I. Einleitung
Gegenstand der vorliegenden Seminararbeit ist eine vergleichende Beurteilung des An-satzes von Beteiligungen an Personen- und Kapitalgesellschaften in der Steuer- und in der Handelsbilanz. Um den Anforderungen der Themenstellung gerecht zu werden, wer-den zunächst in den Abschnitten II bis IV die unterschiedlichen Ansätze dargestellt. Im anschließenden Abschnitt werden Maßstäbe herausgearbeitet, anhand derer die Beurtei-lung der Ansätze vorgenommen werden soll. Darauf folgt in Teil VI die vergleichende Beurteilung aus zwei Perspektiven. In einem ersten Vergleich werden die handelsrecht-lichen Ansätze im Hinblick auf die Zielsetzungen der Handelsbilanz geprüft. In einer weiteren Untersuchung werden die steuerrechtlichen Ansätze bezüglich der im Steuer-recht relevanten Beurteilungsmaßstäbe betrachtet. Im abschließenden Teil wird beurteilt, ob und inwieweit die Ansätze den gestellten Anforderungen entsprechen. Darüber hin-aus wird ein kurzer Ausblick auf die zu erwartende Entwicklung gegeben.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Grundlagen
III. Handelsrecht
1. Beteiligungen an Personen- und Kapitalgesellschaften
2. Ansatz dem Grunde nach − Ausweis
3. Ansatz der Höhe nach − Bewertung
IV. Steuerrecht
1. Beteiligungen an Kapitalgesellschaften
1.1. Ansatz dem Grunde nach − Ausweis
1.2. Ansatz der Höhe nach − Bewertung
2. Beteiligungen an Personengesellschaften
2.1. Ansatz dem Grunde nach − Ausweis
2.2. Möglichkeiten der Bilanzierung
V. Beurteilungsmaßstäbe
VI. Vergleichende Beurteilung
1. Erreichung der handelsrechtlichen Zielsetzungen
1.1. Dokumentationszweck
1.2. Rechenschafts- und Kapitalerhaltungszweck
2. Erreichung der steuerrechtlichen Zielsetzungen
2.1. Allgemeines
2.2. Rechtsformneutralität
2.3. Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
2.4. Verlustfall
2.5. Gewinnthesaurierung
VII. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit verfolgt das Ziel, die handels- und steuerrechtlichen Ansätze von Beteiligungen an Personen- und Kapitalgesellschaften vergleichend zu beurteilen. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, ob und inwieweit die bestehenden bilanzrechtlichen Regelungen den Anforderungen an eine ordnungsgemäße Dokumentation, Rechenschaftslegung, Kapitalerhaltung sowie den steuerlichen Zielen der Rechtsformneutralität und der Abbildung wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit gerecht werden.
- Vergleichende Analyse der handelsrechtlichen Ansatz- und Bewertungsgrundsätze für Beteiligungen.
- Untersuchung der steuerrechtlichen Behandlung von Kapital- und Personengesellschaftsbeteiligungen.
- Bewertung der handelsrechtlichen Zielsetzungen im Hinblick auf Dokumentations- und Rechenschaftsfunktionen.
- Kritische Analyse der steuerrechtlichen Zielsetzungen, insbesondere unter dem Aspekt der Rechtsformneutralität.
- Diskussion der Auswirkungen von Verlustfällen und Gewinnthesaurierungen auf die Besteuerung.
Auszug aus dem Buch
1.2. Rechenschafts- und Kapitalerhaltungszweck
Als komplizierter erweist sich dagegen die Beurteilung des Rechenschafts- und des Kapitalerhaltungszweckes. Die beiden Zwecke stehen, wie oben bereits erwähnt, in Konkurrenz zueinander. Die vollständige Realisierung eines der beiden Zwecke geht somit stets zu Lasten des anderen. Zur Erreichung des Rechenschaftszweckes tragen zahlreiche Grundsätze und Prinzipien bei (beispielsweise die Grundsätze der Richtigkeit, der Bewertungsstetigkeit, der Ansatzstetigkeit, der Periodisierung, der Wirtschaftlichkeit, sowie das „going-concern-principle“ und das Realisationsprinzip). Die Auslegung der einzelnen Prinzipien erweist sich als schwierig, da sie teilweise auch zu Gunsten des Kapitalerhaltungszweckes ausgelegt werden können, bzw. die Kapitalerhaltungsgrundsätze (so z.B. das Imparitätsprinzip und das Vorsichtsprinzip, welche eine vorsichtige Bilanzierung fordern) diesen zuwider stehen.
Durch die Erfassung von Beteiligungen zu Anschaffungskosten wird beispielsweise dem Realisationsprinzip i.S.d. Rechenschaftszweckes nachgekommen, da eine gewinnneutrale Bilanzierung vorgenommen wird und sich der Bilanzierende damit gegenüber den Adressaten des Jahresabschlusses nicht reicher machen kann als er tatsächlich ist. Eine vollständige Berücksichtigung des Rechenschaftszweckes würde jedoch auch eine verlustneutrale Behandlung bei der Bilanzierung erfordern. Dieser wird mit den handelsrechtlichen Bilanzierungsvorschriften jedoch nicht nachgekommen, da zu Gunsten der Kapitalerhaltung die Niederstwertprinzipien als Ausflüsse des Imparitätsprinzips des § 253 Abs. 2 u. 3 HGB gelten, welche dem Rechenschaftszweck entgegenstehen. Dieser Konflikt zwischen Rechenschafts- und Kapitalerhaltungszweck ist nicht zu beseitigen. Mit den handelsrechtlichen Regelungen wird ein Interessenausgleich kodifiziert, der versucht beide Prinzipien möglichst optimal zu berücksichtigen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung umreißt das Thema der vergleichenden Beurteilung von Beteiligungsansätzen und legt die methodische Vorgehensweise sowie den Aufbau der Seminararbeit dar.
II. Grundlagen: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Beteiligung gemäß § 271 HGB und erläutert die Anwendbarkeit des Begriffs auf Kapital- und Personengesellschaften.
III. Handelsrecht: Hier werden die handelsrechtlichen Grundsätze für den Ausweis und die Bewertung von Beteiligungen, einschließlich der Anwendbarkeit des Anschaffungskosten- und Niederstwertprinzips, detailliert dargestellt.
IV. Steuerrecht: Das Kapitel behandelt die steuerrechtlichen Besonderheiten beim Ansatz und der Bewertung von Beteiligungen an Kapital- bzw. Personengesellschaften unter Berücksichtigung des Maßgeblichkeitsprinzips.
V. Beurteilungsmaßstäbe: Es werden die unterschiedlichen Zielsetzungen von Handels- und Steuerbilanz definiert, wobei insbesondere auf das handelsrechtliche Zwecksystem und das steuerliche Leistungsfähigkeitsprinzip eingegangen wird.
VI. Vergleichende Beurteilung: In diesem Hauptteil erfolgt die kritische Prüfung der untersuchten Ansätze anhand der definierten Beurteilungsmaßstäbe für Handels- und Steuerrecht.
VII. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die Ziele der Rechtsformneutralität und der Leistungsfähigkeit in der aktuellen Praxis teilweise verfehlt werden, und weist auf Reformansätze hin.
Schlüsselwörter
Beteiligungen, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Personengesellschaft, Kapitalgesellschaft, Anschaffungskostenprinzip, Niederstwertprinzip, Rechenschaftszweck, Kapitalerhaltungszweck, Rechtsformneutralität, Transparenzprinzip, Trennungsprinzip, Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Spiegelbildmethode, Unternehmensbesteuerung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die bilanzrechtliche Behandlung von Beteiligungen an Personen- und Kapitalgesellschaften sowohl nach Handels- als auch nach Steuerrecht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Ausweis und die Bewertung von Beteiligungen, die verschiedenen Bilanzzwecke, die Besteuerungsprinzipien (Trennungs- vs. Transparenzprinzip) sowie die Zielsetzungen der jeweiligen Bilanzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die Beurteilung, ob die aktuellen Ansätze die Anforderungen an Dokumentation, Rechenschaftslegung und steuerliche Gerechtigkeit (Rechtsformneutralität) erfüllen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende, rechtsdogmatische Analyse, die handels- und steuerrechtliche Vorschriften mit anerkannten bilanztheoretischen Zielsetzungen konfrontiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der rechtlichen Grundlagen, die Definition von Beurteilungsmaßstäben und die anschließende kritische Analyse der Zielerreichung im Handels- und Steuerrecht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Beteiligungsbilanzierung, Rechtsformneutralität, Anschaffungskosten, Spiegelbildmethode sowie die Konflikte zwischen Rechenschafts- und Kapitalerhaltung.
Was besagt die Spiegelbildmethode bei Personengesellschaften?
Die Methode besagt, dass der Wertansatz der Beteiligung in der Steuerbilanz stets dem anteiligen Kapitalkonto des Gesellschafters in der Gesamthandsbilanz der Personengesellschaft entspricht.
Warum wird im Fazit eine Reform der Unternehmensbesteuerung gefordert?
Weil die aktuelle Praxis gegen Grundprinzipien wie die Rechtsformneutralität verstößt und zu einer nicht intendierten steuerlichen Ungleichbehandlung je nach Rechtsform führt.
- Quote paper
- Marcel Kunze (Author), 2007, Vergleichende Beurteilung des Ansatzes von Beteiligungen an Personen- und Kapitalgesellschaften in der Handels- und Steuerbilanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76265