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Angst als mentalitätsgeschichtlicher Affekt im Volksbuch von Fortunatus (1509)

Title: Angst als mentalitätsgeschichtlicher Affekt im Volksbuch von Fortunatus (1509)

Seminar Paper , 2006 , 24 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Matthias Mühlhäuser (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Die Arbeit geht der Frage nach, was für einen Menschen der anonyme Autor im Volksbuch von Fortunatus am Übergang zur frühen Neuzeit porträtiert, welche Rolle Freude und Leid, Liebe, Hass und Angst in seinem Leben gespielt haben, welche Affekte ihm eigen waren und welche Mentalität diese ausbildeten. Zumindest partielle Projektionen der Wesenheit und Mentalität des Autors und der ihn umgebenden und damit auch prägenden Menschen wirken naturgemäß auch auf seinen Protagonisten ein. Innerhalb dieses Feldes ist das literarische Werk zu betrachten und sind soziokulturelle Konditionen zu berücksichtigen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mentalitätsgeschichte: Eine Annäherung

3. Fortunatus: Das Gerüst einer Mentalität

3.1 Der Name des Helden: keine Verheißung

3.2 Der Boden einer Mentalität: Angst

3.3 Die Angst als Basisaffekt des jungen Fortunatus

3.3.1 Der Hof zu Flandern

3.3.2 London

3.3.3 Wald

3.3.4 Der Waldgraf

3.3.5 Todesgefahr in der Höhle

4. Der Wandel des Fortunatus: Von der Angst zur Dreistigkeit

6. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Entwicklung der literarischen Figur Fortunatus unter mentalitätsgeschichtlichen Gesichtspunkten, wobei der Fokus insbesondere auf dem Übergang von den existentiellen Ängsten der Jugendzeit hin zur risikofreudigen Dreistigkeit des gereiften Protagonisten liegt.

  • Mentalitätsgeschichtliche Einordnung und Forschungsansatz
  • Die Analyse von Basisaffekten (insbesondere Angst) in der Literatur
  • Vergleichende Betrachtung von Heldenbildern (höfische Epik vs. Volksbuch)
  • Fallstudien zur Angstbewältigung in spezifischen Episoden
  • Der psychologische Wandel und die Entwicklung zum kriminellen Handeln

Auszug aus dem Buch

3.3.1 Der Hof zu Flandern

Nachdem Fortunatus seine verarmten Eltern und seine Heimat Zypern verlassen hat, versteht er es durch seine Talente schnell, sich bei seinem neuen Dienstherren, dem Grafen von Flandern, beliebt zu machen. Nicht minder schnell gerät er durch seine Favoritenrolle in Misskredit bei den anderen Bediensteten, allen voran bei Rupert, der die Aufgabe übernimmt, sich des ungeliebten Nebenbuhlers durch erschlichene und falsche Freundschaft und mit Hilfe einer List zu entledigen. Diese List nun besteht darin, dem Fortunatus zu suggerieren, der Graf wolle ihn und mit ihm drei weitere Diener entmannen lassen, alleine um zu verhindern, dass sich ein Liebesverhältnis zu einer der Damen an des Grafen Hof entwickeln könne, denn der Graf „wisse wol das kain frauw kainen verschnitten oder hodenlossen man / nit lieb müg gewinnen / wann es gantz wider ir natur ist“.

Die durch Rupert vorgebrachte Begründung des angeblichen Vorhabens des Grafen klingt nicht plausibel, da der Graf den Fortunatus niemals zuvor zu einer Bewachung seiner Damen heranzog und dies auch für die Zukunft kaum zu erwarten ist, denn er schätzt ihn, da er „so ain gůter jaeger waere / die vogel in dem lufft und die thyer in den waeldern waer kaines sicher vor ym“; ebenso schätzt er ihn als (zweifach) siegreichen Turnierreiter und hat keine Veranlassung, ihm künftig niedere Aufgaben zu übertragen, für die ihm reichlich anderes Personal zur Verfügung steht, und er ihm ganz offensichtlich sehr zugeneigt ist. Rationalen Überlegungen dieser Art ist der noch sehr junge und mit wenig Menschenkenntnis ausgestattete Fortunatus jedoch sogleich nicht mehr zugänglich. Vielmehr „erschrack er zumal ser“ und hat nun nichts anderes im Sinn als die schnellstmögliche Flucht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Forschungsstand zur Entstehungsgeschichte des Volksbuchs und legt den Fokus auf die mentalitätsgeschichtliche Bedeutung des Autors.

2. Mentalitätsgeschichte: Eine Annäherung: Dieses Kapitel definiert den Forschungsansatz der Mentalitätsgeschichte und begründet dessen Nutzen für die literaturwissenschaftliche Analyse von Affekten.

3. Fortunatus: Das Gerüst einer Mentalität: Hier wird der Protagonist Fortunatus analysiert, wobei besonders sein Name und die Angst als dominanter Basisaffekt in der Jugendphase untersucht werden.

3.1 Der Name des Helden: keine Verheißung: Der Abschnitt diskutiert die Diskrepanz zwischen dem bedeutungsschweren Namen des Helden und seiner realen, schwierigen Lebenssituation zu Beginn.

3.2 Der Boden einer Mentalität: Angst: Das Kapitel stellt einen Vergleich zwischen der Angstlosigkeit der Helden der höfischen Epik und der omnipräsenten Angst des Fortunatus an.

3.3 Die Angst als Basisaffekt des jungen Fortunatus: Dieser Abschnitt analysiert diverse Angstszenarien, wie den Aufenthalt am Hof, in London oder im Wald.

3.3.1 Der Hof zu Flandern: Untersuchung der durch eine List hervorgerufenen Fluchtreaktion des Protagonisten aufgrund seiner existenziellen Angst.

3.3.2 London: Analyse der gesteigerten Binnenangst und der erstmals auftretenden Realangst angesichts der Todesdrohung durch den Galgen.

3.3.3 Wald: Betrachtung der Wald-Episode als Spiegelung von Realängsten vor der Natur und inneren Binnenängsten.

3.3.4 Der Waldgraf: Untersuchung der erzwungenen Wandlung des Protagonisten zur List, um in Todesgefahr sein Überleben zu sichern.

3.3.5 Todesgefahr in der Höhle: Analyse der schwindenden Angst bei gleichzeitiger pragmatischer Anrufung Gottes in ausweglosen Situationen.

4. Der Wandel des Fortunatus: Von der Angst zur Dreistigkeit: Dieses Kapitel arbeitet den psychologischen Wandel des Fortunatus vom angstgetriebenen jungen Mann zum kriminellen und berechnenden Erwachsenen heraus.

6. Schluss: Zusammenfassung der Kernthese, dass Angst als treibendes Moment die Handlungen des Protagonisten maßgeblich geformt hat.

Schlüsselwörter

Fortunatus, Mentalitätsgeschichte, Angst, Binnenangst, Realangst, Literaturwissenschaft, Volksbuch, Affekt, Mentalitätswandel, Heldenbild, Frühmoderne, Psychologie, Erzählstruktur, Handlungsantrieb, Moral

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht das Volksbuch „Fortunatus“ (1509) unter dem Aspekt der Mentalitätsgeschichte, mit einem speziellen Fokus auf die Rolle von Angst als prägendem Affekt für den Protagonisten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Mentalität des Protagonisten, der Vergleich von Heldenkonzepten zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit sowie die psychologische Entwicklung des Fortunatus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Angst als wesentlicher psychologischer Faktor die Handlungen des jungen Fortunatus steuert und wie sich diese Mentalität im Laufe des Lebens wandelt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen mentalitätsgeschichtlichen Forschungsansatz, um durch die Untersuchung von Affekten und Motiven ein tieferes Verständnis für das Handeln der literarischen Figur zu gewinnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Annäherung an die Mentalitätsgeschichte und eine detaillierte Analyse der Angst-Episoden in verschiedenen Lebensstationen des Protagonisten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Mentalitätsgeschichte, Angst, Affekt, Heldenbild, Transformation und Psychologie charakterisiert.

Warum spielt die Angst eine so große Rolle für die Figur des Fortunatus?

Die Angst fungiert als zentraler Motor für seine Flucht- und Überlebensstrategien. Sie unterscheidet ihn von den angstfreien Helden der klassischen höfischen Epik und zeichnet ihn als Individuum der frühneuzeitlichen Umbruchszeit aus.

Wie vollzieht sich der Wandel des Protagonisten?

Der Wandel verläuft von der Naivität und den exzessiven Ängsten der Jugendzeit hin zu einem gerissenen, berechnenden Verhalten, das schließlich in krimineller Dreistigkeit mündet.

Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Angstformen?

Die Arbeit unterscheidet zwischen Realangst, die durch objektive Bedrohungen von außen ausgelöst wird, und Binnenangst, die aus dem psychischen Wesen des Individuums entspringt.

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Details

Title
Angst als mentalitätsgeschichtlicher Affekt im Volksbuch von Fortunatus (1509)
College
University Karlsruhe (TH)  (Institut für Literaturwissenschaft (Mediävistik))
Course
Fortunatus
Grade
1,3
Author
Matthias Mühlhäuser (Author)
Publication Year
2006
Pages
24
Catalog Number
V75859
ISBN (eBook)
9783638813365
ISBN (Book)
9783638814225
Language
German
Tags
Angst Affekt Volksbuch Fortunatus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Mühlhäuser (Author), 2006, Angst als mentalitätsgeschichtlicher Affekt im Volksbuch von Fortunatus (1509), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75859
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