Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Didactics for the subject German - Pedagogy, Linguistics

Martin Luthers problematische Rolle in der Sprachgeschichte

Title: Martin Luthers problematische Rolle in der Sprachgeschichte

Seminar Paper , 2007 , 33 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Thomas Brunner (Author)

Didactics for the subject German - Pedagogy, Linguistics
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Bei der Betrachtung von Dokumenten des 16. Jahrhunderts sticht die Willkür der Schriftsetzung ins Auge, sodass von einer sprachlichen Einheitlichkeit in der Zeit Luthers nicht die Rede sein kann. Luther war, wie von Jakob Grimm angenommen, nicht der „Erfinder“ der neuhochdeutschen Sprache. Ebenso ist Friedrich Kluges Aussage „Luthers Sprache sei seit 1580 zur Norm für unser Schriftdeutsch geworden“ unhaltbar. Mit welcher Berechtigung kommen dann Aussagen wie die von Grimm und Kluge zustande? Tatsache ist, dass die Wirkung der Schriften Luthers in dessen Zeit, vor allem die Bibelübersetzung, immens war. Luthers Bibelübersetzung überwand erstmals die damals herrschende sprachliche Uneinheitlichkeit im deutschen Sprachraum durch die Anfertigung einer für alle Sprachregionen befriedigenden deutschen Übersetzung. Mit Hilfe der Erfindung des Buchdruckes wurde Luthers Übersetzung im ganzen deutschsprachigen Raum verbreitet. Infolgedessen wurde die Übersetzung der Bibel von mehr Menschen rezipiert als jedes andere Schriftwerk zuvor.

Vor Luther gab es bereits 14 hochdeutsche und vier niederdeutsche gedruckte Bibelausgaben. Als Vorlage dienten vor allem die griechische Septuaginta und die lateinische Vulgata. Luther hingegen übersetzte die hebräischen und griechischen Urtexte und verwendete für seine Bibelübersetzung das ostmitteldeutsche Idiom seiner Heimat, in dem nord- und süddeutsche Dialekte verschmolzen waren. Zwischen 1534 und 1626 wurden allein in Wittenberg knapp einhundert Bibelausgaben hergestellt, die insgesamt circa 200000 Exemplare umfassten. Wenn Luther auch nicht der „Erfinder“ der neuhochdeutschen Sprache war, so überdauerte sein Schaffen doch Hunderte von Jahren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Sprachwandel im 16. Jahrhundert

a) Der nationale Aspekt

b) Der soziologische Aspekt

c) Der regionale Aspekt

2. Luthers Sprache

a) Einordnung des lutherischen Sprachraumes und die wettinische Kanzlei

b) Die Entwicklung der lutherischen Sprache

c) Inhaltliche Überarbeitung der Vorgänger

3. Luthers Orthographie

4. Lexikalische Neuerungen bei Luther

5. Überalterung der Luthersprache

a) Glossen zu Luthers Bibel

b) Konkurrenz durch andere Übersetzer

6. Luthers individuelle Leistung bei der Bibelübersetzung

a) Theologischer Hintergrund

b) Luthers Prinzipien bei der Übersetzung

c) Luthers „besondere“ Übersetzungstechnik

d) Luthers Wirkung auf die folgenden Generationen

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das sprachliche Umfeld Martin Luthers, um die Wirkung seiner Bibelübersetzung auf die deutsche Sprache sowie die von ihm vorgenommenen sprachlichen Neuerungen kritisch zu erläutern und zu interpretieren.

  • Sprachwandel und die soziokulturelle Entwicklung im 16. Jahrhundert.
  • Die Rolle Luthers bei der Herausbildung der neuhochdeutschen Sprache.
  • Luthers Übersetzungsmethodik und die Bedeutung des "gemeinen Deutsch".
  • Der lexikalische Einfluss Luthers und die Rezeption seiner Sprache durch spätere Generationen.

Auszug aus dem Buch

2. Luthers Sprache

Walter Henzen teilt Luthers Schaffen in drei Perioden ein. Die erste reicht bis 1524, in der Luther sich an der ostmitteldeutschen Schreibtradition und Druckersprache orientierte. Die Zweite dauerte bis 1532, in der die Rechtschreibung und die Sprachformen von Inkongruenzen gesäubert wurden und eine dritte Periode, die keine generalisierbaren Neuerungen brachte. Luther gebrauchte noch alte starke Verbformen (steig, schrei, treib) und Partizipformen (worfen, worden, funden, bracht), die bereits im ersten Nachdruck der Bibel nicht mehr erschienen. Dialektwörter wie: feilen- fehlen, wegern- weigern, Ruge- Ruhe etc. ließ Luther ebenso einfließen, diese nehmen aber ab Beginn der zweiten Periode stark ab. Auf Grund dieser Tatsachen kann Grimms These, Luther sei der Schöpfer der neuhochdeutschen Sprache, widerlegt werden. Luther verkörperte vielmehr den Vorreiter eine Übergangsphase in der Entwicklung der Sprache.

a) Einordnung des lutherischen Sprachraumes und die wettinische Kanzlei

Unter sprachwissenschaftlichen Gesichtspunkten sprach Luther ostmitteldeutsch. Der Begriff fasst die Großraumdialekte Thüringisch, Obersächsisch und Schlesisch zusammen. Außerdem werden ostmitteldeutsche Sprachinseln in West- und Ostpreußen, im nördlichen Böhmen und Mähren, Polen und der Slowakei dazugezählt. In der Literatur wird das Ostmitteldeutsche häufig auch als Produkt der wettinischen „Kanzleischreibe“ gesehen und als oberdeutsches Gemeindeutsch, Lutherdeutsch und schlesisches Barockdeutsch bezeichnet. Luther gebrauchte anfangs die wettinische „Kanzleischreibe“, die sich vor allem durch ihr schreibsprachliches Wesen auszeichnete. Zwar gibt es keine strenge Einheitlichkeit innerhalb der wettinischen Kanzleisprache, jedoch lassen sich charakteristische Merkmale ausmachen.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die sprachliche Situation im 16. Jahrhundert und hinterfragt die These von Luther als „Erfinder“ der neuhochdeutschen Sprache.

1. Sprachwandel im 16. Jahrhundert: Dieses Kapitel analysiert die nationalen, soziologischen und regionalen Faktoren, die den Sprachwandel vor und während der Zeit Luthers begünstigten.

2. Luthers Sprache: Hier wird die Entwicklung von Luthers Sprachgebrauch in drei Perioden unterteilt und die Einordnung in den ostmitteldeutschen Sprachraum vorgenommen.

3. Luthers Orthographie: Das Kapitel befasst sich mit den orthographischen Entwicklungen und dem Wandel der Schreibweise in Luthers Werken.

4. Lexikalische Neuerungen bei Luther: Eine Untersuchung von Luthers lexikalischem Einfluss auf den allgemeinen Sprachgebrauch sowie die Kategorisierung seiner Wortneuerungen.

5. Überalterung der Luthersprache: Dieses Kapitel behandelt die historische Rezeption von Luthers Sprache und die Notwendigkeit von Glossen in späteren Bibelausgaben.

6. Luthers individuelle Leistung bei der Bibelübersetzung: Eine vertiefende Analyse von Luthers theologischen Hintergründen, seiner Rhetorik und den Prinzipien seiner besonderen Übersetzungstechnik.

7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Würdigung von Luthers Verdienst um ein sprachliches Ideal und seine stilistische Vorreiterrolle ab.

Schlüsselwörter

Martin Luther, Bibelübersetzung, Neuhochdeutsch, Sprachgeschichte, Ostmitteldeutsch, Wettinische Kanzlei, Sprachwandel, Kanzleisprache, Lexik, Reformation, Sprachnormierung, Übersetzungstechnik, Glossen, Soziolekt, Schriftsprache.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die sprachliche Rolle Martin Luthers im 16. Jahrhundert und analysiert kritisch, inwieweit er die deutsche Sprache geprägt hat oder lediglich als Katalysator fungierte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen der Sprachwandel des 16. Jahrhunderts, die Entwicklung der lutherischen Sprache, die Analyse seiner Bibelübersetzung sowie die spätere Rezeption und Überalterung einzelner Sprachformen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, Luthers tatsächlichen Beitrag zur Herausbildung der neuhochdeutschen Schriftsprache zu interpretieren und die gängige Legende von ihm als "Sprachschöpfer" zu differenzieren.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer philologischen Analyse von Textquellen, dem Vergleich verschiedener Bibelausgaben und der Auswertung von linguistischer Fachliteratur zu Luthers Sprachgebrauch.

Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die dialektale Herkunft Luthers, seine orthographischen Anpassungen, die Einführung neuer Begriffe in die deutsche Sprache sowie die methodische Herangehensweise bei der Bibelübersetzung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind das ostmitteldeutsche Sprachgebiet, die Kanzleisprache, die Rezeptionsorientierung bei der Übersetzung und die Rolle der Reformation für den Sprachausgleich.

Wie bewertet die Arbeit Luthers Rolle bei der Entstehung des Neuhochdeutschen?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Luther weniger der Schöpfer der Sprache als vielmehr ein wichtiger Katalysator und Neuerer war, der eine Vorreiterrolle in einer Übergangsphase einnahm.

Warum war Luthers Übersetzungstechnik für seine Zeit so besonders?

Luther wählte einen rezeptionsorientierten Ansatz, bei dem er "dem Volk aufs Maul schaute", um eine lebendige, bildhafte und theologisch verständliche Sprache zu schaffen, anstatt starr an lateinischen Vorlagen festzuhalten.

Excerpt out of 33 pages  - scroll top

Details

Title
Martin Luthers problematische Rolle in der Sprachgeschichte
College
University of Regensburg
Grade
2,0
Author
Thomas Brunner (Author)
Publication Year
2007
Pages
33
Catalog Number
V76147
ISBN (eBook)
9783638885010
ISBN (Book)
9783638938518
Language
German
Tags
Martin Luthers Rolle Sprachgeschichte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Brunner (Author), 2007, Martin Luthers problematische Rolle in der Sprachgeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76147
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  33  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint