Das literarische Motiv "Fußball" - Ansätze zur inhaltlichen und sprachlichen Vermittlung im Deutschunterricht


Hausarbeit, 2007

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Das literarische Motiv „Fußball“ – Vorstellung zweier Werke
1.1 „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ – Inhalt und Motive
1.2 „Hymne auf Bum Kun Cha“ – Inhalt und Motive

2. Das literarische Motiv „Fußball“ – Didaktische Eignung und methodische Vorschläge für den Schulunterricht
2.1 Zur didaktischen Eignung des literarischen Motivs „Fußball“ für den Einsatz im Deutschunterricht
2.2 Methodische Vorschläge für den Einsatz des literarischen Motivs „Fußball“ im Deutschunterricht

3. Schlussbemerkung

4. Literatur

0. Einleitung

Fußball als literarisches Motiv – unzählige Werke verschiedenster Autoren sind heute von dieser Thematik beeinflusst. Dabei handelt es sich um Vertreter der unterschiedlichsten literarischen Gattungen. Aufgrund der breiten Vielfalt des diesbezüglichen literarischen Angebots und der großen gesellschaftlichen Bedeutung und Popularität des Fußballsports, bietet es sich an, das literarische Motiv Fußball auch im Rahmen des Deutschunterrichts zu behandeln. Diesem Thema soll sich die vorliegende Hausarbeit widmen.

Im ersten Kapitel werden Friedrich Christian Delius’ Erzählung „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ und Eckhard Henscheids Gedicht „Hymne auf Bum Kun Cha“ vorgestellt. Im Anschluss an eine kurze Inhaltsangabe sind dabei jeweils zentrale Motive und Bedeutungsgehalte der Werke herauszuarbeiten. Danach soll jeweils eine Antwort auf die Frage gegeben werden, warum sich gerade der konkrete, vorliegende Text zur Behandlung im Deutschunterricht anbietet.

Das zweite Kapitel befasst sich dann mit der didaktischen Aufarbeitung des literarischen Motivs „Fußball“. Die im ersten Kapitel vorgestellten Werke erhalten dabei besondere Aufmerksamkeit. In einem ersten Schritt soll die Eignung des Motivs für die Behandlung im Deutschunterricht näher untersucht werden Ein zweiter Schritt hat dann zur Aufgabe, methodische Vorschläge zur Thematik zu erarbeiten und zu erörtern.

Ein besonderes Augenmerk soll in beiden Arbeitsschritten des zweiten Kapitels darauf gelegt werden, wie sowohl aktuelle, als auch historische Bezüge und Aspekte, die die gesellschaftliche Bedeutsamkeit des Fußballsports betreffen, im schulischen Kontext didaktisch vermittelt werden können.

1. Das literarische Motiv „Fußball“ – Vorstellung zweier Werke

Aus einer Vielzahl von literarischen Werken, die das Motiv „Fußball“ aufgreifen,

wurden zur Vorstellung in der vorliegenden Hausarbeit und als Beispiel für die Behandlung im Schulunterricht „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ von Friedrich Christian Delius und die „Hymne auf Bum Kun Cha“ von Eckhard Henscheid ausgewählt. In den Abschnitten 1.1 und 1.2 kommt es im Folgenden zu einer eingehenden Auseinandersetzung mit diesen beiden Werken.

1.1 „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ – Inhalt und Motive

In seiner Erzählung „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ gibt Friedrich Christian Delius einen Tag im Leben eines elfjährigen Pfarrerssohnes aus dem hessischen Dorf Wehrda wieder. Dabei handelt es sich um den Sonntag, an dem das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 stattfindet. Vom Läuten der Kirchenglocken geweckt, beginnt der Tag für den Jungen mit einem Frühstück, das strengen christlichen Ritualen folgt. Anschließend folgen ein Kirchgang und ein ebenfalls von christlichen Regeln geprägtes Mittagessen. Zwischendurch findet der Junge Zeit, wie schon am Vortag in der Zeitung über das bevorstehende Fußballspiel zu lesen. Eingeflochten in diesen Handlungsablauf stellt Delius Reflexionen des Jungen bezüglich seiner Familienmitglieder, der Religion, seiner Herkunft und seiner individuellen Schwächen und Leiden wie Stottern, Schüchternheit oder Schuppenflechte dar.

Nach dem Mittagessen vertreibt dieser sich die verbleibenden zwei Stunden bis zur Live-Übertragung im Radio mit einem Spaziergang durch das Dorf. Seine Gedanken kreisen dabei immer wieder um das Spiel. Endlich beginnt dann nach der Rückkehr in das Elternhaus das Finale. Vor dem Radiogerät im Amtszimmer des Vaters fiebert der Junge angespannt mit, fühlt sich durch die zwischenzeitliche Anwesenheit des Vaters gestört und irritiert und erlebt schließlich durch den deutschen Sieg ungeahnte Glücksgefühle, die er dann nach kurzem, einsamem Warten auf dem Kirchplatz gemeinsam mit anderen Dorfbewohnern auskostet.

Zieht man Friedrich Christian Delius’ Lebenslauf heran, so wird schnell deutlich, dass es sich bei „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“ um eine – wenn auch fiktionale – autobiografische Erzählung handelt. Auch er lebte 1954 als elfjähriger Pfarrerssohn in Wehrda. So liegt der Schluss nahe, dass die beschriebenen Gefühle und Erlebnisse durchaus authentischer Natur sind.

Als zentrales Motiv lässt sich die Gegenüberstellung von Enge und Befreiung, Zwängen und Glücksmomenten ausmachen. So fühlt der Junge sich einerseits durch die streng religiöse und wenig auf ihn als Individuum eingehende Erziehung der Eltern und Haltung der restlichen Familie, sowie durch seine körperlichen Defizite stark eingeschränkt und beklemmt. Andererseits vermittelt ihm der Fußballsport die Möglichkeit, am Spielfeldrand oder vor dem Radio mitzufiebern, aber gleichzeitig auch zu entspannen, in andere Welten zu flüchten und sich mit neuen Vorbildern zu identifizieren. Nicht nur die späteren Weltmeister stellen für ihn nämlich Idole dar, sondern auch die ortsansässigen Amateurfußballer des FC Wehrda: „Ich wollte so schnell und geschickt sein wie sie, ich stand an der Barriere, die um das Spielfeld gesetzt war, und feuerte sie an […]. Ich hätte es nie gewagt, einen dieser Helden anzusprechen, die unter dem Namen Wehrda auftraten“[1]. Fühlt er sich im Kreise der Familie noch stumm und schuppig wie „ein Fisch und schon gefangen“[2], feststellend, „daß die Verbindung zwischen mir und der Welt gestört war“[3], so versetzt ihn der Titelgewinn der deutschen Nationalmannschaft „in einen Zustand des Glücks, in dem ich Stottern, Schuppen und Nasenbluten vergaß und das Gewissen und alle Gotteszangen von mir abließen“[4]. Allen sonst so gegenwärtigen Schamgefühlen und aller Schüchternheit zum Trotz möchte er nun plötzlich „meinen Stolz, meine Freude, meinen Dank in die Welt, ins Haus, ins Dorf hinausrufen“[5].

Weitet man das Motiv „Enge vs. Befreiung“ aus, so fallen Parallelen zwischen der Bedeutung des Weltmeistertitels im Leben des Jungen und der Bedeutung des sportlichen Erfolges für das Deutschland der Nachkriegszeit auf. Wie der an der Schwelle zur Pubertät stehende Ich-Erzähler, so befindet sich auch die Nation in dem Prozess, eine neue Identität finden und entwickeln zu müssen. Beide tragen „Altlasten […], die sie nicht einfach abwerfen“[6] können, mit sich umher. Darüber hinaus lässt sich für beide feststellen, dass alte Vorbilder abgelegt werden und eventuell neuen weichen müssen, „da sie nicht die Erlösung bringen“[7] konnten. Sind es auf der einen Seite ein gescheitertes politisches System, das durch ein anderes ersetzt wurde und ein kollektives Selbstwertgefühl, das sich genau wie die Infrastruktur der Nation im Neuaufbau befindet, so stehen dem auf der anderen Seite der schleichende Prozess der Abkapselung von elterlichen und religiösen Wertvorstellungen, sowie eine typisch jugendliche Neuorientierung und Identitätssuche gegenüber. Der Erfolg der von ihm favorisierten Fußballmannschaft gibt dem Jungen das Gefühl, „dem Vaterkäfig, den unsichtbaren Gottesfallen entronnen zu sein“[8], was nicht nur auf die besonderen familiären Umstände, unter denen er aufgewachsen ist, zu beziehen ist, sondern auch den Ausdruck eines für die beginnende Pubertät charakteristischen Strebens nach individueller Autonomie darstellt.

[...]


[1] Delius, Friedrich Christian: Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde. Erzählung. 4.Auflage. Reinbek bei Hamburg, 2006. S.34, f.

[2] ebd., S.25

[3] ebd.

[4] ebd., S.117

[5] ebd., S.114

[6] teHeesen, Sabine: Jesus ist kein Fußballspieler. Friedrich Christian Delius’ Hörspiel „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“. http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=6259&ausgabe=200308 [Stand: 28.02.2007]

[7] ebd.

[8] Delius, 2006. S. 115.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das literarische Motiv "Fußball" - Ansätze zur inhaltlichen und sprachlichen Vermittlung im Deutschunterricht
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Hauptseminar „Literatur und Sport“, Wintersemester 2006/2007
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V76365
ISBN (eBook)
9783638804769
ISBN (Buch)
9783638807548
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"Herr Reifenrath beschäftigt sich in der vorliegenden Hausarbeit mit dem literarischen Motiv "Fußball" und der Frage, inwiefern dieses Motiv eine Berechtigung im Deutschunterricht hat. Als Texte greift er auf Delius "Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde", sowie auf Henscheids "Hymne auf Bum Kun Cha" zurück, welche er im ersten Teil der Arbeit in Bezug auf Inhalt und Motive gelungen vorstellt. Im zweiten Teil seiner Arbeit geht der Autor sowohl auf didaktische als auch methodische Aspekte der Verwendung des Motivs "Fußball" im Deutschunterricht ein und legt in überzeugender Weise [...]
Schlagworte
Motiv, Fußball, Ansätze, Vermittlung, Deutschunterricht, Hauptseminar, Sport“, Wintersemester
Arbeit zitieren
Florian Reifenrath (Autor), 2007, Das literarische Motiv "Fußball" - Ansätze zur inhaltlichen und sprachlichen Vermittlung im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76365

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