“Wir halten einen Schatz in unseren Händen: die beliebteste Sportart weltweit. Ich möchte diesen Schatz verteidigen, dass er zum Wohle aller gedeihe. Die Starken müssen den Schwachen helfen. Fußball ist ein Spiel, kein Produkt, ist Sport, kein Markt, zunächst ein Spektakel und kein Geschäft.”
Fußball ist Leidenschaft und Herzensangelegenheit. Die ideologisch geprägten Worte des ehemaligen französischen Nationalspielers und neuen Präsidenten des Europäischen Fußballverbands, Michel Platini können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der professionelle Fußball seit den 60er Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Deutschland und Europa entwickelt hat.
Die Vereine und Kapitalgesellschaften der Deutschen Fußball-Bundesliga erlösten in der Saison 2005/2006 knapp 1,3 Milliarden Euro, beschäftigten über 31.000 Mitarbeiter und zahlten rund 380 Millionen Euro an Steuern in die Staatskasse. Diese Daten sind jedoch nur eine Momentaufnahme der kontinuierlichen Professionalisierung und Kommerzialisierung des Fußballsports in den vergangenen Jahren. Die Clubs handeln nicht länger als Vereine im eigentlichen Sinne, sondern als moderne Dienstleistungsunternehmen, die das Gut „Fußballunterhaltung“ als Gemeinschaftsprodukt vermarkten.
Dennoch weist der Markt für Fußballunterhaltung eine Reihe ökonomischer Besonderheiten im Vergleich zu „konventionellen“ Märkten auf, die Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind.
Die Worte Platinis verdeutlichen auch, dass sich der professionelle Fußball und seine Organisation zunehmend im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen, rechtlichen und sportlichen Anforderungen bewegen. Ein in diesem Zusammenhang besonders kontrovers diskutiertes Thema ist die zentrale Vermarktung der Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga durch die Deutsche Fußball Liga (DFL).
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, am Beispiel der Deutschen Fußball-Bundesliga einen breiten Überblick über die ökonomischen Besonderheiten professioneller Fußballligen zu geben. Darüber hinaus sollen am Beispiel der zentralen Vermarktung der Übertragungsrechte an der Fußball-Bundesliga zentrale sportökonomische Hypothesen auf ihre Tragfähigkeit hin geprüft werden, um daraus Folgerungen für eine wirtschaftlich effiziente Organisation des professionellen Fußballs in Deutschland abzuleiten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Grundlagen der Ökonomie des Profi-Fußballs
2.1 Besonderheiten professioneller Fußballligen
2.1.1 Produktionsprozess und Marktform
2.1.2 Charakteristika von Ligaspiel und Meisterschaft
2.1.3 Zielfunktionen professioneller Fußballvereine
2.1.4 Ineffizienzpotentiale im Produktionsprozess
2.2 Wirtschaftliche Tätigkeit der Profi-Vereine
2.2.1 Produkte und Absatzmärkte
2.2.2 Aktivitäten auf den Faktorbeschaffungsmärkten
2.3 Zwischenfazit
3 Determinanten der direkten Zuschauernachfrage
3.1 Direkte Konsuminteressen der Nachfrager
3.1.1 Sport bezogene Konsuminteressen
3.1.2 Nicht Sport bezogene Konsuminteressen
3.2 Ökonomische Faktoren
3.2.1 Preiselastizität der Nachfrage
3.2.1 Einkommenselastizität der Nachfrage
3.3 Soziodemografische und geografische Rahmenbedingungen
3.4 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
4 Zentrale Vermarktung der Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga
4.1 Wohlfahrtsökonomische Aspekte der Zentralvermarktung
4.2 Rechtliche Aspekte der Zentralvermarktung
4.2.1 Bestimmung des originären Inhabers der Übertragungsrechte
4.2.2 Rechtsprechung und Stand der juristischen Diskussion
4.3 Sportökonomische Aspekte der Zentralvermarktung
4.3.1 Auswirkung der Einzelvermarktung auf das Erlöspotential
4.3.2 Finanzielle und sportliche Differenzierung
4.3.3 Zusammenhang zwischen Spannungsgrad und Zuschauernachfrage
5 Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die ökonomischen Besonderheiten des Profi-Fußballs, insbesondere am Beispiel der Deutschen Fußball-Bundesliga. Das primäre Ziel ist es, ein Verständnis für die wirtschaftlichen Zusammenhänge in diesem Sektor zu schaffen und die Tragfähigkeit sportökonomischer Hypothesen im Kontext der zentralen Vermarktung von Fernsehrechten kritisch zu prüfen, um Empfehlungen für eine wirtschaftlich effiziente Organisation abzuleiten.
- Wirtschaftliche Besonderheiten von Fußballligen und Produktionssysteme.
- Bestimmungsfaktoren und Determinanten der direkten Zuschauernachfrage.
- Wohlfahrtsökonomische und rechtliche Analyse der zentralen Vermarktung.
- Sportökonomische Bewertung der Auswirkungen von Einzel- vs. Zentralvermarktung.
- Zusammenhang zwischen finanziellen Strukturen und sportlicher Ausgeglichenheit.
Auszug aus dem Buch
Kollektivproduktion als Besonderheit des professionellen Fußballs
Die Ware Fußballunterhaltung lässt sich in Form unterschiedlicher Güter vermarkten. Im Zentrum steht die Unterhaltungsdienstleistung des sportlichen Wettkampfs zweier Mannschaften. Die zentrale Besonderheit des Produktionsprozesses liegt in der speziellen Wettbewerbssituation zwischen den beteiligten Clubs. Sie sind zwar einerseits sportliche Konkurrenten, müssen jedoch andererseits kooperieren, um das Gut Fußballunterhaltung zu produzieren. Es handelt sich demnach bereits beim einzelnen Spiel um ein Gemeinschaftsprodukt.
Genauer gesagt liegt im Profi-Fußball ein zweistufiges Produktionssystem vor. In der ersten Stufe findet auf Clubebene eine notwendige Vorproduktion statt. Dabei muss insbesondere aus einer Reihe einzelner Akteure eine Gruppe von Sportlern (Mannschaft) geformt werden. In einer zweiten Stufe müssen zwei Mannschaften aufeinander treffen, um ein vermarktbares Gut (das Spiel) zu produzieren.
Die eigentliche Nutzenstiftung für den Konsumenten entsteht jedoch erst dadurch, dass die einzelnen Spiele in einen übergeordneten Wettbewerb (innerhalb einer Liga) zur Ermittlung der Rangfolge der beteiligten Mannschaften eingebettet sind. Das einzelne Spiel ist lediglich eine Zwischenstufe innerhalb der Produktion des Meisterschaftswettbewerbs, der als eigenständiges Produkt gesehen wird. Durch die Verknüpfung der einzelnen Spiele entsteht ein Renncharakter, der aufgrund seiner besonderen Spannung im Vergleich zum Einzelspiel zu einer Attraktivitätssteigerung führt. Da demnach der Output des gemeinsamen Produktionsprozesses die Summe der individuellen Beiträge der Clubs übersteigt, handelt es sich bei der Herstellung des „Meisterschaftsrennens“ um eine Teamproduktion.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Darstellung der wirtschaftlichen Relevanz des Profi-Fußballs und Einführung in die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2 Grundlagen der Ökonomie des Profi-Fußballs: Analyse des zweistufigen Produktionssystems, der Zielfunktionen der Vereine und der auftretenden Ineffizienzpotentiale.
3 Determinanten der direkten Zuschauernachfrage: Systematische Untersuchung der verschiedenen sportbezogenen und ökonomischen Faktoren, die das Zuschauerinteresse beeinflussen.
4 Zentrale Vermarktung der Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga: Kritische Auseinandersetzung mit der Zentralvermarktung aus wohlfahrtsökonomischer, rechtlicher und sportökonomischer Perspektive.
5 Resümee und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Diskussion möglicher zukünftiger Entwicklungen im europäischen Profisport.
Schlüsselwörter
Profi-Fußball, Fußball-Bundesliga, Sportökonomie, Zentralvermarktung, Fernsehrechte, Stadionnachfrage, Meisterschaftsrennen, Gewinnmaximierung, Nutzenmaximierung, Produktionsexternalitäten, Wettbewerbsrecht, Spielstärke, Merchandising, Sponsoring, Humankapital.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Strukturen und Besonderheiten des professionellen Fußballs, insbesondere im Hinblick auf den Markt der Deutschen Fußball-Bundesliga.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf Produktionsbesonderheiten, die Bestimmungsgründe der Zuschauernachfrage sowie die Auswirkungen und Rechtmäßigkeit der zentralen Vermarktung von Fernsehrechten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die ökonomischen Besonderheiten aufzuzeigen und die Hypothese der Notwendigkeit einer zentralen Vermarktung kritisch auf ihre wirtschaftliche Effizienz zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine sportökonomische Analyse, die theoretische Ansätze mit empirischen Erkenntnissen aus der Fachliteratur verknüpft, um Schlussfolgerungen für die Organisation der Liga abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der ökonomischen Grundlagen, die Analyse von Nachfragedeterminanten sowie eine detaillierte Prüfung der Vermarktungsmechanismen der DFL.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Profi-Fußball, Zentralvermarktung, Zuschauernachfrage, Wettbewerbsintegrität und ökonomische Effizienz.
Was besagt das Louis-Schmeling Paradoxon?
Es beschreibt, dass sportliche Wettbewerber auf einen ebenbürtigen Gegner angewiesen sind, um ein vermarktbares Produkt zu erzeugen, was den klassischen Wettbewerbsgedanken (Monopolbildung) ad absurdum führt.
Warum wird die Zentralvermarktung der TV-Rechte kritisch hinterfragt?
Der Autor argumentiert, dass diese Form der Vermarktung wohlfahrtsökonomische Nachteile mit sich bringt, den Wettbewerb behindert und nicht zwingend notwendig ist, um die sportliche Ausgeglichenheit zu sichern.
Welche Rolle spielt die Unsicherheit über den Spielausgang?
Sie gilt als wichtige Determinante der Nachfrage, wobei der Autor darauf hinweist, dass ihre Bedeutung in der aktuellen Forschung teilweise überschätzt wurde.
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- Frederik Böttcher (Author), 2007, Die Ökonomie des Profi-Fußballs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75476