Eine Prognose der Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels vor dem Hintergrund der Erfahrungen der schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften


Diplomarbeit, 2007
91 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Aufgabenstellung und Vorgehensweise
1.2 Abgrenzung des Untersuchungsgebietes

2. Theoretische Grundlagen des internationalen Handels
2.1 Kurzübersicht über die Außenhandelstheorien
2.1.1 Das Ricardo-Modell
2.1.2 Das Heckscher-Ohlin-Modell
2.1.3 Die neue Handelstheorie
2.2 Die Rolle der Industrie- und Außenhandelspolitik

3. China´s Wachstumsmotor: Der Außenhandel
3.1 Von den Nachbarn lernen: Das ostasiatische Wirtschaftswunder
3.1.1 Länderspezifische Merkmale und Entwicklungskonzepte der schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften
3.1.2 Die Erfolgsgeschichte Japans
3.1.3 Die exportorientierte Industrialisierung Südkoreas
3.2 Erfolg der Reform- und Öffnungspolitik Chinas
3.3 Kontroversen über die chinesische Außenhandelspolitik
3.3.1 Exportorientierte Industrialisierung
3.3.2 Export- und Importbasierte Wachstumsstrategie
3.3.3 Die Rolle des Staates
3.4 Vergleichende Kurzanalyse des chinesischen Modells mit anderen asiatischen Volkswirtschaften

4. Die Branchenstrukturen des chinesischen Außenhandels
4.1 Erklärungsansatz zu Strukturwandel und Wachstum: Die Drei-Sektoren-Hypothese
4.2 Analyse der Strukturentwicklung des chinesischen Außenhandels
4.2.1 Ergebnisse der nationalen Industrialisierungsbemühungen als Ausgangsbasis der Exportorientierung
4.2.2 Sektorale Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung im Außenhandel .
4.2.3 Besonderheiten vor dem Hintergrund des globalisierten und hochtechnologischen Zeitalters
4.3 Analyse der Entwicklung der ausgewählten Branchen
4.3.1 Steigender Import der landwirtschaftlichen Güter sowie wachsende Einfuhr von Rohstoffen und Energieträgern
4.3.2 Komparative Kostenvorteile in arbeitsintensiven Fertigungs- branchen
4.3.3 Kapital- und technologieintensive Produktion für den Export: Der Einfluss der ausländischen Direktinvestitionen

5. Prognose zur Entwicklung der Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels .
5.1 Methodische Ansätze und Vorgehensweise
5.2 Generelle Annahmen für beide Szenarien
5.3 Szenario 1: Szenario der graduellen Entwicklungsstrategie ohne exogene Schocks
5.3.1 Weitere Annahmen
5.3.2 Ergebnis Szenario 1: Künftige Situation der Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels
5.4 Szenario 2: Szenario des radikalen Wandels der chinesischen Währungspolitik
5.4.1 Weitere Annahmen
5.4.2 Ergebnis Szenario 2: Künftige Situation der Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels

6. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Anhang

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Tabelle 1: Exportentwicklung der SWAV´s

Tabelle 2: Tabelle 2: Chronik der Handelspolitik der SWAV´s

Tabelle 3: Änderung der Exportstrukturen der SWAV´s

Tabelle 4: Struktur der Exporterzeugnisse nach Technologiekategorien 1985 und 1998 in % der Exportproduktion der SWAV´s

Tabelle 5: Die 10 bedeutendsten Export- und Importgüter Südkoreas

(2001)

Tabelle 6:Reale Wachstumsrate von BIP, Investitionen, Export und ausländischen Direktinvestitionen Chinas

Tabelle 7: Import und Export von ICT-Produkten Chinas

Tabelle 8: Struktur der chinesischen Wirtschaft

Tabelle 9: Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung in der außen-handelsrelevanten Privatwirtschaft Chinas nach Branchen

Tabelle 10: Im- und Export ausgewählter Produktgruppen Chinas

Tabelle 11: Im- und Export der landwirtschaftlichen Güter Chinas 2001-2005

Tabelle 12: Energieträgerimport und dessen Re-Export Chinas 2001-2004

Tabelle 13: Exportentwicklung der Textil- und Bekleidungsindustrie in China

Tabelle 14: Im- und Exportentwicklung der ausgewählten Produktgruppen Maschinen in China

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Comparative Labor Productivity Performance. China versus other Asian Economies

Abbildung 2: Anteil des Exports am BIP Chinas in % 1970 – 2002 .

Abbildung 3: Außenhandelswachstum Chinas und der Welt 1970-2002

1. Einleitung

1.1 Aufgabenstellung und Vorgehensweise

Die Volksrepublik China hat in den letzten Jahrzehnten durch grundlegende Reformen die Transformation von einer Zentralverwaltungswirtschaft zur Marktwirtschaft stets vorangetrieben und unumkehrbar gemacht. Mit Wachstumsraten von durchschnittlich nahezu 10% hat sich die Volkswirtschaft erstaunlich positiv entwickelt. China öffnet sich kontinuierlich den internationalen Märkten und sein Außenhandel wächst mit einem rasanten Tempo. Im Zuge der Öffnungs- und Reformpolitik hat China bisher erfolgreich umfangreiche Auslandsinvestitionen sowie Technologien und Management-wissen ins Land geholt. Dank der Kombination aus einer massiven Investition in die Infrastruktur und einem fast unerschöpflichen Angebot an billigen Arbeitskräften hat China sich zu einem außerordentlich wettbewerbsfähigen Produktionsstandort internationaler Unternehmen entwickelt. Aktuell ist China die drittgrößte Exportnation nach Deutschland und den USA (WTO 2006, S. 17). Unübersehbar leistet die Export-wirtschaft einen bedeutenden Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Auf der anderen Seite steht diese Exportdynamik mit einem Nachfrageschub nach Rohstoffen und Energie sowie Vorleistungen und damit verbunden mit einem Importsog in unmittelbarem Zusammenhang. Ungeachtet der enormen Fortschritte sind weitere strukturelle An-passungen mit höherem Schwierigkeitsgrad notwendig. Bisher basiert das anhaltende Wirtschaftswachstum hauptsächlich auf dem massiven Inputwachstum und weniger aufgrund steigender Produktivität. Anhaltende makroökonomische Ungleichgewichte und Ineffizienzen deuten darauf hin, dass die Aufrechterhaltung dieses Wachstums-muster langfristig nicht gesichert ist.

Bei einer näheren Betrachtung des chinesischen Wirtschaftswunders ist unschwer festzustellen, dass das chinesische Wachstumsmodell keinesfalls eine bahnbrechende Neuerfindung in der Industrialisierungsgeschichte darstellt. Vielmehr existieren bereits ähnliche Entwicklungsmuster exportorientierter Industrialisierung gerade in den Nachbarländern Chinas, welche von Mitte der 1960er Jahre an diesen Weg beschritten haben. Die Weltbank hat in ihrem 1993 veröffentlichten Policy Research Report unter dem Titel „The East Asian Miracle: Economic Grwoth and Public Policy“ acht asiatische Volkswirtschaften[1] untersucht. In dem Zeitraum von 1965 bis 1990 wiesen diese Länder ein rasantes Wirtschaftswachstum aus, welches in keiner anderen Region der Welt zu beobachten war. Neben den hohen Wachstumsraten verzeichneten die schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften (SWAV´s) einen außerordentlich hohen Offenheitsgrad für den internationalen Handel als andere Entwicklungsländer (Krugman/Obstfeld 2004, S. 353). Die Ländergruppe mit der Bezeichnung „kleine Tigerstaaten“, hierzu zählen Südkorea, Singapur, Hongkong und Taiwan[2], sowie die 2. Gruppe, bestehend aus Indonesien, Malaysia und Thailand, haben die traditionelle Ansicht über den Aufbau von Industriebasis mittels importsubstituierender Industrialisierung verworfen. In ihren Aufholprozessen exportierten diese Länder Industrieprodukte in die fortgeschrittenen Länder und erzielten dabei ein bemerkens-wertes Wirtschaftswachstum. Die meisten SWAV´s haben die schwere Finanzkrise in der Region, die 1997 einsetzte, überstanden und präsentieren weiterhin robuste Wachstumsraten und flexible Anpassungsfähigkeiten (World Bank 2006). Festzustellen ist aus diesem Kontext, dass die Öffnung der Volkswirtschaft nach außen und die Integration in den globalen Arbeitsteilungsprozess das chinesische Wachstum ebenfalls beflügelt haben.

Der Aufgabenstellung dieser Arbeit liegt nicht in der Darstellung und Analyse des gesamtwirtschaftlichen Wachstums. Dieses würde den Rahmen der Arbeit sprengen und muss somit ausgegliedert werden. Vielmehr liegt der Fokus der Untersuchung im Außenhandelssektor Chinas, insbesondere in der Strukturanalyse der ausgewählten Branchen, die im chinesischen Öffnungsprozess eine wichtige Rolle gespielt haben. Die vorliegende Arbeit setzt sich ferner mit der Frage auseinander, welcher Zukunfts-situation sich die zu untersuchende Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels gegenüber sieht. Im Mittelpunkt des Prognoseteils steht nicht, welche Strukturpolitik zur Erreichung bestimmter Zielsetzungen die chinesische Regierung betreiben sollte, sondern eine deskriptive perspektivische Ableitung aus den empirischen Indizien und den gegenwärtigen Ausgangsbedingungen. In diesem Sinne ist zu unterscheiden zwischen Analysen, die sich mit Fragen der Entwicklungsplanung und speziell der Entwicklungsprogrammierung beschäftigen, und denjenigen, die prognostische Ziel-setzungen verfolgen. Prognosen müssen makroökonomische Aspekte und politische Rahmenbedingungen mit einbeziehen. Dies trifft insbesondere auf China zu, wo politische und wirtschaftliche Verwaltung unlösbar miteinander verbunden sind. Der chinesische Außenhandel ist ein volkswirtschaftlicher Bereich, der sich ständig im Spannungsfeld zwischen staatlicher Regulierung und Wettbewerb befindet. Die Erörterung dieses Themengebiets gehört zu einer anderen Aufgabenstellung und wird innerhalb dieser Arbeit insoweit nur im Rahmen der außenhandelsrelevanten Entscheidungsfindungen berücksichtigt. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es nicht, modelltheoretische Ausarbeitung zu vertiefen oder wirtschaftspolitische Handlungs-empfehlungen auszusprechen bzw. Maßstäbe festzulegen. Vielmehr wird im einzelnen versucht, den bisherigen Strukturwandel der außenhandelsrelevanten Branchen Chinas empirisch systematisch zu erfassen, dessen Ursachen zu analysieren und eine kurze Prognose bezüglich der zukünftigen Branchenstrukturentwicklung zu geben.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in sechs Teile. Kapitel 2 stellt zunächst die elementaren Außenhandelstheorien in Bezug auf deren Erklärungsgehalt über die Beziehung zwischen internationalem Handel und Wirtschaftswachstum anhand der Erfahrungen der SWAV´s und Chinas dar. Es folgt im Kapitel 3 eine problemorientierte Analyse des offenen Wachstumsmodells der SWAV´s sowie Chinas. Darin enthalten ist ferner eine kurze Zusammenfassung der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet und eine kurze vergleichende Analyse zwischen China und den SWAV´s. Ausgehend von der Beschreibung der empirischen Erfahrungen der SWAV´s und Chinas befasst sich Kapitel 4 mit der Entwicklung der Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels unter Zuhilfenahme theoretischer Fundierungen. Aufbauend auf diese Ergebnisse werden im Rahmen einer Szenariobildung im Kapitel 5 Überlegungen angestellt, wie die Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels in der ferneren Zukunft aussehen könnte. Daran anschließend werden die Analyseergebnisse im Kapitel 6 zusammenfassend bewertet. Da sich Teile dieser Arbeit mit empirischen Ausführungen auseinandersetzen, sei darauf hingewiesen, dass empirisches Arbeiten, insbesondere bei der Erfassung, Auswertung und Interpretation von Daten, z.T. mit erheblichen statistischen Problemen verbunden ist. Der Schwierigkeitsgrad in der vorliegenden Untersuchung erhöht sich zudem in besonderem Maße, da das chinesische statistische Erfassungssystem noch nicht vollständig entwickelt ist und einer ständigen Kritik ausgesetzt ist[3]. Die jüngste Datenrevision mit einer erheblichen Ergebnisänderung insbesondere hinsichtlich der Wirtschaftsstruktur zeigt die anstehenden Probleme deutlich.

1.2 Abgrenzung des Untersuchungsgebietes

Aus den chinesischen Zahlungsbilanzen geht hervor, dass die seit Jahren anhaltenden Leistungsbilanzüberschüsse Chinas überwiegend auf die positive Handelsbilanz zurückzuführen sind. Der Dienstleistungshandel spielt im chinesischen Außenhandel eine untergeordnete Rolle. Aus diesem Grund ist eine Beschränkung der Untersuchungsobjekte auf den Güterhandel als angebracht anzusehen. Die Branchen-aufteilung in dieser Arbeit orientiert sich an der Produktklassifizierung nach SITC (Standard International Trade Classification), welche als Anhang dieser Arbeit beigefügt wurde. Als Branchen stehen Nahrungsmittel, Rohstoffe und Energieträger, Textil- und Bekleidungsindustrie sowie Maschinen, darunter speziell elektronische Datenver-arbeitungs- und Büromaschinen sowie Telekommunikationsgeräte ohne Einbeziehung der Automobilbranche, im Mittelpunkt der Betrachtung. Die Auswahl ist darin begründet, dass die Exportdynamik Chinas sich auf die letztgenannten zwei Branchen stützt, während mit dem schnellen Wachstum zunehmende Versorgungsengpässe bei landwirtschaftlichen Produkten sowie Energie und Rohstoffen sichtbar geworden sind. Zum Erfahrungsgewinn bietet sich eine besondere Betrachtung Japans und Südkoreas aufgrund deren Wirtschaftsgrößen und Relevanz für China an.

Eine Begrenzung im Zeithorizont der langfristigen Prognose ist notwendig. Prognosen, die über einen Zeitraum von 30 bis 40 Jahren hinausgehen, laufen Gefahr, tiefgreifende Veränderungen der Wirtschaft und Gesellschaft aufgrund fehlender theoretischen Fundierung nicht miterfassen zu können. Eine Aufstellung von solchen Prognosen ist nicht mehr guten Gewissens mit dem bestehenden Instrumentarium der Wirtschafts-wissenschaften sinnvoll (Frerichs/Kübler 1980, S.5). In dieser Arbeit bezieht sich der Prognosezeitraum auf 20 Jahre. Dieser Zeithorizont sollte auch angesichts des derzeitigen Entwicklungsstadiums von China im Vergleich zu anderen SWAV´s realistischere Ergebnisse liefern.

2. Theoretische Grundlagen des internationalen Handels

2.1 Kurzübersicht über die Außenhandelstheorien

Beim Erklärungsversuch über die phänomenale Aufstiegsentwicklung der hier zu untersuchenden asiatischen Volkswirtschaften sind verschiedene Theorieansätze zu finden. Eine Gemeinsamkeit der rasanten Aufholprozesse dieser Länder besteht offensichtlich darin, dass sie mehr oder minder eine exportorientierte Industriali-sierungspolitik verfolgt haben bzw. weiterhin verfolgen.

Dass der Handel Nutzen für alle beteiligten Länder bringt, darüber herrscht Einigkeit in der Fachwelt. Mit der Frage, warum Nationen miteinander Handel treiben, hat sich bereits die klassische Ökonomie beschäftigt. Für Adam Smith waren die absoluten Kostenunterschiede die Voraussetzung für den Außenhandel. David Ricardo begründete die Produktions- und Handelsstruktur der Handel treibenden Länder auf die kompara-tiven Vorteile. Die komparativen Vorteile ermöglichen den Ländern, Wohlfahrts-gewinne und Wirtschaftswachstum durch Außenhandel zu erzielen. Die neu entwickelte Handelstheorie geht davon aus, dass internationale Faktorbewegungen im Globali-sierungsprozess kein Substitut für den freien Warenhandel darstellen, sondern zusätzliche weltwirtschaftliche Effizienzgewinne ermöglichen. Nachfolgend dargestellte Theorieansätze geben Aufschluss darüber, welche positiven Effekte der Außenhandel und die Globalisierung[4] für China und die anderen asiatischen Länder impliziert.

2.1.1 Das Ricardo-Modell

In dem Einfaktormodell von David Ricardo basiert der Außenhandel ausschließlich auf die unterschiedliche Arbeitsproduktivität in verschiedenen Sektoren in den beteiligten Ländern. Unter der Annahme der konstanten Skalenerträge und des vollständigen Wettbewerbs besagt das Ricardo-Modell, dass ein Land auch dann vom Außenhandel profitiert, wenn seine Produktivität in sämtlichen Sektoren geringer ist als diejenige seiner Handelspartner. Denn der Wettbewerbsvorteil einer Branche hängt nicht nur von ihrer Produktivität im Vergleich zu dieser Branche im Ausland ab, sondern ebenfalls vom einheimischen Lohnsatz im Verhältnis zum ausländischen Lohnsatz. Dies würde dazu führen, dass jedes Land von dem jeweiligen Produkt, in dem es die größten komparativen Vorteile besitzt, mehr und effizienter produzieren könnte, als wenn es mehrere Produkte herstellen würde. Länder exportieren diejenigen Güter, die mit ihrer Arbeit relativ effizient hergestellt werden können, und importieren diejenigen, bei deren Herstellung sie keinen komparativen Vorteil besitzen. Dabei verzeichnen alle beteiligten Länder Außenhandelsgewinne und es kommt zu einer allgemeinen Wohlstands-steigerung (Krugmann/Obstfeld 2004, S. 37-68).

Die exportorientierte Industrialisierung von China und anderen schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften liefert zum Teil einen empirischen Beleg für das Ricardo-Modell. Der Welthandel mit Textilien und Bekleidungsartikeln hat beispielsweise Südkorea und China die Möglichkeit eröffnet, in ihrer jeweiligen Entwicklungsphase die komparativen Kostenvorteile auf diesem Sektor zu nutzen trotz signifikanten Produktivitätsnachteilen im Vergleich zu den fortgeschrittenen Ländern. Dass durch den Export von diesen Gütern ein positiver Beschäftigungs- und Kapitalansammlungseffekt im Transformationsprozess dieser Länder entstanden ist, lässt sich nicht übersehen. Trotz seinen vielen einschränkenden Modellannahmen trägt das Ricardo-Modell dazu bei, die nationalen Spezialisierungstendenzen in der globalen Arbeitsteilung leichter zu verstehen.

2.1.2 Das Heckscher-Ohlin-Modell

Von Ricardos Theorie ausgehend, versuchten Heckscher und Ohlin zu ergründen, warum Kostenunterschiede zwischen den Ländern bestehen. Als Ursache für den Außenhandel spielen die unterschiedlichen Faktorausstattungen bzw. die unterschied-lichen Faktorproportionen die entscheidende Rolle im Heckscher-Ohlin-Modell, welches auch als Faktorproportionentheorie bezeichnet wird. Demzufolge hat ein relativ reichlich vorhandener Faktor einen geringeren Preis als ein relativ knapper Faktor. Ein Land besitzt bei der Herstellung eines Gutes einen komparativen Kostenvorteil, wenn es bei der Produktion relativ reichlich vorhandene Faktoren einsetzt. Nach dieser Theorie exportieren Länder die Güter, bei deren Herstellung ihre reichlichen Faktoren intensiv genutzt werden. In der traditionellen Handelstheorie besteht im Rahmen des Heckscher-Ohlin-Modells die Annahme, dass der Außenhandel zum internationalen Ausgleich der Güter- und Faktorpreise führt. Nach dieser Annahme sind freier Handel und freie Faktormobilität vollständige Substitute, da der Handel auch ohne Faktorbewegungen zu einem internationalen Faktorpreisausgleich führen soll. In der Realität treffen jedoch die Prognosen des vollständigen Faktorpreisausgleichs nicht zu, da starke Unterschiede in der Ressourcenausstattung und der Technologie sowie Handelsbarrieren bestehen (Krugman/Obstfeld 2004, S. 105-129; Dunford/Smith 2000, S. 171).

Die Offenheit Chinas und anderer SWAV´s für den internationalen Handel ist ein markantes Merkmal für ihre Wachstumserfolge. Dabei spielt die Faktorausstattung gemäß der Faktorproportionentheorie eine wesentliche Rolle. Der hohe Offenheitsgrad[5] der Länder liefert ein Indiz dafür, dass der internationale Handel das gesamt-wirtschaftliche Wachstum begleitet, unabhängig von der Ursache-Wirkungsrichtung der kontroversen Erklärungsansätze.

China ist reichlich ausgestattet mit einem hohen Anteil von Arbeitskräften in Bereichen der einfachen Arbeit, wohingegen relativ wenig Kapital vorhanden ist. Gemäß dem Faktorproportionentheorem ist es für ein Land wie China vorteilhaft, sich auf die Fertigung und den Export lohnintensiver Produkte geringen Technologiegehalts z.B. in arbeitsintensiven leichtindustriellen Branchen zu spezialisieren. Infolge dessen trägt der komparative Vorteil in arbeitsintensiven Industriezweigen dazu bei, die nationale Kapitalakkumulation durch Außenhandelsgewinne zu fördern und den Industriali-sierungsprozess zu beschleunigen. Durch die Zunahme des internationalen Handels kommt es dazu, dass die Produktivität und der Preis des relativ intensiv genutzten Faktors, die in den exportorientierten Branchen eingesetzte Arbeit, steigen. Dies ist in China und anderen SWAV´s zu beobachten. Ferner bewirken Produktivitätsfortschritte dank der Einführung neuer Technologien und Fertigungsverfahren nicht nur eine Steigerung des Wohlstands, sondern auch eine enorme Beschleunigung des wirtschaft-lichen Strukturwandels innerhalb einer sich verändernden internationalen Arbeits-teilung.

Porter stellt einen starken Produktivitätszuwachs innerhalb der chinesischen Volkswirtschaft bei gleichzeitig niedrigerem BIP-Pro-Erwerbstätigem fest (siehe Abb.1). Das hohe Erwerbspersonenpotenzial, verbunden mit hoher Arbeitslosigkeit im Zuge der Landwirtschaftsreform und der Privatisierung bzw. Rationalisierung der Staatsunternehmen, bietet China zwar ein fast unerschöpfliches Arbeitskräftereservoir für die wettbewerbsfähigen Exportbranchen. Jedoch ist eine nachhaltige internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht allein in den niedrigen Lohnkosten zu begründen. Im internationalen Vergleich unter Hinzuziehung von weiteren mikro- und makro-ökonomischen Rahmenbedingungen verzeichnet China einen enormen Nachholbedarf (Porter 2004). Komparative Vorteile in der traditionellen Außenhandelstheorie beziehen sich eben nicht ausschließlich auf das Faktorreichtum an Arbeit. Wertschöpfungs-intensive Branchen sind in der Regel gleichzeitig kapital-, technologie- und wissensintensiv. Die Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels wird sich langfristig einem Wandel unterwerfen müssen mit zunehmendem Kapitalakkumu-lationsgrad und verstärktem Wettbewerbsdruck durch andere aufholende Länder, auch wenn der Prozess sich nicht so schnell vollzieht, wie sich die chinesischen Wirtschafts-lenker vorgestellt haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Comparative Labor Productivity Performance. China versus other Asian Economies

Quelle: Porter 2004, S. 5.

2.1.3 Die neue Handelstheorie

Die neue Außenhandelstheorie entstand in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Entgegen der traditionellen Außenhandelstheorie geht die neue Theorie von unvollkommenem Wettbewerb und steigenden Skalenerträgen aus und räumt der technologischen Entwicklung einen großen Einfluss ein. Demnach muss Außenhandel nicht unbedingt auf komparative Vorteile zurückgehen, sondern er kann auch aufgrund von Größenvorteilen und zunehmenden Skalenerträgen zustande kommen. Skalen-erträge eröffnen Ländern die Möglichkeit, sich zu spezialisieren und auch mit denjenigen Ländern zu handeln, die die gleichen Ressourcen und Technologien besitzen (Krugman/Obstfeld 2004, S. 171-215).

Neuere Ansätze der Außenhandelstheorie rücken die räumliche Komponente des Handels in den Mittelpunkt. Sie beziehen aber auch andere Merkmale der Produktion und der internationalen Arbeitsteilung in ihre Modelle mit ein. Die daraus entstandenen Ansätze finden u.a. die Bezeichnung „New Economic Geography“. Bekannter Vertreter dieser Entwicklungs- und Außenhandelstheorie ist Paul R. Krugman. Bei der Neubewertung der Entstehung industrieller Zentren versucht Krugman zu erklären, dass durch internationalen Handel nicht automatisch nur Wohlfahrtsgewinne entstehen. Vielmehr kommt es eher zu einer wachsenden Ungleichheit und zu einer Gewinnakkumulation in den bereits existierenden Wohlfahrtsinseln. Für Krugman führen steigende Skalenerträge zu einer Speziali-sierung von Ländern oder Regionen, auch wenn keine Unterschiede in der Ressourcen- oder Technologieausstattung bestehen. Skalenerträge entstehen „intern“ durch die Größe eines Unternehmens oder „extern“ durch die Größe einer Branche oder Industrieagglomeration (Krugman/Obstfeld 2004, S. 214). In letzterem Fall können positive Externalitäten zu weiteren Kostensenkungen und Effizienzgewinnen beitragen. Zu den positiven Externalitäten zählen die Faktoren wie „Labour Market Pooling“ (Arbeitskräftepool), „Spillover-Effekte“ (technologische Ausstrahlungs-effekte) sowie intermediäre Inputs (Osmanovic 2000, S. 245 f.). Die „New Economic Geography“ basiert auf der Grundannahme, dass Handelsliberalisierung verbunden mit einer Reduzierung der Transportkosten das räumliche Verteilungsmuster von Industrie- und Dienstleistungsstandorten verändert. Im Zuge der Handels-liberalisierung gewinnt der Auslandsmarkt immer mehr an Bedeutung. Durch Dezentralisierungstendenz der nationalen Agglomeration erhalten die um sie liegenden Regionen eine neue Entwicklungschance, da dort für Industriebetriebe aufgrund hoher Preise in den bereits existierenden Zentren für Boden, Arbeit und Verkehr die Produktion kostengünstiger ist. Durch Standortsverlagerung können sie so Wettbewerbsvorteile auf dem Auslandsmarkt erlangen (Osmanovic 2000, S. 248). Ein weiteres Muster der Ballungszentrenbildung geht von reduzierten Transportkosten aus und erwartet eine Zunahme der räumlichen Konzentration aufgrund steigender Skalenerträge und der oben beschriebenen Externalitäten. Bei leicht sinkenden Transportkosten nehmen Regionen Handel miteinander auf. Fallen die Transport-kosten weiter, so bildet sich ein Zentrum und eine Peripherie. Sobald die Transport-kosten gegen Null streben, kommt es zu Ausgleichstendenzen des Wohlstandsniveaus zwischen den Regionen (Krugman/Venables 1995, S. 7 f.).

Außenhandel und Auslandsproduktion zeigen nach dieser neuen Handelstheorie einen Trend zur Regionalisierung. Eine Konzentration auf die sogenannte Triade - EU, Nordamerika, Japan - ist seit längerer Zeit zu beobachten, wobei auch die Verflechtung mit den jeweils angrenzenden, weniger hoch entwickelten Ländern besonders intensiv ist: Nordamerika mit Lateinamerika, Westeuropa mit den mittel- und osteuropäischen Ländern und Nordafrika, Japan mit Ost-Südost-Asien.

Die Verfolgung einer exportorientierten Entwicklungsstrategie von China und anderen SWAV´s stellt den eigentlichen gemeinsamen Nenner der wirtschaftlichen Zusammen-arbeit in der Region dar. Die Verflechtung unter den asiatischen Volkswirtschaften intensiviert sich seit der Jahrhundertwende in einer wachsenden Dynamik grenzüber-schreitender Handelstransaktionen, in der Verlagerung von Produktionsstandorten und den intra-industriellen Investitionsströmen. Durch die zunehmende Liberalisierung und Deregulierung der Märkte in Asien schreitet die wirtschaftliche Integration weiter voran. Von diesen Verschiebungen der Produktionsstätten und Warenströmen profitiert China in besonderem Maße. Bis Mitte der 1990er Jahre exportierte China überwiegend Textil- und Spielwaren sowie qualitativ wenig anspruchsvolle elektrotechnische Erzeugnisse. In den letzten zehn Jahren profitierte die chinesische Exportindustrie von den hohen Investitionen der multinationalen Unternehmen aus den Nachbarländern, die zur Ausweitung der Exportkapazität führten. Mehr als zwei Drittel der ausländischen Direktinvestitionen in China kommen aus Japan, Südkorea, Taiwan und Hongkong. Andererseits schaffen sich die fortgeschrittenen Länder wie Japan und Korea Vorteile in dem intensivierten globalen Wettbewerb durch die Arbeitsteilung mit Ländern wie China und Vietnam. Die interdependente Entwicklungstendenz zeigt auf, dass der Verflechtungsgrad in dieser Region sich in absehbarer Zeit noch erhöhen wird.

2.2 Die Rolle der Industrie- und Außenhandelspolitik

Vor der grundsätzlichen Herausforderung, wie ein Land zum allgemeinen Wohlstand kommt, versuchen Nationen den bestmöglichen Weg für sich zu finden und verfolgen dabei variationsreiche Wirtschaftspolitik. Die Diskussion der ökonomischen Fachwelt über die wirtschaftspolitische Aktivität und die Modellbildung der daraus abzuleitenden Wachstumsstrategien hat jedoch gezeigt, dass eine allgemein gültige Aussage nicht zu treffen ist.

Es ist aus den wirtschaftsgeschichtlichen Forschungsergebnissen dennoch zu erkennen, dass die hier zu untersuchenden Staaten im Zuge der Aufholprozesse ihre Wirtschafts-politik einer grundlegenden Überprüfung und Revision unterzogen haben. Länder wie China und andere SWAV´s haben in ihrer Entwicklungsgeschichte jüngerer Zeit die eigenständige bzw. importsubstituierende Industrialisierung aufgegeben und eine offene Handelspolitik betrieben. Die exportorientierte Industriepolitik brachte diesen Ländern unverkennbaren Erfolg, gleichzeitig aber auch neue Spannungsfelder bei der Ver-folgung der Wachstumsstrategien. Im internationalen Handel setzen die Staaten nicht selten verschiedene Instrumente der Außenhandelspolitik ein. Mit den gängigen Maßnahmen wie die Besteuerung oder Subventionierung bestimmter Außenhandels-transaktionen, gesetzliche Importbeschränkungen und zahlreiche weitere Maßnahmen versucht ein Land, seine nationale Industrie vor ausländischen Konkurrenten zu schützen oder seine Exportbranchen zu fördern.

Aus Sicht der traditionellen Außenhandelstheorie schaden die staatlichen Interventionen bis auf wenige Ausnahmen sowohl dem Ausland als auch der eigenen Wohlfahrt. Der neuen Handelstheorie zufolge bieten sich aber vielfältige Möglichkeiten für wohlfahrtsteigernde Protektionsmaßnahmen an. Die damit verbundene Theorie der strategischen Handelspolitik unter Einsatz spieltheoretischer Analysemethoden hat zahlreiche wirtschaftspolitische Empfehlungen mit der Rentenumlenkung als Ziel geliefert. Die von Brander und Spencer entwickelten grundlegenden Modelle sind zwar scharfer Kritik ausgesetzt, finden aber vielerorts in der Handelspolitik praktische Umsetzung. Zu den sektorspezifischen Maßnahmen aus diesen Modellansätzen zählen insbesondere die Subventionen in vielfältiger Form wie Exportsubventionen, sektorspezifische, kostenreduzierende Subventionen sowie sektorspezifisch wirkende Abschreibungsmodalitäten für Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Ferner kann der Staat weitere steuerpolitische Instrumente aber auch wettbewerbspolitische Maßnahmen wie Forschungs- und Rationalisierungskartelle und die Förderung wettbewerbsfähiger nationaler Unternehmenseinheiten einsetzen. Als ordnungspolitisches Dogma gilt: generell für alle Wirtschaftszweige wirkende Maßnahmen sind sektorspezifischen Instrumenten vorzuziehen (Spencer/Brander 1983; Brander/Spencer 1985, S. 83-100). Die Ausgestaltung einer optimalen Handels- und Industriepolitik ist von den jeweiligen Marktbedingungen abhängig. Unterschiedliches Wettbewerbsverhalten von Unter-nehmen oder die intersektorale Verknüpfung von Märkten haben starke Auswirkungen auf die Effekte inländischer Politik. Um eine optimale Handelspolitik konzipieren zu können, muss der Staat zahlreiche Parameter und Kriterien genau kennen, von denen die Funktionsweise der betroffenen Märkte abhängt. Das Problem liegt bei der Frage, wie der Staat handelsstrategische Sektoren identifizieren kann. Die Identifizierung handels-strategischer Sektoren konkretisiert sich in der Frage, welche Kriterien sollen Subventionsförderungen eines Sektors berechtigen. Der Staat muss eindeutige Vor-stellungen über die gewünschte zukünftige Sektorstruktur haben. Es stellt sich nur die Frage, woher er diese Kenntnisse bekommt (Grossman 1986, S. 48).

Die Branchenentwicklung der chinesischen Exportindustrie hat gezeigt, dass sich die Export- und Wettbewerbsfähigkeit Chinas mit den komparativen Kostenvorteilen und der Faktorausstattung bzw. anderen Theorieansätzen nicht vollständig erklären lässt. Die importbeschränkenden und exportfördernden Praktiken Chinas, ob konzeptionell durchdacht oder ideologisch gesteuert, spielen stets eine wichtige Rolle. Eine Analyse der chinesischen Zahlungsbilanzen zeigt auf, dass für China nicht allein die effizientere Ressourcennutzung durch internationalen Leistungstausch im Vordergrund steht. Einen empirischen Beleg zur Verdeutlichung der staatlichen Eingriffe und deren Effekte liefert beispielsweise die sogenannte „fiskalische Abwertung“ der chinesischen Währung während und nach der Asienkrise Ende der 1990er Jahre. Unter den radikal veränderten Umfeldbedingungen bediente sich die chinesische Regierung damals statt einer offiziellen Abwertung des RMB des Instrumentes der Steuererleichterungen für die Exportgüter. Die Mehrwertsteuer-Rückerstattungssätze[6] an die chinesischen Exporteure sind seit 1998 mehrfach erhöht worden (Taube 1999, S. 15). Die Branchen wie Textilien und Textilmaschinen mit bis zu 17%-Erstattungssatz, dies entspricht einer 100%-Mehrwertsteuerrückerstattung, Elektrogeräte sowie verschiedene leicht-industrielle Güter haben von dieser Maßnahme signifikant profitiert (Statistisches Amt der Provinz Gansu 2004). Der Güterhandel zwischen China und dem Rest der Welt stieg nach kurzer Stagnierung im Jahr 1998 wieder an. Im gleichen Zug wächst aber auch die Belastung für den Staatshaushalt aufgrund der Exportsubventionierung dieser Art.

Die chinesischen Exportsubventionen in Form von Mehrwertsteuer-Rückerstattungen für die Exporteure stellen in zweierlei Hinsicht Schaden für das eigene Land dar. Zum einen bewirkt diese Maßnahme Einnahmeausfälle bzw. eine Umverteilung der Kosten von den Unternehmen zum Staat. Die chinesischen Steuerzahler müssen schließlich diese Kosten tragen (Taube 1999, S. 16 f.). Zum anderen verschlechtern die Export-subventionen der traditionellen Außenhandelstheorie zufolge die Terms of Trade[7] des eigenen Landes und erzeugen Verzerrungen in der Produktions- und Konsumanreize (Krugmann/Obstfeld 2004, S. 157-161, S. 266). Die mittlerweile gewonnenen Erkenntnisse über die Ineffizienzen und die negativen Wohlfahrtseffekte dieser Industrie- und Außenhandelspolitik haben die chinesische Regierung dazu veranlasst, ihren bisherigen Kurs zu überdenken und zu überarbeiten. Seit dem 15. September 2006 ist eine modifizierte Regelung über die Steuerrückerstattung mit teilweise starker Senkung oder vollständiger Abschaffung der Mehrwertsteuererstattung für die Exportgüter in Kraft getreten. Damit will die Regierung nicht nur eine fiskalische und währungspolitische Wirkung erzielen, sondern auch eine Optimierung der Branchen-struktur. Insoweit setzt der Staat einen Signal für noch mehr marktgerechte Preisbildung und fördert damit die Fähigkeit zur Effizienzsteigerung innerhalb der chinesischen Unternehmen. Dieser Schritt ist längst notwendig und überfällig, denn langfristig können nur die Unternehmen überleben, die sich der Herausforderung des Struktur-wandels aktiv stellen und sich rechtzeitig an die veränderten Umfeldbedingungen anpassen.

Keine der hier vorgestellten Theorien kann eine Vollständigkeit der Erklärung und eine Allgemeingültigkeit für sich beanspruchen. Sie liefern aber eine fundierte Grundlage zur umfassenderen Analyse und zum besseren Verständnis über das Phänomen Chinas und der schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften.

3. China´s Wachstumsmotor: Der Außenhandel

Seit Beginn der ökonomischen Reform im Jahre 1978 hat das bevölkerungsreichste Land der Erde China sein Entwicklungskonzept grundlegend verändert. Vor dieser historischen Wende ist die Volkswirtschaft von allokativen Verzerrungen, ökonomischen Ungleichgewichten, ernsten Versorgungsschwierigkeiten und niedriger Arbeitsproduktivität in den meisten Wirtschaftssektoren gekennzeichnet. Die politische Entschlossenheit zu Wachstum und Modernisierung der Wirtschaft findet ihren Niederschlag u.a. darin, dass die Staatslenker den revolutionären Klassenkampf aufgaben und als ein neuer Parameter der Politik die marktwirtschaftliche Neu-orientierung postulierten[8]. Die fast drei Reform-Jahrzehnte seit 1978 sind von hohen Wachstumsraten und immer schnellerem Integrationstempo in die Weltwirtschaft, aber auch von ständigen Rückschlägen und Kursrevisionen begleitet.

Von einer weltweiten Wahrnehmung ausgehend, dass Produkte „Made in China“ immer mehr die Warenregale füllen, lässt sich intuitiv vermuten, dass die Exportwirtschaft Chinas in dem ökonomischen Aufholprozess eine wichtige Rolle spielt. Viele Ökonomen und wissenschaftliche Einrichtungen haben sich intensiv mit dem chinesi-schen Wachstums- und Entwicklungsprozess unter Einbeziehung der Erfahrungen der SWAV´s befasst und diesen analytisch begleitet. Die Erkenntnisse aus der wissen-schaftlichen Diskussion über die Erfolgsfaktoren und Reproduzierbarkeit des asia-tischen Wunder-Modells ist zwar nicht Gegenstand dieser Arbeit, geben jedoch Aufschluss darüber, dass die gemeinsamen Erfahrungen der SWAV´s sehr lehrreich für China und andere Entwicklungsländer sein können. Die von der chinesischen Regierung praktizierte „graduelle Reformpolitik“ hat viele Phasen der ähnlichen Transformations-schritte durchlaufen. Als Spät-Starter hat China den natürlichen Vorteil, aus den Erfahrungen der anderen zu lernen, die Erfolgskonzepte genauer zu erforschen und an die eigenen Gegebenheiten anzupassen, und möglichst die Fehler anderer nicht zu wiederholen. Die offene Handelspolitik der SWAV´s und die damit verbundenen Folgen auf die nationale Branchen- und Strukturentwicklung begründet eine gesonderte Betrachtung der historischen Entwicklung dieser Länder. Eine daraus entstehende vergleichende Analyse und deren Implikationen würden allgemeine Indikatoren auf-zeigen und eine prognostische Darstellung der chinesischen Branchenstruktur des Außenhandels erleichtern.

3.1. Von den Nachbarn lernen: Das ostasiatische Wirtschaftswunder

Wie die meisten Entwicklungsländer starteten Japan und andere SWAV´s ihre Industrialisierung von einem niedrigen Ausgangsniveau nach dem Zweiten Weltkrieg (Japan war vor dem 2. Weltkrieg bereits ein Industrieland, musste nach dem Krieg seine Wirtschaft wieder aufbauen). Die Erklärungsansätze zur Ergründung des asiatischen Wirtschaftswunders sind höchst kontrovers und ergaben sich u.a. auch unter sozio-kulturellen, philosophischen und geopolitischem Betrachtungswinkel. Aus ökono-mischer Perspektive lassen sich nach Lin et al. die Standpunkte in drei Haupthypothesen zusammenfassen. Erstens vertreten u.a. Ökonomen der Weltbank 1993 die Ansicht, dass die freie Marktwirtschaft der Erfolgschlüssel für das hohe Wachstum sei. Dadurch ist eine weniger verzerrte Preisbildung und eine effizientere Ressourcenallokation möglich gewesen. Kritiker dieser Hypothese halten Tatsachen vor, dass gerade in diesen Ländern die staatlichen Markteingriffe eine unvernachlässigbare Rolle gespielt haben. Die zweite Erklärung, vertreten von Amsden und Wade, geht von der gegensätzlichen Position aus, dass der Erfolg auf die staatlichen Interventionen, insbesondere auf die massive Unterstützung der Schlüsselbranchen zurückzuführen sei. Jedoch existieren auch hier zahlreiche andere Länderbeispiele, wo Markteingriffe des Staates die Wirtschaft zum Erliegen brachten, um die These in Frage zu stellen. Krueger sieht die Erfolgsgrundlage in der offenen Außenhandelspolitik der Länder. Die exportorientierte Strategie erfordert aktive Teilnahme der heimischen Industriebranchen am internationalen Wettbewerb. Dadurch müssen die Unternehmen ständig ihre Wettbewerbsfähigkeit ausbauen und die Effizienz erhöhen. Diese Hypothese muss sich auch der Kritik stellen insbesondere hinsichtlich der grundsätzlichen Frage: Ist das offene Handelsmuster die Ursache des Wirtschaftswachstums oder dessen Folgen (Lin et al. 1999, S. 3)? Es ist trotz unterschiedlichen Kausalitätserklärungen nahliegend an den evidenten Tatsachen fest-zuhalten, dass ein steigendes Außenhandelsvolumen das rapide Wirtschaftswachstum in den SWAV´s begleitet hat: Der Anteil der vier Tigerstaaten am Weltexport von Fertigungserzeugnissen wuchs von 1,5% im Jahre 1965 auf 5,3% im Jahre 1980 und erreichte zehn Jahre später 7,9%. Der gemeinsam errechnete Anteil von Malaysia, Thailand und Indonesien ist von 0,4% in 1980 auf 1,5% im Jahre 1990 gestiegen (World Bank 1993, Table 1.5). Die Exportdynamik der SWAV´s lässt sich anhand der Zahlen aus der Tabelle 1 verdeutlichen.

Tabelle 1: Exportentwicklung der SWAV´s, in Mrd. USD

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Joseph 2006, S. 24.

Allerdings fand die asiatische Eroberung der Welthandelsanteile vor allem vor der Asienkrise im Jahre 1997 statt. Nach der Krise stagnierte der Handel bis nach der Jahrhundertwende. Erst in den letzten Jahren fand die Region wieder zu ihrer alten Exportdynamik zurück. Gleichzeitig sind deutliche Umwälzungen und eine Veränderung in den Handelsströmen und den Zahlungsbilanzentwicklungen in der Region zu beobachten. Japan hat beim grenzüberschreitenden Warenverkehr deutlich an Gewicht verloren. Sein Anteil am Welthandel ging von ca. 9 % Mitte der neunziger Jahre auf 6,3 % im Jahre 2005 zurück. Die Ursache liegt zum Teil in den strukturellen Veränderungen der japanischen Wirtschaft sowie in der Verlagerung der Produktions-prozesse ins Ausland - vor allem nach China und in die Industrieländer (Joseph 2006, S. 23).

Nachfolgende Darstellung soll einen kurzen Überblick über die Erfahrungen der SWAV´s als Referenzmodelle geben. Die daraus zu gewinnenden Erkenntnisse sollen helfen, eine empirische Fundierung und perspektivische Ausgangsbasis für die zu stellende Prognose der Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels zu liefern.

3.1.1 Länderspezifische Merkmale und Entwicklungskonzepte der schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften

Das ähnliche exportorientierte Entwicklungsmuster der Volkswirtschaften des asiatisch-pazifischen Raumes lässt sich nach Weiss (2005) wie folgt beschreiben: All diese Länder starteten ihre exportorientierte Industrialisierung mit der Fertigung von technologisch einfachen und arbeits- bzw. ressourcenintensiven Produkten wie Bekleidungs- und Sportartikel, Spielzeuge u.a. Danach folgt der nächste Schritt in den Produktionsbereich von mehr kapitalintensiven und technologisch anspruchsvolleren Erzeugnissen. Dies ist ein Ausdruck über die typischen Entwicklungssequenzen in der Theorie der komparativen Vorteile infolge von veränderten relativen Ressourcen-ausstattungen nach Balassa (1977, S. 23-27). In dieser Arbeit empfehlt Balassa als Schlussfolgerung: „In turn, developing countries with a relatively high human capital endowment, such as Korea and Taiwan, can take Japan's place in exporting relatively human capital-intensive products” (Balassa 1977, S. 26). Empirisch war es auch zu beobachten, dass Südkorea und Taiwan diesen Weg gegangen sind, und die aufholende 2. Gruppe der SWAV´s die Exportmärkte übernommen hat, die von der ersten Tiger-Gruppe aufgegeben wurden. Die Handelspolitik der Länder unterstützte in den jeweiligen Phasen diese exportbasierte Wachstumsstrategie mit diversen Instrumenten mit der Zielsetzung, die Exportstruktur zu verbessern und auszubauen (Weiss 2005, S. 3).

Tabelle 2 stellt eine Zusammenfassung der zeitlichen Abfolge der nationalen Industrialisierungswege und der wirtschaftspolitischen Kurswechsel von sechs SWAV´s dar. Darin nicht enthalten sind Japan und Hong Kong, da beide Länder in ihrer Industrialisierungsgeschichte stets eine vergleichsweise offene Handelspolitik betrieben haben.

Tabelle 2: Chronik der Handelspolitik der SWAV´s

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Weiss 2005, in Anlehnung an Table 1

Bemerkung:

EPZs: Export Processing Zones. EPZs are defined by World Bank as fenced-in-industrial estates specializing in manufacturing for exports that offer firms free trade conditions and a liberal regulatory environment (Kusago/Tzannatos 1998; Rao 2004)

Dieser Überblick bestätigt die theoretische Annahme, dass das auffällige Wachstum der SWAV´s mit dem steigenden Offenheitsgrad der Länder eng korreliert ist. Jedoch ist eine kausale Schlussfolgerung nicht allein daraus zu ziehen. Festzustellen ist ferner, dass die meisten untersuchten Länder ständig bemüht sind, ihre Exportstruktur an die veränderten Rahmenbedingungen infolge der globalen Arbeitsteilung und des intensivierten Wettbewerbs anzupassen und die Exportprodukte aufzuwerten. Die vier Tigerländer Südkorea, Taiwan, Singapur und Hongkong zählen heute bereits zu den modernen Industriestaaten. Die Branchenentwicklungen und die Veränderungen der Exportstrukturen der Länder zeigen eine Konformität mit der Theorie der komparativen Vorteile und der neuen Außenhandelstheorie auf (siehe Tabelle 3 und 4).

Tabelle 3: Änderung der Exportstrukturen der SWAV´s (ausgewählte Warengruppe in % des gesamten Nichterdöl-Exports des jeweiligen Landes)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: UNCTAD 1996, in Anlehnung an Table 33.

Hinter diesen eher nüchternen außenwirtschaftlichen Indikatoren verbirgt sich ein tiefgreifender Wandel der Wirtschaftsstruktur der SWAV´s. Der Anteil des industriellen Sektors am Bruttoinlandsprodukt stieg stetig an und der des landwirtschaftlichen Sektors ging evident zurück. Beispielsweise in Thailand, welches als naturräumlich sehr gut ausgestattet anzusehen ist und lange Zeit als unterbesiedelt galt, lag der Anteil des landwirtschaftlichen Sektors am BIP im Jahre 1951 noch bei 50,1%, im Jahre 1970 bei 28,5%, im Jahre 1990 bei 13,4% und im Jahre 1995 lediglich bei etwa 10%. Relativ stetig ist der Anteil der Dienstleistungssektoren am BIP gewachsen. Betrug ihr Anteil im Jahre 1960 etwa 41%, so stieg er im Jahre 1980 auf 46,3%. Im Jahre 1995 liegt er bei ca. 50% des BIP (Wolz 1998). Der Industriesektor hat hingegen seit den 1960er Jahren stark expandiert. Seit den 1970er Jahren zählen neben der Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten die Be- und Verarbeitung von Nichtagrarprodukten zu den primären Motoren des wirtschaftlichen Wachstums. Der Export von Textil- und Bekleidungsartikeln hat den bedeutendsten Beitrag zum Wachstum und Wohlstands-erhöhung geleistet (siehe Tabelle 3). Weitere schnell expandierende Industriezweige sind die elektrotechnische Industrie und die Fahrzeugindustrie, wenn auch diese Bereiche noch stark auf den Import von Vorprodukten und Komponenten angewiesen sind.

Tabelle 4 vergleicht die Produktstrukturen nach Technologiegehalt der Exportindustrie im Jahre 1985 und 1998 von 7 SWAV´s ohne Japan. Der Strukturwandel des Außen-handels der untersuchten Länder hat demnach mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede trotz zeitlich versetzten Start- und Entwicklungsphasen. Bis auf Indonesien ist es den nachholenden Ländern der zweiten SWAV-Gruppe mehr oder minder gelungen, die Strukturveränderung von arbeits- bzw. ressourcenintensiver zu kapital- und technologie-intensiver Exportproduktion voranzutreiben. Zum wesentlichen Teil ist das rasante Wachstum der zweiten Ländergruppe auf ausländische Direktinvestitionen Japans sowie der Tigerstaaten zurückzuführen. Gerade Faktoren wie die technologische Wett-bewerbsfähigkeit und Direktinvestitionen sowie die sektorale Zusammensetzung der Auslandsnachfrage, die als Indikatoren der nicht preislichen Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft bezeichnet werden können, scheinen die Exportleistung zu beeinflussen, obwohl ihre Wirkung schwieriger zu messen ist (EZB 2006b, S. 75). In diesem Zusammenhang ist die Bildung von regionalen Zentren und eine effiziente Arbeitsteilung innerhalb der SWAV´s als wachstums- und wettbewerbsfördernd an-zusehen.

Tabelle 4: Struktur der Exporterzeugnisse nach Technologiekategorien 1985 und 1998 in % der Exportproduktion der SWAV´s

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Lall 2000.

Bemerkungen:

1. Summe aller vier Kategorien = 100%, Abweichung möglich wegen Auf- und Abrundungen.
2. Ressourcen basiert: Zahlen in Klammern sind für landwirtschaftliche Erzeugnisse inkl. Lebensmittel, Alkohol und Tabakwaren.
3. Low-tech basiert: Zahlen in Klammern sind für Textilien, Bekleidungsartikel und Schuhe.

Insgesamt haben die ressourcen- und arbeitsintensiven, mit weniger Technologiegehalt ausgestatteten Industriezweige wie beispielsweise Textil- und Bekleidungsbranchen für den Start der Industrialisierung und für die Kapitalakkumulation und Investition in die nächsthöheren Produktkategorien eine wesentliche Rolle gespielt. Die industrialisierten Tigerstaaten spezialisieren sich seit Ende der 90er Jahre auf den High-Tech-Sektoren. Die Bedeutung der ressourcenbasierten Exportproduktion nimmt insbesondere in der 2. Ländergruppe drastisch ab, die der technologieintensiven Produkte signifikant zu. Der Branchenstrukturwandel ist in diesem Kontext eindeutig zu erkennen und gibt Aufschluss darüber, dass die Erfolgsfaktoren der SWAV´s nicht nur in ihrer Offenheit, sondern auch in ihrer Anpassungsfähigkeit und Reaktionsschnelligkeit zu suchen sind.

3.1.2 Die Erfolgsgeschichte Japans

Die Re-Industrialisierung Japans nach dem 2. Weltkrieg begann ebenfalls mit der Ausnutzung der komparativen Vorteile in arbeitsintensiven Fertigungsbereichen wie in den 1950er Jahren in der Textil- und Bekleidungsindustrie, später in den 1960-70er in der Stahl- und Schiffbauindustrie. Die Ausgangsbasis Japans für einen raschen Aufholprozess war im Vergleich zu anderen SWAV´s günstiger: Das Pro-Kopf-BIP betrug Anfang 1950er bereits mehr als 25%[9] des von den Vereinigten Staaten (Maddison 1995, S. 197). Dies bedeutet gleichzeitig, dass ein relativ hohes Bildungs-niveau und somit ein relativ hohes Wertschöpfungspotenzial vorhanden war. Diese Faktoren begünstigten in hohem Maße die strategische Branchenselektion und die Forschungs- und Entwicklungsfähigkeiten der Schlüsselbranchen.

Der Wiederaufbau japanischer Wirtschaft geschah in enger Zusammenarbeit zwischen der Regierung und den Unternehmen. Wichtigste staatliche Akteure waren das Ministry of International Trade and Industry (MITI), die Economic Planning Agency (EPA) und die Nationalbank. In den staatlichen Stellen gab es Spiegeleinheiten zu jenen Branchen der Industrie, in denen die Planer das größte Entwicklungspotenzial sahen. Die forcierte Branchenförderung vom Staat erfolgte u.a. mit Instrumenten wie Vorzugskrediten, subventionierter Einfuhr moderner Werkzeugmaschinen sowie Zuschüssen für gemeinsame Forschungsprojekte. Japan investierte intensiv in den Ausbau der Infrastruktur, welche heute weltweit als vorbildlich gilt. Die staatliche Intervention bestand ferner in der Verhinderung übermäßiger Konkurrenz der heimischen Unternehmen, die auf strategischen Zielmärkten agieren. Für längere Zeit schirmte Japan seinen Markt gegen Importe ab, bis die eigene Industrie konkurrenzfähig war und selbst exportieren konnte.

[...]


[1] Die acht Länder werden als high-performing Asian economies (HPAEs, hier: SWAV) bezeichnet und beziehen sich auf Japan, Hong Kong, Indonesien, Malaysia, Südkorea, Singapur, Taiwan und Thailand.

[2] Auf politischen Status von Hong Kong und Taiwan wird hier nicht weiter eingegangen.

[3] Besondere Probleme ergeben sich in Bezug auf die Außenhandelsstatistik. Insbesondere führen methodische Unterschiede zu beachtlichen Diskrepanzen. Teilweise gehen diese Differenzen auf die unterschiedliche Erfassung des Hongkong-Handels zurück. In dieser Arbeit werden die Daten des chinesischen Außenhandels, sofern ersichtlich und möglich, grundsätzlich ohne Hongkongteil übernommen. Zur Problematik der chinesischen Statistik siehe Schüller 2002 und Fischer 2002.

[4] Eine einheitliche Definition von Globalisierung existiert nicht. Hier werden die ökonomischen Kennzeichen der Globalisierung nach OECD übernommen: verstärkte Entwicklung internationaler strategischer Allianzen; hohes Gewicht der Auslandsproduktion durch Direktinvestitionen; internationale Ausrichtung nicht nur der Produktion, sondern auch anderer Unternehmensfunktionen, wie z.B. Finanzierung, FuE, Marketing, Beschaffung; breite geographische Streuung der Auslandsaktivitäten; Koordination der gesamten Auslandsaktivitäten (Rohleder 2004, S. 51 f.).

[5] Als Indikator für die Offenheit einer Volkswirtschaft gilt die Summe aus Exporten und Importen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (Schrooten/Grziska 2004).

[6] Das aktuelle System der Mehrwertsteuer-Rückerstattung für Exportgüter wurde 1985 in China eingeführt. Der geltende Mehrwertsteuersatz beträgt 17%.

[7] Die Definition und Wohlfahrtswirkungen von Terms of Trade in der Außenhandelstheorie von Krugman und Obstfeld wird hier übernommen. Demnach erhöht ein Anstieg der Terms of Trade bzw. deren Rückgang reduziert die Wohlfahrt einer Volkswirtschaft (Krugman/Obstfeld 2004, S. 143).

[8] Als historischer Durchbruch im politisch-ideologischen System ist die Ausrufung einer „Sozialistischen Marktwirtschaft“ im Oktober 1992 durch die kommunistische Partei Chinas anzusehen. Damit war der Weg frei für eine marktorientierte Umgestaltung des Wirtschaftssystems ohne politischen Systemwechsel.

[9] Info: 2004 betrug das japanische Pro-Kopf-BIP 75% des Pro-Kopf-BIP der USA (OECD 2005b).

Ende der Leseprobe aus 91 Seiten

Details

Titel
Eine Prognose der Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels vor dem Hintergrund der Erfahrungen der schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht)
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
91
Katalognummer
V75900
ISBN (eBook)
9783638726320
Dateigröße
793 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eine, Prognose, Branchenstruktur, Außenhandels, Hintergrund, Erfahrungen, Volkswirtschaften
Arbeit zitieren
Dipl.-Volkswirtin Ya Neugebauer-Tao (Autor), 2007, Eine Prognose der Branchenstruktur des chinesischen Außenhandels vor dem Hintergrund der Erfahrungen der schnell wachsenden asiatischen Volkswirtschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75900

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