Die Öffnung Osteuropas und Chinas sowie die immer stärker werdende Globalisierung auf den Wirtschaftsmärkten verstärken zunehmend den Einfluss internationaler Unternehmen auf den heimischen Märkten. Die Staatengemeinschaft der EU, aber auch die einzelnen Nationalstaaten sehen sich seither immer öfter mit wichtigen industriepolitischen Fragen konfrontiert, um Arbeitsplätze, ganze Industriezweige und die zukünftige Entwicklung gesamter Regionen zu sichern und mitzugestalten. So werden beispielsweise Unternehmen und sogar ganze Industriezweige subventioniert oder Unternehmensübernahmen durch staatliche Unterstützung forciert bzw. verhindert.
Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft und deren Effekte werden allerdings nicht alleine von ökonomischen Prämissen bestimmt, sondern unterliegen in einem sehr hohen Maße politischen und institutionellen Bedingungen. Spätestens nach dem Anfang 2007 heftig diskutierten Sanierungsplan des Airbus-Konzerns erlebt auch das öffentliche Interesse an der Industriepolitik eine Renaissance.
In dieser Seminararbeit soll zunächst geklärt werden was unter Industriepolitik verstanden und mit welchen Mitteln und unterschiedlichen Zielrichtungen sie eingesetzt wird. Anschließend widmet sich der Autor den Ausrichtungen der europäischen Industriepolitik, welche in Kapitel 4 an dem „Fallbeispiel Airbus“ nochmals dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Industriepolitik?
2.1 Definition
2.2 Theoretischer Hintergrund
2.3 Verschiedene Ausrichtungen der Industriepolitik
3 Europäische Industriepolitik
3.1 Industriepolitik der EU
3.2 Probleme in der europäischen Industriepolitik
3.3 Industriepolitik Deutschlands
4 Fallbeispiel Airbus
4.1 Geschichte und Entwicklung
4.2 Sanierungsplan „Power8“
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen und praktischen Ansätze der Industriepolitik, wobei der Fokus auf den europäischen Bemühungen liegt, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Anhand des Fallbeispiels Airbus wird untersucht, wie staatliche Interventionen, nationale Interessen und die Notwendigkeit von Effizienzsteigerungen – etwa durch das Sanierungsprogramm „Power8“ – miteinander in Konflikt stehen.
- Grundbegriffe und ökonomische Theorien der Industriepolitik
- Strukturen und Ziele der europäischen Industriepolitik
- Vergleich nationalstaatlicher industriepolitischer Ansätze
- Historische Entwicklung und wirtschaftliche Herausforderungen bei Airbus
- Strategische Sanierungsmaßnahmen in Großkonzernen
Auszug aus dem Buch
4.1 Geschichte und Entwicklung
Die Gründung des europäischen Flugzeugbauers Airbus war zunächst eine politische Entscheidung, um ein Gegengewicht gegen die marktbeherrschenden US-Unternehmen Boeing und McDonnell-Douglas zu bilden. Seit 1965 wurde konkret an einer stärkeren Kooperation der europäischen Firmen gearbeitet. Zunächst gab es eine britisch-französische Studie über ein gemeinsames Passagierflugzeug. Fast zeitgleich wurde in Deutschland die „Arbeitsgemeinschaft Airbus“ gegründet, welcher verschiedene deutsche Flugzeug- und Triebwerkehersteller angehörten, so zum Beispiel Messerschmitt, die Bölkow GmbH, die Vereinigten Flugtechnischen Werke (VFW), Flugzeug-Union-Süd, Dornier und andere.
1967 wurde daraufhin ein Abkommen zur Entwicklung eines europäischen Passagierflugzeugs zwischen Frankreich, Großbritannien und Deutschland unterzeichnet in der auch festgelegt wurde, dass die beteiligten Staaten das Projekt finanziell unterstützen sollten. Die auf Grundlage dieses Abkommen entstandene „Airbus Industrie“ mit Sitz in Toulouse wurde 1970 jedoch ohne direkte britische Beteiligung gegründet. Das Unternehmen bestand also zunächst nur aus der französischen Aérospitale sowie der „Deutschen Airbus“, welches eine Vereinigung aus MBB (Fusion zwischen Messerschmitt, Bölkow und Hamburger Flugzeugbau), Dornier und Fokker-VFW (Fusion zwischen den Fokker Werken und VFW) war. 1971 trat die spanische Construcciones Aeronáuticas SA (CASA) der Vereinigung bei, 1979 die British Aerospace (BAE).
1974 wurde dann das erste Passagierflugzeug bei der Fluggesellschaft Air France im Linienflug eingesetzt, jedoch dauerte es bis in die 80er Jahre bis sich Airbus auf dem Markt durchsetzen konnte und den amerikanischen Konkurrenzunternehmen Boeing und McDonnell-Douglas große Marktanteile abknüpfen konnte. Ein Grund für den Durchbruch war, dass die Airbus-Flugzeuge billiger waren als die Maschinen von Boeing und McDonnell-Douglas (MDD). Ein weiterer, noch signifikanterer Grund war, dass sie weniger Treibstoff verbrauchten als die amerikanische Konkurrenz. Aufgrund der beiden Ölkrisen Mitte und Ende der 1970´er Jahre gingen viele Fluglinien dazu über
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die zunehmende Bedeutung der Industriepolitik angesichts der Globalisierung und führt die Forschungsfrage anhand des Fallbeispiels Airbus ein.
2 Was ist Industriepolitik?: Dieses Kapitel definiert Industriepolitik, beleuchtet deren theoretischen Hintergrund sowie verschiedene Ausrichtungen und Instrumente im internationalen Vergleich.
3 Europäische Industriepolitik: Es werden die Ziele der EU-Industriepolitik, auftretende Probleme durch divergierende nationale Interessen und der spezifische Ansatz der deutschen Industriepolitik analysiert.
4 Fallbeispiel Airbus: Dieser Teil betrachtet die Historie der Airbus-Gründung sowie die Krisenbewältigung durch den Sanierungsplan „Power8“ und die damit verbundenen politisch-ökonomischen Spannungsfelder.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass eine erfolgreiche europäische Industriepolitik eine klare Priorisierung gemeinschaftlicher Interessen über nationale Eigeninteressen erfordert.
Schlüsselwörter
Industriepolitik, Europäische Union, Airbus, EADS, Power8, Wettbewerbsfähigkeit, Marktstruktur, Globalisierung, Standort Deutschland, Subventionen, Strukturwandel, Wissensgesellschaft, Luftfahrtindustrie, Wirtschaftsraum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Umsetzung der europäischen Industriepolitik mit einem Fokus auf die Luftfahrtindustrie.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentral sind die Definition von Industriepolitik, der Vergleich unterschiedlicher nationaler Ansätze (USA, Japan, Frankreich, Deutschland) und die Analyse von europäischen Großprojekten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit hinterfragt, wie industrielle Wettbewerbsfähigkeit durch staatliche Maßnahmen gefördert werden kann und welche Konflikte sich dabei zwischen nationalen Interessen und europäischen Gemeinschaftszielen ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Fallstudie zur Geschichte und aktuellen Entwicklung des Flugzeugbauers Airbus.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung der Industriepolitik, eine Darstellung der EU-Strategien sowie eine detaillierte Fallanalyse zum Konzern Airbus und seinem Sanierungsprogramm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Industriepolitik, Wettbewerbsfähigkeit, Europäische Union, Airbus und Sanierungsprogramm maßgeblich geprägt.
Welche Rolle spielt das Sanierungsprogramm „Power8“ für Airbus?
„Power8“ dient als strategisches Instrument, um durch Kostensenkungen, Straffung der Konzernstruktur und Produktivitätssteigerungen die Wettbewerbsfähigkeit von Airbus nach der A380-Krise zu sichern.
Warum ist das deutsch-französische Gleichgewicht so entscheidend?
Die politische Architektur von Airbus/EADS basiert auf einem austarierten Machtgefüge zwischen Deutschland und Frankreich, das sicherstellen soll, dass beide Nationen von technologischen Fortschritten und Arbeitsplatzentwicklungen gleichermaßen profitieren.
- Quote paper
- Dipl.-Ing. (FH) Christoph Pelt (Author), 2007, Begründungen und Ansätze für eine europäische Industriepolitik - dargestellt am Beispiel EADS/Airbus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76189