Zur Geschichte und Entdeckung des Morphins und den daraus entstandenen Opiaten
Als es dem deutschen Chemiker und Apotheker Friedrich Wilhelm Sertürner im Jahre 1804 gelang, das Morphium, als Schlafmacher, aus dem bereits weit verbreiteten Opium zu isolieren, begann ein "neues Zeitalter des Morphinismus".
Bereits 1828 wurde es von dem Pharmakonzern Merck, unter dem Namen " Merck`s
Morphine", produziert und vermarktet.
Im 19. Jahrhundert war Opium in nahezu jedem westlichen Haushalt zu finden. Ob nun als Schlummertrunk für Kleinkinder ("soothing Syrup") oder als Rauschdroge für jene,, die sich Alkohol nicht leisten konnten. Ob bei einfachen Arbeitern oder in Intellektuellenkreisen, Opium war zu dieser Zeit "allgegenwärtig".
Es war angezeigt für jegliche Art von Schmerzen, Durchfall, Asthma u.v.m.
Zitat: "Es wäre vermutlich einfacher, die Krankheiten aufzuzählen, bei denen Opium nie eingesetzt wurde, als diejenigen bei denen es verwendet wurde"(Kreutel 1988)
Mit der Zeit bemerkten allerdings immer mehr Menschen auch die negativen Auswirkungen des Opiumkonsums, da sich mehr und mehr Abhängigkeiten ausbildeten.
Von der Isolierung des Morphins erhoffte man sich, nun endlich einen Weg gefunden zu haben, die gewünschten Wirkungen des Opiums, wie die analgetische, die schlaffördernde und die antitussive, zu erhalten, ohne dabei die negative Auswirkung der Abhängigkeit zu erzeugen.
Nachdem diese Hoffnung fehlschlug, spekulierte man, das Problem durch die Entwicklung der Injektionsspritze Mitte der 50 er Jahre lösen zu können. Diese Erwartung ging auf die Annahme zurück, dass sich eine Abhängigkeit nur bei oraler Einnahme einstellte (Opiumhunger).
Doch auch diese Hoffnung schlug fehl, und ein Injizieren des Morphiums beschleunigte die Ausbildung einer Toleranzentwicklung hingegen noch.
Im deutsch - französischen Krieg 1870/71 wurde Morphium zum ersten mal im großen Maßstab eingesetzt. Durch die vielen morphinabhängigen Veteranen wurde dessen Gefahr nun zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit deutlich.
Auch die Soldaten des amerikanischen Bürgerkriegs, sowie die des preußisch- österreichischen, erhielten teilweise schon Morphium, so dass die Entzugssymptome im Volksmund schon als "Soldatenkrankheit" bezeichnet wurden.
Im Jahre 1879 wurde die suchtbildende Eigenschaft des Morphins dann von Louis Lewin wissenschaftlich nachgewiesen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Zur Geschichte und Entdeckung des Morphins und den daraus entstandenen Opiaten
2. Die Rezeptoren
3. Die „gängigsten“ Substanzen bei der Behandlung von Opiatabhängigen
3.1 Opium
3.2 Morphium
3.3 Heroin
3.4 Codein
3.5 Dihydrocodein
3.6 Die Methadone L-Polamidon und d,l Methadon
3.7 Buprenorphin
3.8 1,4 Benzodiazepine
3.9 Barbiturate
4. Substitution in den „Kinderschuhen“
4.1 Die ersten akzeptierenden Ansätze
4.2 Die Rahmenbedingungen
5. Die Umsetzung der Substitutionsprogramme
5.1 Die Codeinsubstitution
5.2 Die Methadonsubstitution
5.3 Beigebrauch
5.4 zwei „Erfahrungsberichte“ von Betroffenen
5.5 Die Substitution mit Subutex:
6. Die Heroinstudie
7. Persönliche Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die neueren Entwicklungen in der Behandlung opiatabhängiger Menschen, wobei der Schwerpunkt auf den verschiedenen Substitutionsprogrammen und deren Wirksamkeit im deutschen Kontext liegt. Das zentrale Ziel ist es, die Entwicklung von den ersten Ansätzen der Suchthilfe bis hin zu modernen Modellen wie der Heroinvergabe kritisch zu beleuchten und deren Auswirkungen auf die soziale und gesundheitliche Situation der Abhängigen zu analysieren.
- Historische Entwicklung der Opiate und ihrer medizinischen Bedeutung
- Pharmakologische Wirkungsweisen von Substitutionssubstanzen
- Strukturelle Rahmenbedingungen der Substitution in Deutschland
- Vergleichende Analyse zwischen Methadon- und Codeinsubstitution
- Herausforderungen durch Beikonsum und neue Drogenphänomene wie Kokain-Basen
- Einfluss der Drogenpolitik auf die therapeutischen Erfolgschancen
Auszug aus dem Buch
Die Rezeptoren
Damit Opiate im menschlichen Körper ihre Wirkung entfalten können, müssen sie an speziellen Schlüsselpunkten, den sogenannten Rezeptoren „andocken“. Bei den Opiatrezeptoren handelt es sich um Nervenenden, deren Existenz 1973 im menschlichen Körper nachgewiesen wurden. Ohne diese Rezeptoren würde die Einnahme von Opiaten vollkommen ohne Wirkung bleiben, da diese es dem Organismus erst ermöglichen die Substanzen aufzunehmen / aufzuschlüsseln. Die Rezeptoren sind im ZNS (zentralen Nervensystem) nicht gleichmäßig verteilt, sondern finden sich hauptsächlich in bestimmten Rückenmarkshinterhornabschnitten und in Teilen des Mittelhirns, welche als entscheidend für die Schmerzübertragung angesehen werden, sowie im lymbischen System.
Als Opiatrezeptoren gelten die µ-Rezeptoren, an welche auch die endogenen Opiate (auch Endoopioide genannt) binden. Die Existenz der Endoopioide (körpereigene Opiate) wurden 1975 nachgewiesen, sie zählen zu den Peptiden des menschlichen Endorphinhaushalts. Man vermutet dass der menschliche Körper sogar in der Lage ist, in geringen Mengen Morphin zu produzieren.
Die höchste Konzentration an Endorphinen und somit auch eine Häufung von µ- Rezeptoren befinden sich im mittleren Teil des lymbischen Systems (u.a. im Hippocalamus) und somit in Hirnzellen die für Emotionalität und gesteigertes Wohlbefinden zuständig sind. Die Opiatrezeptoren dienen im menschlichen Organismus also als natürliche Kontaktpunkte für die Aufnahme der körpereigen Endorphine / Morphine, welche bei besonderen Schmerz oder Stresssituationen ausgeschüttet werden.
In Versuchen wurde nachgewiesen, dass die Endorphin- Ausschüttung auch alleine über die Psyche erfolgen kann, da eine durch die Einnahme von Placebos erzielte Schmerzfreiheit durch die Gabe von Naloxon aufgehoben werden kann. Werden mehrere Opiate gleichzeitig eingenommen, kann es zu einer gegenseitigen Wirkungsverstärkung kommen. Es ist allerdings auch möglich, dass sich diese Stoffe bei einer kombinierten Einnahme gegenseitig „blockieren“ und sich in der Entfaltung ihrer Wirkung hemmen. Dies ist durch ein „Konkurrieren“ der einzelnen Substanzen an den Rezeptoren zu erklären.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Geschichte und Entdeckung des Morphins und den daraus entstandenen Opiaten: Das Kapitel zeichnet die historische Entdeckung von Morphin und Heroin nach und beschreibt deren anfängliche Verbreitung sowie die spätere Erkennung ihres Suchtpotenzials.
2. Die Rezeptoren: Hier werden die biologischen Grundlagen erläutert, wie Opiate an Rezeptoren im zentralen Nervensystem binden und welche Bedeutung dies für die Suchtentwicklung hat.
3. Die „gängigsten“ Substanzen bei der Behandlung von Opiatabhängigen: Das Kapitel bietet eine detaillierte Übersicht und pharmakologische Einordnung der wichtigsten Substanzen, von Opium und Morphin bis hin zu synthetischen Ersatzstoffen wie Methadon und Buprenorphin.
4. Substitution in den „Kinderschuhen“: Es werden die ersten, oft restriktiven Ansätze der deutschen Drogenhilfe und die notwendigen Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen beschrieben.
5. Die Umsetzung der Substitutionsprogramme: Dieses Kapitel analysiert kritisch die Praxis der Codein- und Methadonsubstitution sowie die Problematik des Beikonsums und die Erfahrungen von Betroffenen.
6. Die Heroinstudie: Die wissenschaftlichen Modellversuche zur kontrollierten Heroinabgabe werden im Kontext ihrer Entstehung und der erhofften Erweiterung des Drogenhilfesystems betrachtet.
7. Persönliche Stellungnahme: Die Autorin fasst ihre kritische Sicht auf die Entwicklung der Drogenpolitik zusammen und plädiert für eine differenziertere, akzeptierende Drogenarbeit.
Schlüsselwörter
Opiatabhängigkeit, Substitution, Methadon, Heroin, Codein, Drogenhilfe, Rezeptoren, Buprenorphin, Beikonsum, Drogenpolitik, Suchtforschung, Entzug, Harm Reduction, Lebensweltorientierung, Pharmakologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die neueren Entwicklungen in der therapeutischen Behandlung von Opiatabhängigen in Deutschland, wobei der Fokus auf dem Wandel der Substitutionsprogramme und deren Auswirkungen auf die Lebenssituation der Betroffenen liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Geschichte der Opiate, deren pharmakologische Wirkung auf den menschlichen Organismus, die strukturellen Rahmenbedingungen der Substitution sowie die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Drogenpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Substitutionsprogramme zur Stabilisierung der gesundheitlichen und sozialen Lage von Abhängigen beitragen können und wo die Grenzen sowie negativen Folgen der bisherigen Praxis liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse von Fachliteratur, wissenschaftlichen Berichten zur Suchtforschung, gesetzlichen Richtlinien sowie auf eigene Recherchen und Betroffenenberichte aus der Praxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den verschiedenen Substitutionsmitteln, vergleicht deren Wirkung und beschreibt die Umsetzung der Programme von den Anfängen der 70er Jahre bis hin zu modernen Modellen wie der kontrollierten Heroinabgabe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Opiatabhängigkeit, Substitution, Methadon, Heroin, Beikonsum und Drogenhilfe.
Warum war die Codeinsubstitution in Deutschland Anfang der 90er Jahre so weit verbreitet?
Codein galt als „einfacheres“ Substitutionsmittel, da es damals weniger restriktiven gesetzlichen Hürden unterlag als Methadon und keinen Nachweis einer psychosozialen Betreuung erforderte.
Welche Rolle spielt der Beikonsum für die Substitutionsprogramme?
Beikonsum, insbesondere von Barbituraten oder Kokain, stellt ein großes Problem dar, da er oft die therapeutischen Erfolge gefährdet und ein Ausdruck der weiterhin bestehenden psychischen Belastungen der Substituierten ist.
Wie unterscheidet sich die Rolle des „Basens“ im Vergleich zum klassischen Heroinkonsum?
Das Rauchen von Kokain („Basen“) führt zu einer extrem schnellen Verelendung und einem intensiven Kontrollverlust, der von den Betroffenen häufig als Gier nach dem nächsten „Kick“ beschrieben wird, was die soziale Situation massiv verschlechtert.
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- Michaela Wurster (Author), 2002, Neuere Entwicklungen in der Behandlung Opiatabhängiger, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7546