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Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit - Geschlechtsspezifische Verteilung von Verantwortlichkeiten

Title: Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit - Geschlechtsspezifische Verteilung von Verantwortlichkeiten

Seminar Paper , 2006 , 23 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Franziska Kraus (Author)

History - Miscellaneous
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Die Geschichte der Säuglingsfürsorge beginnt Ende des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurde das Problem der hohen Säuglingssterblichkeit erstmals von Bevölkerung und Politik wahrgenommen, wodurch man sich sowohl von Seiten der Regierung, noch mehr aber von bürgerlich-privater Seite, zum sofortigen Handeln gezwungen sah.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Säuglingssterblichkeit als Problem der Gesellschaft

1.1. Der politische Gedanke zur Bevölkerungsentwicklung:

1.2. Veränderung des Bewusstseins

2. Ursachen der Säuglingssterblichkeit

2.1. Muttermilch und Ersatznahrung

2.2. Wohnverhältnisse

2.3. Vorsätzliche Vernachlässigung der Säuglinge

3. Erste Initiativen entstehen

3.1 Die Milch als universelles Problem? Das Eingreifen von Reich, Stadt und Kommunen

3.2. Privates Engagement: die Entstehung der Fürsorgevereine

4. Rückgang der Sterblichkeit aufgrund der Fürsorgevereine?

5. Kritik und Bewertung der Säuglingsfürsorge

5.1 Rassenhygiene

5.2 Politik

5.3 Mütter

Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die historischen Hintergründe der Säuglingsfürsorge im ausgehenden 19. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Rollenverteilungen bei den handelnden Akteuren und den betroffenen Familien, um zu klären, inwieweit die damaligen Initiativen zur Bekämpfung der hohen Säuglingssterblichkeit effektiv waren und wie sich die Verantwortlichkeiten zwischen den Geschlechtern differenzierten.

  • Ursachen der hohen Säuglingssterblichkeit im 18. und 19. Jahrhundert.
  • Staatliche und private Initiativen zur Säuglingsfürsorge (Milchanstalten, Krippenvereine).
  • Die Rolle der Geschlechterrollen in der Familien- und Fürsorgepraxis.
  • Kritische Auseinandersetzung mit rassenhygienischen Strömungen und sozialpolitischen Ansätzen.
  • Analyse der Wirksamkeit von Fürsorgeprogrammen anhand historischer Daten.

Auszug aus dem Buch

2.3. Vorsätzliche Vernachlässigung der Säuglinge

Hauptsächlich in der Landwirtschaft und den ärmeren Bevölkerungsschichten spielt der ökonomische Gedanke in der Familien- und Zukunftsplanung eine große Rolle. Kinder waren die Erben von Hof und Handwerk und garantierten die Altersvorsorge der Eltern. Waren nun schon zwei oder drei Kinder geboren und hatten ihre frühe Kindheit überlebt, so war kein Platz, bzw. bestand kein Bedarf mehr an weiteren Kindern. Ein zusätzliches Kind bedeutete eine Zusatzbelastung und in Zeiten von Hungersnöten, oder seien es nur schlechte Erntejahre, musste ein Kind mehr satt werden. Da die Nachfolge schon geregelt war, so galt dieses Kind als unökonomisch. Um sich dieser Zusatzbelastung zu entledigen, kam es vor, dass der Säugling vorsätzlich in der Pflege und Ernährung vernachlässigt wurde. Man hat also wissentlich das Leben eines Säuglings aufs Spiel gesetzt um ihm den Weg ins Himmelreich zu erleichtern, was man allgemein als „Himmeln“ bezeichnete.

Nun ist man in unserer Zeit schnell dazu geneigt diese Tatsache als empörend zu bezeichnen, die Mutter als herzlos zu verurteilen und ein allgemeines Unverständnis aufzubringen. Doch es ist sehr heikel den Vergleich im Verhalten der Mütter im 17. und 18. Jahrhundert zu den Müttern im 21. Jahrhundert zu ziehen. Die Einstellung zum Leben eines Säuglings hat sich im ausgehenden 19. Jahrhundert stark verändert. Nimmt man als Beispiel eine Bauernfamilie mit drei Kindern zwischen 4 und 12 Jahren. Der älteste Sohn kümmert sich um die jüngeren Geschwister, arbeitet auf dem Hof mit und wird diesen einmal übernehmen. Alle Kinder haben ihre Kleinkinderjahre überlebt, sind gesund und bieten den Eltern eine Altersvorsorge. In Zeiten einer schlechten Ernte oder einer Hungersnot muss die Mutter also abwägen, ob sie ihre Kinder, in die schon viel investiert wurde, durchbringt, oder ein Neugeborenes, das das Leben noch vor sich hat. Oftmals entschied man sich gegen den Säugling und ließ das Schicksal entscheiden, ob er überlebte.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Entstehung der Säuglingsfürsorge Ende des 19. Jahrhunderts und stellt die Forschungsfrage nach geschlechtsspezifischen Akteuren und Rollenverteilungen in den Vordergrund.

1. Säuglingssterblichkeit als Problem der Gesellschaft: Dieses Kapitel erläutert den gesellschaftlichen und politischen Kontext, in dem die Säuglingssterblichkeit aufgrund demografischer Sorgen um die Bevölkerungsentwicklung als akutes Handlungsfeld wahrgenommen wurde.

2. Ursachen der Säuglingssterblichkeit: Hier werden die komplexen Ursachen analysiert, darunter mangelnde Ernährung und Hygiene, schwierige Wohnverhältnisse sowie die als "Himmeln" bezeichnete vorsätzliche Vernachlässigung.

3. Erste Initiativen entstehen: Das Kapitel beschreibt den Übergang von staatlichen Eingriffen, wie der Errichtung von Milchausschankstellen, bis hin zu privaten Initiativen wie der Gründung von Krippenvereinen.

4. Rückgang der Sterblichkeit aufgrund der Fürsorgevereine?: Anhand von Daten zur Säuglingssterblichkeit in Berlin wird die tatsächliche Wirkung der Fürsorgemaßnahmen kritisch hinterfragt und in Relation zu verbesserten Lebensbedingungen gesetzt.

5. Kritik und Bewertung der Säuglingsfürsorge: Dieses Kapitel widmet sich der zeitgenössischen Kritik, insbesondere der Rassenhygieniker, sowie der politischen und mütterlichen Perspektive auf die Maßnahmen.

Fazit: Die Zusammenfassung schlussfolgert, dass Mütter die entscheidende Rolle bei der Säuglingssterblichkeit spielten, während männliche Akteure primär im öffentlichen Sektor dominierten.

Schlüsselwörter

Säuglingssterblichkeit, Säuglingsfürsorge, Geschlechterrolle, Sozialpolitik, Rassenhygiene, Milchanstalten, Krippenvereine, Bevölkerungsentwicklung, industrielle Revolution, Himmeln, Stillverhalten, Hygiene, Emanzipation, Fürsorgevereine, Kinderpflege.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Säuglingsfürsorge im 19. Jahrhundert unter dem Aspekt der geschlechtsspezifischen Verantwortlichkeiten und Aktionsfelder.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Ursachen für die hohe Säuglingssterblichkeit, die verschiedenen Interventionsmaßnahmen von Staat und privater Hand sowie die gesellschaftliche Kritik an der Fürsorge.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den "roten Faden" der Geschlechterrollen in der Säuglingsfürsorge freizulegen, da dieser Aspekt in der Literatur oft vernachlässigt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine sozialgeschichtliche Analyse, die verschiedene Primär- und Sekundärquellen auswertet, um eine chronologische Strukturierung der historischen Entwicklung vorzunehmen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Ursachen der Sterblichkeit, die Entstehung städtischer und privater Fürsorgestellen, den Verlauf der Sterblichkeitsraten sowie die Kritik aus rassenhygienischer und politischer Sicht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlagworte sind Säuglingssterblichkeit, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Rassenhygiene, staatliche Intervention und soziale Hygiene.

Warum wurde das "Himmeln" von Säuglingen praktiziert?

Es handelte sich um eine verzweifelte, ökonomisch begründete Praxis in armen Bevölkerungsschichten, um in Krisenzeiten wie Hungersnöten das Überleben der bereits größeren, für die Altersvorsorge wichtigen Kinder zu sichern.

Welche Rolle spielte die Kaiserin Auguste-Victoria für die Berliner Krippenbewegung?

Die Kaiserin übernahm 1901 das Patronat über den Berliner Krippenverein, was zu einer zunehmenden Verstaatlichung bzw. Institutionalisierung des ursprünglich privaten Vereins führte.

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Details

Title
Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit - Geschlechtsspezifische Verteilung von Verantwortlichkeiten
College
University of Mannheim  (Historisches Institut)
Course
Stadt und Gesundheit in der Neuzeit
Grade
2,0
Author
Franziska Kraus (Author)
Publication Year
2006
Pages
23
Catalog Number
V76249
ISBN (eBook)
9783638817042
ISBN (Book)
9783638818162
Language
German
Tags
Bekämpfung Säuglingssterblichkeit Geschlechtsspezifische Verteilung Verantwortlichkeiten Stadt Gesundheit Neuzeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Franziska Kraus (Author), 2006, Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit - Geschlechtsspezifische Verteilung von Verantwortlichkeiten , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76249
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