Vereinigtes Deutschland? Wertesysteme, Denk- und Führungsstile in Ost- und Westdeutschland


Hausarbeit, 2007
33 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aufbau der Arbeit

3. Daten und Fakten
3.1. „Aufbau Ost“
3.2. Arbeitslosenquote und Wachstum
3.3. Einkommen und Abwanderung

4. Vergleich der Kernstrukturen in der BRD und DDR
4.1. Wirtschaftssysteme
4.2. Erziehungsstile und Erziehungsziele
4.3. Mentalität und Werteorientierung
4.4. Bildungssysteme

5. Befragung
5.1. allgemeine Angaben
5.2. Einschätzung der beruflichen Situation
5.3. individuelle Werte
5.4. persönliche Eigenschaften
5.5. Führungseigenschaften
5.6. Zusammenfassung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vor 17 Jahren fiel die Mauer, die zuvor die beiden deutschen Staaten über 40 Jahre lang voneinander trennte. Doch nicht alles, was durch das vorherrschende System jahrzehntelang geprägt wurde, fiel mit ihr. Durch Verschiedenartigkeit der ökonomischen, politischen und sozialen System in Ost- und Westdeutschland haben sich spezifische Sozialisationsprozesse entwickelt, die zu unterschiedlichen Einstellungen, Werthaltungen und Verhaltensweisen von Personen führen. Mit dem Fall der Mauer prallten zwei Kulturen aufeinander, die sich in wesentlichen Persönlichkeitsdimension voneinander unterscheiden. Aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht sind die konträren Zielvorgaben des Kapitalismus und Sozialismus kaum zu übersehen. Seit der Wiedervereinigung sind die Medien gefüllt mit Schlagzeilen wie: „Am Tropf des Westens“[1] oder „Verpasste Chance der Zweisamkeit“[2], es ist von der „Ost-Misere“ die Rede und „Rekordarbeitslosigkeit“ gilt schon fast als Synonym für das Gebiet der ehemaligen DDR. Die Begriffe „Ossi“ und „Wessi“ haben sich seit der Wende in die Köpfe der Deutschen gepflanzt und besitzen bereits einen eigenen Eintrag im Duden. Diesem zufolge ist „Ossi“ eine meist abwertende Bezeichnung für eine aus den neuen Bundesländern stammende Person[3] und impliziert bereits die Defizite in der Ost- West- Beziehung.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Auswirkung der Teilung Deutschlands in wirtschaftlicher Hinsicht und in Bezug auf die Entwicklung konfligierender Wertesysteme sowie unterschiedlicher Denk- und Führungsstile in Ost- und Westdeutschland. Dabei sollen vor allem die Ursachen konträrer Verhaltensmuster untersucht und anhand einer selbst durchgeführten Befragung auf aktuelle Relevanz hin überprüft werden. Dabei erhebt die Untersuchung keinen Anspruch auf Repräsentativität, sondern versucht herauszufinden, in welchen Bereichen Unterschiede zu konstatieren sind und welche Bedeutung Ost- West- Kategorisierungen im heutigen gesellschaftlichen Leben einnehmen.

2. Aufbau der Arbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf Basis der zuvor erläuterten Problemdarstellung wird in der Grafik der theoretische Bezugsrahmen und der Aufbau der Arbeit dargestellt. Neben einleitenden Daten und Fakten zur aktuellen wirtschaftliche Situation in Ost- und Westdeutschland im 3. Kapitel befasst sich der 4. Abschnitt mit den unterschiedlichen Kernstrukturen der BRD und DDR und dem daraus resultierenden Sozialisationskontext. Dabei sollen zum einen die Wirtschaftssysteme gegenüber gestellt und im weiteren Verlauf die Erziehungsstile und Bildungssysteme näher analysiert werden, da diese die Basis für die Entwicklung differenter Persönlichkeitsdimensionen bilden. Die 5. Teilbereich basiert auf den Ergebnissen der Befragung, in der die Auswirkungen der unterschiedlichen Sozialisationsprozessen hinsichtlich persönlicher Eigenschaften, Wertorientierungen und Führungseigenschaften dargestellt werden und auf aktuelle Relevanz in der heutigen Gesellschaft hin überprüft werden.

3. Daten und Fakten

Dieser Abschnitt befasst sich mit Daten und Fakten zur wirtschaftlichen Lage in den alten und neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung. Die schlechte wirtschaftliche Lage im Osten ist eines der Hauptkriterien für die andauernden Spannungen zwischen beiden Teilen Deutschlands. Im Folgenden werden die Hauptmerkmale der deutschen Wirtschaft untersucht und auf mögliche Problemfelder aufmerksam gemacht.

3.1. „Aufbau Ost“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der 1993 unter der Regierung Kohl beschlossene Solidarpakt I lief Ende 2004 aus. Durch ihn erhielten die neuen Länder und ihre Gemeinden über den Finanzausgleich vom Bund und den alten Ländern insgesamt 105,3 Mrd. Euro. Mit diesen Geldern sollte die Wirtschaft gestärkt, die ökologischen Altlasten beseitigt und der Erhalt industrieller Kerne gestärkt werden. Am 1.1. 2005 trat der Solidarpakt II in Kraft, in welchem sich der Bund verpflichtet, den neuen Ländern für den Aufbau Ost bis zum Jahr 2019 insgesamt 156,5 Mrd. Euro zur Verfügung zu stellen, wobei 105,3 Mrd. Euro dem Teil des Finanzausgleichs zum „Abbau teilungsbedingter Lasten“ angehören.[4]

Zuweisung aus Sonderbedarfs- Bundesergänzungszuweisungen (einschließlich IfG-Mittel)[5]

Den Milliarden an Investitionen für den Aufbau Ost stehen jedoch nicht unbedeutende Summen an Fehlinvestitionen gegenüber. Es lassen sich mittlerweile eine Vielzahl an misslungenen Projekten finden, die unter dem Begriff der „Fehlinvestition“ zusammengefasst werden können. Gleich mehrere prominente Beispiele liefert dabei das Land Brandenburg.

Die gescheiterte Chipfabrik Communicant in Frankfurt (Oder) unterstützte das Land mit 38 Mio. Euro, weitere 48 Mio. flossen in den Aufbau der Infrastruktur.[6] An dem erfolglosen Vorhaben der Cargolifter AG, welche sich auf den Bau von Großluftschiffen spezialisiert hatte, gingen weitere 42 Mio. Euro verloren[7] und auch der Umbau des ehemaligen Cargolifter-Geländes zum Spaß- und Erlebnisbad „Tropical Island“ würde im Falle des Scheiterns die traurige Bilanz um 17 Mio. Euro Fördergelder erweitern.[8]

Weitere Millionen Subventionsgelder flossen vergeblich in den Ausbau von Flughäfen in den neuen Bundesländern. So investierte Mecklenburg-Vorpommern rund 35 Mio. Euro in des Ausbau des Flughafens Parchim, welcher im Jahr 2002 lediglich 11.000 Fluggäste beförderte und der zuvor für 45 Mio. Euro ausgebaute Flughafen in Cochstedt (Sachsen-Anhalt) musste 2001 wegen Insolvenz sogar schließen.[9]

Allerdings sind gemäß dem Presse- und Informationsamts der Bundesregierung auch Erfolge der Maßnahme „Aufbau Ost“ erkennbar. So stehen Städte wie Weimar, Wismar, Stralsund und Wittenberg dank der Bemühungen zum städtebaulichen Denkmalschutz mittlerweile auf der UNESCO- Liste des Weltkulturerbes und auch die Anzahl an leer stehenden Wohnungen in einigen Städten Ostdeutschlands wurde bereits verringert und somit die Aufwertung der Attraktivität ostdeutscher Gemeinden gefördert.[10]

3.2. Arbeitslosenquote und Wachstum

Die Arbeitslosenquote ist das meist zitierteste Kriterium im Ost- und West- Vergleich. Den neuesten Statistiken zufolge lag die Arbeitslosenquote für das gesamte Deutschland im Februar 2007 bei 10,1%. Dabei entfielen 8,4% auf den westlichen Teil Deutschlands und 16,9% auf die neuen Bundesländern – demzufolge doppelte so viele Arbeitslose im Osten wie im Westen trotz der fast eine Billion Euro, die seit der Wiedervereinigung in den Aufbau Ost geflossen sind.[11] [12] Zwar nimmt die Arbeitslosenquote im Vergleich zu den letzten Jahren immer mehr ab (2005 18,7%; 2006 17,3%), liegt im Bundesvergleich aber immer noch weit über dem Gesamtdurchschnitt. Betrachtet man die jeweiligen Bundesländer im Osten, so ergeben sich teils sogar noch höhere Quoten. Angeführt wird die Statistik von Mecklenburg- Vorpommern, welches sich mit einer Arbeitslosenquote mit 19,2% deutlich vom Durchschnitt abhebt, dicht gefolgt von Sachsen- Anhalt (17,6%) und Brandenburg (16,7%).[13]

Auch die Wirtschaftskraft der neuen Länder lag 2006 noch deutlich unter dem Westniveau. So belief sich das Bruttoinlandsprodukt in Mecklenburg Vorpommern im Vergleich zu Nordrhein- Westfalen (500,7 Mrd. Euro) nur bei 32,3 Mrd. Euro.[14]

3.3. Einkommen und Abwanderung

Auch das Einkommen der ostdeutschen Erwerbstätigen reicht bis dato in den meisten Branchen nicht an das ihrer westlichen Nachbarn heran, der Hauptfaktor für die hohe Abwanderungsquote der neuen Bundesländer.

Die folgende Grafik setzt das Einkommen der Ostdeutschen 2004 in einen prozentualen Bezug zum westlichen Niveau[15]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Allein die Gehälter des öffentlichen Dienstes wurden derweil auf Westniveau angeglichen, wie die CDU bereits 2002 als Ziel für 2007 festlegte, um „die Abwanderung junger Leute zu stoppen.“[16] Doch auch diese Entwicklung bremst nicht wesentlich die Abwanderungswelle gen Westen, die Deutschland seit der Zeit nach der Wende konstant verzeichnet.[17] Auch ausländische Firmen haben mittlerweile die Ostdeutschen als Arbeitskräftereservoire entdeckt, vor allem in der Baubranche sind die ehemaligen DDR-Bürger gefragt.

So wurden bereits 2001 über 1500 Bauarbeiter und Handwerker in den Niederlanden eingestellt. In Irrland beispielsweise boomen die modernen Dienstleistungen, gefragt sind die deutschen Mitarbeiter hier vor allem für die vielen Call- Center, Norwegen und Schweden locken mit Arbeitsplätzen im Gesundheitswesen hauptsächlich Ärzte, Krankenpfleger und Krankenschwestern an.[18] Aufgrund der wirtschaftlichen Lage Ostdeutschlands ist von diesem Trend auch in der näheren Zukunft wohl nicht abzusehen.

[...]


[1] vgl. Conrad (et al.) in Spiegel 2002, H.29, S.96

[2] vgl. Hugues in „Frankfurter Rundschau“ 2000, Nr. 226, S.6

[3] vgl. Duden- Deutsches Universalwörterbuch 2007

[4] vgl. www.bundesregierung.de

[5] Quelle: IfG und FAG; Auszug aus dem Fortschrittsbericht „Aufbau Ost“ des Landes Berlin für 2002, detaillierte Aufstellung im Anhang

[6] vgl. Mara 2003, S.8

[7] vgl. www.manager-magazin.de, 10.10.2003

[8] vgl. Dohmen, Schlamp 2007

[9] vgl. Hinrichs 2002, S. 98-99

[10] vgl. www.bundesregierung.de

[11] siehe Anhang: Deutsche Bundesbank Monatsbericht vom 23.03.2007

[12] vgl. Conrad (et al.) 2002, S. 96

[13] siehe Anhang Bundesagentur für Arbeit: Arbeitslose, Kurzarbeiter und Stellenangebote nach Ländern

[14] die aufgeführten Länder dienen der beispielhaften Darstellungen, BIP aller Länder siehe Anhang Statistisches Bundesamt

[15] vgl. Bonin 2005, S. 27

[16] vgl. Vornbäumen 2002, S.4

[17] vgl. Schmid; Tenbrock 2005, S.3

[18] vgl. Schulz 2001, S. 46-48

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Vereinigtes Deutschland? Wertesysteme, Denk- und Führungsstile in Ost- und Westdeutschland
Hochschule
Universität Lüneburg
Veranstaltung
Europäisches Management
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
33
Katalognummer
V76181
ISBN (eBook)
9783638815161
ISBN (Buch)
9783638854054
Dateigröße
666 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vereinigtes, Deutschland, Wertesysteme, Denk-, Führungsstile, Ost-, Westdeutschland, Europäisches, Management
Arbeit zitieren
Wencke Elsner (Autor), 2007, Vereinigtes Deutschland? Wertesysteme, Denk- und Führungsstile in Ost- und Westdeutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76181

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Vereinigtes Deutschland? Wertesysteme, Denk- und Führungsstile in Ost- und Westdeutschland


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden