Die Judenverfolgung in Frankreich während der Zeit der Kollaboration mit Deutschland 1940 – 1944


Seminararbeit, 2005

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Akzeptanz der Deutschen Judenpolitik
II.1. Bedingungen in Frankreich vor der Okkupation durch die Deutschen
II.2. Ursachen für die willige Beteiligung und Akzeptanz der deutschen antijüdischen Politik

III. Antijüdische Maßnahmen unter der Beteiligung Französischer Behörden
III.1. Allgemeine Charakteristika der Judenpolitik in Frankreich
III.2. Judenpolitik in Frankreich bis zur Wannseekonferenz 1942
III.2.1. Das Judenstatut und dessen Auswirkungen in der Okkupierten Zone
III.2.2. Das Judenstatut in der Zone der Vichy-Regierung
III.2.3. Weitere Maßnahmen bis Januar 1942
III.3. Radikalisierung der antijüdischen Politik nach der Wannseekonferenz
III.4. Ausweitung der Antisemitischen Maßnahmen auf Französische Juden
III.5. Versuch des Rückzugs der Französischen Regierung in der Antisemitischen Politik

IV. Ein Beispiel: Die Deportation der Juden aus Marseille

V. Zusammenfassung
V.1. Zahlen der Judendeportation
V.2. Frankreichs Beitrag zur Judenverfolgung

Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Während des zweiten Weltkrieges gelangte Frankreich zunächst teilweise, und nach November 1942 schließlich komplett, unter deutsche Besatzung. Der nördliche Teil Frankreichs wurde vollständig den deutschen Besatzern unterstellt, wohingegen das südliche Frankreich eine weitestgehend selbstständige Regierung in dem Kurort Vichy herausbilden konnte. Die erst in den 70er Jahren –durch die Öffnung der französischen Archive- publik gewordene Zusammenarbeit des Vichy-Regimes mit dem nationalsozialistischen Deutschland umfasst weitgreifende Bereiche. Auffällig ist vor allen Dingen, dass sich die Regierung von Vichy um politischen Kontakt zum Reich bemüht, Deutschland aber erstaunlich reserviert gegenüber den französischen Initiativen bleibt.

Im Folgenden soll sich aber auf die Kollaboration bezüglich der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung Frankreichs konzentriert werden. Da die französische Polizei einen großen Anteil an der Judenverfolgung hatte, bleibt es unvermeidlich, auch ihre Rolle in gewissen Aspekten zu untersuchen. Des Weiteren stellt sich die Frage, ob -in Bezug auf antisemitische Maßnahmen in Frankreich- überhaupt von einer wirklichen Kollaboration zu reden ist, oder ob diese nicht eher auf den Druck durch die deutsche Besatzungsmacht zurückzuführen sind; dass aber letztendlich zehntausende von Juden deportiert wurden, ist unleugbar. Um diese Fragen beantworten zu können, muss zunächst die Situation in Frankreich zu der Zeit vor der deutschen Besatzung betrachtet werden: Gab es möglicherweise bereits im Vorfeld antijüdische Stimmungen und Tendenzen in der französischen Gesellschaft, so dass eine Basis für das rassistische Gedankengut Nazi-Deutschlands von Beginn an vorhanden war?

In der nun folgenden Untersuchung soll herausgefunden werden, ob eine Zusammenarbeit mit Deutschland nur zum Schein erfolgte um zumindest einen Teil der jüdischen Bevölkerung zu schützen, oder aber, ob vor allem das Vichy-Regime selbst Gründe für eine „Säuberung“ des Landes von Juden sah. Da die Vichyregierung größtenteils von Deutschland unabhängig war, lässt sich daraus schließen, dass die dort gefällten Entscheidungen und Beschlüsse durchaus auf „freiwilliger“ Basis erfolgten.

II. Akzeptanz der Deutschen Judenpolitik

II.1. Bedingungen in Frankreich vor der Okkupation durch die Deutschen

Die Idee des Antisemitismus beruht in Frankreich nicht nur auf dem Gedankengut, das Nazi- Deutschland mit der Okkupation im Jahre 1940. Vielmehr lassen sich die Ursachen dafür in der Ausländerfeindlichkeit der 30er Jahre in Frankreich finden. Ahlrich Meyer schreibt in seinem Buch „Die deutsche Besatzung in Frankreich 1940-1944. Widerstandsbekämpfung und Judenverfolgung“, dass vor allem nach dem ersten Weltkrieg und in den 30er Jahren die Arbeiterimmigration aus den osteuropäischen Ländern ihren Höhepunkt erreicht (Meyer 36). Des Weiteren berichtet er von der Immigration von Flüchtlingen aus Nazi- Deutschland, die insbesonders nach 1933 wegen ihrer rassistischen oder politischen Verfolgung nach Frankreich kamen (Meyer 36). In den Zeiten der Weltwirtschaftskrise wurde die Immigration zu einem öffentlich diskutiertem Problem, welches besonders in Verbindung mit der schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt gebracht wurde.

Die Ausländerfeindlichkeit und der Antisemitismus wuchsen daraufhin in den Gedanken der französischen Gesellschaft stetig an (Meyer 36). Im Gegensatz zu den Deutschen lässt sich zwar auch bei den Franzosen eine Fremdenfeindlichkeit feststellen; hier resultiert sie jedoch nicht notwendigerweise aus einem rassistischen, sondern vielmehr aus einem wirtschaftlichen Gesichtspunkt. Die Arbeiterimmigration erklärt auch die in Frankreich unweigerlich vorgenommene Unterscheidung in „französische“ und „ausländische“ Juden (Kletzin 224), auf die später genauer eingegangen werden soll. Die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen schürte das Misstrauen gegenüber Fremden.

Die deutsche Besatzungsmacht greift diesen Gedanken auf und versucht sich gemeinsam mit Vichy gegen die Arbeiterimmigranten aus Osteuropa und gegen die vor dem Nationalsozialismus geflohenen Juden zu richten (Meyer 37). Für Deutschland ist dies jedoch nur ein erster Schritt um zu dem hauptsächlichen Ziel zu gelangen: der „Befreiung“ Europas von allen Juden, nicht nur den ausländischen und staatenlosen.

II.2. Ursachen für die willige Beteiligung und Akzeptanz der deutschen antijüdischen Politik

Zwar wäre die Einleitung der antijüdischen Politik im besetzten Frankreich seit 1940/1941 kaum ohne die Initiativen der Besatzer denkbar, aber dennoch ist es laut Meyer sehr auffällig, dass das Vichy-Regime auf die deutschen Forderungen bezüglich antisemitischer Verordnungen willig gehorcht und auch selbst ohne entsprechende Vorgaben Maßnahmen einleitet (Meyer 35). Der Historiker Serge Klarsfeld versucht für dieses Verhalten in seinem Werk „Vichy – Auschwitz. Die Zusammenarbeit der deutschen und französischen Behörden bei der ‚Endlösung der Judenfrage’ in Frankreich“ eine Antwort zu finden. Mit einer einfachen Feststellung wie „Das Vichy-Regime wollte eben gerade nicht, dass die ausländischen Juden in Frankreich Fuß fassten.“ (Klarsfeld 327) kann diese Problematik aber kaum gelöst sein. Diese Aussage mag zum Teil – aus den bereits genannten wirtschaftlichen Problemen- durchaus der Wahrheit entsprechen; die Vichy-Regierung unterstützte die deutschen antijüdischen Bemühungen vor allem hinsichtlich der ausländischen Juden. Dies erkannten auch die deutschen Behörden: Aus einem Schreiben des deutschen Botschafters Abetz an das Auswärtige Amt vom 02.07.1942 geht folgendes hervor:

„[Es] ist auch in Frankreich festzustellen, dass das Ansteigen des Antisemitismus in starkem Maße auf die Zuwanderung von Juden fremder Staatsangehörigkeit zurückzuführen ist. Es wird deshalb psychologisch […] wirksam sein, wenn die Evakuierungsmaßnahmen zunächst einmal derartige fremdländische Juden erfassen […].“ (Klarsfeld 392)

Des Weiteren findet Meyer in einem Schreiben von Dannecker an den Kriegsverwaltungschef Best, dass die Deutschen sich sehr wohl der Tatsache bewusst waren, dass die Franzosen eine „Judengegnerschaft“ auf rassistischer Basis kaum befürworten würden, bei wirtschaftlichen Vorteilen aber einen Kampf gegen die Semiten eher billigen würden (Meyer 38).

Dennoch müssen wirtschaftliche Gründe nicht zwingend allein die Ursache für ein solches Handeln sein. Es liegt im Rahmen der Möglichkeiten, dass sich die Vichy-Regierung außerdem dazu entschlossen hat, eine Art „Schadensbegrenzungspolitik“ zu betreiben, indem sie zumindest die alteingesessenen Juden mit französischer Staatsbürgerschaft zu schützen sucht. Diese Art der Politik lässt sich jedoch eher in den letzten Jahren der Besatzungszeit, als die Massenermordung in das Bewusstsein der Politiker vordringt, nachvollziehen (Meyer 40).

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Judenverfolgung in Frankreich während der Zeit der Kollaboration mit Deutschland 1940 – 1944
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V75831
ISBN (eBook)
9783638801362
ISBN (Buch)
9783640259090
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Judenverfolgung, Frankreich, Kollaboration
Arbeit zitieren
Stephanie Machate (Autor), 2005, Die Judenverfolgung in Frankreich während der Zeit der Kollaboration mit Deutschland 1940 – 1944, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75831

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