Im ersten Teil der Arbeit werden die theoretischen Annahmen über die Situation der Ausländer in Brandenburg, differenziert nach allgemeiner Lebenssituationsbeschreibung und Kriminalitätsaufkommen erfasst. Ausnahmslos wird sich hierbei auf amtliche Statistiken gestützt, um ein möglichst objektives Bild wiederzugeben.
Hiernach soll im zweiten Teil die Rolle der Brandenburger Polizei, als Einflussfaktor auf die Ausländerkriminalität untersucht werden. Dazu wird zunächst die Diskriminierungsthese erläutert, kritisch betrachtet und schließlich mit dem Hauptargument ihrer Vertreter - dem überproportionalen ausländischen Täterschwund von Polizeilicher Kriminalstatistik zur Strafverfolgungsstatistik - auf Brandenburg angewendet.
Im weiteren praktischen Teil der Arbeit erfolgt aufgrund der theoretischen Grundlagen die Formulierung einzelner Hypothesen in Bezug auf ein etwaiges Diskriminierungsverhalten von Polizeibeamten gegenüber Ausländern. Diese Hypothesen werden in der Folge einer empirischen Überprüfung unterzogen, wobei die hierzu verwendete standardisierte schriftliche Befragung der Polizisten vorab erklärt werden soll. Im Anschluss daran erfolgt die Zusammenfassung und Interpretation der erhobenen Ergebnisse. Teilweise kommt es zu einer Gegenüberstellung der Resultate mit einer, für Ostdeutschland repräsentativen Erhebung, wodurch die Einschätzung der Polizeibeamten nicht losgelöst von der Meinung der Bevölkerung betrachtet werden soll.
Es werden Befunde, welche über die Hypothesen hinausgehen vertieft und analysiert. Den Abschluss der Arbeit bildet eine allgemeine Zusammenfassung und ein Versuch, die Ergebnisse in einen größeren polizeilichen Rahmen einzustellen, wobei ein rechtspolitischer Ausblick gewagt werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Teil
2.1 Allgemeine Angaben zu Ausländern in Brandenburg
2.1.1 Begriffsbestimmung
2.1.2 Ausländeranteil in Brandenburg und regionale Verteilung
2.1.3 Ausländergruppen
2.1.4 Aufenthaltsdauer und Wanderungssaldo
2.1.5 Ausländische Bevölkerung nach Aufenthaltsstatus
2.1.6 Lebenssituation der in Brandenburg lebenden Ausländer
2.2 Kriminalität der Nichtdeutschen in Brandenburg von 1998 bis 2003
2.2.1 Kritik an dem Begriff „Ausländerkriminalität“
2.2.2 Kriminalitätslage in Brandenburg
2.2.2.1 Kriminalitätsaufkommen im Grenzgebiet zu Polen
2.2.2.2 Kriminalitätsaufkommen im engen Verflechtungsraum
2.2.3 Differenzierung nach Anlass des Aufenthalts
2.2.4 Verteilung der Tatverdächtigen nach Nationen
2.2.5 Ausländerextremismus / -terrorismus in Brandenburg
2.2.6 Fazit
2.3 Diskriminierungsthese
2.3.1 Vorstellung der Diskriminierungsthese und ihrer Hauptvertreter
2.3.2 Gegenpositionen zur Diskriminierungsthese
2.3.3 Bewertung der verschiedenen Positionen und Vergleich der Verurteiltenzahlen mit den Tatverdächtigen in Brandenburg in der letzten Dekade
3. Empirischer Teil
3.1 Hypothesenformulierung
3.2 Methoden der Untersuchung
3.2.1 Fragestellung
3.2.2 Erhebungsmethode, Erhebungsinstrument und Konzeption
3.2.3 Untersuchungsgruppe
3.3 Auswertung der Ergebnisse des Fragebogens
3.3.1 Beteiligung der Dienststellen
3.3.2 Soziodemographische Daten
3.3.3 Auswertung orientiert an den einzelnen Hypothesen
3.3.3.1 Überprüfung 1. Hypothese
3.3.3.2 Überprüfung 2. Hypothese
3.3.3.3 Überprüfung 3. Hypothese
3.3.3.4 Überprüfung 4. Hypothese
3.3.3.5 Überprüfung 5. Hypothese
3.3.3.6 Überprüfung 6. Hypothese
3.3.3.7 Überprüfung 7. Hypothese
3.3.3.8 Überprüfung 8. und 9. Hypothese
3.3.3.9 Die Bekämpfung und Vorbeugung der Nichtdeutschenkriminalität aus Sicht der Beamten
3.3.4 Fazit der empirischen Erhebung
4. Zusammenfassung und rechtspolitischer Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit ist es, zu untersuchen, wie sich Polizeibeamte in Brandenburg im Rahmen der sogenannten Diskriminierungsthese einschätzen und ob ein Zusammenhang zwischen der polizeilichen Arbeit und dem registrierten Kriminalitätsaufkommen nichtdeutscher Bevölkerungsgruppen besteht.
- Analyse der Lebenssituation und Kriminalitätslage von Ausländern in Brandenburg
- Kritische Auseinandersetzung mit der Diskriminierungsthese
- Empirische Befragung von Polizeibeamten zu Einstellungen gegenüber Ausländern
- Vergleich der Polizeieinstellungen mit repräsentativen Bevölkerungsdaten
- Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Polizeieinstellungen und Kriminalitätsregistrierung
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Kritik an dem Begriff „Ausländerkriminalität“
Dem im Rahmen dieser Arbeit häufig wiederkehrenden Begriff „Ausländerkriminalität“ kommt eine signifikante Bedeutung zu, welche die ehemalige Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Ausländer Schmalz-Jacobson wie folgt, formulierte: Der Begriff „Ausländerkriminalität“ ist „wie kein zweiter geeignet, bereits vorhandene Vorurteile zu bestärken sowie neue entstehen zu lassen“. In der Tat ruft die Begrifflichkeit „Ausländerkriminalität“ bei den verschiedensten Rezipienten bereits pejorativ besetzte Bilder hervor.
Wie negativ er behaftet ist, zeigt folgende semantische Aufspaltung des Begriffes: Das zusammengesetzte Substantiv besteht ohne Zweifel aus den Worten „Ausländer“ und „Kriminalität“, dessen erster Wortteil bereits im Unterpunkt 2.1 erörtert wurde. Der Begriff „der ‚Kriminalität’ bezieht sich auf Verhaltensweisen, die das Gesetz mit Strafe bedroht [und wird] zur Beschreibung von straffnormverletzendem Verhalten“ verwendet.
Doch was sagt das aus den Worten „Ausländer“ und „Kriminalität“ zusammengesetzte Substantiv aus? Dass es sich hierbei keinesfalls um einen wertneutralen Begriff handelt, zeigt eine Gegenüberstellung der Bedeutungsinhalte von „Ausländerkriminalität“ und „Ausländerfeindlichkeit“.
Unter „Ausländerfeindlichkeit“ werden die Feindlichkeit verstanden, welche sich gegen Ausländer richten. Als logischer Umkehrschluss müsste man analog zu dieser Begrifflichkeit, unter „Ausländerkriminalität“ die gegen Ausländer gerichtete Kriminalität verstehen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Üblicherweise liegt der Bedeutungsinhalt des Begriffes „Ausländerkriminalität“ in den von Ausländern begangenen kriminellen Handlungen. Es kommt somit zu einer Inkarnierung von Tätern und Opfern, wodurch aus den Gefährdeten die Gefährlichen für die Gesellschaft werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Kriminalitätsbelastung nichtdeutscher Bevölkerungsgruppen ein und erläutert die Relevanz der Diskriminierungsthese für die polizeiliche Arbeit.
2. Theoretischer Teil: Dieses Kapitel liefert statistische Daten zur Situation von Ausländern in Brandenburg und analysiert die Kriminalitätslage sowie die theoretischen Grundlagen der Diskriminierungsthese.
3. Empirischer Teil: Hier wird die Einstellungsuntersuchung unter Polizeibeamten beschrieben, die Hypothesen formuliert, die Erhebungsmethodik dargelegt und die Ergebnisse detailliert ausgewertet.
4. Zusammenfassung und rechtspolitischer Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und diskutiert integrationspolitische Perspektiven im Kontext der Brandenburger Polizei.
Schlüsselwörter
Ausländerkriminalität, Brandenburg, Diskriminierungsthese, Polizeiarbeit, Kriminalstatistik, Migration, Integration, Vorurteile, Fremdenfeindlichkeit, Sozialkontrolle, Deliktsstruktur, Einstellungsmuster, Migrationshintergrund, Kriminalisierung, Tatverdächtige
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Kriminalitätsbelastung von Nichtdeutschen in Brandenburg im Zeitraum von 1998 bis 2003 und prüft dabei kritisch, ob Polizeibeamte gegenüber dieser Personengruppe diskriminierende Einstellungen aufweisen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Lebenssituation von Ausländern in Brandenburg, die statistische Kriminalitätslage, die wissenschaftliche Debatte um die sogenannte Diskriminierungsthese sowie die Einstellung brandenburgischer Polizeibeamter zu ausländischen Mitbürgern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, herauszufinden, ob sich Polizeibeamte in Brandenburg innerhalb der Diskriminierungsthese selbst als diskriminierend einschätzen und ob ein messbarer Zusammenhang zwischen Einstellungsfaktoren und dem registrierten Kriminalitätsaufkommen besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine quantitative Analyse amtlicher Statistiken (PKS und Strafverfolgungsstatistik) mit einer eigenen empirischen Einstellungsuntersuchung unter Polizeibeamten, welche durch eine standardisierte schriftliche Befragung durchgeführt wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil, der Daten und Erklärungsansätze liefert, und einen empirischen Teil, der durch die Auswertung eines Fragebogens Hypothesen zur Einstellung der Beamten gegenüber Ausländern überprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Diplomarbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ausländerkriminalität, Diskriminierungsthese, Brandenburg, Polizeiarbeit, Migration, Integration und Kriminalstatistik charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Grenzregion zu Polen bei der Analyse des Kriminalitätsaufkommens?
Das Grenzgebiet zu Polen stellt einen örtlichen Schwerpunkt des Kriminalitätsaufkommens dar, wobei ein Großteil der registrierten Delikte nicht-kriminelle Verstöße gegen Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen umfasst.
Welche Bedeutung haben die Erkenntnisse für die Polizei in Brandenburg?
Die Erkenntnisse legen nahe, dass eine bewusst diskriminierende Polizei in Brandenburg nicht nachweisbar ist, auch wenn eine gewisse Unwissenheit oder unbewusste Benachteiligung durch Vorurteile aufgrund von negativen beruflichen Erfahrungen nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.
- Citation du texte
- Dipl. Verwaltungswirt (FH) René Engelmann (Auteur), 2005, Die Kriminalität der Nichtdeutschen in Brandenburg und Überprüfung der Diskriminierungsthese, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75946