Methodische Probleme der familiären Situationsforschung


Hausarbeit, 2001
16 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1: Einleitung

Kapitel 2: Konstruktion
2.1. Bildung von Situationskategorien
2.2. Bestrafungs- und Belohnungsmaßnahmen

Kapitel 3: Applikation des Fragebogens
3.1. Durchführung des Verfahrens und Stichprobe
3.2. Selektion der Situationsitems
3.3. Revidierter Fragebogen

Kapitel 4: Das Bekräftigungsverhalten als AV

Kapitel 5: Kritische Betrachtung

Anhang 1

Anhang 2

Anhang 3

Anhang 4

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„... dass ein beträchtlicher Teil des Forschungsinteresses [Anm. d. Verf.: betrifft familiäre Sozialisationsprozesse] heute auf die Idiographisierung und eine möglichst situational angemessene Betrachtung der Vorgänge in den Eltern-Kind-Konstellationen hinausläuft.“[1]

Bisher fehlte dieser zentrale Aspekt der Idiographisierung und Situationsspezifität in der verhaltenstheoretisch orientierten Forschung, ist doch die elterliche Erziehung im besonderen Maße situationsabhängig.

Obwohl die Erziehungsstilforschung generell über eine optimale Datengewinnungsmethode verfügt, nämlich der objektiven Beobachtung[2], besteht doch bei einer empirischen Untersuchung ein hoher ökonomischer Aufwand bezüglich größerer Stichproben. Umso problematischer gestaltet sich der Versuch, die verhaltenstheoretischen Konstrukte, die hinter der Erziehungsstilforschung stehen, auf die empirische Ebene zu transferieren.

Als Hauptwerk wähle ich die Untersuchung von PREISIG, PERREZ und PATRY, die sich auf die Konstruktion eines verhaltenstheoretisch orientierten Fragebogens konzentrierten. Anders als die Analyse des elterlichen Erziehungsverhalten von POPP gingen die Autoren speziell auf die methodischen Probleme während ihrer Untersuchung ein und erhoben zudem keinen Anspruch auf Gültigkeit und Richtigkeit ihrer Vorgehensweise – im Gegenteil, sie wogen ständig alternative Vorgehensweisen ab und legten Hauptaugenmerk auf den problematischen Übergang der Theorie zur angewandten Praxis.

POPP verfolgte grundsätzlich vollkommen andere Ansätze – als Basis nutzte er Typenkonzepte und setzte den Schwerpunkt auf Spannungs- und Konfliktsituationen[3] – dennoch vernachlässigte er meiner Ansicht nach das Problemfeld der empirischen Methodenauswahl, die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis, und reflektierte nicht selbstkritisch seine gewählte Vorgehensweise.

Bezugnehmend auf die Untersuchung von PREISIG, PERREZ und PATRY bestand für die Autoren ein allgemeines Problem zur empirischen Erfassung des Erziehungsverhaltens: das Dilemma zwischen Instrument und der Stichprobengröße. In der empirischen Sozialforschung gelten im allgemeinen Instrumente, die auf Stichproben von geringer Größe angewandt werden, als äußerst objektiv und valide. Eine Erweiterung des Stichprobenumfangs kann die Präzision des Instruments verkleinern, es entstehen mehrere Störungseffekte und meist weitere Störvariablen, die dann die Einhaltung des Kriteriums der Validität erschweren.

Die Autoren erwähnten in diesem Zusammenhang den Lösungsversuch von STAPF, HERRMAN und STÄCKER (1972): Bestimmte Parameter, die das Elternverhalten betrafen, wurden über das Urteil der jeweiligen Kinder gemessen. LUKESCH kritisierte hierbei, dass nicht die eigentlichen elterlichen Parameter gemessen wurden, sondern die sogenannte „Kind-Kognition“, was bedeutet, dass nicht eine verhaltenstheoretisch orientierte, sondern eine kognitive Theorie den Hintergrund der Untersuchung bildete. Ebenfalls wird deutlich, dass die Form der Beobachtung (die durch das Kind durchgeführt wird) als naiv und nicht objektiv bezeichnet werden muss.

Die Autoren entwickelten im folgenden ein eigenes Instrument, welches drei Aspekte[4] der theoretischen Vorüberlegungen berücksichtigen sollte:

1. Die idiographische Bedeutung des Bekräftigungswertes der Erziehermaßnahme

Dies bedeutet, dass das gleiche Stimuli nicht unbedingt gleich verstärkend auf verschiedene Personen wirkt. Das Kind sollte also angeben, wie gern es einen bestimmten Reiz mag beziehungsweise bevorzugt, worauf aber noch später eingegangen wird.

2. Die Kindreaktions-Spezifität des Erzieherverhaltens

Hiermit ist gemeint, dass das gleiche Verhalten des Kindes in bestimmten Kontexten andere Erzieherreaktionen hervorrufen könnte als in anderen Kontexten. Um diesen Aspekt zu gewährleisten, wurden bei der Datenerfassung zwei Verhaltenstypen unterschieden: das Sozial- und das Leistungsverhalten.

3. Die individuellen Bekräftigungsverhalten der Erzieher

Die Reaktionen der Erzieher können sich bei gleichen Verhalten des Kindes unterscheiden; bewerkstelligt wurde dies im Fragebogen durch mehrere mögliche Situationsalternativen.

Festzuhalten ist also, dass sich die gewählten Aspekte auf die einzelnen Kindreaktionen, den einzelnen Erzieherreaktionen sowie der Trennung der Kontexte konkretisieren.

II. Konstruktion

2.1. Bildung von Situationskategorien

Unter diesem Aspekt bildet sich erstmals das Problem der situationsspezifischen Erfassung des erzieherischen Bekräftigungsverhaltens. Die Autoren verfolgten zu diesem Zweck diverse Ansätze, unter anderem die von HECKHAUSEN, STAPF, BAUMGÄRTEL und HAUF.

Stapf schlug ein erfahrungswissenschaftliches Vorgehen vor [...] konstruierte er fünf homogene, unabhängige Subskalen [...] es sind dies: a) Leistungsbereich, b) Eigentumsbereich, c) Sozialbereich, d) Verhalten Normen gegenüber und e) Verhalten Geboten gegenüber.“[5]

Dieser Ansatz wurde als äußerst differenziert eingestuft und weitergeführt, sodass schließlich unterschieden wurde zwischen Leistungs- und Sozialverhalten. Es folgte dann die Erstellung mehrerer Situationsbeschreibungen im Rahmen der schulischen Erziehung (Leistungsverhalten) und der häuslichen Erziehung (Sozialverhalten), wobei hier natürlich die Grenzen als nicht trennscharf zu verstehen sind.

[...]


[1] Lukesch, Helmut (Hrsg.): Familiäre Sozialisation und Intervention. Wien 1980. S. 11.

[2] Denz, Hermann: Einführung in die empirische Sozialforschung. Wien 1989. S. 24.

[3] Popp, Manfred: Analyse elterlichen Erziehungsverhaltens. München 1974.

[4] Lukesch, Helmut (Hrsg.): Familiäre Sozialisation und Intervention. Wien 1980. S. 36 ff.

[5] Lukesch, Helmut (Hrsg.): Familiäre Sozialisation und Intervention. Wien 1980. S. 39.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Methodische Probleme der familiären Situationsforschung
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Psychologie)
Veranstaltung
Erziehungsstile
Note
3,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V7567
ISBN (eBook)
9783638147873
Dateigröße
693 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehung, Stil, Erziehungsstil, Fragebogen, Probleme, Erhebung, Familie
Arbeit zitieren
Oliver Bock (Autor), 2001, Methodische Probleme der familiären Situationsforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7567

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