„Gottlieb Daimler sagte voraus, dass die weltweite Nachfrage an Kraftfahrzeugen eine Million nicht überschreiten werde, weil es einen Mangel an verfügbaren Chauffeuren geben würde. Albert Einstein schrieb 1932, dass es nicht das geringste Anzeichen dafür gebe, dass jemals Atomenergie entwickelt werden könnte. Und Wilbur Wright bezweifelte 1901, dass es die Menschen in den nächsten 50 Jahren schaffen könnten, sich mit einem Metallflugzeug in die Luft zu erheben. Nur zwei Jahre später gelang ihm selbst der erste Motorflug“ (Wopp, 2006, S.9).
Die Frage nach dem „Was werden wir morgen tun?“ beschäftigt viele Köpfe und breitet sich auf alle Bereiche des Lebens, der Wissenschaft etc. und auch auf den Sport aus. Die Antwort auf diese Frage fällt relativ leicht, weil es um Planungen für den nächsten Tag geht. Je größer jedoch der Zeithorizont wird, umso ungenauer werden die Prognosen. Bezogen auf den Sport bedeutet dies, dass das Individuum zwar weiß, was es in absehbarer Zeit tun und lassen wird, doch niemand kann Prognosen über weit vorausliegende Handlungsmuster im Sport geben. Fakt ist jedoch, dass sich der Sport seit seiner Ausübung im ständigen Wandel befindet. Der Stellenwert des Sports im Leben der Menschen ist – im Vergleich zur stetig gestiegenen Freizeit – bereits bis heute überproportional angewachsen. Stand Mitte des 20. Jahrhunderts noch die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit im Zentrum der Freizeitgestaltung, haben sich heute die Akzeptanzwerte des Freizeitsports deutlich erhöht. Der oft propagierte Wertewandel, der in der Gesellschaft seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges spürbar war, hatte auch Auswirkungen auf den Sport, der in seinem Verständnis und seiner Bedeutung ebenfalls einem Wandel unterlag. Sport im heutigen Sinne existierte zur damaligen Zeit (Ende der 40er und Mitte der 50er Jahre) nicht. Die Dominanz der Arbeit rückte den Sport ins Abseits und machte ihn bedeutungslos. Im Zuge des „Wirtschaftswunders“ der 50er Jahre waren erste Veränderungen im Hinblick auf das Konsum- und Freizeitverhalten zu erkennen. Jedoch diente der aufkommende „Bewegungsdrang“ eher der Wiederherstellung der Arbeitskraft und -moral.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 Aufbau der Arbeit
2. DER BEGRIFF DER POSTMODERNE
2.1. Entstehung und Entwicklungsgeschichte der Postmoderne
2.1.1 Der Begriff der Ambivalenz
2.2 Welschs Postmoderneauffassung
3. DER POSTMODERNE SPORT
3.1. Allgemeine Merkmale von Trendsport nach Schwier
3.1.1 Modell der Genese von Trendsportarten
3.1.2 Moderner Sport – Postmodern oder nur Tendenzen?
3.1.3 Trendsportarten
3.1.4 Trendsportarten – Eine Annäherung aus etymologischer Sicht
3.1.5 Trendsportarten und Trendsportforschung in der Sportwissenschaft
3.1.6 Trendsportarten – Annäherung über Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren
3.2. Traditioneller Sport
3.2.1 Begriffsbestimmung
3.2.2 Die Entwicklung des Sports
3.2.3 (Traditioneller) Sport in Deutschland – Von der Aufklärung bis zur Gegenwart
3.2.4 Der DOSB und seine Vereine
3.2.5 Der Sportverein – Strukturbesonderheiten
3.2.6 Der Sportverein – Bedeutung und Funktion
4. DAS WECHSELSPIEL VON TRADITIONELLEM UND TRENDSPORT
4.1 Sportökonomie und Organisationsstruktur
4.2 Großveranstaltungen/Events
4.3 Handlungen, Sportformen und Sportarten
4.4 Leistungsprinzip
5. TRADITIONELLER UND TRENDSPORT – SZENARIO
6. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss postmoderner gesellschaftlicher Strukturen auf den Sport und analysiert das Wechselspiel zwischen traditionellem Sport und Trendsportarten. Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter Faktoren ein besseres Verständnis für die gegenwärtige Entwicklung des Sports zu gewinnen und mögliche zukünftige Szenarien abzuleiten.
- Strukturelle Analyse der Postmoderne und deren Übertragbarkeit auf den Sportsektor.
- Untersuchung der Charakteristika von Trendsportarten im Vergleich zum traditionellen Vereinssport.
- Erforschung von ökonomischen und organisatorischen Veränderungen im Sportwesen.
- Analyse des Leistungsprinzips und der Identitätsbildung in verschiedenen Sportformen.
- Entwicklung von Zukunftsszenarien für den traditionellen Vereinssport und den Trendsport.
Auszug aus dem Buch
1. Trend zur Stilisierung
Nach Schwier (vgl. ebd.) kennzeichnet der Begriff der Stilisierung eine Elementarisierung des Sporttreibens, die über das reine Sporttreiben im engeren Sinn hinausgeht und sich in den jeweiligen Lebensstilen der Akteure innerhalb einer Gesellschaft wiederfindet. Das zentrale und selbstverständliche Element einer originären Lebensart scheint die sportive Körperpraxis zu sein (vgl. Schwier, 2000, S.81). „Man geht eben nicht einfach zum Mountainbiken, Skaten oder Surfen, sondern führt [...] das Leben eines Bikers, Skaters oder Surfers“ (vgl. ebd., 2000, S.81). Die Aspekte des Spaß-Habens und des Anderssein spielen dabei eine wesentliche Rolle und sind „primäre Ausdrucksformen“ der Handelnden (vgl. ebd., 2000, S.81).
Sport wird somit zu einer speziellen Art der Selbstverwirklichung sowie zum Ausdruck von Individualität, die jedoch gegenwärtig bereits als selbstverständlich empfunden wird und kaum noch der Abgrenzung dient (vgl. ebd., 2000, S.82). Entsprechend eines Zusammenhangs mit der Postmoderne lässt sich bei der Stilisierung der hervorgehobene Spaß am Anderssein und der Stilkreierung, vor allem bei jüngeren Altersschichten, festmachen. Des Weiteren sind Tendenzen zu der von Welsch (vgl. ebd.) hervorgehobenen Pluralität erkennbar. So definieren sich zunehmend junge Leute, aber auch ältere Altersgruppen, über den eigenen Stil und legen Wert auf Heterogenität, sowohl innerhalb einer Gruppe als auch gegenüber anderen Gruppen. So entsteht ein gewolltes und bewusstes Nebeneinander individueller Ausdrucksformen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, skizziert den gesellschaftlichen Wandel des Sports im 20. Jahrhundert und stellt die Forschungsfrage nach dem Wechselspiel zwischen Tradition und Trendsport.
2. DER BEGRIFF DER POSTMODERNE: Hier wird der theoretische Rahmen der Postmoderne, insbesondere die These der radikalen Pluralität nach Welsch und die Bedeutung der Ambivalenz nach Baumann, dargelegt.
3. DER POSTMODERNE SPORT: In diesem Kapitel werden die Merkmale von Trendsportarten, wie Stilisierung, Beschleunigung und Eventcharakter, analysiert und dem traditionellen Vereinssport gegenübergestellt.
4. DAS WECHSELSPIEL VON TRADITIONELLEM UND TRENDSPORT: Hier werden die organisatorischen, ökonomischen und handlungsbezogenen Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Sektoren detailliert untersucht.
5. TRADITIONELLER UND TRENDSPORT – SZENARIO: Dieses Kapitel entwirft verschiedene Zukunftsprognosen für die Entwicklung von Vereinen und Trendsport unter Einbeziehung politischer und ökonomischer Faktoren.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei das Zusammenlaufen beider Sportformen diskutiert wird.
Schlüsselwörter
Postmoderne, Trendsport, Vereinssport, Pluralität, Individualisierung, Sportökonomie, Eventisierung, Leistungsprinzip, Identitätsbildung, Sportkultur, Vereinsmanagement, Gesellschaftlicher Wandel, Sportorganisation, Ambivalenz, Risikosport.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der gegenwärtigen und zukünftigen Entwicklung des Sports vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels, insbesondere durch die "Postmoderne".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind der theoretische Begriff der Postmoderne, die Charakterisierung von Trendsportarten im Vergleich zum traditionellen Vereinssport sowie organisatorische und ökonomische Wandlungsprozesse im Sport.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, das Wechselspiel zwischen traditionellem Vereinssport und Trendsportarten auf Basis ausgewählter Faktoren darzustellen und zu analysieren, ob sich beide Sektoren einander annähern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Analyse der Postmoderne, sportwissenschaftliche Erkenntnisse von Experten wie Schwier, Welsch und Baumann sowie empirische Untersuchungen zur Mitgliederentwicklung in deutschen Sportvereinen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die detaillierte Analyse der Merkmale von Trendsport, die Untersuchung der traditionellen Sportstrukturen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Ökonomisierung und Professionalisierung des Sports.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Postmoderne, Trendsport, Individualisierung, Pluralität und Sportvereinskultur definiert.
Wie unterscheidet sich der Trendsport vom traditionellen Sport in seiner Organisation?
Trendsportarten zeichnen sich durch Flexibilität, informelle Strukturen und eine starke Erlebnisorientierung aus, während der traditionelle Sport durch demokratische Entscheidungsstrukturen, langfristige Mitgliedschaften und das ehrenamtliche Prinzip geprägt ist.
Welche Rolle spielen "Events" bei der Entwicklung des modernen Sports?
Events dienen als Instrumente zur Kundenbindung und Vermarktung, wobei sowohl Trendsport als auch traditioneller Sport zunehmend "eventisiert" werden, um eine höhere Attraktivität und mediale Aufmerksamkeit zu erzielen.
- Citation du texte
- Alexander Schmidt (Auteur), 2007, Der postmoderne Sport als Wechselspiel zwischen traditionellem und Trendsport , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75670