Die vorliegende Arbeit will einen Überblick über den Zweiten Punischen Krieg geben, der von 218 bis 201 in weiten Teilen des Mittelmeerraumes herrschte.
Die Quellenlage, auf der die Darstellung des Zweiten Punischen Krieges und die vielfältige Fachliteratur basieren, spiegelt die Seite des Siegers Rom wider. Karthagische Quellen liegen heute nur noch in Form von phönikischen Inschriften und archäologischen Funden vor. Lediglich in der griechischen Geschichtsschreibung wurde Karthagos Anschauung beschrieben, jedoch ist aufgrund der schlechten Quellenlage nur noch die Möglichkeit vorhanden, dies in Polybios Werken zu suchen. Wobei auch hier wieder eine Deutung aus der Sicht des Gewinners zu verzeichnen ist. Die Darstellung aus der Sicht des Gewinners wird noch durch die römischen und griechischen Klischees über die Karthager ergänzt. Seibert fasst diese wie folgt zusammen: „Punisch war in der Antike synonym für hinterlistig, treulos und vertragsbrüchig. Perfidia punica oder Poeni foedifragi waren beliebte Schlagwörter.“ Zeitgenössische Geschichtswerke antiker Autoren liegen uns nicht mehr vor. Polybios ist der Geschichtsschreiber, dessen Werk uns heute noch größtenteils vorliegt und der die geringste zeitliche Distanz zum Zweiten Punischen Krieg hatte. Polybios wurde im Jahre 200 v. Chr. geboren, also bereits nachdem der Krieg beendet war. Er liefert zwar einen sehr detaillierten Überblick über die ersten Jahre, jedoch liegt das Werk ab dem Jahr 216 nur noch in Fragmenten vor. Auch Diodor verfasste sein Geschichtswerk auf Griechisch, da er im 1. Jahrhundert v. Chr. in Agyrion auf Sizilien geboren wurde. Sein Werk ist wissenschaftlich umstritten. Die einzige heute noch vollständig erhaltene Darstellung des Zweiten Punischen Krieges ist die des Livius. Er lebte ungefähr von 59 v. Chr. bis 17 n. Chr., und zwischen dem Ereignis und seiner Niederschrift liegen demnach ungefähr 200 Jahre. Livius war Römer und gilt allgemein als prorömisch. Auch Appian behandelt den Zweiten Punischen Krieg. Er lebte in Alexandrien in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. Appian ist sehr prorömisch und hielt selbst das Amt des procurator inne. Cassius Dios Geschichtswerk stammt aus dem 3. Jhd n. Chr. Der zeitliche Abstand zum Ereignis ist hier zum einen sehr groß und zum anderen ist das Werk auch nur noch fragmentarisch erhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Die Vorgeschichte des Zweiten Punischen Kriegs
2.1 Die Kriegsfolgen des Ersten Punischen Kriegs
2.2 Der Söldneraufstand
2.3 Der Aufstieg der Barkiden in Spanien
2.4 Der Hasdrubalvertrag
2.5 Der weitere Aufstieg der Barkiden vom Hasdrubalvertrag bis zur Auseinandersetzung mit Sagunt
2.6 Der Fall Sagunt
2.7 Von der Eroberung Sagunts bis zur Kriegserklärung
2.8 Klärung der Kriegsschuldfrage
3. Der Kriegsverlauf
3.1 Vom Überschreiten des Ebros bis zu den Alpen
3.2 Die Alpenüberquerung
3.3 Italien
3.3.1 Vom Fuß der Alpen bis Cannae
3.3.2 Die Schlacht von Cannae 216
3.3.3 Karthagos Strategie nach Cannae
3.3.4 Roms Strategie nach Cannae
3.4 Die Wende des Krieges
3.4.1 Sizilien
3.4.2 Makedonien
3.4.3 Spanien
3.4.4 Italien
3.5 Verlagerung des Kriegsschauplatzes nach Afrika
3.5.1 Unternehmungen bis zur Schlacht bei Zama
3.5.2 Die Schlacht bei Zama
4. Kriegsfolgen und Konsequenzen des Zweiten Punischen Krieges
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit liefert einen detaillierten historischen Überblick über den Zweiten Punischen Krieg (218–201 v. Chr.) und untersucht kritisch die komplexen Ursachen sowie den Verlauf des Konflikts zwischen Rom und Karthago.
- Analyse der Vorgeschichte, insbesondere der Rolle der Barkiden in Spanien.
- Untersuchung der umstrittenen Kriegsschuldfrage und der Interpretation durch antike Autoren wie Polybios und Livius.
- Detaillierte Schilderung militärischer Ereignisse wie Hannibals Alpenüberquerung und die Schlacht von Cannae.
- Bewertung der Strategien beider Großmächte und deren Wandlung im Kriegsverlauf.
- Auswertung der Folgen und Konsequenzen des Krieges für die politische Machtverteilung im Mittelmeerraum.
Auszug aus dem Buch
2.4 Der Hasdrubalvertrag
Im Zeitrahmen vom Herbst 226 bis zum Frühling 225 wurde eine Gesandtschaft vom römischen Senat zu Hasdrubal nach Spanien geschickt. Ihre Aufgabe war es, mit dem Karthager einen Vertrag abzuschließen. Dieser soll im Folgenden wie bei Barceló Hasdrubalvertrag und nicht Ebrovertrag genannt werden. In Anlehnung an den Lutatiusvertrag, der auch nach einem der Vertragspartner genannt wurde, ist es zum einen durchaus akzeptabel und außerdem bietet es auch einen inhaltlichen Vorteil, der an späterer Stelle begründet werden soll. Polybios schreibt bezüglich des Vertrags:
„The Romans, seeing that Hasdrubal was in a fair way to create a larger and more formidable empire than Carthage formerly possessed, resolved to begin to occupy themselves with Spanish affairs. Finding that they had hitherto been asleep and had allowed Carthage to build up a powerful dominion, they tried, as far as possible, to make up for lost time. For the present they did not venture to impose orders on Carthage, or to go to war with her, because the threat of a Celtic invasion was hanging over them, the attack being indeed expected from day to day. They decided, then, to smooth down and conciliate Hasdrubal in the first place, and then to attack the Celts and decide the issue by arms, for they thought that as long as they had these Celts threatening their frontier, not only would they never be masters of Italy, but they would not even be safe in Rome itself. Accordingly, after having sent envoys to Hasdrubal and made a treaty, in which no mention was made of the rest of Spain, but the Carthaginians engaged not to cross the Ebro in arms, they at once entered o the struggle against the Italian Celts.”
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die Thematik des Zweiten Punischen Krieges mit einer kritischen Reflexion der antiken Quellenlage und der Prorömischen Tendenz der Überlieferung.
2. Die Vorgeschichte des Zweiten Punischen Kriegs: Detaillierte Analyse der geopolitischen Entwicklungen nach dem Ersten Punischen Krieg, inklusive des Aufstiegs der Barkiden in Spanien und der diplomatischen Verwicklungen um Sagunt.
3. Der Kriegsverlauf: Darstellung der militärischen Operationen, beginnend mit Hannibals Marsch über die Alpen bis hin zur finalen Entscheidungsschlacht bei Zama und dem damit verbundenen strategischen Wandel.
4. Kriegsfolgen und Konsequenzen des Zweiten Punischen Krieges: Untersuchung der weitreichenden politischen Auswirkungen des Kriegsendes und der Etablierung Roms als Vormacht im westlichen Mittelmeer.
5. Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der neuen Machtverhältnisse zwischen Rom und Karthago sowie der langfristigen politischen Verschiebungen.
Schlüsselwörter
Zweiter Punischer Krieg, Hannibal, Rom, Karthago, Barkiden, Sagunt, Alpenüberquerung, Schlacht von Cannae, Schlacht bei Zama, Scipio, Polybios, Livius, Kriegsschuld, Diplomatie, Machtpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit bietet eine fundierte Analyse des Zweiten Punischen Krieges, wobei der Fokus sowohl auf den komplexen Ursachen als auch auf dem militärischen und strategischen Verlauf liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Aufstieg der Barkiden in Spanien, die umstrittene Kriegsschuldfrage, Hannibals Feldzüge in Italien und die strategischen Gegenmaßnahmen Roms.
Welches ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die historischen Ereignisse durch eine kritische Auseinandersetzung mit antiken Quellen wie Polybios und Livius in ihrem Kontext verständlich zu machen und die Forschungskontroversen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine historisch-analytische Methode, die sich auf die Auswertung existierender Fachliteratur und antiker historiographischer Quellen stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorgeschichte mit diplomatischen Verträgen, den eigentlichen Kriegsverlauf mit zentralen Schlachten wie Cannae sowie die Strategien beider Mächte nach der Schlacht.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Machtpolitik, Bündnissysteme, Kriegsschuld und strategische Kriegsführung geprägt.
Welche Rolle spielt die Eroberung Sagunts?
Sagunt wird als der entscheidende Auslöser für den Krieg diskutiert, wobei die Arbeit kritisch hinterfragt, inwieweit es sich um ein echtes römisches Bündnis oder lediglich um einen Vorwand handelte.
Warum wird Hannibals Nichtangriff auf Rom nach Cannae so intensiv diskutiert?
Dies ist ein zentraler Streitpunkt der Forschung, da hier die strategischen Absichten Hannibals – totale Vernichtung oder politische Schwächung Roms – sowie seine militärischen Kapazitäten abgewogen werden.
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- Esther Hornung (Author), 2007, Der Zweite Punische Krieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75882