Bestattungen des frühen und mittleren Jungpaläolithikums


Seminararbeit, 2000

66 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Kultgemeinschaft

3. Einführung in die Kulturen des frühen und mittleren Jungpaläolithikums
3.1. Allgemeiner Überblick
3.2. Das früheste Jungpaläolithikum
3.3. Das frühe Jungpaläolithikum
3.4. Das mittlere Jungpaläolithikum

4. Vorstellung der einzelnen Bestattungen
4.1. Bestattungen des frühen Jungpaläolithikums
4.1.1. Die Grimaldi Höhlen
4.1.1.1. Grotte des Enfants
4.1.1.2. Grotte de Caviglione
4.1.1.3. Barma Grande
4.1.1.4. Baousso da Torre (Caverna de la Cippa del Ponte)
4.1.1.5. Zusammenfassung
4.2. Bestattungen des mittleren Jungpaläolithikums
4.2.1. Die Bestattungen von Sungir
4.2.1.1. Der Mann von Sungir
4.2.1.2. Kinderbestattungen
4.2.1.3. Zusammenfassung
4.2.2. Die Bestattungen von Dolni Vestonice und Pavlov
4.2.2.1. Dolni Vestonice
4.2.2.2. Pavlov
4.2.2.3. Zusammenfassung
4.2.3. Predmosti
4.2.3.1. Funde
4.2.3.2. Verwandtschaftliche Beziehungen unter den Bestatteten
4.2.3.3. Zusammenfassung

5. Zusammenfassung

6. Literatur

7. Anhang

1. Einleitung

Diese Arbeit soll sich mit den Bestattungssitten des frühen bis mittleren Jungpäläolithikums befassen. Es ist festzustellen, dass es dabei natürlich einige Schwierigkeit gibt, die hier vorweg erläutert werden sollen. So ist die Abgrenzung des Mittel- gegen das Jungpaläolithikum be­reits mit einigen Schwierigkeit behaftet. Einige der frühstjungpaläolithischen Kulturen wie das Chatelperronien und Szeletin werden mit den Neandertalern in Verbindung gebracht. Es scheint sich hier um Neandertalerkulturen zu handeln, die nach der Wende des Mittel- zum Jungpaläolithikum weiter existierten und erst in der Frühphase des Jungpaläolithikum, aus bisher noch ungeklärten Ursachen, verschwanden.

Das Aurignacien ist die erste Kultur, die offensichtlich ausschließlich mit dem modernen Menschen, dem Homo sapiens sapiens in Verbindung zu bringen ist.

Es soll sich nun in dieser Arbeit ausschließlich mit den Bestattungen des modernen Menschen im frühen und mittleren Jungpaläolithikum befasst werden. Dazu wurden einige Bestattungs­plätze ausgewählt und versucht diese näher zu betrachten um hier möglicherweise Gemein­samkeiten, aber auch Trennendes festzustellen. Es handelt sich dabei um die mährischen Fundplätze des Pavlovian, Dolni Vestonice und Predmosti, den russischen Fundplatz Sungir, sowie die an der italienischen Riviera gelegen Fundplätze der Grimaldi Höhlen.

Es muss hier darauf verwiesen werden, dass es bereits einige Überblicke über dieses Thema gibt, so Harrod (1980) und Binant (1991). Diese Überblicke sind jedoch nicht frei von Fehlern, was sicherlich an der ursprünglichen Publikationsform der einzelnen Funde liegt. Aus diesem Grund soll sich in dieser Ar­beit auf einige, wenige, Fundplätze beschränkt werden.

2. Kultgemeinschaft

Da sich gezeigt hat, dass eine ethnische Interpretation archäologischer Funde mit größeren Schwierigkeiten behaftet ist scheint es archäologisch opportun Kult­gemein­schaften zu fassen. Hierfür scheint der Bestattungsbrauch die beste Möglichkeit zu sein, da, um mit den Worten von Camus zu sprechen „Der Mensch vor dem Tod wie der Schauspieler vor dem Vorhang“ agiert. Aus dieser Erkenntnis scheint sich ableiten zu lassen, dass eine Ge­meinschaft die eine gleiche Jenseitsvorstellung hat, oder eine auch keine, die Toten ihrer Vor­stellung entsprechend so behandeln wird, dass die Transformation in das Jenseits nicht gefähr­det wird. Dies äußerte sich häufig in ähnlicher oder gleicher Bestattungs­sitte.

Als Beispiel kann das Christentum angeführt werden, hier äußert sich eine gemeinsame Jenseits­vorstellung in einer Uniformität der Gräber. Das idealchristliche Grab ist wie folgt definiert: Flachgräberfeld auf dem die Verstorbenen regelhaft mit dem Kopf im Westen in Rückenlage beigesetzt werden um am Tag des Jüngsten Gerichts den Sonnenaufgang zu se­hen (Randsborg & Nybo, 1984) und Beigabenlosigkeit. Auch heute, in einer Zeit in der das Christentum immer mehr an Bedeutung verliert, bleiben einige Grundstrukturen einer christ­lichen Bestattung erhalten. Dies ist das Flachgräberfeld mit Einzelbestattungen ohne Beiga­ben. In diesen Gräberfeldern treten nun einige Ausnahmen auf. Dazu zählt unter anderem die Feuer­bestattung. Doch äußern sich gerade in diesen „Sonderformen“ die Auflösungs­erscheinungen unserer Kultgemeinschaft.

Auch ist natürlich denkbar, dass trotz gleicher Jenseitsvorstellung die Toten auf unter­schiedli­che Art behandelt werden müssen um das Jenseits zu erreichen. So wäre es beispiels­weise denkbar, dass Menschen die in der kalten Jahreszeit sterben eine andere Bestattungs­zeremonie erhalten, wie Menschen die im Sommer sterben.

Die größte Unsicherheit bei der Beurteilung der paläolithischen Bestattungssitten stellt aller­dings die Menge der überlieferten Bestattungen dar. Auch scheint bei der Bergung dieser Be­stat­tungen auf manche Aspekte nicht genügend Aufmerksamkeit gelegt worden zu sein.

So konnte Ullrich (1997) zeigen, dass es sich in der Zeit des Jungpaläolithikums nur bei rund 10-12 % der durch Knochenreste belegten Individuen um Körperbestattungen handelt.

Es sind sogar 84 % der jungpaläolithischen durch Skelettreste fassbaren Individuen nur durch isolierte Knochen bzw., Zähne repräsentiert (Ullrich, 1997, S. 349).

Häufig lassen sich an diesen Knochen Spuren von Manipulationen finden. Diese Spuren wur­den oder werden mit Kannibalismus (Anthropophagie) in Verbindung gebracht. In neueren Untersuchungen konnte Ullrich (1997, S. 350) allerdings zeigen, dass diese Spuren wohl auch Teil eines Bestattungsbrauchs gewesen sein könnten. Demnach wäre das Hauptanliegen beim Abfleischen der Knochen oder beim Durchtrennen der Sehnen nicht die Gewinnung von Fleisch, sondern von Knochen gewesen.

Mit diesen könnte dann eine Bestattungszeremonie abgehalten worden sein, die dem Toten den Weg in das Jenseits oder zumindest aus dem Diesseits heraus ebnet. Man kann daher vermuten, dass der paläolithische Bestattungsbrauch die Knochen in den Mittelpunkt stellte und diese bei den Verstorbenen auf unterschiedlichste Weise gewonnen wurden. Laut Ullrich (1997, S. 348) sind bestimmte Knochen, oder besser gesagt bestimmte Knochenbruchstücke von Kranium, Femur und Unterkiefer im Fundgut überrepräsentiert.

Diese These hat einiges für sich, weisen doch viele Knochen Modifikationen auf, die wohl nicht auf Anthropophagie zurückzuführen sind, da die Schnittmarken wie Ullrich ausführt an Stellen liegen wo sie nicht zur Fleischgewinnung sondern eher zur Knochengewinnung die­nen.

Die Anzahl der nur in einzelnen Knochen überlieferten Individuen ist auf keinen Fall mit Be­stattungs­zeremonien gleichzusetzen bei denen nur ein Knochen, als pars pro toto, Verwen­dung fand. Vielmehr verbergen sich in dieser Zahl auch gestörte Bestattungen. Sei es, dass die Bestattung in urgeschichtlicher oder in relativ moderner Zeit gestört wurde. Auch ist an das Verschleppen von Knochen durch Karnivoren zu denken. Allerdings wurden bisher meines Wissens nach noch keine Zahnabdrücke gefunden, die dies beweisen würden.

Auch Anthropophagie kann natürlich nicht ausgeschlossen werden. Bisher wurden allerdings noch keine Zahnabdrücke gefunden, die den Beweis das tatsächlich Kannibalismus praktiziert wurde, erbringen.

Es wurden allerdings Fundzusammenhänge entdeckt, in denen offensichtlich die Knochen des Wildes Schnittspuren und Brüche genau an denselben Stellen zeigen, wie die im selben Be­fund gefundenen menschlichen Knochen (Eberl, 2000). Einschränkend muss hier angemerkt werden, dass es sich hierbei um eine Fundstelle von Neandertalern handelt, und dass es bis heute keinen ethnologischen Nachweis gibt, dass Menschen Menschen, außerhalb extremer Hunger­ereignisse, wie dem Flugzeugabsturz in den Anden 1972 verspeist haben (Peter-Röcher, 1997).

Da aber die Diskussion, inwieweit es sich bei den isoliert gefunden Knochen und Zähnen nun um die Reste einer Bestattungszeremonie handelt noch am Anfang steht und es nach der der­zeitigen Befundlage als unmöglich erscheint diese wahrscheinlich vorhandenen Rituale zu beschreiben, soll sich in dieser Arbeit auf die intentionellen Körperbestattungen des frühen und mittlere Jungpaläolithikum konzentriert werden. Auf Grund der Befunde ist es als sicher anzusehen, dass es sich bei diesen Befunden um intentionelle Bestattungen handelt, auch wenn sie möglicherweise eine Sonderform im Bestattungswesen des Jungpaläolithikums darstellen.

3. Einführung in die Kulturen des frühen und mittleren Jungpaläolithikums

3.1. Allgemeiner Überblick

Der zweite Teil der letzten Kaltzeit ist menschheitsgeschichtlich, zumindest in Mitteleuropa, die "große Zeit der Eiszeitjäger" (Bosinski, 1987) Es fällt klimatisch in eine Zeit, die von einem winterkalten, extrem trockenen Kontinentalklima mit kurzen, aber warmen Som­mern geprägt war (Frenzel, 1983, S. 133). Da aus dem kalten Ozean kaum verdunstetes Was­ser aufstieg, brachten die vorherrschenden Westwinde nur geringe Niederschläge nach Mittel­europa. Dieses Wasserdefizit hielt während der Interstadiale an, die vor allem während des Inter-Pleniglazials (Isotopenstadium 3) nicht feuchtkalt, sondern winterkalt-trocken waren. Die vorherrschende Vegetationsform war die mit Steppengräser bewachsene Kaltsteppe. Wohl wegen der Temperaturen, als auch auf Grund der Trockenheit wuchsen Wälder ledig­lich entlang der Flussläufe und in geschützten Senken und Mulden.

Die eiszeitliche Graslandschaft beherbergte eine große tierische Biomasse, für die neben Mammut, Wollnashorn, Wisent oder Pferd auch Tiere wie die Saiga-Antilope und das Ren­tier, deren heutige Verbreitungsgebiete weit voneinander getrennt sind, charakteristisch waren. In großen Herden durchzogen diese Tiere in jahreszeitlichen Zyklen die Kältesteppe.

Chronostratigraphisch beginnt das Jungpaläolithikum während des Inter-Pleniglazials (Bosinski, 1987; Müller-Beck, 1998), der letzten Kaltzeit. Dieses Inter-Pleniglazial wird insgesamt mit der Isotopenstufe 3 gleichgesetzt, die etwa 60.000 – 25.000 vor heute datiert wird (Müller-Beck, 1998) also ein Zeitraum von etwa 35.000 Jahren.

Bosinski (1987) glaubt allerdings den Beginn des Jungpaläolithikums mit dem Hengelo-Interstadial (im Rheinland: Innerwürmboden, in Frankreich: Les Cottes), das etwa von 43.000 bis 34.000 vor heute dauerte, gleichsetzen zu können. In diesen gemäßigten Ab­schnitt gehören Industrien des frühesten Jungpaläolithikums, die wie das Chatelperronien in Frankreich, das Szeletien und Bohunicien im östlichen Mitteleuropa, die aus dem regionalen Mittelpaläolikum hervorgegangen sind.

Umstritten ist die Stellung der Sungir-Kostenki I,5 Osteuropa. Bosinski möchte diese an den Beginn des Mittelpaläolithikums datiert wissen und zieht hierfür ein 14C-Datum einer Humus­schicht von 32.000c vor heute heran. Allerdings läßt sich für die Bestattung des Man­nes von Sungir immer wieder ein 14C-Datum von ca. 25.000c vor heute finden, was eine gravettien- zeitliche Einordnung der Sungir-Kostenki I,5 Kultur nahe legt.

Nach einer kälteren Phase, in die ein Teil der Inventare des frühjungpaläolithischen, europa­weit einheitlichen Aurignacien datiert, folgt um ca. 32.000 - 28.000 vor heute ein weiterer ge­mäßigter, allgemein als Denekamp-Interstadial bezeichneter Abschnitt.

In Südwesteuropa lassen sich mehrere wärmere Ozillationen (Frankreich: Arcy und Kesselt, Belgien: Denekamp und Maisieres) unterscheiden, während weiterer östlich in den Profilen lediglich ein Boden zu erkennen ist. Mit ihm beginnt die ältere Phase des mittleren Jung­pa­läolithikums, die wie das Aurignacien im wesentlichen eine kulturelle Einheit in ganz Europa bildet und auch die, durch eine zunehmende Verschlechterung der klimatischen Bedingungen gekennzeichnete Anlaufzeit zum 2. Kältemaximum umfasst. Die zugehörigen Inventare stam­men aus erhaltungstechnischen Gründen vor allem aus der Zeit nach dem Denekamp-Inter­stadial und werden dem "Perigordien superieur", "Gravettien" oder "Pavlovien" zugerechnet.

Die Einheitlichkeit des Fundstoffes in Europa geht durch das 2. Kältemaximum zwischen 22.000 und 18.000 vor heute (Isotopenstadium 2) verloren. Der skandinavische Eisschild dringt weit nach Europa vor. Er reicht etwa bis zur Mitte der jütischen Halbinsel und bis in die Gegend um Berlin vor. Im Süden reichen die Alpengletscher jetzt in das Alpenvorland hinein und in den Mittelgebirgen bilden sich ab einer Höhe von 900 m ebenfalls Gletscher.

Zwischen dem skandinavischen und dem inneralpinen Eisschild entsteht eine siedlungs­feindliche Eiswüste, die den mitteleuropäischen Siedlungsraum in einen West- und einen Ostteil teilt.

Während sich im Westen das Solutreen herausbildet, sind es im Osten Inventare und Befunde, wie sie für die Fundplätze von Eliseevici und Kostenki VIII,1 typisch sind. Nach dem 2. Kältemaximum der letzten Kaltzeit kommt es im Zuge der allmählichen Wiedererwärmung, von kleineren kälteren Abschnitten unterbrochen zu einer Klimaverbesserung, die im Lascaux - Interstadial um 17.800 - 16.500 vor heute ihren Anfang nimmt und schon im Bölling - Inter­stadial in manchen Gebieten, wie in Österreich, eine flächendeckende (Kiefern-) Bewaldung ermöglicht. Die Wiederbesiedlung Mitteleuropas erfolgt vom Westen her durch die Träger des Magdalenien, das in seinen verschiedenen Ausprägungen die Zeit des späten Jung­paläolithikums zwischen dem Ende des 2. Kältemaximums und dem Anfang des Alleröd-Inter­stadials um 11.750 vor heute in West- und Mitteleuropa bestimmt.

Sein Pendant in Osteuropa ist die Mezin-Meziric-Kultur. Europaweite Einheitlichkeit stellt sich erst wieder im Azillien des Spätpaläolithikums ein.

Im Unterschied zum Mittelpaläolithikum setzen sich zu Beginn des Jungpaläolithikums die weniger rohmaterialaufwendige Klingentechnik und wenig später auch rückengestumpfte und z.T. kleindimensionierte Geräte als feste Bestandteile der überwiegenden Anzahl der Techno­komplexe durch. Daneben gewinnt die Knochen- und Geweihbearbeitung stärker an Be­deutung, wie die Anwendung der Spantechnik, die standardisierten Knochen- und Geweih­geräte und der zunehmenden Anteil der Werkzeugklasse der Stichel zeigen.

In die Zeit des Jungpaläolthikums fällt auch der Beginn der Beschäftigung des Menschen mit Dingen und Tätigkeiten, die zumindest vordergründig nicht unmittelbar zur Sicherung des Überlebens beitragen.

So zeugen Fundstücke wie z.B. Statuetten aus Elfenbein und Ton, oder aber skulptierte Speer­schleudern, nicht nur von einer differenzierten und komplexen, ständigen Veränderungen unter­worfenen Vorstellungswelt, sondern auch von einem höheren Quantum an "Freizeit".

Es scheint so als ob durch einen schnellen Austausch von Informationen über weite Distanzen der Wandel in der Vorstellungswelt, ebenso wie in der Technik beschleunigt wurde

Trotz regionaler Rohmaterialversorgung finden sich schon im Fundmaterial des Aurignacien fossile Schmuckschnecken, die teilweise aus großen Entfernungen von mehreren hundert Kilo­metern stammen müssen. So konnten in Krems-Hundssteig in Nieder- Österreich neben fossilen Mollusken aus dem Wiener Becken solche aus dem mittleren Donaubecken Ungarns und aus dem Mittelmeer (Schwarzes Meer?) nachgewiesen werden, die man wohl als einge­tauscht ansehen darf.

Das wohl nicht nur materielle Güter getauscht (verhandelt) wurden, belegen die nach und nach angebrachten Grübchen auf dem Adorantenplättchen aus dem Aurignacien des Geißen­klösterle und den Elfenbeinplättchen gleicher Zeitstellung aus dem Abri Blanchard bzw. Abri Lartet, die scheinbar auf einer identischen Vorstellung beruhen. So scheinen sich bereits für das Aurignacien weitreichende Kontakte belegen zu lassen, die wohl dazu betragen das sich Neuerung sehr schnell in einem großen Teil der menschlichen Ökumene verbreiten.

3.2. Das früheste Jungpaläolithikum

In die Zeit des Hengelo-Interstadials zwischen 43.000 und 34.000 vor heute fällt der Umbruch vom Mittel- zum Jungpaläolithikum, der durch eine Zunahme von jungpaläolithischen Werk­zeugklassen (Klingengeräte, Stichel, Kratzer) innerhalb der weiterhin stark von den je­weiligen regionalen mittelpaläolithischen Gerätetraditionen geprägten Inventaren charak­terisiert ist. Eine technologische Neuerung stellt die einfache Spantechnik dar, die ver­einzelt durch typische Vorformen (z.B. aus Arcy-sur-Cure/Grotte du Renne) nachgewiesen ist. Dane­ben gehören jetzt Kunstgegenstände Schmuck, aber auch Statuetten - zu den Funden.

Die Leitform des vor allem in Südwestfrankreich verbreiteten Chatelperronien oder Perigordien I, ist die Chatelperron-Spitze, die eine Weiterentwicklung aus dem Mousterien darstellt

Ebenfalls mittelpaläolithisch sind die verschiedenen Schaberformen und kleinen Faustkelle, und auch die - jetzt allerdings in höheren Anteilen vertretenen -Klingen und aus Klingen ge­fertigten Kratzer und Stichel kommen im späten Mittelpaläolithikum bereits vor. Bearbeitete Gegenstände aus Knochen und Zahn stammen vor allem aus dem Höhlensystem Arcy-sur-Cure, das Leroi - Gourhan untersucht hat. Als Schmuckgegenstände anzusprechen sind Zähne vom Wolf, Fuchs und Ren, die eine Rille zum aufhängen besitzen, sowie das Glied eines fos­silen Seeigels. Darüber hinaus liegen verschiedenartig bearbeitete Knochen vor. Ebenfalls in Arcy-Sur-Cure, in der Grotte du Renne, konnte ein rundliches, von einer Plattenlage, Mammutstoßzähnen und peripheren Pfostenlöchern begrenztes Siedlungsobjekt beobachtet werden.

Es ist allerdings darauf hinzuweisen, dass das Chatelperronien allgemein als Industrie des Neandertalers angesehen wird. Es handelt sich hier wohl um eine Form, die mit dem, bis­her noch weitgehend ungeklärten Verschwinden, des Neandertalers abbricht. Im weiteren Teil des Textes soll sich auch nicht mit dem Chatelperronien befaßt werden, sondern sich auf die menschlichen Überreste des modernen Menschen im frühen und mittleren Jung­paläolithikum konzentriert werden.

In Mitteleuropa ist vor allem das Szeletien zu nennen, das überwiegend in Südpolen, Mähren, der Slowakei und Nord-Ungam verbreitet ist. Nach der Auffassung von entwickelt sich das Szeletien aus dem späten Micoquien, wie es z.B. aus der Kulna - Höhle vorliegt. Die Inventare weisen neben mittelpaläolithischen Schabern und verschiedenen Bifaceformen typischerweise zahlreiche Blattspitzen auf Dane­ben kommen jungpaläolithische Formen, vor allem Kratzer mit einer übersteilten Kratzerstirn, Stichel und retuschierte Klingen, vor. Die Datierung des Szeletien in das Hengleo-Interstadial ist durch 14C-Daten gesichert,

Nach Ansicht von Bosinski ist die in Osteuropa zu findende Sungir-Kostenki-1,5-Kultur, die zwischen Wolga und Pruth verbreitet ist ebenfalls in das frühste Mittelpaläolithikum zu stellen. Typisch für diese Kultur sind neben jungpaläolithischen Kratzern, Sticheln und Klingen­grundformen kleine, dreieckige, beidseitig flächenretuschierte Spitzen, Blattspitzen und Schaber, die sich aus der spätetesten Il‘skaja Wolgograd-Formengruppe des ost­euro­päischen Mittelpaläolithikums herleiten lassen,

Bei der Einstufung in das frühste Jungpaläolithikum beruft sich Bosinski auf die 14C-Datierung einer Humusschicht in Kostenki. Während in Sungir nur eine Humusschicht ausge­bildet ist, liegen die Funde im Kostenkigebiet in dem unteren von zwei, durch Lehm oder vulkanische Asche getrennten Humuszonen, von denen die obere auf 32.000+/-700 vor heute datiert ist. Dazu ist anzumerken das die Bestattung in Sungir auf 25.000c vor heute durch 14C datiert wurde. Im weiteren soll in diesem Text der Datierung der Bestattung gefolgt werden und die Funde von Sungir in das Gravettien gestellt werden

3.3. Das frühe Jungpaläolithikum

Die nach 14C-Daten ältesten Inventare, die sich anhand der Leitformen Kiel- und Nasen­kratzer, Kiel- und Bogenstichel, eingeschnürte Klingen und Geschossspitzen mit gespaltener und massiver Basis ("Lautscher Spitzen") dem Aurignacien zuordnen lassen, reichen bis an

den Beginn des Hengelo-Interstadials um 43.000 vor heute. Dabei stammen die ältesten Daten aus Osteuropa (Bacho Kiro 11, Istallosko), doch Inventare aus dem westlichen Mitteleuropa (Willendorf II,2; Keilberg-Kirche) und Südeuropa (El Castillo 18, Grotte de l'Abredo) sind mit Daten um 40.000 vor heute nur unwesentlich jünger. Dieser frühe Ansatz des Aurignacien, der auf Grund der Ungenauigkeiten der 14C-Methode zunächst eher unsicher erscheint, wird durch die Interstratifikation von Aurignacien und Chatelperronien z.B. in Le Piage, Roc du Combe oder La Caminade gestützt. Die meisten 14C-Daten des Aurignacien in Europa liegen, bei einer Spannweite zwischen 19.700 und 44.300 vor heute, zwischen 27.000 und 33.000 vor heute, d. h.. es ergeben sich Überschneidungen sowohl mit dem vorangegangenen frühesten als auch mit darauffolgenden mittleren Jung­paläolithikum, das im Denekamp - Interstadial einsetzt.

Das eigentliche Phänomen des Aurignacien ist seine europaweite Einheitlichkeit; grund­sätzliche technologische Neuerungen lassen sich im Werkzeugspektrum nicht beobachten auch die verstärkte Anwendung der Spantechnik, die sich neben vereinzelten Geweihspänen, wie z.B. aus der Wildscheuer oder dem Geißenklösterle, vor allem durch die Lochstäbe andeutet, ist kein Novum.

In Frankreich ermöglichten die langen stratigraphischen Abfolgen, wie sie z.B. in La Ferrassie (Peyrony, 1934; Delporte, 1968) oder im Abri Pataud vorliegen eine Einteilung des Fundstoffs in verschiedene Phasen. Diese lassen sich nach Demars (1989) wie folgt zusammenfassen:

1. Aurignacien ancien mit hohen Anteilen an retuschierten Klingen und Kratzern sowie Geschossspitzen mit gespaltener Basis (Aurignacien 0 und 1);
2. Aurignacien evolue, in dem Stichel überwiegen und Geschossspitzen mit massiver Basis auftauchen (Aurignacien II-IV);

Obwohl absolut chronologisch keine nennenswerten Unterschiede zu den mittel- und ost­europäischen Inventaren bestehen, lassen sich diese nur in Ausnahmefällen einer dieser Phasen zuordnen, wobei das Aurignacien III und IV als südwestfranzösische Besonderheiten angesehen werden.

Im Gegensatz zu den Steingeräteformen, die sich nicht durch Neuerungen, sondern durch eine Verschiebung der Werkzeugklassenhäufigkeiten von den frühestjungpaläolithischen Techno­komplexen unterscheiden, sind die Kunstobjekte des Aurignacien jetzt zahlreicher und viel­schichtiger. Neben den allgemein verbreiteten Anhängern aus durchbohrten Zähnen, Stein­perlen und rundlichen Elfenbeinstücken sowie Dentalien und Mollusken gibt es in den Höhlen­stationen Vogelherd, Geißenklösterle und Hohlenstein Stadel auf der Schwäbischen Alb sowie in der niederösterreichischen Freilandfundstelle Stratzing figürliche Kleinplastiken aus Knochen, Elfenbein und teilweise gar aus Schiefer. Dargestellt werden meist Tiere wie Mammut, Wildpferd, Löwe, Bison und Bär, anthropomorphe Motive sind dagegen äußerst selten.

In Südwesteuropa, wo figürliche Kleinplastiken bislang fehlen, finden sich tief in Kalkstein­blöcke gepickte Darstellungen von menschlichen Geschlechtsteilen.

Die Behausungen des Aurignacien scheinen keinem einheitlichen Muster zu folgen und es soll deshalb hier nicht näher darauf eingegangen werden.

3.4. Das mittlere Jungpaläolithikum

Die Frühphase: Mit dem älteren Teil des mittleren Jungpaläolithikums treten in ganz Europa zahlreiche Neuerungen in der Steinbearbeitung und im Siedlungsmuster auf. In techno­logischer Hinsicht ist es, die gegenüber dem Aurignacien, verbesserte Klingentechnik, bei der im Zuge des sogenannten Corblac-Schemas von einer bipolaren Abbaufläche schmalere und längere Klingen gewonnen werden konnten. Diese werden u.a. zu Rückenmessern und Gravette­spitzen verarbeitet, die durch eine charakteristische Rückenstumpfung der anschlie­ßend in mehrere Teile zerbrochenen Klingen entstehen.

Die Verwendung dieser meist 2-3 cm langen Geräte und ihrer Kleinformen, den Mikro­gravetten und Rückenmesserchen, als Einsätze in Schäftungen aus Holz oder Knochen bele­gen die Funde aus der Talicki-Station bei Perm. Weitere Steingeräte mit Leitformcharakter sind Font-Robert-Spitzen, Noaillesstichel und Flechettes. Darüber hinaus ist die entwickelte Spantechnik weit verbreitet. Aus einer Gravettienschicht der neu entdeckten Freilandstation Grubgraben nahe Krems in Niederösterreich stammt eine Nähnadel mit Öhr.

Das ab jetzt für das weitere Jungpaläolithikum typische Siedlungsmuster besteht aus länger­fristig besiedelten Basislagern und kurzfristig aufgesuchten Jagdlagern in der Umgebung. Wie es sich möglicherweise durch die wohl gleichzeitigen Stationen von Mainz-Linsenberg und Sprendligen nachweisen lässt. Während die Jagdlager, wie z. B. in Sprendligen aus trans­portablen Stangenzelten bestanden, stellten die in Sessellage gelegenen Basislager feste, wahrscheinlich sogar mehrfach aufgesuchte, Behausungen dar.

In Osteuropa handelt es sich dabei um bis zu 35 m lange Siedlungsobjekte, in deren Inneren sich Reihen von Feuerstellen nebst Koch- und Abfallgruben finden, und wie sie am besten aus dem Kostenki-Gebiet bekannt sind. Sowohl aus Ost- als auch aus Westeuropa liegen rund­liche Siedlungsobjekte mit einer zentralen Feuerstelle vor wie z. B. aus Kostenki IV,I oder Villerest (Loire).

Aus dieser Phase kennen wir das Höhlenheilgtum Pair-non-Pair mit seinen gravierten Bildern von Mammut, Wisent, Steinbock und Pferd, denen sich die Darstellungen aus dem ersten Saal von La Mouthe, aus La Creze und der älteren Phase der Grotte Cosquer anschließen lassen. Die Handabdrücke von Gargas gehören ebenso in diese Phase wie die Bilderhöhle von Karpova im Ural.

Die franko-kantabrischen Inventare des europaweit im wesentlichen einheitlichen älteren Teils des mittleren Jungpaläolithikums werden als "Perigordien superieur" bezeichnet, die mittel- und osteuropäischen sind am besten unter dem Begriff Gravettien zusammengefasst .

Am besten ist der Fundstoff in Frankreich gegliedert, wo heute anhand der Stratigraphien im Abri Pataud, in La Ferrassie und in Roc du Combe sowohl relativ- als auch absolut­chronologische Daten der einzelnen Phasen vorliegen. Im Abri Pataud liegt die tiefste Schicht des Perigordien, die Schicht Perigordien IV, mit einem 14C-Datum von ca. 29.000 vor heute über dem Aurignacien evolue.. Ältere 14C-Daten , wie von der Fundstelle Willendorf II aus der untersten Gravettien Fundschicht, der Schicht 5 mit einem 14C-Datum von 30.500+/-800 vor heute zeigen jedoch, dass der Beginn des mittleren Jungpaläolithikums vermutlich früher auszu­setzen ist.

Gegen Ende des älteren Teils des mittleren Jungpaläolithikums markiert der aus der Kon­stenki-Willendorf-Kultur hervorgehende Statuettenhorizont eine letzte Phase der europäischen Einheitlichkeit.

Einzelne Leitformen der Kostenki-Willendorf-Kultur- wie Kerbspitzen finden sich weit verbreitet, während die charakteristischen "Ohrenplättchen" und "Schäufelchen" auf Russland beschränkt bleiben.

Wichtigstes verbindendes Element sind jedoch die Frauenstatuetten aus Sandstein, Ton und Elfenbein, die mit ihren großen Brüsten, dem häufig vorspringenden Leib und fülligen Gesäß wahrscheinlich die weibliche Fruchtbarkeit betonen.

Die Frauenstatuetten gehören nach der französischen Chronologie in das Perigordien V (z.B. Tursac, Brassempouy) bis VI/VII (z. B. Mainz-Linsenberg), und auch die 14C-Daten aus Kostenki I,1, die zwischen 24.000 und 21.300 vor heute liegen, sprechen für eine späte Zeitstellung innerhalb des älteren Teils des mittleren Jungpaläolithikums.

Die Spätphase: In der Spätphase des mittleren Jungpaläolithikums während des 2. Kälte- maximums der letzten Eiszeit zwischen ca. 22.000 und 18.000 vor heute werden die bis dahin weiträumigen Kontakte durch die siedlungsfeindliche Eiswüste in Mitteleuropa unterbrochen, und es kommt in West- und Osteuropa zu getrennten Entwicklungen.

In Osteuropa, wo es möglicherweise zu Siedlungsunterbrechungen kam belegen viele Fund­stellen wie Kostenki VIII, Brjansk oder Predmosti das hier offensichtlich zu einer Spezialisie­rung aus die Mammutjagd kam. In die Behausungen werden die Knochen des Mammuts verbaut. In Predmosti fanden sich nach Skeletteilen sortierte Mammutknochenhaufen in der Nähe solcher Behausungen. Unter den Steinartefakten nehmen die Anteile von mikrolithischen, manchmal geometrischen Einsätzen zu, und es treten Blattspitzen auf.

Religion und Kunst basieren auf einer Weiterführung der Vorstellungswelt des Statuetten­horizontes, die in den sitzenden oder kopflosen Statuetten und in geometrischen Frauen­gravierungen (Predmosti) ihren Ausdruck findet.

Der wichtigste Fundplatz des westeuropäischen Solutreen ist Laugerie-West, wo die Schich­ten des Solutreen im Hangenden des Perigordien superieur-Schichten Feuerstellen, Stein- und Knochenartefakte enthielten. Hier finden sich die von Smith (1966) unterschiedenen Phasen des Solutreen in einer stratigraphisch gesicherten Abfolge. Über einem Solutreen inferieur folgt das Solutreen moyen mit zusätzlichen Lorbeerblattspitzen, das von einem Solutreen superieur, in dem Kerb- und Weidenblattspitzen hinzukommen, überlagert wird.

Den hohen Wert der möglicherweise an zentralen Produktionsstätten wie in Placard herge­stellten Blatt- und Kerbspitzen unterstreicht das Depot von Volgu (Saone-et-Loire). Wahr­scheinlich dienten zumindest die Kerbspitzen als Bewehrungen für Speere, die jetzt mit Hilfe der sicher belegten Speerschleudern geworfen wurden. Diese Waffe wird bis zum Ende des Jungpaläolithikums die wichtigste Fernwaffe bleiben, die direkt im Fundstoff nachgewiesen werden kann. Zwar stehen die Frauenfiguren des Solutreen auf den ehemals bemalten Halb­reliefs der Kalksteinblöcke von Laussel noch unter dem Einfluss des Statuettenhorizontes, doch sie markieren gleichzeitig den Beginn einer eigenständigen franko-kantabrischen Kunst, die sich in den Halbreliefs von Roc de Sers und Bourdeilles sowie den Höhlenmalereien von Pech-Merle und Cougnac deutlich von den zeitgleichen Kunstäußerungen in Osteuropa unter­scheidet. Die Darstellung der Tiermotive wie Pferde, Rinder, Steinböcke, Löwen, aber auch von Fabelwesen wie den sogenannten Antilopen, erfolgt mit kleinen Köpfen, dünnen Glied­maßen und massigen Körpern auf sehr einheitliche Weise.

In den Höhlenheiligtümern entsteht das Bild einer komplexen Vorstellungswelt. Denkbar ist hier das die Tiere für die natürliche Ebene stehen. Möglicherweise stehen die gespeerten Ge­stalten in Perch-Merle und Cougnac die menschliche Ebene darstellen sollen. Dies kann auch für die Hand Abdrücke, wie sie z. B. in der älteren Phase von Pech-Merle vorkommen gelten ungeklärt sind allerdings die klammerförmigen Zeichen und Doppelstriche, möglicherweise lassen sie sich als gedankliche Ebene auffassen.

4. Vorstellung der einzelnen Bestattungen

4.1. Bestattungen des frühen Jungpaläolithikums

4.1.1. Die Grimaldi Höhlen

Die Grimaldi Höhlen liegen an der italienischen Riviera in der Nähe der Stadt Menton. Hier wurden insgesamt 16 Skelette gefunden. Bei den meisten dürfte es sich um Bestattungen han­deln. Trotz dieser relativ hohen Zahl an Bestatteten ist der Publikationsstand zu diesen Fund­plätzen als sehr schlecht einzustufen. Neben einer Beschreibung der Funde durch Obermaier im Jahre 1912 existiert eine weitere kurze Bearbeitung durch Mussi aus dem Jahr 1986, auf die sich wiederum Binant (1991) stützt.

Es werden uns hier aus vier Höhlen 16 Personen überliefert. Diese 16 Toten fanden sich in 12 Bestattungen. Das heißt es fanden sich neun Einzelbestattungen, zwei Doppelbestattungen und eine Dreifachbestattung.

Wurden sämtliche Bestattungen von Obermaier (1912) und anderen (Hermann & Ullrich, 1991; Binant, 1991) noch in das Aurignacien datiert so werden die Bestattungen von Mussi (1986) in das Gravettian oder gar in das frühe Epigravettian datiert. Die Kinder-Doppel­bestattung und die Bestattung einer Frau (Schicht M) der Grotte des Enfants werden von Mussi (1986) gar in das Magdalenien gestellt. Leider lagen auch für diese Einstufung schein­bar keine 14C-Daten vor, so dass die Funde der Höhlen hier weiter, allerdings unter Vorbehalt in das Aurignacien datiert werden.

Die Angaben über Orientierung und Geschlecht wurden aus Mussi (1986) übernommen, die Beschreibung folgt Obermaier (1912)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Übersicht über die Lage der Grimaldi Höhlen. (aus: Obermaier, 1912, S. 183)

4.1.1.1. Grotte des Enfants

Die erste Höhle die hier beschrieben werden soll ist die Grotte des Enfants.

1874-1875 führte hier Riviere seine Untersuchungen durch und entdeckte die Kinder­bestattung. 1901 kam es zu einer weiteren Untersuchung, wohl durch Villeneuve, bei der die anderen Bestattungen geborgen wurden. Alle Bestattungen wurden allgemein in das Aurignacien datiert. Nach Mussi (1986, S. 545) datieren die älteren, das heißt die tieferen Bestattungen in das Gravettian , die beiden obersten Gräber, das heißt die Bestattung der Frau und die Kinderdoppelbestattung werden in das Magdalenien gestellt.

Doppelbestattung

Die tiefste (Schicht E), also somit die älteste Bestattung der Grotte des Enfants stellt eine Doppelbestattung dar. Dabei handelte es sich um einen 15-17 Jahre alten Mann und eine Frau, deren Alter von Obermaier (1912, S. 185) nur als alt angeben wird. Man kann davon ausgehen das es sich bei ihr um eine adulte oder mature gehandelt hat.

Beide Bestatteten sind rechte Hocker. Sie sind in Nord–Süd Richtung, der Achse der Höhle orientiert. Der Kopf zeigt zum Höhleninneren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 66 Seiten

Details

Titel
Bestattungen des frühen und mittleren Jungpaläolithikums
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (FB 5 Humboldt Universität Berlin)
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
66
Katalognummer
V76174
ISBN (eBook)
9783638798433
ISBN (Buch)
9783638797580
Dateigröße
4856 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bestattungen, Jungpaläolithikums
Arbeit zitieren
Heinz Tron (Autor), 2000, Bestattungen des frühen und mittleren Jungpaläolithikums, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76174

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