Zu: Gerhard Benetka, Denkstile der Psychologie. Das 19. Jahrhundert.


Rezension / Literaturbericht, 2007

6 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Bereits der Titel dieses Werkes als auch jener der Lehrveranstaltung verweisen auf einen inhaltlichen Rahmen, oder vielmehr eine Weise, sich mit diesen Inhalten auseinanderzusetzen, welche innerhalb der modernen wissenschaftlichen Disziplin der Psychologie – wie es scheint – eine untergeordnete Rolle spielt.

Grundlegende Fragen, die das historische Werden der Psychologie als akademische Wissenschaft zum Gegenstand haben, blieben in diesem Proseminar glücklicherweise – wie so vielerorts in der Psychologie – nicht unbeantwortet. Dabei ging es nicht etwa nur um eine simple Einordnung von Paradigmen in einen geschichtlichen Kontext. Vielmehr folgte einer Beschreibung der jeweils zur Debatte stehenden theoretischen Konzepte sowie zugehöriger Methodologie ein Rekurs auf philosophische Vorannahmen, sodass Schritt für Schritt die Genese verschiedener Positionen rekonstruiert wurde.

Bei dieser Vorgehensweise nach Art der Philosophie blieb allerdings die praktische Relevanz der jeweiligen Ansätze nicht unberücksichtigt.

Dies möchte ich schon der folgenden inhaltlichen Auseinandersetzung voranstellen; wie wesentlich es ist, sich als angehender, als auch wissenschaftlich respektive praktisch tätiger Psychologe intensiv mit den Begriffen unseres Forschungsgegenstandes auseinanderzusetzen. Sodann wird ein Zentrieren auf Inhalte nebst der Methodologie zu wahren Erkenntnissen, nicht bloß der Demonstration einer korrekten Anwendung von jeweiligen Forschungsmethoden, führen.

Zeichnet man die Geschichte der Psychologie nach, so ist in ihren Anfängen bei Wundt noch eine Vorrangstellung einer begrifflichen Analyse des Forschungsgegenstandes zu erkennen. Der nachfolgenden Generation von Psychologen sollte es allerdings nur noch um das Einhalten methodischer Standards gehen. Wie dieser radikale Paradigmenwechsel vor sich ging, konnte im Rahmen der Lehrveranstaltung demonstriert werden. Mehr noch wurden auch Missverständnisse, den Ahnvater der Psychologie, Willhelm Wundt betreffend, beseitigt.

Wird dieser zuallererst in Zusammenhang mit seiner Gründung des ersten Laboratoriums für experimentelle Psychologie in Leipzig im Jahre 1879 in Verbindung gebracht, so geraten zumeist nicht nur seine weiteren, zahlreichen Bestrebungen im Rahmen einer wissenschaftlichen Grundlegung der Psychologie aus dem Blick. Vielmehr werden und wurden seine eigentlichen Intentionen durch eine solche einseitige Betrachtungsweise völlig verkannt. Eine alleinige Begründung der Psychologie auf experimentelle Methoden war nicht nur nicht im Sinne Wundts. Mehr noch, kämpfte er zeit seines Lebens gegen eine solche positivistische Auffassung von Psychologie an.

Der Experimentalpsychologie ist nach Wundt eine Völkerpsychologie beiseite zu stellen, d.h. dem Gründungsvater ist das Verdienst einer Zweiteilung der Psychologie zuzurechnen. Als Gegenstand des experimentellen Forschungszweiges, der sich auf das Individuum richtet, bestimmte Wundt ausschließlich „einfache psychische Vorgänge“. Die Klärung einer Genese von „höheren psychischen Vorgängen“ (wie Denken und Vorstellen) kam somit der Völkerpsychologie zu.

Die Ausschließung höherer psychischer Vorgänge aus der Experimentalpsychologie war eine Auffassung, die Wundt erst in seinen Leipziger Jahren erlangte. Im Wesentlichen kann man sein Schaffen somit in zwei umfassendere Perioden gliedern.

Kurz seien hier die Eckpfeiler seiner Konzeptualisierung und Systematisierung jener zur Debatte stehenden wissenschaftlichen Disziplin umrissen, wie sie sich zunächst im „Heidelberger Programm“ und später in seiner voluntaristischen Psychologie manifestierte.

Ziel seines Forschungsbemühens war die „Rekonstruktion der Entwicklung komplexer psychischer Erscheinungen aus ihren Anfängen“ (Benetka, 2002, S.68).

- Doch wo sind die Ursprünge des Psychischen zu suchen? Nach Wundt ist jenes Einfache, das allen bewussten psychischen Erscheinungen zugrunde liegt, ist in der unbewussten Seele zu finden.

Um jene unbewussten Seelenprozesse untersuchen zu können, bedurfte es einer geeigneten Methode. Und hier liegt das Innovative, welches die Nachwelt prägen sollte.

[...]

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Zu: Gerhard Benetka, Denkstile der Psychologie. Das 19. Jahrhundert.
Hochschule
Universität Wien
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
6
Katalognummer
V76467
ISBN (eBook)
9783656615255
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gerhard, Benetka, Denkstile, Psychologie, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Natalie Raffetzeder (Autor), 2007, Zu: Gerhard Benetka, Denkstile der Psychologie. Das 19. Jahrhundert., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76467

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