Syndizierte Kredite sind eines der größten und flexibelsten Finanzierungsinstrumente weltweit. Sie können eine Laufzeit von wenigen Monaten bis hin zu 30 Jahren haben und für nahezu jeden Verwendungszweck eingesetzt werden. Kreditgebende Banken sowie Nichtbanken profitieren von den anfallenden Gebühren und Zinsen sowie von der Möglichkeit der Risikodiversifikation durch Aufteilung des Kreditbetrages auf mehrere Teilnehmer. Diese Eigenschaften machen syndizierte Kredite sowohl für Kreditgeber als auch –nehmer gleichermaßen attraktiv. Trotz der Wichtigkeit von syndizierten Krediten auf dem internationalen Finanzmarkt und der immer größer werdenden Nachfrage nach dieser Finanzierungsform, gibt es nur eine überschaubare Anzahl an wissenschaftlicher Literatur, die sich mit diesem Thema befasst hat. Die vorliegende Arbeit leistet daher einen Beitrag zum besseren Verständnis von syndizierten Krediten und beschäftigt sich insbesondere mit ausgewählten, geografischen Besonderheiten dieser Kreditform. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Analyse von unterschiedlichen Risiko- und Einflussfaktoren, die auf die Kreditkosten in Industrie- und Entwicklungsländern einwirken. Das Ergebnis soll Erkenntnisse darüber liefern, ob Banken Kreditnehmer in beiden Regionen gleich behandeln oder ob es signifikante Unterschiede in der Bewertung von Kreditrisiken gibt. Neben den Einflussfaktoren auf die Kreditkosten wird ebenfalls untersucht, ob Banken Kredite in Industrie- und Entwicklungsländern unterschiedlich strukturieren und wie sich das Verhalten der Kreditgeber bei unterschiedlichem Risiko ändert. Die Kreditdaten für die empirische Untersuchung stammen aus der Datenbank Dealogic Loanware. Der Aufbau dieser Arbeit ist folgendermaßen strukturiert: Zunächst werden in Kapitel 2 die Grundlagen der Kreditsyndizierung beschrieben, um die Funktionsweise dieser besonderen Kreditform besser verstehen zu können. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, ob adverse Selektion und Moral Hazard auf dem Kreditsyndizierungsmarkt auftreten. Kapitel 4 ist der Kern dieser Arbeit und behandelt die eingangs erwähnten, empirischen Untersuchungen zu den Unterschieden in der Kreditbewertung, den -merkmalen sowie den Verhaltensweisen der geldgebenden Institute bei Krediten an Industrie- und Entwicklungsländer. Kapitel 5 stellt aktuelle Trends auf dem Kreditsyndizierungsmarkt vor, wie sich Kreditrisiken auf andere Parteien übertragen lassen. Kapitel 6 fasst die Ergebnisse zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Vorgehensweise der Arbeit
2 Grundlagen der Kreditsyndizierung
2.1 Definition
2.2 Der Syndizierungsprozess
2.2.1 Aufgaben und Pflichten der Teilnehmer
2.2.2 Zeitlicher Ablauf einer Kreditsyndizierung
2.2.3 Syndizierungsstrukturen
2.3 Motivation der beteiligten Parteien
2.3.1 Die Rolle der Banken und Nichtbanken
2.3.2 Gebührenstrukturen und Zinsen
2.3.3 Nichtmonetäre Aspekte
2.3.4 Besondere Vorteile für den Kreditnehmer
2.4 Einsatzmöglichkeiten und Bedeutung von syndizierten Krediten
3 Risiken durch Informationsasymmetrien
3.1 Adverse Selektion
3.2 Moral Hazard
4 Besonderheiten der Kreditsyndizierung in Industrie- und Entwicklungsländern
4.1 Definition von Industrie- und Entwicklungsländern
4.2 Internationale Entwicklung des Kreditsyndizierungsmarktes
4.3 Geografische Unterschiede bei der Risikoanpassung
4.3.1 Kreditstrukturen und -merkmale
4.3.2 Verhalten der beteiligten Banken
4.3.3 Internationalisierung des Kreditsyndizierungsmarktes
4.4 Einflussfaktoren auf die Kreditkosten in Industrie- und Entwicklungsländern
4.4.1 Datenherkunft und Methode der Untersuchung
4.4.2 Deskriptive Statistik
4.4.3 Mikroökonomische Faktoren
4.4.4 Makroökonomische Faktoren
4.4.5 Gemeinsame Betrachtung mikro- und makroökonomischer Faktoren
5 Ausgewählte Trends auf dem Risikotransfermarkt
5.1 Collateralized Loan Obligations
5.2 Loan Credit Default Swaps
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Besonderheiten syndizierter Kredite und führt einen empirischen Vergleich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern durch. Dabei wird analysiert, ob Banken Kreditnehmer in beiden Regionen gleich behandeln oder ob signifikante Unterschiede bei der Risikobewertung und der Strukturierung von Krediten bestehen, um zu verstehen, welche Risiko- und Einflussfaktoren auf die Kreditkosten in diesen Märkten einwirken.
- Grundlagen und Funktionsweise von Konsortialkrediten
- Analyse von Informationsasymmetrien (Adverse Selektion und Moral Hazard)
- Empirische Untersuchung der Kreditkosten in Industrie- und Entwicklungsländern
- Einfluss von mikro- und makroökonomischen Variablen auf die Preisgestaltung
- Trends auf dem Risikotransfermarkt (CLOs und LCDS)
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Aufgaben und Pflichten der Teilnehmer
Bei einer Kreditsyndizierung sind grundsätzlich vier verschiedene Parteien involviert: Arrangeure, Agenten, untergeordnete Banken (sog. Manager bzw. Participants) und der Kreditnehmer selbst. Der Arrangeur und der Agent sind in der Praxis meist dasselbe Finanzinstitut, und auch in einer Vielzahl der existierenden Literatur werden diese Funktionen gleichgesetzt, jedoch sind die Aufgaben unterschiedlicher Natur. Der Arrangeur kommuniziert vor der Vertragsunterzeichnung mit dem Kreditnehmer und einigt sich mit diesem u.a. über die Höhe des Auszahlungsbetrages, den Zinssatz, eventuelle Sicherheiten und die Rückzahlungsmodalitäten. Um einen Kredit risikogerecht zu bepreisen, ist es die Aufgabe des Arrangeurs eine Due Diligence durchzuführen, um die Risiken des Kreditnehmers abzuschätzen. Der Arrangeur erstellt außerdem ein Informationsmemorandum, welches potenziellen Konsortialmitgliedern zugesendet wird und detaillierte Informationen über den Kreditnehmer beinhaltet. Nachdem der Arrangeur das Konsortium zusammengestellt und sich mit dem Kreditnehmer sowie dem Konsortium über die Konditionen des Kredites geeinigt hat, wird am Ende ein Kreditvertrag aufgesetzt, den alle beteiligten Parteien unterschreiben. In der Praxis werden verschiedene Aufgaben des Arrangeurs auch auf andere Parteien übertragen, die sog. Co-Arrangeure bzw. -Agenten. So kann es z.B. einen Dokumentationsagenten geben, der sich ausschließlich mit der Zusammenstellung der Kreditdokumente befasst. Die Co-Agenten erhalten für Ihre Tätigkeit eine Gebühr und sind meist Spezialisten auf ihrem Gebiet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Vorgehensweise der Arbeit: Einführung in das Thema syndizierte Kredite, Erläuterung der Relevanz und Vorstellung des methodischen Vorgehens sowie der Datenbasis.
2 Grundlagen der Kreditsyndizierung: Definition von Konsortialkrediten, Erläuterung des Syndizierungsprozesses, der Motivation der beteiligten Parteien sowie der verschiedenen Einsatzmöglichkeiten.
3 Risiken durch Informationsasymmetrien: Untersuchung potenzieller Probleme wie Adverse Selektion und Moral Hazard innerhalb der Kreditvergabekonsortien und Möglichkeiten zu deren Reduzierung.
4 Besonderheiten der Kreditsyndizierung in Industrie- und Entwicklungsländern: Kernkapitel mit einer empirischen Analyse von Risiko- und Einflussfaktoren auf die Kreditkosten sowie der Untersuchung geografischer Unterschiede.
5 Ausgewählte Trends auf dem Risikotransfermarkt: Vorstellung moderner Instrumente wie Collateralized Loan Obligations und Loan Credit Default Swaps zur Übertragung von Kreditrisiken.
6 Fazit: Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse hinsichtlich der Unterschiede in der Kreditbewertung und Risikokompensation zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.
Schlüsselwörter
Syndizierte Kredite, Konsortialkredite, Kreditkosten, Industrie- und Entwicklungsländer, Informationsasymmetrien, Adverse Selektion, Moral Hazard, Due Diligence, Risikotransfermarkt, CLO, LCDS, Performance Pricing, Basel II, Länderrisiko, Banken.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit den Besonderheiten syndizierter Kredite und untersucht empirisch, wie sich die Bedingungen und Kreditkosten zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern unterscheiden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den Grundlagen der Kreditsyndizierung, den Risiken durch Informationsasymmetrien, der Analyse von Einflussfaktoren auf Kreditkosten sowie aktuellen Trends wie Risikotransferinstrumenten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, ob Banken Kreditnehmer in Industrie- und Entwicklungsländern gleich behandeln oder ob signifikante Unterschiede in der Bewertung von Kreditrisiken vorliegen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung verwendet?
Es wurde eine multiple Regressionsanalyse auf Basis einer bereinigten Stichprobe von 27.940 Konsortialkrediten durchgeführt, um den Einfluss mikro- und makroökonomischer Faktoren zu bestimmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Grundlagen der Kreditsyndizierung, die Problematik der Informationsasymmetrien sowie eine detaillierte empirische Analyse der Besonderheiten bei Krediten an Industrie- und Entwicklungsländer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Konsortialkredite, Kreditrisiko, Informationsasymmetrien, Adverse Selektion, Moral Hazard, CLO und Risikotransfer.
Warum unterscheidet die Arbeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern?
Die Untersuchung soll aufzeigen, ob das wirtschaftliche und politische Risiko in Entwicklungsländern einen messbaren Einfluss auf die Kreditgestaltung und Kosten hat, im Vergleich zu den als weitgehend risikolos geltenden Industrieländern.
Welche Rolle spielen makroökonomische Faktoren für Kreditgeber?
Bei Krediten an Entwicklungsländer stellen makroökonomische Faktoren eine entscheidende Determinante für die Preisgestaltung dar, da diese Länder anfälliger für externe Schocks sind und ein höheres Länderrisiko aufweisen.
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- Tim Boltzen (Author), 2007, Besonderheiten von syndizierten Krediten und empirischer Vergleich zwischen Industrie- und Entwicklungsländern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76393