Über die nichtpolitische Politik im Protektorat Böhmen-Mähren


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2006

37 Seiten


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

0 Einleitung

I Krisenerscheinungen in der tschechischen Gesellschaft

II Die Aufgaben der tschechischen Nation, Analyse der Protektoratssituation und die sich hieraus ergebenen Schlussfolgerungen
II.I Die Lage der tschechischen Nation im Protektorat
II.II Der Realismus

III Die nichtpolitische Politik
III.I Was ist nichtpolitische Politik?
III.I.I Die „Kleinarbeit für die Nation“
III.I.II Das Bildungsprogramm
III.II Deutung der nichtpolitischen Politik

IV Die nichtpolitische Politik im Protektorat Böhmen-Mähren
IV.I Inhalte der nichtpolitischen Politik im Protektorat
IV.II Ziele der nichtpolitischen Politik im Protektorat
IV.III Deutung der nichtpolitischen Politik im Protektorat

V Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

0 Einleitung

Der Zeitraum vom 30. September 1938 bis zum 16. März 1939 stellte für die tsche-chische Nation einen einschneidenden Zeitabschnitt in ihrer Existenz dar. Musste sie infolge des Münchner Abkommens vom 30. September 1938 große Teile ihres Staatsge-bietes an Deutschland abgetreten, so endete mit dem Einmarsch deutscher Truppen in das Gebiet der Tschechoslowakei am 14./15. März 1939 und der Errichtung des Protek-torat es Böhmen-Mähren einen Tag später das Dasein des Vielvölkerstaates. Diese Ereignisse verursachten im nationalen Bewusstsein der Tschechen eine tiefe Krise, deren Kern in der Frage nach dem Sinn der Existenz des tschechischen Staates lag.

Worin aber lag die Bedeutung des Protektorates? Wiederholte sich die Geschichte und befanden sich die Tschechen im Protektorat in einer ähnlichen Situation wie bis 1918 im Rahmen der Habsburger Monarchie? Wie stellte sich die Lage dar und welche Konsequenzen waren aus ihr zu ziehen? Vor welchen Aufgaben stand die tschechische Nation und wie konnte auf den Verlust der Eigenstaatlichkeit und das Protektorat adäquat reagiert werden? Idealtypisch eröffneten sich hierbei drei Möglichkeiten: der Widerstandskampf, die Kollaboration und das Programm des Überlebens (vgl. Maršalek 2002: 321, Pasak 1998: 70ff., Červinka 2002: 42), wobei in der Realität die Übergänge zwischen diesen Richtungen zum Teil fließend waren.

Dem Widerstand mit allen Mitten schlossen sich besonders Gruppen und Individuen an, die in ihrem beruflichen Fortkommen oder ihrer gesellschaftlichen Stellung durch die deutsche Herrschaft besonders geschädigt wurden. Hierzu zählten vorrangig Armee-angehörige, Parteifunktionäre, Journalisten, Abgeordnete und Hochschuldozenten.

Den Gegenpart zum Widerstand stellte die offene Kollaboration dar. Ihr gehörten vor allem faschistische Gruppierungen wie z.B. der Kreis um die „Vlajka“ oder auch Oberst Emanuel Moravec an. Aus ideologischen und pragmatischen Gründen standen sie der neuen staatsrechtlichen Gestaltung gänzlich konform gegenüber und unterstützten die deutsche Politik in den böhmischen Ländern (vgl. z.B. Maršalek 2002: 322).

Zwischen Widerstand und Kollaboration stand das Programm des Überlebens. Diese Alternative lässt sich weiter unterteilen. Während ein Teil die Zeit der Okkupation im Glauben an eine Wende der Kriegssituation rein passiv überwintern wollte (Červinka 2002: 43), bezog ein anderer – hier zu untersuchender – Teil die mögliche Nachkriegsentwicklung (nach einer deutschen Niederlage) mit ihr Konzept mit ein. Die hiermit einhergehende Akzeptanz, Versöhnlichkeit und Konformität gegenüber dem deutschen Besatzungsregime brachte dieser Richtung den Vorwurf der Kollaboration ein. Im Gegensatz zur Kollaboration sah sie im Protektorat jedoch nicht die Voraussetzung für die Realisierung eigener politischer Ziele (vgl. Pasak 1998: 73, Pasak 1999: 265). Auch ordnete sie ihr System nicht dem Großdeutschen Reich unter, in der Hoffnung, Deutschland gewähre den Tschechen eine gewisse existentielle Möglichkeit, die umso größer sein sei, je mehr die Reichsidee akzeptiert werde (vgl. Kurál 2002: 95). Vielmehr versuchte diese Strömung bestehende Räume für eigene Aktivitäten auszunutzen. Dies ging jedoch mit einer pragmatischen Anerkennung des Protektorates einher, wodurch sich diese Strömung durchaus der Kollaboration annährte.

Widerstand und Passivität wurde von dieser Richtung abgelehnt. Stattdessen wurde mit Blick auf Thomas G. Masaryk und Karel Havlíček und die Position der Tschechen im Protektorat die Methode der nichtpolitischen Politik empfohlen. Ausschließlich mit dieser könne das Überleben der Nation gesichert, bestehende Werte vertieft und die Tschechen auf die Zeit nach der deutschen Besatzung vorbereitet werden.

Was aber bedeutet nichtpolitische Politik? Wird hiermit vielleicht das Ende der Politik angesprochen, weil diese von Bürokraten, Experten, Technokraten, Ökonomen vor allem aber von den Politiker selbst durch streng rationalisierte Regeln gleichsam erstickt werde (vgl. Havelka 1998: 456) und deshalb immer öfter der Vorwurf zu hören ist, dies sei „hohle“, „leere Politik“ bzw. gar „keine Politik“? Gesprochen wird in diesem Zusammenhang auch von einer Dekonstruktion der Politik.

Oder handelt es sich um eine Infragestellung der Politik ? Hierbei geht es nicht nur um eine Kritik am ihrem konkreten Vollzug. Vielmehr wird der Anspruch des Politischen, „in offener Entscheidung über alternative Möglichkeiten die Gesellschaft zielorientiert zu gestalten, in Zweifel gezogen“ (Meyer 2003: 289, vgl. Mandt 1987).

Oder ist die „nichtpolitische Politik“Politik außerhalb der Politik ? Also der Versuch, in Situationen Politik zu machen, in denen es nicht möglich ist, sich direkt politisch zu betätigen bzw. auf sie einwirken zu können. Die Problematik stellt sich dann als Frage nach dem Sinn und den Möglichkeiten von Politik in Situationen ihrer objektiven Bedrohung oder ihrer positiven Unmöglichkeit (vgl. Havelka 1997: 123). „Was kann getan werden, wenn nichts getan werden kann?“ (Stokes 1993: 21).

Oder beinhaltet die nichtpolitische Politik den Versuch, die Politik ethisch zu begründen und sie nicht nur politisch (im Sinne Webers) als Kampf um Macht bzw. Machanteil zu verstehen? Liegt ihr in diesem Sinne ein Ideal zu Grunde? Was SOLL Politik sein?

Im vorliegenden Beitrag wird die Konzeption der nichtpolitischen Politik wie sie im Protektorat Böhmen-Mähren vertreten wurde untersucht. Der Text ist in vier Hauptteile untergliedert. Im ersten Teil werden die mit dem Münchner Abkommen und der Errichtung des Protektorates verbundenen geistigen Entwicklungen im gesellschaft-lichen Leben der Tschechen und deren politischen Folgen skizziert.

Im zweiten Teil werden zunächst die Aufgaben, vor denen die tschechische Nation im Protektorat stand herausgearbeitet. Im Anschluss daran wird die Lage der tschechischen Nation im Protektorat analysiert und die Schlussfolgerungen, die hieraus gezogen wurden aufgezeigt. Nicht außer Acht gelassen werden darf hierbei die Methode des Realismus.

Der dritte Teil definiert und deutet die nichtpolitische Politik. Was bedeutet sie? Was sind ihre Inhalte und Bestandteile? Worauf gründet sie sich?

Im vierten Teil wird die Anwendung bzw. Umsetzung des Konzeptes der nichtpoliti-schen Politik im Protektorat untersucht. Was sind hier ihre spezifischen Inhalte? Welche Ziele sollten mit ihr erreicht werden? Worin liegen ihre Bedeutung und ihr Sinn?

Zur Beantwortung dieser Fragen werden Beiträge von Josef Macek, Ferdinand Peroutka , Zdeněk Smetáček und Tomáš Trnka aus den Zeitschriften Přitomnost, Naše doba und Česká osvěta untersucht. Erklärungen dieser Art verfolgen einen politischen Zweck und bieten kulturelle Identität an. Sie sind kulturelle Manifestationen des Eigenbewusstseins und daher Segmente politischer Kultur (vgl. Holtmann 1989: 37).

I Krisenerscheinungen in der tschechischen Gesellschaft

Die Machtlosigkeit, mit der am 15. März 1939 die Besatzung der böhmischen Länder und die Abtrennung der Slowakei von der tschechoslowakischen Regierung ange-nommen wurde, verursachte in der tschechischen Gesellschaft eine tiefe geistige Krise. Ihr Kern bestand in der Frage, welchen Sinn die Existenz eines tschechischen Staates habe. Gefragt wurde ferner welche Leistungen die tschechische Nation der Welt brachte. Es ging folglich um das Problem ihrer kulturellen Produktivität aber auch um den Charakter der tschechischen Bildung (vgl. Patočka 1939, Co daly 1940, Havelka 2001: 134). In diesem Sinne hing die tschechische Identitätskrise eng mit einer Diskussion über das Motiv aus Hubert Gordon Schauers „Zwei Fragen“ (Schauer 1886) zusammen, wonach die Lösung des Sinns der nationalen Existenz der Tschechen in einer engen Verbindung mit dem Wert ihrer kulturellen Produktivität stehe.

Ihren Ausgangspunkt fand diese Krise im Münchner Abkommen vom 30. September 1938, welches im Bewusstsein der Bevölkerung den Eindruck des Verrates durch die verbündeten Mächte Frankreich und Großbritannien hervorrief und zu einem Gefühl der Isolation und Ohnmacht führte. Dieses äußerte sich in Depression, Erbitterung, Apathie und Enttäuschung (vgl. Rataj 1997: 11ff. und Pasák 1998: 11) und führte zu einer Abwendung von den vorherrschenden ideologischen, moralischen und menschlichen Idealen, Werten, Normen und Sicherheiten, welche den Sinn der Existenz der tschechischen Nation und ihres Staates ausmachten. Dies beinhaltete auch eine Abkehr von Masaryks Deutung des Tschechentums, von der nationalen Kultur, den traditionellen nationalen Geschichtswerten und eine Herabsetzung der Prinzipien des Humanismus und der Toleranz (vgl. z.B. Havelka 2001: 126ff, Gebhart/Kuklík 2004: 251f.). Einzubeziehen in diesen Komplex ist auch der Zerfall der philosophischen Konstruktion des Staates, des Tschechoslowakismus. Wurde dieser in der Zeit der Ersten Republik noch als Ausdruck des modernen tschechischen Nationalbewusstseins angesehen, so wurde er nun zurückgewiesen und entwertet (vgl. Bakke 2004: 23ff.).

Eine wichtige Folge der Veränderungen der geistigen Grundlagen des Staates war die Negation der liberalen Demokratie, was sich auf ein Gefühl ihres absoluten Versagens gründete (Rataj 1997: 11ff.). Innen- wie außenpolitisch versuchte die Zweite Republik (Oktober 1938 – März 1939) einen modus vivendi mit Deutschland zu finden. Ging es in den inneren Beziehungen darum, zumindest dieses „Restlehen“ und eine Schattenselbstständigkeit nach der Losung „klein aber unser“ (Kuklík/Gebhart 1996: 13) zu erhalten, so waren die äußeren Beziehungen darauf angelegt, sich innenpolitisch den Forderungen Deutschlands anzupassen (vgl. Kurál 2002: 11).

Die Okkupation der böhmischen Länder zog eine politische und kulturelle Integration der tschechischen Nation nach sich. In politischer Hinsicht äußerte sich dies in der Liquidierung der zwei noch bestehenden Parteien, der Partei der nationalen Einheit (SNJ) und der Nationale Partei der Arbeit (NSP), an deren Stelle am 21. März 1939 die „Národní souručenství“ (Nationale Gemeinschaft – NS) trat[1] (vgl. Červinka 2002: 39f.). Die NS wurde zur einzigen politischen Repräsentation der tschechischen Nation auf dem Gebiet des Protektorats erklärt. Allerdings war sie keine politische Partei und sollte auch nicht als solche organisiert sein. Neben den Parteien wurde am 21. März 1939 auch das Parlament aufgelöst (vgl. Gebhart/Kuklik 1996: 10).

Diese beiden Ereignisse stellten eine Unterbindung des gesamten politischen Geschehens und den Ausschluss der tschechischen Nation vom Einfluss auf die öffentlichen Aufgaben dar. Das gesamte öffentliche Leben wurde dem Diktat der deutschen Okkupationsmacht untergeordnet, die das Ziel verfolgte, die tschechische Gesellschaft zu entpolitisieren, um sie dergestalt formbarer in Richtung der Realisierung ihrer Pläne zu machen. Die Tschechen sollten aufhören, in politischen Zusammenhängen zu denken (vgl. Maršalek 2002: 322 und 159) und sich unpolitischen Lebensbereichen zuwenden[2].

Die Okkupation der böhmischen Länder und die grundlegende Gleichschaltung des politischen Lebens wurde von der Bevölkerung positiv aufgenommen. Sie glich aus folgenden Gründen einer Befreiung aus der beklemmenden Nachmünchner Atmosphäre. Es verschwand erstens die demoralisierende Alternative der „geduckten Existenz“. Zweitens erwies sich eine Aussöhnung mit dem Nazismus als unmöglich (vgl. Křen 2005: 514). Drittens bestand ein allgemeiner Widerstand gegenüber dem politischen Parteiwesen (vgl. Tesař 2000: 128). Viertens existierte in der Bevölkerung ein verstärktes Bedürfnis nach einer allumfassenden nationalen Zusammengehörigkeit (vgl. Gebhart/Kuklik 1996: 13).

Die Sehnsucht nach einer nationalen Einheit äußerte sich nicht nur in politischer, sondern auch in kultureller Hinsicht. Ihren Ausdruck fand dies in einer Neubestim-mung des Verhältnisses zu Heimat, Vaterland und Traditionen (vgl. Tomeš 1999: 522). Charakteristisch für diesen Prozess war eine emotionale Wendung in die nationale Vergangenheit. Es begann eine patriotische Welle in der tschechischen Kultur (im Theater, im Film, in der Musik, in der bildenden Kunst) und in der Aufklärungsarbeit. Von der Welle des Historismus wurde aber insbesondere die literarische Produktion ergriffen. Die begrenzten legalen Publikationsmöglichkeiten wurden zur Neuauflage tschechischer Klassiker aus dem 19. Jahrhundert genutzt, wodurch zur Aufrechterhal-tung und Erhöhung des nationalen Selbstbewusstseins einschließlich der tschechischen Muttersprache beigetragen werden sollte (vgl. Pasak 1999: 256ff., Tomeš 1999: 519ff.).

Dieser Vergangenheitsbezug war vor dem Hintergrund der Errichtung des Protektorates nichts Ungewöhnliches, entwickelt sich doch insbesondere in Zeiten großer historisch-politischer Veränderungen ein verstärktes Bedürfnis nach einem Ausgleichen mit der Geschichte, „sei es aus Gründen ihrer aktiven Reflexion oder Selbstreflexion“ (Havelka 2001: 126). In der Zeit der Zweiten Republik und im ersten Jahr der Okkupation war die Reformulierung, die Reaktivierung und auch oft die direkte Emotionalisierung von Konzepten wie „Heimat“, „Vergangenheit“ und „Tradition“ eine natürliche Reaktion. Dies stellte eine spezifische Art und Weise der „Nationalisierung“ des tschechischen Denkens dar (vgl. ebd. 129).

II Die Aufgaben der tschechischen Nation, Analyse der Protektoratssituation und die sich hieraus ergebenen Schlussfolgerungen

Galt in der Zeit der Zweiten Republik noch die Losung „klein aber unser“, so überwog im Protektorat die Sorge und die Angst um das nackte nationale Sein (vgl. Gebhart/Kuklik 1996: 13), denn durch die Okkupation der böhmischen Länder war das Tschechentum als Ganzes bedroht (vgl. Pasak 1999: 250). Dies stellte die Nation vor zwei ineinander fließende Aufgaben, die Verteidigung ihrer Existenz und die Vorbereitung einer besseren Zukunft. Alles andere müsse in den Hintergrund treten (vgl. Cis 1939: 220, Moll 1939: 220, Peroutka 1939c: 457, Trnka 1939: 218, Smetáček 1939: 217). Allerdings stellte sich die Frage wie d.h. mit welchen Mitteln diese Aufgaben erfolgreich bewältigt werden könnten. Zunächst war es notwendig, die „bestehenden Verhältnisse genauestens zu prüfen und deren grundlegende Faktoren aufzudecken“ (Peroutka 1939a: 97), um sich in ihnen dann mit größtmöglichem Erfolg einrichten zu können. Erst aus der Analyse der Lage der tschechischen Nation, könne nach der zweckmäßigsten Taktik gefragt werden, durch die die nationale Existenz bewahrt und weiterentwickelt werden könne.

II.I Die Lage der tschechischen Nation im Protektorat

Die Errichtung des Protektorates Böhmen-Mähren veränderte die Lage der Tschechen in dreierlei Hinsicht: erstens wandelte sich die staatsrechtliche Stellung der Nation, zweitens wurde die Armee aufgelöst, drittens veränderte sich der Charakter ihres inneren Lebens (vgl. Macek 1939a: 449)[3]. Vieles von dem, was die Tschechen „bisher getan haben“ könnten sie in Zukunft nicht mehr tun (Peroutka 1939h: 469). Diese Einschätzung bezog sich vor allem auf das politische Leben. Durch die Ausschaltung der Parteien und des Parlamentes wurde die Politik auf ein Minimum reduziert und sei nur noch eine Halbtätigkeit (vgl. Peroutka 1939c: 458 und 1939h: 469).

Das Ende der politischen Parteien und die Zusammenfassung der politischen Akteursgruppen in der NS bedeutete aber nicht nur das Ende des Kampfes zwischen den verschiedenen Parteien und Richtungen, sondern vor allem das Ende des Kampfes Tscheche gegen Tscheche (vgl. ebd.). Dies habe zur Folge, dass die tschechische Nation in ihrer großen Mehrheit vereinigt ist (vgl. Ryneš 1939: 245). Überhaupt gebe es nur noch Tschechen (vgl. Moll 1939: 220). Genauer gesagt handelt es sich hier aber um eine Vermassung, im Sinne einer alle sozialen Schichten übergreifenden Einheit.

Mit dem 15. März hätten alle Parteiunterschiede ihren Sinn verloren. Deshalb sei die Existenz politischer Gruppierungen und Parteiungen nicht legitim. Eine andere Ein-stellung als die der einheitlichen Nation sei absurd und unentschuldbar (vgl. Peroutka 1939c: 458). Da eine politische Fragmentierung der Nation ihr Ende bedeuten würde (vgl. Trnka 1939: 217), könne sie nur durch inneren Zusammenhalt bewahrt werden. Das Ende des politischen Pluralismus wird hier zur Grundlage der nationalen Einheit.

[...]


[1] Im Zuge der so genannten Herbstrevolution wurde im Oktober 1938 das in breiten Bevölkerungs-schichten diskreditierte Parteiensystem der parlamentarischen Demokratie liquidiert (vgl. Rataj 1997: 229). Dies bedeutete ein Verbot der bisherigen politischen Parteien bzw. ihre Zusammenfassung in der der SNJ und der NSP. Zudem schränkte ein Ermächtigungsgesetz die Macht des Parlamentes ein.

[2] Instrumente der Entpolitisierung waren neben der Pflege des Sports bspw. die Unterstützung der Kinematografie und – damit verbunden – die Ermöglichung von Kinobesuchen (vgl. Demetz 2005), wodurch propagandistisch auf die tschechische Bevölkerung eingewirkt werden sollte.

[3] Ein weiterer Punkt wäre die Veränderung der Sozialstruktur. Von den zeitgenössischen Betrachtern konnte dies im Jahre 1939 jedoch – noch – nicht erkannt werden.

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Details

Titel
Über die nichtpolitische Politik im Protektorat Böhmen-Mähren
Hochschule
Technische Universität Dresden
Autor
Jahr
2006
Seiten
37
Katalognummer
V75672
ISBN (eBook)
9783638744560
ISBN (Buch)
9783638783163
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politik, Protektorat, Böhmen-Mähren
Arbeit zitieren
M.A. Dirk Mathias Dalberg (Autor:in), 2006, Über die nichtpolitische Politik im Protektorat Böhmen-Mähren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75672

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