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Inwieweit wurde Schiller zum literarischen Anwalt des "Verbrechers aus verlorener Ehre"?

Title: Inwieweit wurde Schiller zum literarischen Anwalt des "Verbrechers aus verlorener Ehre"?

Term Paper , 2005 , 31 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jana Henseleit (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Im Nachwort zur Reclam-Ausgabe Der Verbrecher aus verlorener Ehre und andere Erzählungen kommt Bernhard Zeller zu der Schlussfolgerung, dass Schiller die Verbrechen des Protagonisten Christian Wolf „aus angeborener Anlage und äußeren Umständen, aus Charakter und Situation“ herleitet. Somit werde Schiller „in gewisser Weise doch zum Anwalt Schwans“ . Diese Schlussfolgerung erscheint mir insofern beachtenswert, da einige Rezensenten des Verbrechers aus verlorener Ehre eine derartige Parteinahme Schillers für Wolf, sei sie direkt oder indirekt, nur unzureichend aufzeigen. In anderen Fällen hingegen wird Wolfs Entwicklung zum Verbrecher zu einseitig begründet und somit übersehen, wie weit reichend Schillers Netz der positiven Beeinflussung des Lesers für Wolf gespannt ist.
Ich werde mich in meiner Arbeit vorrangig damit beschäftigen, die Hinweise für eine direkte beziehungsweise indirekte Parteinahme Schillers für Wolf zusammen zu tragen und näher zu deuten. Daraus resultierend werden gleichzeitig diejenigen Rezensenten Gegenstand kritischer Erwähnung sein, die die Faktoren für Wolfs Verbrechertum meiner Meinung nach nur unzureichend oder zu einseitig erläutern.
Ein Vergleich mit der Erzählung Lebensgeschichte Fridrich Schwans von Jacob Friedrich Abel beziehungsweise mit den historischen Fakten des wahren Falles von Schwahn soll nicht hauptsächlicher Gegenstand meiner Untersuchung sein und wird von mir nur dort vollzogen, wo es der Veranschaulichung von Schillers Parteinahme für Wolf dient.


Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Philosophisch-ästhetische Thesen Schillers

2.1 Die Entstehungsgeschichte der Erzählung Der Verbrecher aus verlorener Ehre

2.2 Die programmatische Vorrede der Erzählung

3. Schillers Erzählstrategie bei der Darstellung Christian Wolfs

3.1 Wolfs Äußeres und erste Einflüsse auf ihn: seine Eltern, Hannchen, Robert

3.2 Schillers implizierte Kritik an der Gesellschaft und der Justiz

4. Wolf jenseits der bürgerlichen Moral

4.1 Der Mord und Wolfs innere Leere nach der Tat

4.2 Wolf in der Räuberbande

5. Wurde Schiller zum literarischen Anwalt Wolfs?

5.1 Das Ende der Erzählung: Warum stellt sich Wolf freiwillig?

5.2 Schillers Intention: aufklären und vorbeugen, aber auch verteidigen?

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die erzähltechnische Gestaltung von Friedrich Schillers Erzählung "Der Verbrecher aus verlorener Ehre", um zu ergründen, ob und mit welchen Mitteln der Autor eine Parteinahme für den Protagonisten Christian Wolf erzeugt. Dabei steht insbesondere die Frage im Zentrum, wie Schiller durch die Darstellung der Verbrechensgenese Kritik an Justiz und Gesellschaft übt und den Leser dazu bewegt, den Täter als zwiegespaltenes Wesen jenseits einer rein moralischen Verurteilung wahrzunehmen.

  • Analyse der philosophisch-ästhetischen Vorrede Schillers und deren Relevanz für die Erzählweise.
  • Untersuchung der psychologischen Zeichnung von Christian Wolf und dessen Identitätsentwicklung.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Gesellschaft und Justiz bei der Entstehung von Kriminalität.
  • Vergleich der literarischen Darstellung Schillers mit den historischen Fakten des realen Falls.
  • Deutung der erzähltechnischen Mittel zur Erzeugung von Empathie beim Leser.

Auszug aus dem Buch

3.1 Wolfs Äußeres und erste Einflüsse auf ihn: seine Eltern, Hannchen, Robert

Bis auf eine Ausnahme werden die Ereignisse in Der Verbrecher aus verlorener Ehre in chronologischer Reihenfolge erzählt. In der Einleitung jedoch wird der Tod Wolfs vorweg genommen. Wolfs Biographie beginnt für den Leser mit dessen Tod. Einmal davon abgesehen, dass vielen Lesern die Ereignisse wahrscheinlich noch aus oben genannten Gründen aus erster Hand bekannt waren, lenkt auch dieser Kunstgriff Schillers die Aufmerksamkeit des Lesers eher auf die Frage, wie die Verbrechen Wolfs entstanden sind, dem Ende wird nicht mehr sensationshungrig entgegen gelesen. Wie in der gesamten Einleitung wird auch an dieser Stelle der Leser in eine bestimmte Richtung der Analyse gelenkt.

Im Erstdruck der Thalia fand sich noch ein Einleitungssatz, der bei der Veröffentlichung 1792 weggelassen wurde. In ihm trat viel deutlicher zu Tage, warum das 18. Jahrhundert im Volksmund auch das „Jahrhundert der philosophierenden Ärzte“ genannt wird. Schiller studierte 1775-1780 an der Karlsschule Medizin und das macht sich bemerkbar, indem er eine Analogie zwischen der Kriminalität und einer Krankheit zieht. Wenn Ärzte in der Lage sind, von einer Krankheit zu lernen, wie sie geheilt werden kann, so sei es laut Schiller auch möglich, durch die „Leichenöffnung seines [des Verbrechers, J. H.] Lasters (...) die Menschheit und – es ist möglich, auch die Gerechtigkeit“ (6) zu unterrichten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Hinweise auf eine direkte oder indirekte Parteinahme Schillers für den Protagonisten Wolf zu untersuchen und bestehende Literaturkritiken hierzu zu hinterfragen.

2. Philosophisch-ästhetische Thesen Schillers: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte der Erzählung im Kontext von Schillers ökonomischer Situation und analysiert die Vorrede, die den Leser zur kritischen Reflexion über Kriminalität anregen soll.

3. Schillers Erzählstrategie bei der Darstellung Christian Wolfs: Der Autor erläutert hier, wie Schiller durch bewusste Modifikationen gegenüber historischen Fakten die Physiognomie und Lebensumstände Wolfs nutzt, um eine soziale Mitschuld am Verbrechertum zu implizieren.

4. Wolf jenseits der bürgerlichen Moral: Hier wird der Mord als zentraler Wendepunkt untersucht, wobei Schillers Technik der Distanzierung durch die Ich-Erzählweise und die Darstellung der Rache als personifiziertes Motiv im Fokus stehen.

5. Wurde Schiller zum literarischen Anwalt Wolfs?: Das Kapitel zieht ein Fazit zur psychologischen Wandlung Wolfs am Ende der Erzählung und analysiert Schillers Intention, zwischen Aufklärung, Prävention und der Verteidigung des Individuums zu vermitteln.

Schlüsselwörter

Friedrich Schiller, Der Verbrecher aus verlorener Ehre, Christian Wolf, literarische Parteinahme, Justizkritik, Moralität, Verbrechensgenese, Aufklärung, Erzähltechnik, gesellschaftliche Einflüsse, Individuum, Rache, Psychologie, Täterschaft, Gerechtigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Friedrich Schillers Erzählung "Der Verbrecher aus verlorener Ehre" mit dem Fokus auf die erzählerischen Mittel, die den Leser dazu veranlassen, eine empathische Haltung gegenüber einem Kriminellen einzunehmen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Mittelpunkt stehen die Darstellung des Protagonisten Wolf, die Kritik an den rechtlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen des 18. Jahrhunderts sowie Schillers theoretische Konzepte zur Wirkung von Literatur.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Schiller durch eine gezielte Erzählstrategie und die Abweichung von historischen Fakten Wolf nicht als bloßen "Bösewicht", sondern als ein von Umständen gezeichnetes, nachvollziehbares Individuum darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer textnahen literaturwissenschaftlichen Analyse, die den Erzähltext mit historischen Fakten sowie zeitgenössischen philosophischen und rechtshistorischen Schriften Schillers kontrastiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Schillers Erzählstrategie, die Analyse von Wolfs moralischem Abstieg, die Bedeutung des Mordszenarios sowie die psychologische Deutung von Wolfs freiwilliger Selbstauslieferung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind literarische Parteinahme, Justizkritik, Verbrechensgenese, psychologische Entwicklung des Täters und die ästhetische Gestaltung von Moralität.

Warum ändert Schiller den Namen des historischen Vorbilds von Schwahn zu Wolf?

Die Arbeit legt dar, dass diese Namensänderung den Charakter als ein zwiegespaltenes Wesen betonen soll und in Verbindung mit Schillers medizinischen und anthropologischen Interessen zu deuten ist.

Wie deutet die Autorin den Mord an Robert in der Erzählung?

Sie interpretiert den Mord nicht als Tat im Affekt, sondern als eine vom Autor gewollte, kalkulierte psychologische Herausforderung, um die Grenzen zwischen dem Leser und dem Mörder auszuloten.

Welche Funktion hat die "Räuberbande" für die Entwicklung des Protagonisten?

Die Bande wird als Anti-Gesellschaft interpretiert, in der Wolf zunächst nach Anerkennung sucht, deren Trugbild er jedoch später erkennt, was den Prozess seiner inneren Umkehr einleitet.

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Details

Title
Inwieweit wurde Schiller zum literarischen Anwalt des "Verbrechers aus verlorener Ehre"?
College
Free University of Berlin  (Philosophie und Geisteswissenschaften)
Grade
1,0
Author
Jana Henseleit (Author)
Publication Year
2005
Pages
31
Catalog Number
V76318
ISBN (eBook)
9783638805568
ISBN (Book)
9783656568711
Language
German
Tags
Inwieweit Schiller Anwalt Verbrechers Ehre
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jana Henseleit (Author), 2005, Inwieweit wurde Schiller zum literarischen Anwalt des "Verbrechers aus verlorener Ehre"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76318
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