Unabhängig vom jeweiligen Wirtschaftssystem neigen staatliche Institutionen zu Eingriffen in die Wirtschaft und in der Regel besteht dazu auch Zustimmung von Seiten der Öffentlichkeit. Die Eingriffe können unterschiedlichster Art sein und von unterschiedlichsten Akteuren (v.a. Regierung, Verwaltung, Legislative) ausgehen.
Seit den 80er Jahren sind in Europa aber auch gegenläufige Ansätze zu Deregulierung und Privatisierung zu beobachten. Ausgehend von den USA und Großbritannien haben immer mehr Regierungen begonnen, ihren eigenen Verantwortungsbereich zu verkleinern und der privaten Wirtschaft mehr Handlungsspielraum zu lassen. Diesen Bemühungen wird von Teilen der Öffentlichkeit jedoch vorgeworfen, die Handlungsfähigkeit und den Einfluss des Staates in nicht tolerierbarem Ausmaß zu verringern.
In der vorliegenden Arbeit zum Thema „Regulierung, Deregulierung und Privatisierung in marktwirtschaftlich orientierten Wirtschaftssystemen“ sollen die Vor- und Nachteile entsprechender Bemühungen aus volkswirtschaftlicher Perspektive dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Marktwirtschaft und staatliche Eingriffe
2.1 Marktwirtschaft
2.2 Rechtfertigung staatlicher Eingriffe
2.2.1 Normative Theorie
2.2.2 Positive Theorie
2.2.3 Politische Argumente
2.3 Staatliche Wirtschaftstätigkeit
2.4 Regulierung
2.4.1 Begriff
2.4.2 Beurteilung
3 Entstaatlichung
3.1 Deregulierung
3.1.1 Begriff
3.1.2 Beurteilung
3.2 Privatisierung
3.2.1 Begriff
3.2.2 Beurteilung
3.2.3 Privatisierungen in Deutschland
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das Spannungsfeld zwischen der marktwirtschaftlichen Ordnung und staatlichen Interventionen. Ziel ist es, aus volkswirtschaftlicher Perspektive die Vor- und Nachteile von Regulierung sowie der Rücknahme solcher Eingriffe durch Deregulierung und Privatisierung fundiert zu erörtern.
- Verhältnis von Marktwirtschaft und staatlichen Eingriffen
- Theoretische Begründungen für staatliche Regulierung
- Politische und ökonomische Mechanismen der Deregulierung
- Privatisierung als Instrument der Entstaatlichung
- Praktische Anwendungsbeispiele und Bewertung der Effizienz
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Begriff
Unter Regulierung versteht man „Einschränkungen der Gewerbefreiheit (Vertragsfreiheit), die für bestimmte Märkte oder für Gruppen von Unternehmen gelten“25. Für die regulierten Sektoren oder Märkte werden Sonderordnungen geschaffen, um beispielsweise ein Versagen der Marktkräfte zu kompensieren.26 Regulierung geschieht durch den Erlass von Verordnungen und durch gesetzliche Vorschriften27, entsteht aber auch durch Richterrecht28.
Nicht alle Autoren unterscheiden zwischen der ordnungspolitischen Setzung von Rahmenbedingungen des Wirtschaftens und solchen Eingriffen in die Wirtschaftstätigkeit, die sich nicht auf deren Rahmenbedingungen beschränken. So versteht Weizsäcker unter Regulierung alle staatlichen Eingriffe in die Vertragsfreiheit29. Anders als die allgemeine ordnungsrechtliche Rahmensetzung (z.B. Gewerbeordnung) bezieht sich Regulierung im engeren Sinne aber immer nur auf einzelne Märkte und Gruppen30.
Von Eynern31 hat sechs Kriterien für staatliche Regulierung im engeren Sinne definiert: • Branchenspezifische gesetzliche Regelung (z.B. Energiewirtschaftsgesetz)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsfeld staatlicher Eingriffe in marktwirtschaftliche Systeme ein und skizziert die Notwendigkeit, staatliche Regulierung, Deregulierung und Privatisierung kritisch zu untersuchen.
2 Marktwirtschaft und staatliche Eingriffe: Dieses Kapitel erläutert die Grundprinzipien der Marktwirtschaft und diskutiert sowohl theoretische Begründungen (normative und positive Theorie) als auch politische Argumente für staatliche Eingriffe.
3 Entstaatlichung: Hier werden die Konzepte der Deregulierung und Privatisierung definiert und bewertet, wobei insbesondere deren Zielsetzung der Liberalisierung und Effizienzsteigerung beleuchtet wird.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass staatliche Eingriffe differenziert betrachtet werden müssen, da weder unregulierte Märkte noch eine flächendeckende staatliche Lenkung zwangsläufig das Wohlfahrtsoptimum garantieren.
Schlüsselwörter
Marktwirtschaft, Staatliche Eingriffe, Regulierung, Deregulierung, Privatisierung, Marktversagen, Wettbewerb, Wohlfahrtstheorie, Entstaatlichung, Vertragsfreiheit, Preisregulierung, Natürliche Monopole, Effizienzsteigerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Verhältnis von staatlichem Handeln und marktwirtschaftlichen Systemen, insbesondere unter den Gesichtspunkten der Regulierung und der Rücknahme staatlicher Eingriffe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung staatlicher Eingriffe bei Marktversagen sowie die verschiedenen Formen und Auswirkungen von Deregulierungs- und Privatisierungsmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Vor- und Nachteile von staatlichen Eingriffen sowie deren Rücknahme aus volkswirtschaftlicher Perspektive neutral darzustellen und zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die ökonomische Theorien (wie die Wohlfahrts- oder die positive Theorie) auf die regulatorische Praxis anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Gründe für staatliche Eingriffe, definiert die Begriffe Regulierung, Deregulierung und Privatisierung und untersucht deren praktische Relevanz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselbegriffe sind Marktwirtschaft, Marktversagen, Regulierung, Entstaatlichung und Effizienzargument.
Was unterscheidet die normative von der positiven Theorie?
Die normative Theorie fragt danach, warum der Staat eingreifen sollte (z.B. bei Marktversagen), während die positive Theorie zu erklären versucht, wie politisches Handeln tatsächlich zustande kommt und welche Eigeninteressen Akteure verfolgen.
Warum stellt ein natürliches Monopol ein besonderes Problem dar?
Bei natürlichen Monopolen führen Skalenerträge dazu, dass ein Anbieter effizienter produzieren kann als mehrere, weshalb Wettbewerb zu Wohlfahrtsverlusten führen würde, was staatliche ex ante-Regulierung erforderlich macht.
Was versteht man unter materieller Privatisierung?
Materielle Privatisierung beschreibt die Herausnahme ganzer Bereiche aus dem staatlichen Einflussbereich, etwa durch den Verkauf von Anteilen der öffentlichen Hand an Unternehmen.
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- Katrin Grünwald (Author), 2006, Regulierung, Deregulierung und Privatisierung in marktwirtschaftlich orientierten Wirtschaftssystemen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75892