Black Hawk Down. Das internationale Somalia-Debakel 1992/93


Seminararbeit, 2006
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung: Das Clansystem und Siad Barre
1.1 Das Clansystem als entscheidender Bezugsrahmen
1.2 Siad Barre und der Ogaden-Krieg: Der Weg zur Ausgangslage 1978

2 Wendemarke für Siad Barre: Vom Ogaden-Krieg 1978 bis zum offenen Ausbruch des Bürgerkrieges 1988
2.1 Anmerkungen zur geostrategischen Bedeutung der Region im Kalten Krieg
2.2 Engagement und Rationale externer Akteure nach 1978
2.3 Intern-externe Opposition gegen Barre

3 Vom Ausbruch des Bürgerkriegs 1988 bis zum Sturz Siad Barres 1991
3.1 Das (absehbare) Ende des Kalten Krieges am Horn von Afrika
3.2 Das Friedensabkommen von 1988 und seine Folgen für Somalia

4 Von der Machtübernahme der Rebellen zu „Restore Hope“
4.1 Die Rolle der UNO bis Ende 1992 und das Scheitern von UNOSOM
4.2 Politikwechsel der USA und neue Stufe der Weltinnenpolitik
4.2.1 Rationale der Bush-Administration
4.2.2 Die „neue" geostrategische Bedeutung der Region
4.3 Peace-enforcement im Rahmen von „Restore Hope“

5 Die UN-Blauhelme als Kriegspartei: UNOSOM II
5.1 UNOSOM II und der Krieg mit Aideed
5.2 Anmerkungen zu Rolle der USA
5.3 Wendemarke: Die Schlacht um das Olympic-Hotel und der „CNN-Effekt“

6 Einschätzung der Intervention der Staatengemeinschaft: Ziele, Fehler und Folgen

1 Einleitung: Das Clansystem und Siad Barre

Somalia liegt am Horn von Afrika, das die Schnittstelle zwischen dem Golf von Aden mit der Zufahrt zum Roten Meer und dem Suezkanal sowie dem indischen Ozean an der Ostküste Afrikas markiert. Die angrenzenden Staaten sind Dschibuti, Äthiopien und Kenia. Nach den letzten verfügbaren Daten hatte Somalia 1991 ca. 7,5 Mio. Einwohner. Neben der Hauptstadt Mogadischu sind die größeren Städte Hargeisa (Somaliland) und die Hafenstädte Berbera im Norden und Kismayo im Süden[1].

1.1 Das Clansystem als entscheidender Bezugsrahmen

Bei der Bevölkerung, die zu zwei Dritteln von der nomadischen Viehzucht lebt, handelt es sich um 99% sunnitische Muslime; etwa 95% werden ethnisch den „Somali“ zugerechnet und sprechen dieselbe gleichnamige Sprache[2]. Die Bevölkerungsstruktur wird in extremem Maße durch ein Clansystem geprägt, das für die Somali entscheidender Schutz- und Bezugsrahmen des alltäglichen Lebens ist. Aus einem mythischen somalischen „Ur-Clan“ entstanden mit den Samaale und den Sab zwei Clanfamilien. Letztere teilt sich auf in die Clans Digil und Rahanweyn, die im Süden des Landes als Bauern und Fischer eine untergeordnete politische Rolle spielen. Die Clanfamilie der Samaale bestimmt das politische Geschehen in Somalia. Am einflussreichsten ist der Clan Darud[3] im Südwesten und Nordosten des Landes mit den wichtigsten Subclans Majertain[4] und Marehan[5], ferner Ogadeni[6] und Dulbahante. Zur Clanfamilie der Samaale gehören weiter die Isaq mit Einflussbereich v.a. im Norden (dem heutigen Somaliland); sowie der Clan Hawiye[7], mit den Subclans Habar Gedir[8] und Abgal[9].

Ein „modernes“ Verständnis von Staatlichkeit spielt bis in die Gegenwart hinein eine untergeordnete Rolle im alltäglichen Leben der somalischen Nomaden, die in ihren Wanderbewegungen häufig die Landesgrenzen zu Kenia und Äthiopien passieren. Die Subclans unterteilen sich in Großfamilien, die untersten Einheiten des sozialen Systems. Die Großfamilie bietet soziale Einbindung und Absicherung ihrer Mitglieder. Eine Parteinahme der Somalis erfolgt für die eigene Großfamilie bzw. für den eigenen Subclan und überlagert dabei in der Regel jegliches nationale Empfinden. So waren auch die 90 Parteien in der demokratischen Phase von 1960 bis 1969 mit wenigen Ausnahmen Interessenvertreter klar identifizierbarer Subclans und Großfamilien; ein friedliches Zusammenleben wurde nicht durch demokratische Verfahren, sondern durch eine Machtbalance zwischen den einzelnen Großfamilien und Subclans erreicht (Höhne 2002, Krech 1996, Matthies 1992).

1.2 Siad Barre und der Ogaden-Krieg: Der Weg zur Ausgangslage 1978

Nach einer kurzen weitgehend demokratischen Phase ab 1960 putschte sich 1969 General Mohammed Siad Barre an die Macht, der die weiteren Geschicke des Landes und der Region für die nächsten zwei Jahrzehnte entscheidend prägen sollte[10]. Barre hatte sich vorgeblich die Bekämpfung des Tribalismus zum Ziel gemacht und führte ein Einparteiensystem ein. Es zeigte sich jedoch, dass er de facto die Clanstrukturen förderte, indem er Clans zu seinem eigenen Machterhalt gegeneinander ausspielte. Damit erfolgte unter Barre keine Schwächung der Clanstrukturen, sondern die Interessen und gegenseitigen Animositäten der Clans, Subclans und Großfamilien bestanden unverändert fort bzw. wurden zusätzlich gestärkt (vgl. Eikenberg 1993: 187f.)[11].

Der von Barre aggressiv propagierte somalischen Nationalismus, der auf die Wiedervereinigung der fünf Teilgebiete[12] und damit die Errichtung eines „Groß-Somalia“ abzielte, war ein ausschlaggebender Faktor im Ogaden-Krieg, den Somalia 1977/78 mit Äthiopien um die gleichnamige Region führte[13]. Nach seinem Einmarsch in die Region Ogaden verlor Siad Barre die Unterstützung der Sowjetunion, die sich auf die Seite Äthiopiens stellte und unter Zuhilfenahme Kubas und weiterer „Ostblockstaaten“ durch militärische und logistische Unterstützung massiv zum Sieg Äthiopiens beitrug. Auch die USA, die vor Ende der 1970er unter Präsident Carter bereits Pläne für eine Annäherung an Somalia entwickelt hatten, unterstützten Barre in der Kriegssituation 1977/78 nicht, sondern wirkten auf einen schnellen Rückzug Barres und eine Beendigung des Krieges hin. In militärisch aussichtloser Position und unter heftigem Druck der USA erklärte Siad Barre im März 1978 den vollständigen Rückzug aus dem Ogaden (vgl. dazu ausführlich Matthies 2005: 135ff., Marte 1994, Ottaway 1982).

2 Wendemarke für Siad Barre: Vom Ogaden-Krieg 1978 bis zum offenen Ausbruch des Bürgerkrieges 1988

Die verheerende militärische Niederlage im Ogaden-Krieg wurde zu einer entscheidenden Zäsur in der Herrschaft Barres, der ab 1978 um sein Überleben kämpfte. Die sozialen und wirtschaftlichen Probleme in Somalia, damals wie heute eines der ärmsten Länder der Welt, hatten sich durch den Krieg verschärft. Etwa 1,5 Mio. Menschen, deren Re-Integration durch das angespannte Verhältnis zu Äthiopien unmöglich war, lebten in Flüchtlingslagern. Die Versorgung durch internationale Hilfsorganisationen rettete zwar zunächst die meisten der Flüchtlinge, zerstörte aber den Markt für einheimische Lebensmittel, schuf Abhängigkeiten von andauernden Lieferungen und beschädigte damit den somalischen Wirtschaftskreislauf weiter. Hinzu kam, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Somalias wesentlich von der Bewegungsfreiheit der Nomaden abhängig war und ist, deren traditionelle Wanderwege ab 1977/78 nur unter größten Gefahren benutzbar waren, da der Guerillakrieg im Ogaden andauerte. Somalia war ab 1978 praktisch vollständig von ausländischer Hilfe abhängig (Höhne 2002: 46, vgl. auch Matthies 2005: 153, Krech 1996: 27). Weiterhin wuchs als Folge der schlechten ökonomischen Lage mit der Schattenwirtschaft ein neues Konfliktpotenzial heran: Der Isak-Clan kontrollierte etwa den Khat-Handel im Norden, was zu Verteilungskonflikten mit der Darud-dominierten Zentralregierung unter Siad Barre führte. Auf Seiten der staatlichen Administration verbreiteten sich Korruption und Klientelismus. Insgesamt wuchs zu Beginn der 1980er Jahre mit steigenden wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten zunehmend die tribalistische Orientierung der somalischen Gesellschaft (Höhne 2002: 47); womit sich die Grundlage für die kriegerischen Auseinandersetzungen ab 1988 weiter festigte.

2.1 Anmerkungen zur geostrategischen Bedeutung der Region im Kalten Krieg

Die grundsätzliche geostrategische Bedeutung des Horn von Afrika ist seine Lage am Ende des Roten Meeres und gegenüber der arabischen Halbinsel. Dadurch liegt das Horn an der Schnittstelle der Suezkanalroute und der Kaproute, die den Persischen Golf, Süd- und Südostasien mit den USA und Westeuropa verbinden. Aus Sicht der USA wurde im Kalten Krieg ferner eine Nutzung von Standorten am Horn von Afrika als Ausgangsbasis und Aufmarschgebiet für den Nahen Osten diskutiert. Als Folge eines verstärkten Einflusses der SU in der Region befürchteten die USA neben der generellen Destabilisierung pro-westlicher Regime im Nahen Osten und Nordafrika das Risiko der Unterbrechung kommerzieller Schifffahrtslinien Richtung Westen und des Zugangs zu den Ölreserven des Nahen Ostens. Damit lag die Bedeutung der Region nicht in ihren Ressourcen, sondern zentral in ihrer strategischen geographischen Lage (vgl. Matthies 2005: 275ff.; ferner ausführlich Marte 1994: 199ff., Lefebvre 1991: 16ff., Schröder 1991, Kühne 1983)[14].

2.2 Engagement und Rationale externer Akteure nach 1978

Durch den Bruch mit der Sowjetunion im Zuge des Ogaden-Krieges hatte Siad Barre die finanzielle, wirtschaftliche und militärische Unterstützung durch den „Ostblock“ verloren. Er erwies sich in seiner Suche nach dringend benötigten neuen Bündnispartnern als ideologisch pragmatisch, erklärte seinen zuvor propagierten somalischen „wissenschaftlichen Sozialismus“ für gescheitert und führte seine Herrschaft als auf die Person Barre zugeschnittene „individuelle“ Diktatur mit starker anti-kommunistischer Propaganda weiter. Er setzte dabei auf die unveränderte geostrategische Bedeutung Somalias im Kalten Krieg und neue Interessengleichheiten mit anti-kommunistisch orientierten internationalen Akteuren. So konnte er seine Herrschaft mit Unterstützung der „westlichen“ Staaten unter Führung der USA sowie der arabischen Golfstaaten zunächst sichern (Krech 1996: 27ff.)[15].

Die USA sahen sich nach dem Ende des Ogaden-Krieges mit einem sowjetisch beeinflussten Gürtel konfrontiert, der sich westlich des Horn quer durch Afrika zog, von Äthiopien über Uganda bis nach Angola. Neben der Kontrolle der Schifffahrtslinien konnte die SU damit von Süden her Jordanien, Israel, Ägypten, Saudi-Arabien, den Sudan und Somalia „in die Zange nehmen“; ferner drohte - zusammen mit Mosambik - eine Zange gegen die pro-westlichen Regime in Südafrika und Rhodesien/Zimbabwe (Ghebresillasie 1999: 90). Durch aktuelle Ereignisse in Iran und Afghanistan entstand Ende der 1970er zudem eine neue geopolitische Situation, die die USA herausforderte. Dadurch gewannen – gegen den anfänglichen Widerstand von Präsident Carter – die so genannten „globalistischen“ Kräfte die Oberhand, die regionale Konstellationen unter den Vorzeichen größerer globaler Konfliktlinien betrachteten. Ab dem 23. Januar 1980 wurde mit der „Carter-Doktrin“ jeder Angriff auf die Golfregion als Angriff auf die Interessen der USA gewertet und sollte „mit allen Mitteln" (einschließlich militärischen) beantwortet werden. Im Zuge dieser Entwicklung wurde Somalia ab 1980 wieder Teil der globalen Strategie der USA (Iyob & Keller 2006: 105f.; Krech 1996: 33)[16].

Unter US-Präsident Ronald Reagan, der aus einer stark globalistischen Sicht ein aggressives Zurückdrängen des Kommunismus verfolgte, wurden die Verbindungen zu Mogadischu intensiviert. Im März 1982 garantierte Reagan im Rahmen eines Besuchs Barres in Washington den Schutz der USA vor einem externen Angriff. Im Laufe der Jahre 1982/83 folgten weitere größere Waffenlieferungen an Barre als Ausdruck der „Reagan Doktrin“, die wieder aktive Waffenlieferungen an „pro-westliche“ Regime vorsah (Marte 1994: 252, vgl. auch Krech 1996: 33ff). Nach 1978 wurde zudem Saudi-Arabien ein wichtiger Geldgeber und Lieferant Somalias. Krech (1996:34) vermutet, dass die Mehrzahl der 1978-1991 von Barre gekauften Waffen durch Zuwendungen arabischer Golfstaaten finanziert wurde. Letztere sahen darin einen Weg, dem sowjetischen Einfluss im christlichen (!) Äthiopien und der Volksrepublik Jemen ein Gegengewicht entgegenzusetzen. Barre kaufte u.a. Waffen und Waffensysteme in China und Italien[17] ein, ferner v.a. in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre auf dem „grauen Markt“ über die arabischen Golfstaaten sowie vermutlich über Irak, Syrien oder Ägypten (ebd.: 35).

2.3 Intern-externe Opposition gegen Barre

Durch die militärische Niederlage befand sich Somalia nach fast zwei Jahrzehnten wieder in einer Position der Schwäche gegenüber Äthiopien und musste, neben den wirtschaftlichen und sozialen Problemen, einen äthiopischen Angriff befürchten; die Somali National Army (SNA) war zunächst hauptsächlich damit beschäftigt, Übergriffe von Guerillakämpfern und einzelnen äthiopischen Einheiten abzuwehren. In diesem Umfeld brach der Unmut der verschiedenen somalischen (Sub-) Clans offen aus und führte zu verstärkten tribalistischen Spaltungstendenzen in der somalischen Gesellschaft, die zuvor von Barres autoritärer Herrschaft und groß-somalischen Visionen überdeckt worden waren. Es kam die Zeit, alte Rechnungen zu begleichen (Matthies 2005: 135; vgl. dazu auch Bradbury 1997).

Eine organisierte bewaffnete Opposition entstand bereits im April 1978, als es nach einem Putschversuch von 80 Majertain-Offizieren[18] zu Verhaftungswellen und Massenhinrichtungen kam (Krech 1996: 28). Geflüchtete Oppositionelle gründeten in Äthiopien die „Somali Salvation Front“ (SOSAF), deren Kommandoebene von Majertain-Offizieren unter Colonel Abullahi Jusuf Ahmed[19] dominiert wurde. Die SOSAF baute mit Unterstützung Äthiopiens und Billigung der Sowjetunion Guerillaeinheiten auf und gründete gemeinsam mit zwei weiteren Parteien die „Somali Salvation Democratic Front“ (SSDF), deren Vorsitzender Jusuf bis 1986 blieb. Die SSDF wurde neben Äthiopien von Libyen unterstützt; sie sendete ab 1979 mit zwei Kurzwellensendern nach Somalia und konnte bis 1982 ca. 8-10.000 Guerillakämpfer aufstellen. Die zweite bedeutende Widerstandsorganisation war das „Somali National Movement“ (SNM), das 1981 ebenfalls in Äthiopien - mit starker Unterstützung der Diaspora[20] - von Mitgliedern der Clans Hawiye und Isak gegründet wurde (Sheikh & Weber 2005: 32). Nach anfänglich koordinierten Aktionen kam es 1986 zu Spaltungen zwischen SNM und SSDF. Dabei verlor letztere die Unterstützung Äthiopiens und Libyens; Jusuf wurde verhaftet und saß bis zum Sturz Mengistus 1991 in äthiopischer Haft (Krech 1996: 28ff).

Daraufhin spaltete sich die SSDF; während eine große Gruppe ein Amnestieangebot Barres annahm und nach Somalia zurückkehrte, verlegten etwa 1.200 Kämpfer unter Hassan Mirreh ihren Standort nach Kenia und kämpften von dort aus weiter. Gleichzeitig wurde das SNM durch die Abspaltung der Hawiye zu einer reinen Isak-Organisation, die im Norden Somalias die Absicht verfolgte, das ehemalige Britisch-Somaliland als unabhängigen Staat neu zu gründen. Damit verschärfte sich auch der Nord-Süd-Konflikt erheblich (Rezwanian-Amiri 2000: 157ff., vgl. auch Krech 1996: 29)[21].

[...]


[1] Zu diesen und den folgenden Ausführungen zur Geschichte Somalias vgl. ausführlich z.B. Sheikh & Weber 2005, Lata 2004, Krech 1996, Matthies 1992, Lewis 1980.

[2] Hinzu kommen etwa 30.000 ethnische Araber und 10.000 Inder/Pakistani.

[3] Die Schreibweisen weichen in der Literatur teilweise voneinander ab, u.a. da die somalische Schriftsprache erst ab 1972 entstand. Im Falle „Darud“ findet sich abweichend etwa „Darod“; ebenso „Isaq“ vs. „Isak“.

[4] einflussreichster Clan in der demokratischen Phase von 1960-69

[5] Subclan des Diktators Siad Barre und einflussreichster Clan 1969-1991

[6] hauptsächlich in der Region Ogaden in Äthiopien und angrenzenden Regionen in Somalia

[7] Einflussgebiete im Süden rund um die Hauptstadt Mogadischu und in den südlichen Küstenregionen

[8] Subclan von General Mohammed Aideed

[9] Subclan von Ali Mahdi Mohammed

[10] Auf Details der somalischen Geschichte vor dem Ogaden-Krieg kann hier aus Gründen der Schwerpunktsetzung nicht im Einzelnen eingegangen werden. Für eine übersichtliche Darstellung siehe z.B. Lewis (1980).

[11] Anhand dieser bestehenden Aversionen materialisierten sich später die internen Machtkämpfe und Umsturzversuche in Somalia in den 1970er und 1980er Jahren (vgl. Ottaway 1982: 64ff).

[12] Französisch-Somalia (das heutige Djibouti), Britisch-Somalia (heute Somaliland), Italienisch-Somalia, Ogaden (im östlichen Teil Äthiopiens) sowie die Northern Territories in Kenia.

[13] Für die Details des Ogaden-Krieges gilt ebenso das vorhin über die Geschichte Somalias Gesagte. Eine Darstellung der historischen Hintergründe seit der Kolonialzeit, die Interessen und Rationale der beteiligen internen und externen Akteure, sowie Kriegsverlauf und –ende bietet meine Seminararbeit „Reversal of Alliances am Horn von Afrika“ vom Sommersemester 2005.

[14] Auch hier erlaube ich mir, auf die Arbeit „Reversal of Alliances“ hinzuweisen, in der ich die Bedeutung der Region und die relative Bedeutung der Länder Somalia und Äthiopien aus Sicht der Supermächte diskutiere.

[15] Ab 1985 bemühte sich Barre wieder um eine Verbesserung des Verhältnisses zur SU und erreichte im Oktober 1986 ein Abkommen über die Wiederherstellung der freundschaftlichen Beziehungen. Waffenlieferungen lehnte die Sowjetunion jedoch weiterhin ab und war an den weiteren Vorgängen in Somalia ab den 1980er Jahren nicht mehr aktiv beteiligt.

[16] Bis 1982 erhielt Somalia insgesamt ca. 40 Mio. $ Militärhilfe von den USA; letztere erhielten z.B. Zugang zum ehemalig sowjetisch genutzten Hafen Berbera im Rahmen eines Stützpunktvertrages mit Somalia (ebd.)

[17] Eine spezielle Rolle spielte die Bundesrepublik Deutschland, die am 17. Oktober 1977 auf dem Flughafen Mogadischu die von Terroristen entführte Lufthansa-Maschine „Landshut“ mit Genehmigung der somalischen Seite durch die „GSG 9“ hatte erstürmen dürfen. Nach dieser erfolgreichen Operation wurde Somalia zum bevorzugten Empfänger deutscher Entwicklungshilfe in Afrika. Die von äthiopischer Seite vermutete Waffenlieferungen an Siad Barre wurden allerdings durch das Auswärtige Amt dementiert. Trotz einer entsprechenden Reise vom damaligen Chef des Planungsstabes Klaus Kinkel nach Addis wurde im Januar 1978 der deutsche Botschafter aus Addis ausgewiesen (Krech 1996: 27). Die Rolle der Bundesrepublik am Horn von Afrika bietet sich für eine weiterführende Analyse an.

[18] Der Subclan Majertain (Darud) hatte ab 1960 bis zum Putsch Siad Barres (ebenfalls Darud, Subclan Marehan) die politische Elite gestellt (s.o.).

[19] Jusuf ist derzeit (20.04.2006) aktueller somalischer (Übergangs-) Präsident.

[20] Die häufig bedeutende Rolle der somalischen Diaspora in den USA und Europa wird v.a. in aktuellen Arbeiten zur Bürgerkriegsökonomie berücksichtigt (vgl. z.B. Grosse-Kettler 2004, Little 2003). Eine systematische historische und aktuelle Analyse der Bedeutung der Diaspora in Bezug auf die politische Situation, die (temporären) Interessengleichheiten zwischen verschiedenen Diasporagruppen und lokalen Akteuren vor Ort in Somalia wäre ein weiteres Gebiet für eine separate Betrachtung.

[21] Für eine gute Übersicht der wesentlichen somalischen Fraktionen siehe auch Lyons & Samatar 1995: 77ff.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Black Hawk Down. Das internationale Somalia-Debakel 1992/93
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut fuer Afrikawissenschaften)
Veranstaltung
Entwicklungstendenzen Internationaler Afrikapolitik
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V76451
ISBN (eBook)
9783638805070
ISBN (Buch)
9783638816656
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Black, Hawk, Down, Somalia-Debakel, Entwicklungstendenzen, Internationaler, Afrikapolitik
Arbeit zitieren
Dirk Spilker (Autor), 2006, Black Hawk Down. Das internationale Somalia-Debakel 1992/93, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76451

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