Der Ausbau der Standardsprache und die Herausbildung tertiärer Dialekte - Die zyklische Abfolge von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in der Iberoromania


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
33 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Castellano – Vom Primärdialekt zur Gemeinsprache
2.1. Die Reconquista – kurzer historischer Überblick
2.2. Die Ausgliederung des Kastilischen aus den nördlichen Dialekten im Zuge der Reconquista
2.3. Der Vorausbau des Kastilischen auf dem Weg zur Gemeinsprache
2.4. Der Ausbau der kastilischen Schrift- bzw. Gemeinsprache
2.4.1. Alfonso el Sabio und das castellano drecho

3. Von der Gemeinsprache zur Nationalsprache

4. Der interne Ausbau und die Standardisierung der Nationalsprache während des Siglo de Oro

5. Die Entstehung der expliziten Norm und die Fixierung der Schriftsprache des Spanischen

6. Die Diffusion und der Ausbau der Standardsprache

7. Die Regionalisierung des Standards - Tertiäre Dialekte: españoles regionales

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Um den Ausbau der Standardsprache und die Entstehung der tertiären Dialekte sowie die damit einhergehenden zyklischen Abfolgen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit entsprechend darzustellen, scheint es mir, da die ersten Standardisierungsprozesse des Kastilischen schon sehr früh einsetzen, sinnvoll, in chronologischer Abfolge bereits von der Reconquista ausgehend zunächst die Entwicklung des kastilischen Primärdialektes hin zur Schrift- bzw. Gemeinsprache des kastilischen Königreiches und damit gleichermaßen den ersten Schritt vom mündlichen zum schriftlichen Gebrauch der lengua vulgar zu beleuchten. Als dann soll der Ausbau dieser Gemeinsprache und ihre Entwicklung zur Standardsprache ganz Spaniens, die im Zuge ihrer Diffusion die tertiären Dialekte hervorbringt, nachvollzogen werden. Zum Zwecke der besseren Verständlichkeit der unabdingbaren Termini Standardsprache und tertiärer Dialekt sei die folgende Definition E. Coserius vorangestellt:

In einer Gemeinsprache kann man ferner eine Stufe unterscheiden, die ihre sozial-

kulturelle Norm darstellt, die “Standardsprache“, das, was ich das

“Exemplarische“ einer Sprache nenne. Diese Stufe des Exemplarischen kann nun

wiederum zu einer Differenzierung gelangen, d.h. das Exemplarische kann

seinerseits in verschiedenen Gegenden verschieden realisiert werden, wodurch

neue diatopische Unterschiede entstehen und zugleich neue syntopische Einheiten,

die man tertiäre Dialekte nennen kann. Diesem Begriff würde zum Beispiel im

Falle des Spanischen nicht mehr das Andalusische als Form des Kastilischen,

sondern die andalusische Form des exemplarischen Spanisch, der spanischen

Standardsprache entsprechen.[1]

2. Castellano – Vom Primärdialekt zur Gemeinsprache

2.1. Die Reconquista – kurzer historischer Überblick

Nach der Eroberung fast der gesamten iberischen Halbinsel durch die Mauren zu Beginn des 8 Jh.[2] formiert sich der Widerstand gegen die islamisch-arabische Herrschaft zunächst im Norden Hispaniens und breitet sich von dort in Form der Reconquista, die mehrere Jahrhunderte andauert und erst 1492 mit der Rückeroberung Granadas zum Abschluss kommt, über das gesamte bislang maurisch dominierte Gebiet der Halbinsel aus.[3] Die Rückeroberung erfolgt dabei in mehreren Etappen: Zwischen dem 8. und 10. Jh. bilden sich zunächst die christlichen Staaten heraus, zu denen das Königreich Navarra, die Grafschaft Barcelona und das Königreich Asturien-León mit der Grafschaft Castilla zählen, die aber als solche noch keine Gefahr für die maurische Herrschaft darstellen.[4] Als während des 11. und 12. Jh. das Kalifat von Córdoba in diverse Kleinkönigreiche zerfällt, erobern Kastilien, das im Zentrum der Halbinsel durchaus als Hauptträger der Reconquista angesehen werden kann, und León, unter Alfons VI. (1077-1109) 1085 zunächst Toledo, 1118 folgt Zaragoza.[5] Nachdem Aragón und die Grafschaft Katalonien sich 1137 zur Corona de Aragón vereint hatten, werden seitens dieses Königreiches die Balearen (1229-1235) und Valencia (1238) eingenommen, womit die katalanisch-aragonesische Reconquista ihren Abschluss findet[6], was allerdings nicht für die kastilischen Rückeroberungsbestrebungen gilt: 1212 führt der Sieg über die Mauren bei Navas de Tolosa zur Auflösung des Almohaden-Reiches, unter Ferdinand III. (1217-1252), König von Kastilien und seit 1230 auch von León[7], wird 1236 Córdoba eingenommen, es folgen Sevilla (1248), Cádiz (1265) und letztendlich 1492 Granada.[8]

2.2 Die Ausgliederung des Kastilischen aus den nördlichen Dialekten im Zuge der Reconquista

Um das Jahr 1000 weist die Pyrenäenhalbinsel folgende fünf Dialektzonen auf: Die galicische, die katalanische, die asturisch-leonesische, die navarro-aragonesische und die kastilische Zone.[9] Das Galicische im Westen gelangt im Zuge der Reconquista weiter nach Süden und wird dort zur Basis des Portugiesischen, das Katalanische, im Osten durch regen Sprachkontakt mit dem Okzitanischen entstanden, dringt während der Rückeroberung der iberischen Halbinsel bis Valencia vor.[10] “Das dazwischen liegende spanische Sprachgebiet umfaßt mit dem Asturisch-Leonesischen im Westen und dem Navarro-Aragonesischen in der Rioja und in den Pyrenäen eine Archaitätszone, die aufgrund der Übereinstimmungen mit dem Mozarabischen für die relative sprachliche Einheit des westgotischen Hispanien zeugt.“[11] Diese Einheit wird allerdings durchbrochen durch das in Kantabrien entstandene Kastilisch, bei dem es sich um einen durch auffällige Innovationen in der Aussprache gekennzeichneten Primärdialekt des Vulgärlateins handelt[12], der sich im Laufe der Reconquista keilförmig zwischen die genannten Dialekte drängt, sich im Norden und im gesamten Süden ausbreitet und letztendlich die sprachliche Ausgliederung der Pyrenäenhalbinsel mitbestimmt.[13]

Im Gegensatz zu den Primärdialekten des Nordens, die eher eine Art Kontinuum mit fließenden Übergängen bilden, sind sowohl im Zentrum als auch im Süden der iberischen Halbinsel klare sprachliche Grenzen zwischen Portugiesisch, Kastilisch und Katalanisch zu verzeichnen .[14] Beim Andalusischen handelt es sich um einen sekundären Dialekt des Kastilischen, das mittels der Reconquista in den Süden der iberischen Halbinsel getragen und dort weiterentwickelt wurde.[15]

2.3. Der Vorausbau des Kastilischen auf dem Weg zur Gemeinsprache

Die Bevölkerung der iberischen Halbinsel verständigt sich etwa seit dem 10. Jh. mittels der jeweiligen romance, verwendet im schriftlichen Bereich jedoch weiterhin Latein, was sich im Laufe des 13. Jh. grundlegend ändern soll.[16]

Allerdings muss man anmerken, dass das Romanische bereits im 11. und 12. Jh. zunehmend an Bedeutung gewinnt[17] und das Latein in bestimmten Bereichen der Schriftlichkeit ablöst.[18] Den Anstoß zu dieser Entwicklung gibt die auf Initiative Karls des Großen (*747- †814) durchgesetzte Karolingische Reform, im Zuge derer die schriftliche Variante des Lateins von Elementen des Vulgärlateins befreit und das klassische Latein wieder zur Norm für die Schrift erklärt wird. Dies erhöht den Abstand zwischen geschriebener und gesprochener Form des Lateins derart, dass die schriftliche Variante von nun an oftmals als künstliche oder tote Sprache betrachtet wird[19], die es in Folge dieser Wahrnehmung durch das Romanische zu ersetzen gilt. Die iberische Halbinsel betreffend muss man jedoch berücksichtigen, dass diese Reform zunächst lediglich in Katalonien rezipiert wird[20], in Kastilien erfolgt ihre Umsetzung erst ab 1080, legitimiert durch das im gleichen Jahr stattfindende Konzil von Burgos.[21]

Für die Entfaltung der Literatur und den Ausbau bzw. Vorausbau der romance im hispanischen Sprachraum sind bis zum Ende des 13. Jh. nur wenige kulturelle Zentren von Bedeutung[22]: Zu nennen wäre hier zunächst Santiago de Compostela, das sich durch den Zustrom von Pilgern aus ganz Europa zu einem Ort des regen Austausches entwickelt und der in galicisch-portugiesischer Sprache, die bis ins 14. Jh. neben Okzitanisch die einzige Sprache der Lyrik bleiben wird, abgefaßten Lyrik, die sich gegen Ende des 11. Jh. entwickelt, zur Blüte verhilft.[23] Hier entstehen auch die cantigas de amigo (Frauenlieder, Frauenklagen)[24], die eine enge inhaltliche Verbindung zu den Jarchas aufweisen.[25] Weitere Gattungen der galicisch-portugiesischen Lyrik sind die von der okzitanischen Trobadorpoesie beeinflußten cantigas de amor (Minnelieder) und die cantigas de escarnho e maldizer (Spottlieder, Rügelieder).[26]

Mit Ausnahme der Jarchas sind uns nur wenige, u.a. juristische und religiöse Texte des 12. Jh. überliefert, beispielsweise das im Dialekt der Rioja verfaßte Auto de los Reyes Magos, welches als erstes erhalten gebliebenes Theaterstück Spaniens gilt und vermutlich gegen Ende des 12. Jh. im Kloster San Millán de la Cogolla entstanden ist.[27] Auch der Cantar del Mio Cid, ein in altkastilischer Sprache verfaßtes Heldenepos, bestehend aus 3730 Versen in assonierenden Laissen, das die Heldentaten und die Geschichte der historischen Figur Rodrigo Díaz y Vivar, eines Vasallen König Alfons VI. wiedergibt, wird noch dem 12. Jh. zugeordnet.[28] Mit diesem ersten großen in der Volkssprache entstandenen literarischen Werk, dessen Sprache auf der Verschriftung des gesprochenen Kastilisch basiert, endet auch die Phase des Vorausbaus der Gemeinsprache, respektive der Schriftsprache.[29]

2.4. Der Ausbau der kastilischen Schrift- bzw. Gemeinsprache

Mit Beginn des 13. Jh. wird der Prozeß des Sprachausbaus massiv fortgesetzt, wobei dies sowohl auf der intensiven als auch auf der extensiven Ebene geschieht: Der intensive Ausbau meint dabei die Entwicklung der Literatursprache sowie der juristischen, historischen und wissenschaftlichen Prosa, der extensive Ausbau bezieht sich auf die Ausbreitung der Distanzsprache in den verschiedenen Sprachräumen und Diskurstraditionen.[30]

Hatten die königlichen Kanzleien von Kastilien und León bis zu Beginn des 13. Jh. Urkunden ausschließlich in lateinischer Sprache abgefaßt[31], wird unter Ferdinand III. (1217-1252) zunehmend Kastilisch für diesen Zweck verwendet[32] und avanciert so in kurzer Zeit zur offiziellen Kanzleisprache Kastiliens, in der ausnahmslos alle Gesetzestexte niedergeschrieben werden.[33] Diese Entwicklung wird durch verschiedene Faktoren begünstigt, von denen hier nur die maßgeblichsten erwähnt werden sollen: Die Reconquista des 13. Jh. führt dazu, daß das kastilische Territorium sich nahezu verdoppelt und die Bevölkerungszahl sich zwischen 1225 und 1475 von vier auf sieben Millionen Menschen erhöht.[34] Zu diesem Prozeß zählt auch die repoblación von Extremadura[35], die zur Abfassung der fueros (Landrechte)[36] seitens der königlichen Kanzlei Kastiliens in castellano führt, da die eintreffenden Siedler des Lateins nicht mächtig sind.[37] Wie wir sehen, folgen auf die militärischen Rückeroberungen Urbanisierungsprozesse, die eine relativ schnelle Wiederbelebung des städtischen und damit auch des geistigen Lebens ermöglichen: Schulen, die vorher ausschließlich dem Klerus vorbehalten waren, befinden sich nun in städtischer Hand, der Unterricht innerhalb der Primarstufe erfolgt sogar in der Volkssprache.[38] Auf die Initiative des Königs werden auch die Estudios Generales, die ersten mittelalterlichen Universitäten, gegründet: in Kastilien, genauer in Palencia 1208 (später nach Valladolid verlegt), in Lissabon 1290, in Lérida 1300 und in Huesca 1354[39], wobei ein neues Konzept autonomer Disziplinen, u.a. Artes, Recht, Medizin, Einzug hält, das die allmähliche Loslösung von der Vorherrschaft der Theologie einleitet.[40] Durch die Universitäten und die Tatsache, dass Bildung nun generell nicht mehr nur dem Klerus zugänglich ist, kommt es zu einer beträchtlichen Steigerung der Buchproduktion[41] und damit auch der Literaturrezeption, was wiederum zu einer verstärkten Verbreitung des Kastilischen auch im mündlichen Gebrauch führt.

Man kann also davon ausgehen, dass bereits im 13. Jh. die Entscheidung bezüglich der Schrift- bzw. Literatursprache zugunsten der Hegemonie des Kastilischen gefallen ist[42], was jedoch nicht bedeutet, dass keine Schriftzeugnisse der anderen Primärdialekte vorliegen: Noch bis zum Ende des 14. Jh. werden Texte in Aragonesisch und Leonesisch verfaßt und wie bereits im vorangegangenen Kapitel erwähnt, spielt das Galicische eine wichtige Rolle als Sprache der Lyrik, was sich auch unter Ferdinand III. und Alfons X. nicht ändert, unter deren Herrschaft der kastilische Hof in Toledo zu einem Zentrum lyrischer Dichtung avanciert.[43]

2.4.1. Alfonso el Sabio und das castellano drecho

Während des 13. Jh. entwickelt sich die kastilische Sprache sowohl zur lingua franca als auch zur lingua de cultura, deren Zentrum kein geeigneteres als Toledo hätte sein können, denn die Stadt, die seit der Wiedereroberung 1080 unter Alfons VI. Burgos als Sitz des kastilischen Königshofes abgelöst hatte, verfügt nicht erst seit der Reconquista über höchstes Prestige: als sede episcopal primada, ehemalige Hauptstadt des Westgotenreiches und Gründungsort der berühmten Übersetzerschule, der beträchtliche Bedeutung als Zugang des Westens zur Kultur und Wissenschaft der Araber zukommt und deren Tätigkeit unter Alfons X. fortgeführt wird[44], stellt sie ein “[...] centro cultural de primerísimo orden.“[45] dar. Diese überaus günstigen Voraussetzungen kombiniert mit der überragenden Leistung Alfons des Weisen (1252-1284), der Übersetzungen fördert und selbst literarische und wissenschaftliche Werke verfasst[46], führen letzten Endes dazu, daß das castellano von Toledo zur dominanten Norm erhoben wird.[47] Wie im vorangegangenen Kapitel erläutert, entwickelt sich das Kastilische bereits unter Ferdinand III. zur Kanzleisprache des königlichen Hofes. Diese Entwicklung setzt sich während der Regierungszeit Alfons X. fort und das castellano steigt, auch wenn dies nicht durch Gesetzte belegt ist, de facto zur Amtssprache des kastilisch-leonesischen Reiches auf[48], die als Urkundensprache ebenso in allen zu Kastilien gehörenden Gebieten Verwendung findet[49], während im Schriftverkehr mit dem Ausland selbstverständlich weiterhin auf die lateinische Sprache zurückgegriffen wird.[50] Begünstigt durch die literarischer Tätigkeit Alfons X. bzw. durch dessen normierendes Sprachbewußtsein - er spricht u.a. von nuestro lenguage de Castiella[51] - weist die Sprache der königlichen Kanzlei schon früh eine relative Einheitlichkeit bzw. Standardisierung auf Basis des Kastilischen von Toledo auf[52], die letzten Endes im castellano drecho kulminiert.[53] Mit dieser schriftsprachlichen Varietät des Kastilischen, im 14. Jh. geschaffen vom alfonsinischen Skriptorium als nivellierende Norm, deren Basis das Altkastilische von Toledo darstellt, welches jedoch mit einer neukastilischen Prägung versehen wird[54], entsteht eine überaus leistungsfähige Distanzsprache.[55] Diese neue Norm des castellano drecho setzt sich in erster Linie aufgrund des Übergewichtes der kastilischen Textproduktion am Hof von Toledo durch, die sich während des 14. und 15. Jh. noch steigern soll.[56] Aber auch Alfons X. selbst leistet einen nicht unwesentlichen Beitrag bezüglich des Status des castellano drecho: Sein Verdienst besteht in der Stabilisierung des Kastilischen, er verleiht der Sprache Prestige, verbreitet sie und fixiert die Standardnorm[57], indem er das Kastilische auf der Pyrenäenhalbinsel uneingeschränkt an die Stelle des Lateins setzt.[58] Dies wird auch deshalb so vehement verfolgt, weil der kastilische König sich mit dem Gedanken trägt, in der Doppelwahl 1257 die Kaiserkrone zu erringen, weswegen er beabsichtigt, für sein Land ein kulturelles Erbe zu erschaffen, das dem des römischen Reiches in nichts nachsteht.[59] Zu diesem Zweck soll das Kastilische in den Rang einer Literatursprache erhoben und die literarische Produktion in dieser Sprache vermehrt werden: Castellano findet sich nun in den wichtigsten distanzsprachlichen Bereichen, also der Literatur, der Jurisdiktion und in der Wissenschaft wieder, was ungemein großes Prestige mit sich bringt[60], während dem Latein lediglich in der Liturgie und einigen wenigen Bereichen des Geisteslebens eine Funktion zuteil wird.[61] Allerdings muss das Kastilische zunächst für all diese neuen Bedürfnisse gerüstet werden, was einen intensiven Ausbau von Syntax und Wortschatz, besonders im Bereich der Fachsprachen, nötig macht.[62] Dabei orientiert man sich sowohl am Latein als auch am Arabischen[63], wobei es allerdings nur selten zu einfachen Übernahmen kommt; in der Regel bemüht man sich um Angleichungen bzw. romanische Äquivalente, die neben romanischen Neubildungen wie ladeza ‚Breite‘ (lado), longueza ‚Länge‘ (longo), paladinar ‚veröffentlichen‘ zu paladino ‚öffentlich‘, Einzug in die Sprache halten.[64] Auch die Orthographie wird in Teilen standardisiert, obwohl die Verschriftlichung des Kastilischen auf Grundlage der lateinischen Schrift einige Probleme aufwirft, die im Wesentlichen damit zusammenhängen, dass das Romanische Laute entwickelt hat, die dem Lateinischen fremd sind, weswegen für diese Laute keinerlei Zeichen zur Verfügung stehen.[65] Dies führt zur Ergänzung des lateinischen Alphabets durch die griechischen Zeichen k, y, z, die zusätzliche Grapheme <ç> und <ñ> und das aus dem Französischen entlehnte <ch> für [t∫].[66]

So können das 13. und 14. Jh. als Jahrhunderte der Fixierung des Kastilischen betrachtet werden[67], deren Resultate im Wesentlichen bis ins 18. Jh. hinein, bis sie von den Empfehlungen der Real Academia Española abgelöst werden, überdauern.[68]

3. Von der Gemeinsprache zur Nationalsprache

Während des 15. Jh. schreitet sowohl die Diffusion des Kastilischen auf der iberischen Halbinsel als auch der Ausbau des Kastilischen als Schriftsprache ungebrochen voran. Ersteres wird in besonderem Maße durch die Vergrößerung des Königreiches Kastilien unter der Herrschaft der Reyes Católicos begünstigt[69]: 1469 ehelicht Ferdinand, ein Neffe Alfons V. König von Aragón, die kastilische Thronerbin Isabella, die ihrerseits 1474 zur Königin von Kastilien gekrönt wird.[70] Es folgt 1479 die Vereinigung der Königreiche Kastilien und Aragón, als Ferdinand das Königreich Alfons V. als Erbe zufällt.[71] 1482 zieht das Königspaar in den Krieg gegen das zu diesem Zeitpunkt noch maurisch dominierte Granada, das 1492 endgültig eingenommen wird und damit ebenfalls Kastilien angehört.[72]

[...]


[1] E. Coseriu, “‘Historische Sprache‘ und ‘Dialekt‘ “, in: J. Göschel/ P. Ivic/ K. Kehr (Hg.), Dialekt und

Dialektologie. Ergebnisse des internationalen Symposiums “Zur Theorie des Dialekts“, Marburg/ Lahn,

5.-10. September 1977, Wiesbaden, 1980, 106-120, 113-114

[2] R. Lapesa, Historia de la lengua española, 1988, 157

[3] H. Berschin/ J. Fernández-Sevilla./ J. Felixberger, Die spanische Sprache. Verbreitung, Geschichte,

Struktur, München, 1987, 55

[4] Berschin/ Fernández-Sevilla./ Felixberger, 1987, 55

[5] Berschin/ Fernández-Sevilla./ Felixberger, 1987, 55

[6] A. Bollée/ I. Neumann-Holzschuh, Spanische Sprachgeschichte, Stuttgart, 2003, 59

[7] Berschin/ Fernández-Sevilla./ Felixberger, 1987, 91

[8] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 59

[9] Koch, P./ Oesterreicher, W., Gesprochene Sprache in der Romania: Französisch, Italienisch, Spanisch,

Tübingen, 1990, 200

[10] Lapesa, 1988, 190

[11] Berschin/ Fernández-Sevilla./ Felixberger, 1987, 82

[12] Berschin/ Fernández-Sevilla/ Felixberger, 1987, 82

[13] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 59

[14] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 59

[15] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 59

[16] Berschin/ Fernández-Sevilla/ Felixberger, 1987, 90

[17] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 61

[18] Berschin/ Fernández-Sevilla/ Felixberger, 1987, 90

[19] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 61

[20] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 61

[21] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 67

[22] A. Gier, "Reflexiones preliminares sobre unos centros de la literatura hispánica en la Edad Media", in:

V. Beltrán (Hg.), Actas del I Congreso de la Asociación Hispánica de literatura medieval, Santiago de

Compostela, 2-6. Dezember 1985, Barcelona, 1988, 87-99, 91

[23] A. Gier, "12.-14. Jahrhundert: Lyrik, Epik, Roman und Drama", in: C. Strosetzki (Hg.), Geschichte der

spanischen Literatur, Tübingen , 1991, 1-26, 9

[24] Lapesa, 1988, 196

[25] Lapesa, 1988, 196

[26] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 68

[27] G. Hilty, “La lengua del `Auto de los Reyes Magos´“ , in: Logos semantikos. Studia linguistica in

honorem Eugenio Coseriu, Bd.V, Madrid/Berlin/New York, 1981, 198-302, 300

[28] Berschin/ Fernández-Sevilla/ Felixberger, 1987, 90

[29] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 62

[30] Koch/ Oesterreicher, 1990, 200

[31] Berschin/ Fernández-Sevilla/ Felixberger, 1987, 91

[32] Berschin/ Fernández-Sevilla/ Felixberger, 1987, 91

[33] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 71

[34] J. Vincens Vives, Atlas de historia de España, Barcelona, 1977, 45-53

[35] M. T. Echenique Elizondo/ J. Sánchez Méndez, Las lenguas de un reino. Historia lingüística hispánica,

Madrid, 2005, 327

[36] M. Gonzáles Jiménez, “El reino de Castilla durante el siglo XIII“, in: Cano, R. (Hg.), Historia de la

lengua española, Barcelona 2005, 357-280, 373

[37] Koch./ Oesterreicher, 1990, 210

[38] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 70

[39] Gier, 1991, 12

[40] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 70

[41] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 70

[42] Berschin/ Fernández-Sevilla/ Felixberger, 1987, 110

[43] Berschin/ Fernández-Sevilla/ Felixberger, 1987, 91

[44] C. Hernández, “Norma y lengua estándar“, in: G. Holtus/ M. Metzeltin/C. Schmitt (Hg.), Lexikon der

romanistischen Linguistik, Bd. VI,I, Tübingen, 1992, 354-368, 359

[45] Gonzáles Jiménez, 2005, 373

[46] Hernández, 1992, 359

[47] Hernández, 1992, 359

[48] Koch/Oesterreicher, 1990, 201

[49] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 75

[50] Koch/Oesterreicher, 1990, 201

[51] zit. nach D. Briesemeister, “Das Sprachbewußtsein in Spanien bis zum Erscheinen der Grammatik

Nebrijas (1492)“, in: Iberoromania 1, 1969, 35-55, 42

[52] J. Brumme, “Sprachbewertung“, in: G. Holtus/ M. Metzeltin/C. Schmitt (Hg.), Lexikon der

romanistischen Linguistik, Bd. VI,I, Tübingen, 1992, 379-396, 387

[53] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 74

[54] C. Lleal, La formación de las lenguas peninsulares, Barcelona, 1990, 235

[55] Koch/Oesterreicher, 1990, 201

[56] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 75

[57] Hernández, 1992, 359

[58] Gonzáles Jiménez, 2005, 373

[59] Gonzáles Jiménez, 2005, 365

[60] Hernández, 1992, 359

[61] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 74

[62] Lapesa,1988, 243

[63] Echenique Elizondo/ Sánchez Méndez, 2005, 320

[64] Lapesa,1988, 244

[65] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 76

[66] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 76

[67] Hernández, 1992, 359

[68] Hernández, 1992, 354

[69] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 82

[70] C. Martínez Shaw, “La España moderna (1474-1700)“, in: Cano, R. (Hg.), Historia de la

lengua española, Barcelona 2005, 659-680, 659

[71] F. Lebsanft, “Nation und Sprache. Das Spanische“, in: A. Gardt (Hg.) Nation und Sprache. Die

Diskussion ihres Verhältnisses in Geschichte und Gegenwart, Berlin, 2000, 643-671, 648

[72] Bollée/ Neumann-Holzschuh, 2003, 82

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Details

Titel
Der Ausbau der Standardsprache und die Herausbildung tertiärer Dialekte - Die zyklische Abfolge von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in der Iberoromania
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Hauptseminar: Das ‘Vulgärlatein‘ und die Entstehung der romanischen Sprachen
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
33
Katalognummer
V76017
ISBN (eBook)
9783638801461
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausbau, Standardsprache, Herausbildung, Dialekte, Abfolge, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Iberoromania, Hauptseminar, Entstehung, Sprachen
Arbeit zitieren
Nadin Meyer (Autor), 2006, Der Ausbau der Standardsprache und die Herausbildung tertiärer Dialekte - Die zyklische Abfolge von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in der Iberoromania , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76017

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