Diese Arbeit soll sich mit den Bestattungssitten des frühen bis mittleren Jungpäläolithikums befassen. Es ist festzustellen, dass es dabei natürlich einige Schwierigkeit gibt, die hier vorweg erläutert werden sollen. So ist die Abgrenzung des Mittel- gegen das Jungpaläolithikum bereits mit einigen Schwierigkeit behaftet. Einige der frühstjungpaläolithischen Kulturen wie das Chatelperronien und Szeletin werden mit den Neandertalern in Verbindung gebracht. Es scheint sich hier um Neandertalerkulturen zu handeln, die nach der Wende des Mittel- zum Jungpaläolithikum weiter existierten und erst in der Frühphase des Jungpaläolithikum, aus bisher noch ungeklärten Ursachen, verschwanden.
Das Aurignacien ist die erste Kultur, die offensichtlich ausschließlich mit dem modernen Menschen, dem Homo sapiens sapiens in Verbindung zu bringen ist.
Es soll sich nun in dieser Arbeit ausschließlich mit den Bestattungen des modernen Menschen im frühen und mittleren Jungpaläolithikum befasst werden. Dazu wurden einige Bestattungsplätze ausgewählt und versucht diese näher zu betrachten um hier möglicherweise Gemeinsamkeiten, aber auch Trennendes festzustellen. Es handelt sich dabei um die mährischen Fundplätze des Pavlovian, Dolni Vestonice und Predmosti, den russischen Fundplatz Sungir, sowie die an der italienischen Riviera gelegen Fundplätze der Grimaldi Höhlen.
Es muss hier darauf verwiesen werden, dass es bereits einige Überblicke über dieses Thema gibt, so Harrod (1980) und Binant (1991). Diese Überblicke sind jedoch nicht frei von Fehlern, was sicherlich an der ursprünglichen Publikationsform der einzelnen Funde liegt. Aus diesem Grund soll sich in dieser Arbeit auf einige, wenige, Fundplätze beschränkt werden.
Gliederung
1. Einleitung
2. Kultgemeinschaft
3. Einführung in die Kulturen des frühen und mittleren Jungpaläolithikums
3.1. Allgemeiner Überblick
3.2. Das früheste Jungpaläolithikum
3.3. Das frühe Jungpaläolithikum
3.4. Das mittlere Jungpaläolithikum
4. Vorstellung der einzelnen Bestattungen
4.1. Bestattungen des frühen Jungpaläolithikums
4.1.1. Die Grimaldi Höhlen
4.1.1.1. Grotte des Enfants
4.1.1.2. Grotte de Caviglione
4.1.1.3. Barma Grande
4.1.1.4. Baousso da Torre (Caverna de la Cippa del Ponte)
4.1.1.5. Zusammenfassung
4.2. Bestattungen des mittleren Jungpaläolithikums.
4.2.1. Die Bestattungen von Sungir.
4.2.1.1. Der Mann von Sungir
4.2.1.2. Kinderbestattungen
4.2.1.3. Zusammenfassung
4.2.2. Die Bestattungen von Dolni Vestonice und Pavlov
4.2.2.1. Dolni Vestonice
4.2.2.2. Pavlov
4.2.2.3. Zusammenfassung
4.2.3. Predmosti
4.2.3.1. Funde
4.2.3.2. Verwandtschaftliche Beziehungen unter den Bestatteten
4.2.3.3. Zusammenfassung
5. Zusammenfassung
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit den Bestattungssitten des modernen Menschen während des frühen bis mittleren Jungpaläolithikums. Das primäre Ziel besteht darin, durch die Analyse ausgewählter Bestattungsplätze Gemeinsamkeiten und Trennendes in den rituellen Praktiken zu identifizieren, um ein besseres Verständnis für die symbolische Welt und die sozialen Strukturen dieser Zeit zu gewinnen.
- Analyse intentionaler Körperbestattungen in ausgewählten europäischen Fundplätzen.
- Untersuchung von Bestattungsbräuchen, wie der Verwendung von Rötel und Grabbeigaben.
- Betrachtung von Bestattungsriten im Kontext von "Kultgemeinschaften" und Jenseitsvorstellungen.
- Kritische Auseinandersetzung mit der archäologischen Dokumentation und Datierung der Bestattungen.
- Erforschung regionaler Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Bestattungswesen.
Auszug aus dem Buch
2. Kultgemeinschaft
Da sich gezeigt hat, dass eine ethnische Interpretation archäologischer Funde mit größeren Schwierigkeiten behaftet ist scheint es archäologisch opportun Kultgemeinschaften zu fassen. Hierfür scheint der Bestattungsbrauch die beste Möglichkeit zu sein, da, um mit den Worten von Camus zu sprechen „Der Mensch vor dem Tod wie der Schauspieler vor dem Vorhang“ agiert. Aus dieser Erkenntnis scheint sich ableiten zu lassen, dass eine Gemeinschaft die eine gleiche Jenseitsvorstellung hat, oder eine auch keine, die Toten ihrer Vorstellung entsprechend so behandeln wird, dass die Transformation in das Jenseits nicht gefährdet wird. Dies äußerte sich häufig in ähnlicher oder gleicher Bestattungssitte.
Als Beispiel kann das Christentum angeführt werden, hier äußert sich eine gemeinsame Jenseitsvorstellung in einer Uniformität der Gräber. Das idealchristliche Grab ist wie folgt definiert: Flachgräberfeld auf dem die Verstorbenen regelhaft mit dem Kopf im Westen in Rückenlage beigesetzt werden um am Tag des Jüngsten Gerichts den Sonnenaufgang zu sehen (Randsborg & Nybo, 1984) und Beigabenlosigkeit. Auch heute, in einer Zeit in der das Christentum immer mehr an Bedeutung verliert, bleiben einige Grundstrukturen einer christlichen Bestattung erhalten. Dies ist das Flachgräberfeld mit Einzelbestattungen ohne Beigaben. In diesen Gräberfeldern treten nun einige Ausnahmen auf. Dazu zählt unter anderem die Feuerbestattung. Doch äußern sich gerade in diesen „Sonderformen“ die Auflösungserscheinungen unserer Kultgemeinschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema der Bestattungssitten des frühen bis mittleren Jungpaläolithikums ein und definiert den Fokus auf die intentionalen Körperbestattungen des modernen Menschen, unter Ausschluss von Neandertalerkulturen.
2. Kultgemeinschaft: Dieses Kapitel erörtert, warum der Bestattungsbrauch als archäologisches Indiz für Kultgemeinschaften dient, da gemeinsame Jenseitsvorstellungen oft in uniformen Bestattungssitten resultieren.
3. Einführung in die Kulturen des frühen und mittleren Jungpaläolithikums: Ein Überblick über die klimatischen und kulturellen Rahmenbedingungen der untersuchten Zeitspanne, von der "großen Zeit der Eiszeitjäger" bis hin zu den kulturellen Entwicklungen im Gravettien und Solutreen.
4. Vorstellung der einzelnen Bestattungen: Der Hauptteil analysiert detailliert spezifische Bestattungsplätze in Italien (Grimaldi Höhlen), Russland (Sungir) sowie in Tschechien (Dolni Vestonice, Pavlov, Predmosti), um deren Fundsituation, Beigaben und rituellen Besonderheiten darzustellen.
5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert, dass keine einheitliche Totenbehandlung für den gesamten Zeitraum existierte, sondern regionale Unterschiede vorherrschten, und plädiert für weitere Forschungen.
6. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit zitierten wissenschaftlichen Werke.
Schlüsselwörter
Jungpaläolithikum, Bestattungssitten, Körperbestattung, Rötel, Kultgemeinschaft, Jenseitsvorstellung, Grimaldi Höhlen, Sungir, Dolni Vestonice, Predmosti, Grabbeigaben, Mammutschulterblätter, Bestattungsriten, Archäologie, Steinzeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bestattungssitten des modernen Menschen während des frühen bis mittleren Jungpaläolithikums, um Rückschlüsse auf soziale Strukturen und kulturelle Gemeinsamkeiten zu ziehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die Analyse von Grabbeigaben, die Verwendung von roter Farbe (Rötel), die Position der Bestatteten sowie die räumliche Organisation innerhalb der Grabgruben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Bestattungspraktiken zu identifizieren, um zu klären, ob es ein einheitliches Bestattungsritual in dieser Epoche gab.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse archäologischer Befunde und bereits existierender Publikationen zu Fundplätzen in Europa und Russland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung und Diskussion einzelner Bestattungsplätze, wie den Grimaldi Höhlen, Sungir sowie den tschechischen Fundorten Dolni Vestonice und Predmosti.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Jungpaläolithikum, Körperbestattung, Bestattungsriten, Rötel, Grimaldi Höhlen, Dolni Vestonice, Bestattungssitten.
Welche Bedeutung hatte die Verwendung von Rötel bei Bestattungen?
Die Autorin deutet die Verwendung von Rötel als ein wichtiges, wenn auch nicht universelles rituelles Element, das auf einen Wechsel der Jenseitsvorstellungen zwischen Mittel- und Jungpaläolithikum hinweisen könnte.
Warum spielt die Abdeckung der Bestattungen mit Mammutschulterblättern eine Rolle?
Dies wird als ein regionales, kultisch motiviertes Verhalten in Mähren interpretiert, um die Bestatteten mit stabileren Materialien als Erde zu schützen oder besonders zu kennzeichnen.
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- Heinz Tron (Author), 2000, Bestattungen des frühen und mittleren Jungpaläolithikums, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76174