Der vorliegende Essay widmet sich der Reichsakademie für Jugendführung in Braunschweig, einer Einrichtung der Hitlerjugend (im Folgenden auch als HJ abgekürzt). Das Beispiel der Akademie soll Charakteristika nationalsozialistischer Pädagogik und hierbei insbesondere des Führungsstils in der HJ und des Ausleseverfahrens zur Eliteförderung darstellen. Zu Beginn des Essays ist jedoch vorgesehen, einen Einblick in die Konzeption der Reichsakademie und in ihre Nutzung durch die HJ zu geben. Die spezifische Baugeschichte des Gebäudes in Braunschweig findet schließlich in einem dritten Kapitel Beachtung.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Struktur, Konzeption und Nutzung der Akademie für Jugendführung
2. Pädagogische Grundsätze und Aspekte des Ausleseverfahrens der Akademie
3. Zur Baugeschichte und Architektur des Akademiegebäudes
4. Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Reichsakademie für Jugendführung in Braunschweig als eine zentrale Institution der Hitlerjugend. Ziel des Essays ist es, die pädagogischen Konzepte und das spezifische Ausleseverfahren zur Eliteförderung innerhalb des Nationalsozialismus anhand dieses Beispiels zu beleuchten sowie einen Einblick in die Baugeschichte und architektonische Konzeption der Anlage zu geben.
- Struktur und Konzeption der Reichsakademie für Jugendführung
- Nationalsozialistische Pädagogik und Führungsstil in der Hitlerjugend
- Kriterien und Verfahren der nationalsozialistischen Eliteförderung
- Baugeschichte und architektonische Repräsentation der Institution
- Die Rolle der Akademie innerhalb des nationalsozialistischen Gesamtsystems
Auszug aus dem Buch
2. Pädagogische Grundsätze und Aspekte des Ausleseverfahrens der Akademie
Wie bereits im ersten Kapitel erläutert, sah die NSDAP, bzw. die Reichsjugendführung die Notwendigkeit, den neuen Berufsstand des Jugendführers zu etablieren bzw. ein Führerkorps auszubilden. „Nach den Grundsätzen der Führererziehung [...] sollte weniger Theorie als vielmehr, das Rüstzeug für die weitere praktische Tätigkeit’ vermittelt werden“18. Neben dem Sportunterricht, dem in der nationalsozialistischen Pädagogik ohnehin besondere Bedeutung zukommt, sollten die künftigen Führer auch in politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, sowie natur- und geisteswissenschaftlichen Belangen unterrichtet werden. Ein besonderer Fokus lag naturgemäß auf der Pädagogik, um eine angemessene Beschäftigung mit „Fragen der Jugendführung“19 zu gewährleisten. Der Biologie- und der Kunstunterricht waren bedeutsam, da ihre Aufgabe darin bestand, den „Gesichtspunkt der Verschiedenartigkeit der Rassen“ 20 zu vermitteln. Schließlich wurden auch diverse Sprachen gelehrt, um den Führeranwärter für den Auslandsdienst zu präparieren. Ziel der Ausbildung war nach von Schirach „daß der Jugendführer der Zukunft ‚ein Priester des nationalsozialistischen Glaubens und ein Offizier des nationalsozialistischen Dienstes’ sein würde“21. Zudem sollte ihm die Zugehörigkeit zum Führerkorps der HJ ein besonderes Gefühl der Ehre vermitteln. Um dessen Mitglieder von der Masse abzuheben, war es unabdingbar, „innerhalb dieses Korps ein elitäres Selbstgefühl entstehen“22 zu lassen.
In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Akademieschüler in einem Alter zwischen 23 und 35 Jahren befanden, war es von besonderer Schwierigkeit, ihre Schulung einerseits in einem vermeintlich „relativ freien und weltoffenen Stil“23 durchzuführen, sie andererseits aber auch „auf Parteilinie“ zu halten. Es galt, „den akademischeren, großzügigeren Charakter der Akademie“24 gegenüber anderen nationalsozialistischen Erziehungsinstitutionen zu erhalten und darzustellen, aber dennoch bestimmte Grundhaltungen, -werte und –einstellungen zu vermitteln. Um diese Ziele zu erreichen, setzte das Konzept der Akademie auf einen weniger autoritären Unterrichtsstil als etwa in den Schulen und förderte durchaus auch Kritik- und Diskussionsfähigkeit, sofern diese sich nicht gegen die Parteilinie richtete.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Reichsakademie für Jugendführung ein und skizziert das Vorhaben, Charakteristika nationalsozialistischer Pädagogik sowie die Baugeschichte des Standorts zu untersuchen.
1. Struktur, Konzeption und Nutzung der Akademie für Jugendführung: Dieses Kapitel erläutert die organisatorische Einbettung der Akademie als höchste Schule der Hitlerjugend und beschreibt die institutionalisierte Ausbildung zum hauptberuflichen HJ-Führer.
2. Pädagogische Grundsätze und Aspekte des Ausleseverfahrens der Akademie: Der Abschnitt analysiert die didaktischen Ansätze, das kumulative Bewertungssystem und die strengen Auswahlkriterien, die für die Aufnahme und den Erfolg in der Akademie entscheidend waren.
3. Zur Baugeschichte und Architektur des Akademiegebäudes: Dieses Kapitel beleuchtet den Bauprozess, die architektonischen Vorgaben zur Repräsentation des NS-Baustils und die Nutzung der Gebäude nach Kriegsbeginn.
4. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung reflektiert die Einschränkungen der Arbeit und stellt fest, dass die Akademie ihre angedachte Rolle aufgrund des Kriegsverlaufs nicht voll entfalten konnte.
Schlüsselwörter
Reichsakademie, Jugendführung, Hitlerjugend, Nationalsozialismus, Eliteförderung, Pädagogik, Führererziehung, Führerkorps, Braunschweig, Ausleseverfahren, Architektur, NS-Baustil, Ideologie, Baldur von Schirach, Ausbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der Reichsakademie für Jugendführung in Braunschweig als einer Einrichtung der Hitlerjugend und untersucht deren Rolle im Kontext der nationalsozialistischen Erziehung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Struktur und Konzeption der Akademie, die pädagogischen Grundsätze der nationalsozialistischen Eliteausbildung sowie die Architektur und Baugeschichte des Standorts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung der Charakteristika nationalsozialistischer Pädagogik, insbesondere im Hinblick auf den Führungsstil in der HJ und das Ausleseverfahren zur Eliteförderung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine essayistische Auseinandersetzung auf Basis vorliegender Fachliteratur zur Geschichte der Reichsakademie und zum NS-Erziehungswesen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die institutionelle Struktur der Akademie, die pädagogischen Prinzipien und Auslesekriterien sowie die architektonische Konzeption des Gebäudes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Reichsakademie, Hitlerjugend, Eliteförderung, Führererziehung, nationalsozialistische Pädagogik und Führerkorps.
Warum war die Umsetzung der ursprünglichen Pläne für die Akademie schwierig?
Die Akademie konnte ihre Rolle als Eliteschule aufgrund des Kriegsbeginns kurz nach der Eröffnung nicht wie geplant ausführen, da Lehrgänge abgebrochen und Schüler zum Kriegsdienst eingezogen wurden.
Welche Bedeutung hatte die Architektur für die Akademie?
Die Architektur sollte einen repräsentativen, akademischen Charakter vermitteln und durch die Verwendung natürlicher Materialien und einen bestimmten Baustil „starke Führerpersönlichkeiten“ formen.
Was unterscheidet das Bewertungssystem der Akademie von anderen Schulen?
Anstatt klassischer Zensuren wurde ein kumulatives Bewertungssystem eingesetzt, das auf der Gesamtbeurteilung des Verhaltens und der Leistungen im Lehrgang basierte.
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- Florian Reifenrath (Author), 2006, Die Braunschweiger Reichsakademie für Jugendführung - Zur Struktur, Konzeption und Geschichte einer Institution der Hitlerjugend, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76369