Redaktionsmanagement wird meist in einem Atemzug mit sinkenden Marktanteilen, mehr Wettbewerb und damit mehr Kostendruck genannt. Diese Phänomene sind besonders in den audiovisuellen Medien in den letzten 20 Jahren mit der Privatisierung des Rundfunks und der Erfindung des Internets aufgetaucht. Dies hatte zur Folge, dass sich Redaktionen etwas ausdenken mussten, wie sie auf dem Medienmarkt mithalten konnten. Der Blick ging nach Ame-rika, wo bekanntlich die Entwicklungen etwas schneller voranschreiten und man entdeckte Marketing und Management als Mittel, effizienter und mit mehr Gewinn zu arbeiten.
Dass dabei die Qualität nicht zu kurz kommen darf, im Gegenteil, noch verbessert werden sollte, ist in vielen Redaktionen jedoch noch nicht bekannt. Es herrscht oft noch die Angst bei den Redakteuren, dass Reformen, die auf Managementideen aufgebaut sind, würden ihre re-daktionelle Freiheit und Kreativität beschneiden. Solche Vorurteile sollen hier abgebaut wer-den. Im Folgenden werden wichtige Funktionen des Redaktionsmanagements vorgestellt und gezeigt, wie diese in den Medienbetrieben angewandt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen und Ziele redaktionellen Managements
3. Qualitätsmanagement
3.1. Total Quality Management (TQM)
3.2. Anwendungspraxis des TQM
4. Personalmanagement
4.1. Rekrutierung
4.2. Führung
5. Redaktionsorganisation
5.1. Horizontale Differenzierung
5.2. Vertikale Differenzierung
6. Kostenmanagement
6.1. Konkrete Umsetzungen in den Redaktionen
6.2. Praktische Umsetzung
7. Redaktionelles Marketing
8. Managementstrategien in der praktischen Umsetzung
8.1. Freie Presse Chemnitz
8.2. Magdeburger Volksstimme
8.3. Passauer Neue Presse
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Redaktionsmanagements, das durch zunehmenden Wettbewerb und Kostendruck in Medienunternehmen an Bedeutung gewonnen hat, und analysiert Möglichkeiten, wie publizistische Qualität und ökonomische Effizienz durch strategische Managementfunktionen vereint werden können.
- Grundlagen und Definitionen des redaktionellen Managements
- Methoden des Qualitätsmanagements (insb. TQM) in Redaktionen
- Personalmanagement als strategische Führungsaufgabe
- Strukturelle Redaktionsorganisation und deren Einfluss auf Arbeitsabläufe
- Kostenmanagement-Strategien sowie die Rolle des redaktionellen Marketings
Auszug aus dem Buch
3.1. Total Quality Managment (TQM):
Qualitätssicherung wird heutzutage durch gezieltes Qualitätsmanagement erreicht. „Dabei geht es um einen umfassenden Qualitätsbegriff, der nicht nur die reine Produktqualität im Sinne der Herstellung eines fehlerfreien Endproduktes im Visier hat, sondern in Erweiterung dieser Qualität ersten Grades eine Qualität zweiten Grades vorsieht.“ Neben der technischen Qualität ist das auch die Qualität in allen Phasen des Kontaktes mir dem Kunden, in denen zusätzlich auch Dienstleistungen und Service angeboten werden. Die oben genannten Strukturen werden durch Total Quaility Management (TQM) gezielt umgesetzt.
Nach der Definition der Industrienormen DIN ISO 8402 bedeutet TQM „alle Tätigkeiten des Gesamtmanagements, die im Rahmen des Qualitätsmanagement- Systems die Ziele und Verantwortungen festlegen sowie diese durch Mittel wie Qualitätsplanung, Qualitätslenkung, Qualitätssicherung und Qualitätsverbesserung verwirklichen.“ Diese Maßnahmen, die auf allen Ebenen eines Unternehmens und allen Stadien des Arbeitsprozesses ansetzt, werden als „Total Quality Management“ (TQM) bezeichnet. Es ist eine von mehreren Management- Ansätzen, die alle der Betriebswirtschaftslehre entstammen und die Medien besonders beeinflusst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehung des Redaktionsmanagements als Reaktion auf sinkende Marktanteile und steigenden Wettbewerbsdruck in der Medienbranche.
2. Grundlagen und Ziele redaktionellen Managements: Dieses Kapitel definiert Redaktionsmanagement als strategische Aufgabe zur Steuerung von Ressourcen und publizistischer Qualität in Medienunternehmen.
3. Qualitätsmanagement: Es wird erörtert, wie Qualität im Journalismus definiert und durch institutionelle Vorkehrungen gesichert werden kann.
3.1. Total Quality Management (TQM): Das Kapitel erläutert den umfassenden Managementansatz des TQM und dessen Anwendung auf journalistische Arbeitsprozesse.
3.2. Anwendungspraxis des TQM: Hier wird kritisch die tatsächliche Umsetzung von TQM-Ansätzen in europäischen Medienredaktionen reflektiert.
4. Personalmanagement: Die Rolle der Personalführung als zentraler Erfolgsfaktor für Medienunternehmen wird thematisiert.
4.1. Rekrutierung: Es wird dargelegt, wie die gezielte Auswahl von Humankapital den Erfolg redaktioneller Arbeit maßgeblich beeinflusst.
4.2. Führung: Das Kapitel behandelt verschiedene Führungsstile und deren Vor- und Nachteile im Redaktionsalltag.
5. Redaktionsorganisation: Die Herausforderung, arbeitsteilige Redaktionsprozesse in eine harmonische Struktur zu überführen, steht hier im Fokus.
5.1. Horizontale Differenzierung: Dieses Kapitel beschreibt die Spezialisierung nach Funktionen oder Sparten innerhalb der Redaktion.
5.2. Vertikale Differenzierung: Es wird die Hierarchiebildung und die Verteilung von Macht und Kommunikationswegen in Redaktionen analysiert.
6. Kostenmanagement: Das Kapitel untersucht den Spannungsfeld zwischen ökonomischer Effizienz und der Aufrechterhaltung publizistischer Qualität.
6.1. Konkrete Umsetzungen in den Redaktionen: Strategien wie Personalabbau, Outsourcing und Synergienutzung werden praxisnah vorgestellt.
6.2. Praktische Umsetzung: Hier wird betont, dass es keine Patentrezepte für Kostensenkungen gibt und individuelle Lösungen gefordert sind.
7. Redaktionelles Marketing: Dieses Kapitel erläutert die Ausrichtung journalistischer Angebote an den Bedürfnissen der Rezipienten unter Einbeziehung von Marktforschung.
8. Managementstrategien in der praktischen Umsetzung: Fallbeispiele aus der Praxis illustrieren die Anwendung der diskutierten Managementansätze.
8.1. Freie Presse Chemnitz: Das Kapitel analysiert die Umstrukturierungsprozesse einer großen regionalen Tageszeitung.
8.2. Magdeburger Volksstimme: Es wird der Wandel zur Arbeitsteilung zwischen Redakteuren und Reportern nach amerikanischem Vorbild beschrieben.
8.3. Passauer Neue Presse: Dieser Abschnitt behandelt die Integration der Mitarbeiter in den redaktionellen Ablauf und die damit verbundene Führungsstruktur.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer flexiblen Kombination aus Strategie und Struktur zur langfristigen Sicherung publizistischer Qualität zusammen.
Schlüsselwörter
Redaktionsmanagement, Qualitätsmanagement, TQM, Personalmanagement, Führung, Redaktionsorganisation, Kostenmanagement, Outsourcing, Redaktionelles Marketing, Medienökonomie, Publizistische Qualität, Medienmanagement, Journalismus, Strukturwandel, Rezipientenorientierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung von Managementprinzipien in journalistischen Redaktionen, um die Herausforderungen durch sinkende Marktanteile und wirtschaftlichen Druck zu bewältigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Bereiche sind Qualitätsmanagement, Personalmanagement, die interne Organisation von Redaktionen, Kostenmanagement sowie redaktionelles Marketing.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Medienbetriebe durch professionelles Management ihre publizistische Qualität sichern und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich agieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Fundierung aus der Managementlehre und der Kommunikationswissenschaft, ergänzt durch Fallbeispiele zur praktischen Umsetzung in Zeitungsredaktionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Funktionen des Redaktionsmanagements, von der Personalführung über Organisationsmodelle bis hin zu Strategien der Kosteneinsparung und Rezipientenorientierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Redaktionsmanagement, TQM, Publizistische Qualität, Personalmanagement, Redaktionsorganisation und Kostenmanagement.
Warum ist die Unterscheidung zwischen "Qualität ersten Grades" und "Qualität zweiten Grades" im TQM relevant?
Sie erweitert den Fokus von der bloßen Fehlerfreiheit des Endprodukts hin zur Qualität in sämtlichen Phasen des Kundenkontakts, einschließlich begleitender Dienstleistungen.
Welche Problematik sieht der Autor bei der Anwendung der "Matrix-Organisation" in Redaktionen?
Ein wesentlicher Nachteil ist, dass Redakteure unter Umständen mehreren "Herren" dienen müssen, was zu Konflikten aufgrund unterschiedlicher Denkweisen der jeweiligen Dimensionsleiter führen kann.
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- Inka Lezius (Author), 2006, Redaktionsmanagement - ein Überblick über die wichtigsten Funktionen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75660