Behandelt werden im folgenden die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Auszüge aus den ,,Pädagogischen Schriften" von Schleiermacher und Herbart. Beginnend mit der jeweiligen Biographie und einer kleinen Zusammenfassung der untersuchten Texte, wird schließlich, vor allem in bezug auf die Theorien über Erziehung, der Vergleich angegangen. Abschließend folgt das Fazit der Untersuchung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographie Schleiermacher
3. Schleiermacher: Die Vorlesungen aus dem Jahre 1826
4. Biographie Herbart
5. Herbart: Über Erziehung unter öffentlicher Mitwirkung
6. Vergleich Schleiermacher – Herbart
7. Fazit
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die erziehungstheoretischen Ansätze von Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher und Johann Friedrich Herbart gegenüberzustellen und ihre wesentlichen Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Dabei wird untersucht, wie beide Denker den Prozess der Erziehung konzeptualisieren, welche Rolle der Staat und die Gesellschaft spielen und wie ihre jeweiligen theoretischen Fundamente die pädagogische Praxis beeinflussen.
- Biographische Einordnung und pädagogische Grundlegung beider Theoretiker
- Analyse der Erziehungskonzepte von Schleiermacher (hermeneutischer Ansatz) und Herbart (systematisch-empirischer Ansatz)
- Untersuchung des Verhältnisses von Erziehung, Staat und Gesellschaft
- Vergleichende Gegenüberstellung der pädagogischen Methoden und Wissenschaftsverständnisse
Auszug aus dem Buch
3. Schleiermacher: Die Vorlesungen aus dem Jahre 1826
Das Werk ist geprägt durch eine deutlich erkennbare Dialektik der einzelnen Gedanken. Von einem Satz/Gedanken kommt er zum nächsten, wobei er den ersten widerlegt, um letztendlich immer einen Schritt weiterzukommen. Dabei zeigt sich auch die intensive Auseinandersetzung mit Platon und dessen dialogischer Denkweise.
Die Erziehung wird ursprünglich von den Eltern geleistet. Als Unterscheidungskriterium wählt Schleiermacher Elternhelfer bzw. Hauslehrer und Beschäftigte bei öffentlichen Anstalten. Um nun eine Theorie der Erziehung zu finden, wendet er sich zunächst den Hauslehrern zu. Diese arbeiten nicht wissenschaftlich, sondern ohne feste Regeln und mit der Haupttätigkeit Erziehen. Beschäftigte an öffentlichen Anstalten hingegen sind eng an die Interessen des Staates gebunden. Das Unterrichten, welches in Verbindung zur Wissenschaft und zur Kunst steht, ist hierbei der Schwerpunkt der Tätigkeit. Didaktik und Methodik stellen für Schleiermacher lediglich Anhängsel zu den Wissenschaften und Künsten dar. Somit kann eine Theorie über Erziehung weder für Schul- noch für Hauslehrer gesucht werden.
Da der Mensch ein Wesen ist „welches den hinreichenden Grund seiner Entwicklung vom Anfange des Lebens an bis zum Punkt der Vollendung in sich selbst trägt“, bringt eine gegenseitige Einwirkung der Menschen untereinander Entwicklung. Folgt nun daraus, daß „die Einwirkung der älteren Generation auf die jüngere ein solches Minimum“ ist, „daß es gar nicht der Mühe lohnt, sie als Kunst zu fassen?“ (Schleiermacher, Pädagogische Schriften, S. 10). An dieser Stelle wirft Schleiermacher einen Blick auf die Geschichte. Das jüdische Volk etwa betrieb Haus- bzw. Familienerziehung ohne dabei eine bestimmte Theorie anzuwenden. Bei den Griechen war dagegen Erziehung eher öffentlich, in Verbindung mit der Gesetzgebung. Dabei galt sie schon als Kunst, aber es entwickelte sich keine Theorie über die Praxis. „Die Dignität der Praxis ist unabhängig von der Theorie; die Praxis wird nur mit der Theorie eine bewußtere“ (Schleiermacher, Pädagogische Schriften, S. 11). Praxis gab es also schon vor der Theorie, unabhängig von ihr.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Aufbau der Arbeit und den Vergleich der pädagogischen Ansätze von Schleiermacher und Herbart.
2. Biographie Schleiermacher: Das Kapitel bietet einen Abriss des Lebensweges von Schleiermacher und beleuchtet seine Prägung durch die Romantik sowie die hermeneutischen Grundzüge seines pädagogischen Denkens.
3. Schleiermacher: Die Vorlesungen aus dem Jahre 1826: Hier wird der theoretische Kern von Schleiermachers Pädagogik analysiert, insbesondere die dialektische Struktur seiner Überlegungen und sein Verständnis von Erziehung im Verhältnis zur Ethik.
4. Biographie Herbart: Dieses Kapitel stellt die Lebensdaten und den akademischen Werdegang Johann Friedrich Herbarts dar, inklusive seiner Bedeutung als Verbreiter der Pestalozzi-Pädagogik.
5. Herbart: Über Erziehung unter öffentlicher Mitwirkung: Hier wird Herbarts Erziehungskonzept beleuchtet, das eine Interaktion zwischen Familien, Erziehern und Lehrern vorsieht und Erziehung als eine Form der Kommunalangelegenheit betrachtet.
6. Vergleich Schleiermacher – Herbart: Dieses Kapitel führt die Gegenüberstellung beider Positionen durch und arbeitet die Unterschiede zwischen Schleiermachers geisteswissenschaftlichem Ansatz und Herbarts kognitivistischer, empirisch orientierter Theorie heraus.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung beider Denker für die Pädagogik zusammen und reflektiert deren Einfluss auf die historische Entwicklung des Bildungswesens.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen.
Schlüsselwörter
Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, Johann Friedrich Herbart, Erziehungstheorie, Pädagogik, Hermeneutik, Individualität, Mündigkeit, Unterricht, Bildung, Geisteswissenschaft, Empirische Methode, Didaktik, Ethik, Staat, Reformpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem vergleichenden Überblick über die pädagogischen Theorien von Schleiermacher und Herbart, basierend auf ihren publizierten Schriften.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die erziehungswissenschaftlichen Konzepte, die Rolle des Staates und der Gesellschaft sowie die wissenschaftliche Begründung von Unterricht und Erziehung durch die beiden Autoren.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Ziel ist es, die Unterschiede zwischen Schleiermachers hermeneutisch-historischem Verständnis und Herbarts systematisch-empirischem Ansatz bei der Erziehung des Individuums zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, bei der die Texte von Schleiermacher und Herbart gegenübergestellt und auf Basis von Sekundärliteratur zur Pädagogikgeschichte interpretiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Biographien und die Kernschriften beider Pädagogen einzeln dargestellt, bevor in einem dedizierten Kapitel die theoretische Vergleichsbetrachtung stattfindet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Pädagogik, Individualität, Mündigkeit, Geisteswissenschaft, Erziehungstheorie und die Namen Schleiermacher sowie Herbart charakterisiert.
Wie unterscheidet sich laut Text das Erziehungskonzept von Schleiermacher von dem Herbarts?
Schleiermacher verfährt historisch-hermeneutisch und sieht Erziehung eng verknüpft mit der Ethik und der individuellen Entwicklung, während Herbart eine systematische Pädagogik auf Basis der Psychologie und kausaler Prinzipien verfolgt.
Was versteht Herbart unter der "öffentlichen Mitwirkung" bei der Erziehung?
Herbart plädiert für eine Kooperation zwischen Eltern, Erziehern und Lehrern, wobei der Pädagoge als Erziehungskünstler innerhalb einer Gemeinde agiert, um eine massenhafte, institutionelle Bildung zu vermeiden.
- Quote paper
- Martin Nahlik (Author), 2001, Vergleich der Erziehungstheorien von Schleiermacher und Herbart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/761