Die Entwicklung der Nordseeküste ist seit Jahrtausenden im steten Wandel. Besonders im Holozän gab es bedeutende Veränderungen des Küstenbildes. Die hier vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Entwicklung der Nordseeküste im Holozän. Eine Zweiteilung der Arbeit erschien mir sinnvoll, da es zwei wesentliche Aspekte bei der Entwicklung in den letzten 10.000 Jahren gibt. Laut REINECK (1994:6) ist der Meeresspiegelanstieg nach der letzten Eiszeit von entscheidender Bedeutung. Jedoch lassen sich die Veränderungen der letzten 10.000 Jahre nur noch schwer nachweisen, da es hier noch wenige Forschungen gibt und eindeutige Beweise fehlen. Eine kontroverse Arbeit schrieb hierüber KÖHN im Jahr 1991 auf die ich mich in Kapitel 5 beziehe.
Aufgrund einer weiteren Möglichkeit, die Entwicklung der Nordsee, darzustellen, werde ich in Kapitel 7 auf die Ausbildung der deutschen Nordseeküste eingehen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den letzten Jahrhunderten und den Einwirkungen von speziellen Ereignissen, den Sturmfluten. Durch diese extremen Ereignisse kam es zu zahlreichen Veränderungen die noch heute sichtbar und „greifbar“ sind.
Kapitel 3 zeigt ein paar typische Landformen in Küstengebieten. Zu Beginn sollen jedoch erst ein paar Grundlagen zu Verständnis der maritimen Prozesse an einer Küste ganz allgemein erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Geomorphologie der Küsten
2.1 Küstenlinien
2.2 Wellen
2.3 Gezeiten
2.4 Sturmfluten
3 Landformen der Meeresküsten
3.1 Der Strand
3.2 Weitere Landformen
3.2.1 Nehrungen
3.2.2 Ästuare
3.2.3 Das Watt
3.2.4 Die (Salz) Marsch
4 Der Nordseeraum
5 Der eustatische Meeresspiegelanstieg
5.1 Beginn des Holozän (10000 BP)
5.2 Alt - Holozän bis frühes Boreal (10000 – 8700 BP)
5.3 Boreal bis Spätes Atlantikum (8700 – 5400 BP)
5.4 Mittleres Subboreal (5400 – 3700 BP)
5.5 Mittleres Subatlantikum (3700 – 1950 BP)
6 Das System der Barriereinseln
7 Der Deutsche Nordseeraum
7.1 Die Nordfriesischen Inseln
7.2 Die Ostfriesischen Inseln
7.3 Helgoland
7.4 Die Deutschen Buchten
8 Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die holozäne Entwicklung der Nordseeküste unter besonderer Berücksichtigung des eustatischen Meeresspiegelanstiegs und der morphologischen Ausprägung der deutschen Nordseeküste durch maritime Prozesse und menschliche Eingriffe.
- Grundlagen der Küstengeomorphologie (Wellen, Gezeiten, Sturmfluten)
- Typisierung der Landformen an Meeresküsten
- Rekonstruktion des holozänen Meeresspiegelanstiegs
- Genese und morphologische Dynamik der Barriereinseln
- Historischer Küstenschutz und anthropogene Landschaftsveränderungen
Auszug aus dem Buch
2.2 Wellen
Die Wellen sind für das System Küste von entscheidender Bedeutung, da sie den größten Teil der Energie im Strandsystem liefern. Wellen entstehen durch die Einwirkung von Wind und breiten, sich einmal gebildet, als Dünung aus (GOUDIE 1995:207). Weil sie das Wasser in Schwingungen versetzen, zählen die Meereswellen zu den Oszillationswellen, bei denen es im Idealfall keine Nettobewegung des Wassers in Windrichtung gibt (STRAHLER & STRAHLER 2002:448). Nähert sich nun eine Welle der Küstenlinie verlangsamt sich der untere Teil der Welle durch die Bodenreibung. Infolge dessen wird die Welle instabil und bricht als Brecher zusammen. Die turbulenten Wassermassen schießen nun als Wasserauflauf den Strand hinauf und befördern Sedimente landwärts. Große Mengen des Wassers versickern im Sand und der Rest fließt als Wasserrücklauf direkt ins Meer zurück (STRAHLER & STRAHLER 2002:448).
Einhergehend mit dieser Wasserbewegung, ist an Küsten, an denen das anstehende Land hoch ist, ein sehr starke Erosion zu beobachten. Bei Steilwänden entsteht so ein Seekliff in Gesteinsmassen. Da die Erosion bei hartem Materialien jedoch äußerst gering ist, spielt sie an weicheren Sedimentschichten eine weit aus größere Rolle (STRAHLER & STRAHLER 2002:448f). Bei der Erosion können zwei Arten von Wellen unterschieden werden. Zu den Konstruktiven gehören kleine Wellen , die eine große Wellenlänge besitzen oder auf ein flach ansteigendes Ufer auflaufen. Als Destruktive zählen Wellen wenn sie eine kurze Wellenlänge und einen hohen Wellenkamm besitzen. Sie kommen auch häufig an steil abfallenden Ufern vor (GOUDIE 1995:209).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der holozänen Küstenentwicklung und Erläuterung der gewählten zweigeteilten Betrachtungsweise.
2 Die Geomorphologie der Küsten: Erläuterung der physikalischen Grundlagen wie Küstenlinien, Wellenmechanik, Gezeiten und Sturmflutereignisse.
3 Landformen der Meeresküsten: Detaillierte Beschreibung mariner Landformen, insbesondere Strände, Nehrungen, Ästuare, Wattgebiete und Marschen.
4 Der Nordseeraum: Darstellung des geschichtlichen Ursprungs der Nordsee und ihrer spezifischen Charakteristika als Schelfmeer.
5 Der eustatische Meeresspiegelanstieg: Analyse der holozänen Meeresspiegelkurven und ihrer Bedeutung für die Küstenentwicklung in verschiedenen Zeitabschnitten.
6 Das System der Barriereinseln: Einführung in die Entstehung und Struktur von Barriereinselsystemen in der deutschen Bucht.
7 Der Deutsche Nordseeraum: Spezifische Analyse der nord- und ostfriesischen Inseln sowie der Rolle des Menschen bei der Formung der deutschen Buchten.
8 Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse und Ausblick auf die Notwendigkeit der kontinuierlichen Überwachung der Meeresspiegelstände.
Schlüsselwörter
Nordseeküste, Holozän, Meeresspiegelanstieg, Geomorphologie, Sturmfluten, Watt, Barriereinseln, Küstenschutz, Gezeiten, Sedimentation, Transgression, Regression, Marschen, Nordfriesische Inseln, Ostfriesische Inseln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der geologischen und morphologischen Entwicklung der Nordseeküste im Holozän.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Meeresspiegeländerungen, die Entstehung spezifischer Küstenformen und die Auswirkungen menschlicher Eingriffe.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Dynamik der Nordseeküstenentwicklung über die letzten 10.000 Jahre aufzuzeigen und die Rolle von Naturereignissen sowie menschlichem Handeln zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literatur- und Synthesearbeit, die auf geologischen Daten, Bohrungen und pollenanalytischen Untersuchungen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Grundlagen der Geomorphologie, die zeitliche Abfolge des Meeresspiegelanstiegs und die regionale Ausbildung der deutschen Nordseeküste.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Holozän, Nordseeküste, Meeresspiegelanstieg, Gezeiten, Sturmfluten und Barriereinseln.
Wie entstanden die Ostfriesischen Inseln im Vergleich zu den Nordfriesischen Inseln?
Die Ostfriesischen Inseln sind rein holozänen Ursprungs ohne festen Geestkern, während die Nordfriesischen Inseln auf pleistozäne Geestkerne zurückgehen.
Welche Rolle spielten die Sturmfluten für den menschlichen Küstenschutz?
Sturmfluten erzwangen den Bau von Wurten und später Deichbauten, was die Küstenlinie stabilisierte, aber teilweise auch durch die Absperrung von Nebenflüssen den Flutpegel erhöhte.
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- Jens Ender (Author), 2003, Die Entwicklung der Nordseeküste im Holozän, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75753