Die FDJ gehörte neben dem FDGB zu den führenden Massenorganisationen in der DDR. Als eine solche Massenorganisation hatte sie die Aufgabe die führende Rolle der SED anzuerkennen, die SED-Mitglieder in den wichtigsten Positionen der Organisation zu integrieren und den Aufbau nach den Prinzipien des „demokratischen Zentralismus“ anzustreben. Zudem diente die FDJ als Kaderreservoir für die SED, den Staat und andere Massenorganisationen.
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Die Hausarbeit befasst sich im wesentlichen mit der Entstehungsphase der FDJ in den Jahren 1945-1947. Dieser Zeitraum umfasst die Jugendpolitik der KPD/SED von der Organisierung der Jugend in den „Antifaschistischen Jugendschüssen“ bis hin zur feierlichen Gründung der FDJ auf dem I. Parlament in Brandenburg. Grundlage für die Arbeit stellen insbesondere die Werke von Ulrich Mählert dar, welcher gerade über diesen Zeitraum ein „Standardwerk“ veröffentlicht hat.
Im Hauptteil soll ein kurzer geschichtlicher Abriss der Jugendpolitik in der SBZ in der Phase 1945-1947 gegeben werden. Zugleich soll insbesondere die Nachkriegspolitik der KPD/SED untersucht werden, die das Konzept einer einheitlichen, unabhängigen und überparteilichen Jugendorganisation bevorzugte. Dabei soll insbesondere untersucht werden, ob die FDJ auch diesem Anspruch seitens der KPD/SED erfüllen konnte, d.h. ob deren jugendpolitisches Konzept bis Ende 1946 durchgesetzt werden konnte. Zum anderen soll analysiert werden, wie die Jugendarbeit der „antifaschistischen Jugendausschüsse“ bzw. der FDJ von der jungen Nachkriegsgeneration angenommen wurde und wie diese innerhalb der Jugend organisiert war. Zum Schluss sollen die wesentlichen Erkenntnisse der Hausarbeit noch einmal thesenartig zusammengefasst werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Von den „antifaschistischen Jugendausschüssen“ zur FDJ-Gründung
1.1 Die Nachkriegssituation und der politische Neubeginn
1.2 Exilplanung und Einheitszwang
1.3 Gründungsaufruf zur FDJ
1.4 Die lokale Jugendarbeit der Jugendausschüsse
2. Die FDJ 1946/47 – die Zeit der apostrophierten Überparteilichkeit
2.1 Das I. Parlament der FDJ in Brandenburg
2.2 Die Nachkriegsjugend und deren Resonanz auf die FDJ
3. Ausblick auf die weitere Entwicklung der FDJ nach 1946/47
Schluss/Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsphase der Freien Deutschen Jugend (FDJ) in den Jahren 1945 bis 1947 in der Sowjetischen Besatzungszone. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der jugendpolitischen Strategie der KPD bzw. SED, die auf die Schaffung einer einheitlichen und überparteilichen Jugendorganisation abzielte, sowie auf der tatsächlichen Resonanz und Akzeptanz dieser Organisation innerhalb der jungen Nachkriegsgeneration.
- Jugendpolitik der KPD/SED in der SBZ
- Transformation von antifaschistischen Jugendausschüssen zur FDJ
- Diskurs um Überparteilichkeit und tatsächliche SED-Dominanz
- Die Rolle von Kirchen und bürgerlichen Parteien im Gründungsprozess
- Alltag und Motivationen der Jugend in der frühen Nachkriegszeit
Auszug aus dem Buch
1.4 Die lokale Jugendarbeit der Jugendausschüsse
Für die Jugendlichen der Jahreshälfte 1945/46 hatte die „große Politik“ in Berlin kaum eine Bedeutung. Auch die Arbeit der lokalen Ausschüsse selbst war von Region zu Region unterschiedlich. Die Arbeit der Ausschüsse war abhängig „vom Elan der Jugendfunktionäre vor Ort [...], der Unterstützung durch die Stadtverwaltung, die Parteien und den lokalen Militärkommandanten.“ Auch die Jugendlichen selbst wurden in der Mehrzahl kaum erreicht, da sie die Probleme des Nachkriegsalltags selbst schon genug bedrückten und in Anspruch nahmen. Zudem stießen die Ausschüsse, vor allem in Folge der Einheitskampagne der KPD, als ‚eine neue Auflage in rot, von dem was gestern war’ in Verruf. In Extremfällen kam es sogar zu Tätlichkeiten gegenüber Jugendlichen und Jugendfunktionären die sich in den Jugendausschüssen engagierten, wie Fälle in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern beweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung der FDJ als Massenorganisation in der DDR ein und erläutert die Forschungsrelevanz des betrachteten Zeitraums 1945-1947.
1. Von den „antifaschistischen Jugendausschüssen“ zur FDJ-Gründung: Dieses Kapitel analysiert die politische Ausgangslage nach 1945 und den strategischen Prozess der KPD zur Gründung einer einheitlichen Jugendorganisation.
2. Die FDJ 1946/47 – die Zeit der apostrophierten Überparteilichkeit: Das Kapitel befasst sich mit der offiziellen Gründung auf dem I. Parlament und untersucht die Diskrepanz zwischen dem propagierten überparteilichen Anspruch und der faktischen SED-Vorherrschaft.
3. Ausblick auf die weitere Entwicklung der FDJ nach 1946/47: Es wird skizziert, wie sich die FDJ ab der zweiten Jahreshälfte 1947 zunehmend zur festen Stütze der SED-Politik entwickelte und den überparteilichen Anspruch faktisch aufgab.
Schluss/Fazit: Die Arbeit schließt mit einer thesenartigen Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse über den Gründungsprozess und die gesellschaftliche Rolle der FDJ.
Schlüsselwörter
FDJ, DDR, Sowjetische Besatzungszone, SBZ, KPD, SED, Antifaschistische Jugendausschüsse, Jugendpolitik, Überparteilichkeit, Nachkriegszeit, Erich Honecker, SMAD, Einheitsjugendkonzept, Massenorganisation, Gründungsprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Gründung und frühe Phase der Freien Deutschen Jugend (FDJ) in den Jahren 1945 bis 1947 unter Berücksichtigung der politischen Verhältnisse in der Sowjetischen Besatzungszone.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Jugendpolitik der KPD/SED, dem Aufbau der FDJ als angeblich überparteiliche Organisation und der Reaktion der Jugendlichen sowie anderer politischer Akteure wie Kirchen und bürgerlichen Parteien.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den Entstehungsprozess der FDJ zu beleuchten und zu untersuchen, inwieweit das Konzept einer einheitlichen, unabhängigen Jugendorganisation tatsächlich realisiert werden konnte.
Welche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Untersuchung, die primär auf der Auswertung bestehender Fachliteratur, insbesondere dem Standardwerk von Ulrich Mählert, aufbaut.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der historische Kontext, die Planung durch die KPD im Exil, die Gründung der FDJ sowie deren Rezeption durch die Nachkriegsjugend detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind FDJ, SBZ, KPD, SED, Einheitsjugendkonzept, Überparteilichkeit und Nachkriegsjugend.
Warum war die FDJ für die SED so wichtig?
Die FDJ sollte als Massenorganisation fungieren, die SED-Ideologie unter Jugendlichen verankern und gleichzeitig als Kaderreservoir für die Partei und den Staat dienen.
Wie reagierten die bürgerlichen Parteien und Kirchen auf die FDJ?
Sie standen der FDJ meist distanziert gegenüber und versuchten teilweise, eigene jugendpolitische Konzeptionen zu verfolgen, wobei sie jedoch durch den politischen Druck der SMAD in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt waren.
Was war der "Eklat" auf dem I. Parlament?
Es kam zu Spannungen zwischen FDJ-Funktionären und Kirchenvertretern aufgrund der ablehnenden Haltung einiger Landesleiter gegenüber kirchlichen Verbindungsstellen in der FDJ, was beinahe zum Abbruch des Parlaments führte.
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- Klaus Genschmar (Author), 2003, Die Entstehungsphase der FDJ 1945-1947, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/75965