer war die „Wirkung des Milchsaftes“ bekannt.

Von Hippokrates wurde der „dickflüssige Milchsaft“ zur „ Herbeiführung des Heilschlafes“ empfohlen, sowie bei „Hysterie“ und Magenkrämpfen. Im alten Griechenland war die Mohnkapsel das Symbol des Schlafgottes Morpheus(von dessen Namen im 19. Jh. die Bezeichnung für den isolierten Wirkstoff Morphin abgeleitet wurde).

Die 2 Opiumkriege 1840-42 und 1858, in denen die englische Regierung den chinesischen Kaiser zwang, die durch die „ British East Indian Company“ organisierten Opiumtransporte von Indien nach China nicht länger zu behindern, machten deutlich, welchen festen Stellenwert das Opium schon damals als Handelsware und Geldquelle eingenommen hatte.

Da es alleine in China zu dieser Zeit schon geschätzte 100 Mio. Opiumkonsumenten gab, wollte England sich diesen Markt nicht nehmen lassen, und die Kronkolonie Hong Kong wurde als Opium-Umschlaghafen gegründet.

Im Jahre 1906 wurde der Mohnanbau dann erstmals drastisch eingeschränkt. 1909 fand in Shanghai die erste, internationale anti- Drogen Konferenz statt.

Durch die Einführung von sanktionierendem Arbeitsdienst und rigorosen Strafen schaffte man es, den Opiumhandel eine zeitlang stark einzudämmen.

Erst gegen Ende der 70 er Jahre wurden die alten, zerschlagenen Opiumringe durch neue Kräfte ersetzt, welche die Kontrolle über Anbau und Vertrieb wiedererlangten.

Auf dem Schwarzmarkt wird Opium heutzutage kaum mehr angeboten, da es in seiner Wirkung deutlich weniger potent ist als Morphin und Heroin, und meist nur eine sehr

geringe Nachfrage besteht.

Für den illegalen Markt wird in der Regel bereits isoliertes Morphin oder fertig zubereitetes Heroin importiert/exportiert.

WIRKUNG:

Die Wirkung des Opiums entspricht im Grossen und Ganzen der des Morphiums (s.u.). Lediglich in Teilbereichen erzeugt es leicht abweichende Effekte, was durch das Zusammenwirken der verschiedenen Alkaloide zu erklären ist. Während sich einige gegenseitig in der Wirkungen verstärken, nehmen andere eher einen hemmenden Einfluss aufeinander.

Eine Mischung aus Morphin und Narcein hat beispielsweise eine ca.4-6 mal stärkere analgetische Wirkung als das Morphin als Einzelstoff.

Morphin gemischt mit Thebain hat hingegen kaum mehr eine analgetische, dafür jedoch eine stark spasmolytische Eigenschaft.

Morphium:

Morphin ist mit 7- 23% das im Opium am stärksten vertretene Alkaloid vom Morphinan-Typ. Beim Konsum bindet es sich, wie alle Opiate, an die Opiatrezeptoren.

Es wurde 1804, von dem Apotheker F.W. Sertürner, aus dem Opium isoliert und ist in der Medizin bis heute, in nahezu unveränderter Form, im Einsatz.

Im Jahre 1928 meldete der Pharmakonzern Merck das Präparat unter den Namen „Merk`s Morphine“ an.

Mittlerweile gibt es diverse Anbieter, wie Mundipharma oder Hexal, welche Morphium in unterschiedlicher Wirkstoffkonzentration und Darreichungsform herstellen. Es gibt Morphium als Tabletten, Tropfen Zur Injektion und als Membranpflaster, mit 30, 60, 90 und 120 mg Wirkstoff.. Bis heute, wird sämtliches Morphium ausschließlich aus „Schlafmohn“ gewonnen, unabhängig davon ob es für den legalen oder illegalen Markt bestimmt ist.

Eine rein synthetische Herstellung ist zwar möglich, aber sehr aufwendig und somit teurer als die halbsynthetische Produktionsweise aus dem Naturprodukt.

Wie auch beim Opium, beschränkt sich die Anwendung von Morphium im Grossen und Ganzen auf legale, medizinische Zwecke.

Es wird hauptsächlich bei Krebspatienten, oder vergleichbar schweren Schmerzzuständen, eingesetzt.

Als Anwendungsgebiet werden schwere bis schwerste Schmerzen angegeben.

Durch die kurze Wirkungsdauer,(ca. 4-6 Std.) und dem immens hohen Produktpreis von

10 Tabl. mit 60mg Wirkstoff »14 Euro und 50 Tabl. Mit 120 mg Wirkstoff »100 Euro, spielt es in der Substitution (in Deutschland) nahezu keine Rolle. Lediglich zu Vergleichsstudien wurde es bisher eingesetzt und stellte sich hierbei als „zur Substitution ungeeignet“ dar.

WIRKUNG:

Die Wirkung des Morphins sind in erster Linie

-zentral wirksames Analgetikum mit Anbindung an die Opioidrezeptoren
-antitussive Wirkung durch Dämpfung der reflektorischen Erregbarkeit des Hustenzentrums
-dämpfung des Atemzentrums ( atemdepressive Wirkung)
-antiemetische Wirkung
-Tonussteigerung der glatten Muskulatur ( Ausnahme Gefäßmuskulatur), am Darm durch die Tonussteigerung starke Verminderung der Motilität ( Folge. Obstipation/ Verstopfung)
-sedativ- hypnotische Wirkung ( bei höheren Dosierungen/ über 10 mg)
-narkotisch (bei Dosierungen ab 50 mg)

(Quelle: www. Pharm 1. pharmazie. uni-greifswald.de )

Die Rauschwirkung des isolierten Morphins ist etwa 10 mal stärker als die des Opiums. (Quelle: s.o.)

Außerdem versetzt Morphin den Konsumenten in eine ausgeglichene, ruhige, unbeschwerte und oft glückliche Stimmungslage. Schwierigkeiten werden zwar noch als belastend registriert, doch sie erscheinen als nicht mehr so wichtig und bedrohlich. Eine „angenehme Gleichgültigkeit“ setzt über die Probleme und die quälende Komponenten werden ausgeblendet.

Das Selbstvertrauen nimmt zu, Gedanken fließen leichter, Angst und Anspannung verfliegen.

Selbiges gilt für Heroin, wobei bei diesem gewisse Komponenten noch stärker ausgeprägt sind. Genauer werden diese Unterschiede im folgenden Abschnitt: Heroin ( Wirkung ) erörtert.

Heroin:

Diacetylmorphin bzw. Diamorphin, oder noch einfacher „Heroin“, lässt sich leicht durch die Acetylisierung von Morphin gewinnen. 1874 wurde es von dem Chemiker C.R.A. Wright entwickelt.

Ursprünglich sollte es seinen Einsatz bei der Schmerzlinderung Kriegsverletzter finden. Darüber hinaus sollte es bei der Entzugsbehandlung von bestehendem Morphinismus helfen, indem es gegen Entzugssymptome half, und selbst als „nicht- süchtig-machend“ eingestuft wurde.

Die Pharmakologen Dr. Dreser und Dr. Hoffmann, angestellt bei der Farbenfabrik Bayer, waren die Ersten, denen es gelang Diamorphin in größeren Mengen herzustellen, und so brachten diese das Präparat, unter dem Namen „Heroin“, für die Firma Bayer auf den Markt.

Nachdem es angeblich gegen fast jede Krankheit und körperliches Leiden helfen sollte, und überhaupt als das „Zaubermittel“ schlechthin gehandelt wurde, erfreute sich die Firma Bayer über eine enorme Nachfrage.

Nachdem man über die Jahre aber auch die suchtbildende Eigenschaft des Heroins erkannte und die Nebenwirkungen sich nicht länger verleugnen ließen , nahm Bayer das Medikament 1958 vom deutschen Markt.

Mit dem Betäubungsmittelgesetz vom Dezember 1972, wurde Heroin dann als „nicht verkehrsfähiges BTM“ eingestuft und ist seitdem in Deutschland verboten.

Heroin ist das stärkste, bekannte, halbsynthetische Analgetikum und ist nur für aller schwerste Schmerzen angezeigt.

Während es in fast allen mitteleuropäischen Ländern verboten wurde, blieb das Betäubungsmittel in GB immer verschreibungsfähig, und wird dort vor allem bei Krebspatienten und zum Teil auch zur Entzugsbehandlung eingesetzt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Neuere Entwicklungen in der Behandlung Opiatabhängiger
Hochschule
Hochschule Hannover  (Sozialpädagogik)
Note
1,4
Autor
Jahr
2002
Seiten
32
Katalognummer
V7546
ISBN (eBook)
9783638147743
Dateigröße
636 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr dichte Arbeit - einzeiliger Zeilenabstand. 134 KB
Schlagworte
Neuere, Entwicklungen, Behandlung, Opiatabhängiger
Arbeit zitieren
Michaela Wurster (Autor), 2002, Neuere Entwicklungen in der Behandlung Opiatabhängiger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7546

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