Vor 17 Jahren fiel die Mauer, die zuvor die beiden deutschen Staaten über 40 Jahre lang voneinander trennte. Doch nicht alles, was durch das vorherrschende System jahrzehntelang geprägt wurde, fiel mit ihr. Durch Verschiedenartigkeit der ökonomischen, politischen und sozialen Systeme in Ost- und Westdeutschland haben sich spezifische Sozialisationsprozesse entwickelt, die zu unterschiedlichen Einstellungen, Wertemuster und Verhaltensweisen von Personen führen. Mit dem Fall der Mauer prallten zwei Kulturen aufeinander, die sich in wesentlichen Persönlichkeitsdimension voneinander unterscheiden. Aber auch in wirtschaftlicher Hinsicht sind die konträren Zielvorgaben des Kapitalismus und Sozialismus kaum zu übersehen. Seit der Wiedervereinigung sind die Medien gefüllt mit Schlagzeilen wie: „Am Tropf des Westens“ oder „Verpasste Chance der Zweisamkeit“ , es ist von der „Ost-Misere“ die Rede und „Rekordarbeitslosigkeit“ gilt schon fast als Synonym für das Gebiet der ehemaligen DDR. Die Begriffe „Ossi“ und „Wessi“ haben sich seit der Wende in die Köpfe der Deutschen gepflanzt und besitzen bereits einen eigenen Eintrag im Duden. Diesem zufolge ist „Ossi“ eine meist abwertende Bezeichnung für eine aus den neuen Bundesländern stammende Person und impliziert bereits die Defizite in der Ost- West- Beziehung.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Auswirkung der Teilung Deutschlands in wirtschaftlicher Hinsicht und in Bezug auf die Entwicklung konfligierender Wertesysteme sowie unterschiedlicher Denk- und Führungsstile in Ost- und Westdeutschland. Dabei sollen vor allem die Ursachen konträrer Verhaltensmuster untersucht und anhand einer selbst durchgeführten Befragung auf aktuelle Relevanz hin überprüft werden. Dabei erhebt die Untersuchung keinen Anspruch auf Repräsentativität, sondern versucht herauszufinden, in welchen Bereichen Unterschiede zu konstatieren sind und welche Bedeutung Ost- West- Kategorisierungen im heutigen gesellschaftlichen Leben einnehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufbau der Arbeit
3. Daten und Fakten
3.1. „Aufbau Ost“
3.2. Arbeitslosenquote und Wachstum
3.3. Einkommen und Abwanderung
4. Vergleich der Kernstrukturen in der BRD und DDR
4.1. Wirtschaftssysteme
4.2. Erziehungsstile und Erziehungsziele
4.3. Mentalität und Werteorientierung
4.4. Bildungssysteme
5. Befragung
5.1. allgemeine Angaben
5.2. Einschätzung der beruflichen Situation
5.3. individuelle Werte
5.4. persönliche Eigenschaften
5.5. Führungseigenschaften
5.6. Zusammenfassung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der deutschen Teilung auf die heutige wirtschaftliche Lage sowie auf die Entwicklung unterschiedlicher Wertesysteme, Denk- und Führungsstile in Ost- und Westdeutschland. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, inwieweit die durch unterschiedliche Sozialisationsprozesse geprägten Persönlichkeitsdimensionen auch heute noch Relevanz im beruflichen und gesellschaftlichen Kontext besitzen.
- Wirtschaftliche Folgen der Teilung und Investitionen in den "Aufbau Ost"
- Vergleich von Erziehungsstilen, Bildungssystemen und Wertorientierungen
- Sozialisationsprozesse in den ehemaligen Staatssystemen der BRD und DDR
- Empirische Analyse persönlicher Eigenschaften und Führungskompetenzen
- Aktuelle Relevanz von Ost-West-Kategorisierungen
Auszug aus dem Buch
4.2. Erziehungsstile und Erziehungsziele
Nachdem im vorherigen Abschnitt die Unterschiede in den Wirtschaftssystemen erläutert wurden, sollen nun verschiedene Erziehungsstile in Ost- und Westdeutschland gegenüber gestellt werden. Maßgeblich für die Untersuchung dieser Kernstruktur ist der Begriff der Sozialisation, der nach Veronika Hammer übergreifend als eine Bezeichnung für „alle Vorgänge, in deren Verlauf der Mensch zum Mitglied einer Gesellschaft und Kultur wird“, definiert werden kann. Sozialisation umschließt dabei Prozesse wie die Übernahme sozialkultureller Werte, Verhaltenserwartungen und sozialer Rollen ebenso wie das Erlernen sozialer Normen und Werte.
Die Auseinandersetzung mit der Sozialisation in Ost- und Westdeutschland ergibt sich maßgeblich aus dem Vorhandensein differierender Wertesysteme, die vor allem aus den verschiedenen politischen Systemen resultieren.
Das Hauptziel der Erziehung in der DDR war, den neuen, kommunistischen Menschen hervorzubringen. Artikel 25 (§2) der Verfassung der DDR lautete: „Die Deutsche Demokratische Republik sichert das Voranschreiten des Volkes zur sozialistischen Gemeinschaft allseitig gebildeter und harmonisch entwickelter Menschen, die vom Geist des sozialistischen Patriotismus und Internationalismus durchdrungen sind...“
Im Vordergrund der Erziehung stand dementsprechend den Menschen als eine „sozialistische Persönlichkeit“ heranzubilden und zu fördern. Hierbei ging es jedoch weniger um die Bildung von Individuen, sondern um Gemeinschaften, in denen sich die Individuen einordnen sollten. Der Begriff der „sozialistischen Persönlichkeit“ implizierte, seinen individuellen Bedürfnissen nur soweit nachzugehen, wie es im Rahmen der sozialistischen gesellschaftlichen Zielsetzung möglich war. Massiv trat im Zuge dessen jedoch das Problem der „Abweichung“ auf, eine Bezeichnung für diejenigen, die nicht dem gewünschten Persönlichkeitsbild entsprachen. Eine derartige aktive Widersetzung gegen das sozialistische Weltbild wurde als so genannte „asoziale Lebensweise“ sogar unter Strafe gestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zur Thematik der deutschen Teilung und deren anhaltende Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.
2. Aufbau der Arbeit: Darstellung des theoretischen Bezugsrahmens und des methodischen Vorgehens für die Untersuchung.
3. Daten und Fakten: Analyse der wirtschaftlichen Lage in Ostdeutschland, unter anderem durch das Programm „Aufbau Ost“ sowie Arbeitsmarktdaten.
4. Vergleich der Kernstrukturen in der BRD und DDR: Untersuchung der Unterschiede in Wirtschaftssystemen, Erziehung und Sozialisation.
5. Befragung: Auswertung einer Befragung von Erwerbstätigen bezüglich Werten, Führungseigenschaften und Vorurteilen.
6. Fazit: Resümee der Arbeit mit dem Ausblick auf den schwierigen Prozess der inneren Wiedervereinigung.
Schlüsselwörter
Deutsche Teilung, Ost-West-Vergleich, Sozialisation, Wertesysteme, Wirtschaftssysteme, DDR, BRD, Aufbau Ost, Führungseigenschaften, Arbeitsmarkt, Führung, Erziehungsstile, Persönlichkeitsdimensionen, Identität, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den langfristigen Folgen der deutschen Teilung auf die Wirtschaft sowie auf die Wertvorstellungen und Denkweisen der Menschen in den alten und neuen Bundesländern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Kernbereichen gehören die wirtschaftliche Entwicklung, unterschiedliche Erziehungsstile, Bildungssysteme sowie die Identitätsbildung in Ost und West.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es herauszufinden, ob Unterschiede, die durch die Teilung und verschiedene Sozialisationsprozesse entstanden sind, heute noch relevant sind und wie sich diese auf die Arbeitswelt und Führung auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Aufarbeitung von Daten und Fakten mit einer selbst durchgeführten, explorativen Befragung von 40 Erwerbstätigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die konträren Systeme von Plan- und Marktwirtschaft, die Erziehungskonzepte der DDR und BRD sowie die Ergebnisse der Befragung zu Werten und Führungsstilen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialisation, Wertesysteme, Ost-West-Vergleich, Transformation und Führungseigenschaften.
Welchen Einfluss hatte das Erziehungssystem der DDR auf die Befragten?
Die Arbeit zeigt, dass die staatlich gelenkte Erziehung in der DDR eine "organisierte Kindheit" förderte, die auf Gemeinschaft und Ordnung ausgerichtet war, was sich in einer heute noch stärkeren Familienorientierung und einem ausgeprägteren Sicherheitsstreben widerspiegelt.
Gibt es signifikante Unterschiede in den Führungseigenschaften?
Ja, laut der Analyse dominieren bei ostdeutschen Führungskräften oft andere Kompetenzprofile durch die frühere Planerfüllungs-Logik, während westdeutsche Führungskräfte tendenziell mehr Selbstbewusstsein und Führungswillen zeigen, wobei jedoch keine direkte Eignungsbewertung vorgenommen wird.
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- Wencke Elsner (Author), 2007, Vereinigtes Deutschland? Wertesysteme, Denk- und Führungsstile in Ost- und Westdeutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76181