Der Umgang mit Empfindungen von Kindern im Krankenhaus. Ein Modell zur Erfassung kindlicher Bedürfnisse


Diplomarbeit, 2007

177 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Konzeption der Arbeit
1.1. Problemstellung
1.2. Zielstellung
1.3. Wissenschaftliche Fragenstellungen
1.4. Untersuchungsdesign
1.4.1. Vorbereitung zur Forschungsphase
1.4.2. Instrumente der Datenerhebung
1.4.3. Die offene teilnehmende Beobachtung
1.4.4. Das fokussierte Interview
1.4.5. Untersuchungspopulation und Stichprobenauswahl
1.4.6. Durchführung der Untersuchung
1.4.7. Grenzen der Untersuchung
1.4.8. Das Auswertungsverfahren nach Mayring
1.4.9. Ergebnisse der Untersuchung
1.5. Recherche und Bewertung der Literatur
1.6. Aufbau der Arbeit

2. Theoretischer Rahmen
2.1. Der Begriff der Zufriedenheit und gängige Abfragemethoden
2.2. Reaktionen von PatientInnen auf Zufriedenheitsabfragen
2.3. Der Begriff der Empfindung
2.4. Kindliche Bedürfnisse
2.4.1. Bedürfnis nach Sicherheit
2.4.2. Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Liebe
2.4.2.1. Zuwendung durch Erwachsene
2.4.2.2. Stabilität
2.4.2.3. elterliche Fürsorge
2.4.3. Bedürfnis nach Wertschätzung
2.4.4. Bedürfnis nach Selbstverwirklichung
2.4.5. Bewegung
2.5. Umgang mit kindlichen Bedürfnissen
2.5.1. Kommunikation im Umgang mit Bedürfnissen
2.5.2. Geschichtlicher Rückblick
2.5.3. Das Verständnis von Sorge und Pflege nach P. Benner
2.6. Fazit zum theoretischen Rahmen

3. Darstellung der Beobachtungen
3.1. Die Beobachtungen dargestellt nach den Lebensaktivitäten von N. Roper
3.2. Darstellung der Beobachtungen
3.2.1. Lebensaktivität „Für eine sichere Umgebung sorgen“
3.2.1.1. Angst vor pflegerischen/ärztlichen Maßnahmen
3.2.1.2. Angst vor Schmerz
3.2.1.3. Fazit
3.2.1.4. Alterstypische kindliche Ängste
3.2.1.5. Fazit
3.2.2. Lebensaktivität „Sich beschäftigen, spielen und lernen“
3.2.2.1. Das Spielzimmer
3.2.2.2. Fazit
3.2.2.3. Spielen mit anderen Kindern
3.2.2.4. Fazit
3.2.2.5. Sich beschäftigen
3.2.2.6. Fazit
3.2.2.7. Sich bewegen
3.2.2.8. Fazit
3.2.2.9. Lernen
3.2.2.10. Fazit
3.2.3. Lebensaktivität „Schlafen“
3.2.3.1. Die Unterbringung von Kindern mit Eltern
3.2.3.2. Fazit
3.2.3.3. Mitaufnahme von Eltern
3.2.3.4. Fazit
3.2.3.5. Schlafqualität
3.2.3.6. Fazit
3.2.4. Lebensaktivität „Kommunizieren“
3.2.4.1. Kommunikation im Umgang mit Bedürfnissen
3.2.4.2. Fazit
3.3. Zusammenfassende Beurteilung der Beobachtungen
3.3.1. Erfassen von Empfindungen
3.3.2. Umgang mit kindlichen Bedürfnissen

4. Empfehlungen

5. Schlussbemerkungen und Ausblick

6. Thesen zur Diplomarbeit

7. Literaturverzeichnis
7.1. Bücher
7.2. Zeitschriften
7.3. Graue Literatur
7.4. Internet

8. Anhang

„Bei allem, was man mit einem Kind tut, soll man wissen, warum man es tut!“ Anna Freud Für Kassian.

1. Konzeption der Arbeit

1.1. Problemstellung

Seit Januar 2000 sind Leistungserbringer des Gesundheitssektors dazu verpflich- tet, Qualitätssicherung zu betreiben.1 Kern dieser Bemühungen sind Aufrechter- haltung von Pflegequalität und Vermeidung von Fehlern (Vgl. Perschke- Hartmann 2001, S. 42). Im Rahmen des internen Pflegemanagementsystems bitten Qualitätsmanager beispielsweise Patienten Stellung zu nehmen, wie sie ihren stationären Aufenthalt bewerten. Ergebnisse dieser Zufriedenheitsabfragen, in der Regel per Fragebogen erfasst, verschaffen einen Blick von außen auf die angebotenen stationären Leistungen. Darüber hinaus, können sie Einfluss auf die Gestaltung von Handbüchern nehmen und sind Bestandteil von Zertifizie- rungsverfahren mit denen sich das Unternehmen nach außen präsentiert (Vgl. Keitel, P. 2002, S. 39). Daher etabliert sich mehr und mehr der Einsatz von Fra- gebögen in Krankenhäusern.

Ergebnisse aus diesen Patientenbefragungen können für eine Einrichtung sehr wichtig sein, so sie Mängel aufzeigen, die es zu beseitigen gilt. Dies setzt aber voraus, dass solche Befragungen auch hilfreiche Daten liefern. Oft sind aber PatientInnen nicht in der Lage, ihren Krankenhausaufenthalt objektiv zu bewer- ten. Ob die aktuell durchgeführten Befragungen diesen Anforderungen entspre- chen, ist nicht hinreichend geklärt: Systematisch angelegte Patientenbefragun- gen, quantitativen oder qualitativen2 Ursprungs, gibt es in Deutschland erst seit den 1990er Jahren (Vgl. Hinz, A. 2006, S. 179). Daher existieren über Nutzen und Effektivität kaum theoretischen Untersuchungen (Vgl. Aust, B. 1994, zitiert in Hinz).

Unter der Annahme, dass Qualitätssicherung grundsätzlich sinnvoll ist, und PatientInnen einen Nutzen aus dieser ziehen, stellt der Autor sich die Frage, wie sie auf Kinderstationen sinnvoll betrieben werden kann.

Mithilfe von teilnehmender Beobachtung und fokussiertem Interview wird nach einer Möglichkeit gesucht, Aspekte des Krankenhausalltages zu erfassen, die zum einen verbesserungswürdig sind und zum anderen für die Zielgruppe stationär aufgenommener Kinder relevant sind.

Qualitätssicherung dient aber nicht nur der Erfüllung von Sozialgesetzen und marktwirtschaftlichen Anforderungen: Besonders Kinder befinden sich im physischen wie psychischen Wachstumsprozess und sind daher körperlich wie emotional wesentlich verwundbarer als Erwachsene und sollten durch gute Be- handlung, physisch wie psychisch, einen besonderen Schutz während ihres sta- tionären Aufenthaltes genießen.

Aufgrund dieser kindlichen Verwundbarkeit sollte ein Krankenhaus prüfen, ob Zufriedenheitsabfragen, die in der Regel kurz vor Ende oder nach der Entlassung realisiert werden, das geeignete Mittel sind, um adäquat und zeitnah auf Bedürfnisse und Empfindungen stationär aufgenommener Kinder eingehen zu können. Zur Erfüllung von Zertifizierungsstandards mögen sie sinnvoll sein, zeigen aber nur im Nachhinein verbesserungswürdige Aspekte auf.

1.2. Zielstellung

Ziel dieser Diplomarbeit ist die Entwicklung eines Modells, in dem Erfassung und Umgang mit kindlichen Empfindungen zeitnah und adäquat erfolgen.

Unterziel

- Überprüfung, ob Kinderkrankenschwestern3 die für dieses Modell geeig- neten Beobachterinnen sind.

Annahmen

- Viele Kinder sind nicht in der Lage, ihren im Krankenhaus erlebten Emp- findungen im Nachhinein sprachlich oder schriftlich Ausdruck zu verlei- hen.
- Kindliche Empfindungen müssen zeitnah erfasst werden.
- Kindliche Empfindungen beziehen sich nicht nur auf Pflege und Behand- lung.
- Kindliche Empfindungen können von geschultem Personal erkannt wer- den.
- Eine Beobachtung verhilft zu Erkenntnissen, die in einem Fragebogen im Vorfeld nicht bedacht werden können.
- Der Erkenntnisgewinn erfassbarer Empfindungen wird umso größer, je länger die Kinder stationär aufgenommen sind.

1.3. Wissenschaftliche Fragestellungen

1. Welche Parameter drücken kindliche Empfindungen aus?
2. Wie können diese Parameter methodisch erfasst werden?
3. Wie geht das Pflegepersonal mit kindlichen Empfindungen um?
4. Wie sollte das Pflegepersonal mit kindlichen Empfindungen umgehen?

1.4. Untersuchungsdesign

1.4.1. Vorbereitung der Forschungsphase

Im Vorfeld der anstehenden Forschungsphase beschäftigte den Verfasser die Frage, ob und in welcher Form in deutschen Kinderkrankenhäusern das Befinden stationär aufgenommener Kinder ermittelt wird. Daher befragte er telefonisch Mitarbeiter aus 30 deutschen Kinderkrankenhäusern, die für das Qualitätsmana- gement zuständig waren.

Die erste Frage lautete: „Führen Sie Zufriedenheitsbefragungen auf Ihren Kinderstationen durch?“. In sechs der 30 befragten Einrichtungen wurde diese Frage positiv beantwortet. Diesen sechs Kliniken wurde die zweite Frage gestellt: „Welche Änderungen haben Sie aufgrund dieser Befragung durchgeführt?“ - Antwort: „Bereitstellung von Getränken im Wartebereich“, „Mitaufnahme von Eltern“, „Bedingung der KTQ-Zertifizierung“4, „Verbesserung der Informationspolitik“ und „Reaktion auf Elternbeschwerden“. In einem Kinderkrankenhaus hatte man auf Wunsch der Kinder ein Planschbecken aufgestellt.

Für den Verfasser ergab sich aus diesen Ergebnissen:

- Nur wenige Kinderkrankenhäuser führen Zufriedenheitsbefragungen durch.
- Die oben dargestellten Ergebnisse und Veränderungen dienen eher dem Zufriedenheitsempfinden der begleitenden Eltern als dem der Kinder.
- Bis auf das Planschbecken und den damit verbundenen Wunsch nach Spiel und Abkühlung wurden keine verwertbaren Aspekte für die Ermitt- lung von Faktoren, die das Befinden stationär aufgenommener Kinder wi- derspiegeln könnten, entdeckt.
- Es besteht Forschungsbedarf, um sich der Erfassung empfindungsrele- vanter Faktoren annähern zu können.

1.4.2. Instrumente der Datenerhebung

Um eine möglichst genaue Datenerhebung durchführen zu können, wurde ein Methodenmix aus teilnehmender Beobachtung und fokussiertem Interview kon- struiert.

1.4.3. Die offene teilnehmende Beobachtung

Sie ist Hauptbestandteil dieser Arbeit, weil durch sie laut Burns und Grove „Informationen aus erster Hand und zeitnah in einer natürlich auftretenden Situation“ gesammelt werden können. Ihr Ansatz ist qualitativ und unstrukturiert, weil der Forschende als Lernender fungiert, mit der Frage „Was geschieht hier?“. Sie ist Methode der Wahl, wenn „komplexe Interaktionsmuster und Handlungsbezüge in dem lebensweltlichen Kontext der Akteure beschrieben werden sollen. In der Kindheitsforschung gelten (freie) Beobachtungen seit jeher als eine der Schlüsselmethoden, nicht zuletzt, da hier […] der „Sprachbarriere“ begegnet werden kann.“ (Vgl. Burns/Grove 2005, S. 436).

Als Beobachter ist man Teil der Situation und kann deshalb häufig den Sinn der Situation verstehen. (Vgl. Mey 2006, S. 7). Gerade für die Forschung mit Kindern ist diese Methode sinnvoll, weil sie vertrauensaufbauend ist (Vgl. Girtler, 2001, S. 114).

Die Beobachtung dient nach Lamnek der Gewinnung hypothetisch nicht erwarteter, unvorhergesehener Ereignisse wie Verhaltensweisen, Meinungsäußerungen etc. Dieser Informationengewinn dient weiter- und tiefer gehenden Erkenntnissen (Vgl. Lamnek, 2005, S. 634).

Bestandteile der Beobachtung sind:

- Beschreibung des Umfeldes
- anwesende Personen
- Vorgeschichte des Kindes
- Eindrücke des Beobachters

Wie in der quantitativen Datengewinnung gelten auch für die qualitative For- schung Regeln, die für Erfolg und Aussagekraft der teilnehmenden Beobachtun- gen maßgeblich sind. So ist es wichtig, dass der Forscher ein gutes Kommunika- tionsvermögen besitzt, um Fragen der Teilnehmer kompetent beantworten zu können und andere Situationen auffangen zu können, z.B. eine einsetzende Lustlosigkeit oder Unwohlsein der Teilnehmer gegenüber der Beobachtung.

Des Weiteren muss sich der Forscher in die TeilnehmerInnen der Beo- bachtung hineinversetzen können. Teilnehmende Beobachtung wird erst sinnvoll, wenn die gemachten Aussagen und Verhaltensweisen so interpretiert werden, dass sie versteh- und nachvollziehbar sind (Vgl. Lamnek, 2005, S. 100ff). Dies geschieht auf Basis des direkten Bezuges zur empirischen Wirklichkeit - hier die Kinderstation und die an der Beobachtung teilnehmenden Kinder.

Eine Erhöhung der Glaubwürdigkeit durch Verwendung geeigneter Vergleichsgruppen ist hilfreich. Allerdings konnten diese aufgrund der wenigen Kinder gleichen Alters und ähnlicher Krankheitsbilder innerhalb des relativ kurzen Forschungszeitraums von drei Monaten nicht gebildet werden.

Während einer teilnehmenden Beobachtung sollte sich der Forscher so weit wie möglich mit Kommunikation und Interaktion zurückhalten, um einen möglichst hohen Grad an Objektivität zu erreichen. Dieser Grad der Teilnahme liegt auf einer Skala von vier Merkmalen zwischen dem dritten (Beobachter als Teilnehmer) und dem vierten (reiner Beobachter ohne Interaktion mit dem Feld)5 (Vgl. Lamnek 2004, S. 575). Wenn es die Umstände erforderlich machen, dürfen sich Forscher und Kind unterhalten. Fließen Ergebnisse aus diesen Gesprächen mit in die Forschung ein, müssen sie allerdings aufgrund eines möglichen Täu- schungsversuchs bzw. Versuchs der Einflussnahme auf den Forscher kritisch betrachtet werden (Vgl. Ulich 1989, S. 83). Diese Situation kann entstehen, wenn Eltern während der Beobachtung Unmut über Begebenheiten äußern, die nicht im Zusammenhang mit der Beobachtung stehen.

1.4.4. Das fokussierte Interview

An die Beobachtungen schloss sich jeweils das fokussierte Interview an. Der Forscher wählte diese Methode, um sowohl Erkenntnisse über unentdeckte Beo- bachtungen zu gewinnen als auch Eltern und Kind mithilfe eines qualitativen In- terviewansatzes die Möglichkeit zu geben, ihnen wichtig erscheinende Aspekte der Beobachtung hinzuzufügen (Vgl. Lamnek 1995, S. 79). Zudem war es für die Forschung wichtig, die im Vorfeld gewonnene Hypothese „Viele Kinder sind nicht in der Lage, ihren im Krankenhaus erlebten Empfindungen im Nachhinein sprachlich oder schriftlich Ausdruck zu verleihen.“ zu verifizieren bzw. falsifizie- ren. Diese Überprüfung ist zum einen relevant im Hinblick auf die Frage nach der Effektivität von Fragebogenergebnissen. Zum anderen soll überprüft werden, ob sich Beobachtungen und Aussagen der Kinder decken, ob „also andere Reaktio- nen des Befragten auf die Situation festzustellen“ sind (Vgl. Lamnek 1995, S. 79). Die Beantwortung dieser Frage setzt nach Lamnek voraus, dass sich der Forscher mit der realen Feldsituation auskennt, in der sich die Befragten befin- den.

Auf dieser Grundlage dienten folgende Fragen als Leitfaden:

Kind:

1. Was hat Dir heute gut gefallen?
2. Was hat Dir heute nicht gut gefallen?
3. Was hast Du heute am meisten vermisst?

Eltern:

1. Was hat Ihrem Kind heute gut gefallen?
2. Was hat Ihrem Kind heute nicht gut gefallen?
3. Was hat Ihr Kind heute am meisten vermisst?

1.4.5. Untersuchungspopulation und Stichprobenauswahl

Im Fokus der Untersuchung standen stationär aufgenommene Jungen und Mäd- chen im Alter zwischen sechs und zehn Jahren. Andere anwesende Eltern und Kinder sowie das klinische Personal bereicherten die Beobachtungen zwar, stan- den aber nicht im Mittelpunkt.6 Insgesamt fanden sechs Beobachtungen statt: Bei drei Kindern waren die Eltern anwesend; die anderen drei Kinder waren alleine aufgenommen, bekamen aber morgens und abends Besuch von den Eltern.

Die untere Altersbegrenzung der beobachteten Kinder von sechs Jahren rechtfertigt sich aus der „mangelnden narrativen Kompetenz“ noch jüngerer Kin- der7. Hier hätte das an das Kind gerichtete Interview an Aussagekraft einbüßen können.

Die obere Altersbegrenzung bis zum zehnten Lebensjahr ist zum einen der Tatsache geschuldet, dass ältere Kinder zwar für ein Interview zur Verfügung stehen, sich aber ungern beobachten lassen.8

Weitere Bedingung für die Teilnahme an der Forschung war, dass die Be- obachtung frühestens zwei Tage nach Aufnahme und spätestens einen Tag vor der Entlassung stattfinden sollte. Da die durchschnittliche Verweildauer auf die- ser Station bei fünf Tagen liegt, war der Zeitraum von vier Tagen als ausreichend hinzunehmen. Kinder mit kürzerer Verweildauer hätten unter Umständen eine mögliche unzureichende Beachtung ihrer Bedürfnisse für eine gewisse Zeit in Kauf genommen.

Hierzu stellte der Beobachter die Vermutung auf, dass der Erkenntnisge- winn von beobachtbaren Aspekten umso größer wäre, je länger die Kinder aufgenommen waren. Dieser Erkenntnisgewinn würde unter Umständen mit näher rückender Entlassung wieder abnehmen.

1.4.6. Durchführung der Untersuchung

Die Durchführung der Forschungsprojektphase war auf die Monate Oktober 2006 bis Januar 2007 beschränkt. Aus betrieblichen Gründen begannen die ersten Beobachtungen mit einer Verzögerung von 6 Wochen, d.h. Mitte November. Absagen von infrage kommenden Kindern schränkten die zu untersuchende Population nochmals ein. Daher fand ein Pretest nicht statt, sodass alle erhobenen Daten verwertet werden mussten.

Im Vorfeld waren die Auswahlkriterien vom Forscher an die Leitung der Station weitergegeben worden. Diese traten dann mit Eltern und Kind in Verbin- dung. Waren letztere mit der Beobachtung einverstanden, wurde ein Termin ver- einbart.

Die Beobachtungen begannen unmittelbar, nachdem sich der Forscher Eltern und Kind vorgestellt hatte. Fragen wurden im Vorfeld geklärt. Sodann un- terschrieben Eltern und Kind eine Einverständniserklärung, mit der sie die Er- laubnis zur Beobachtung erteilten. Allen Beteiligten erklärte der Forscher, dass die persönlichen Daten verschlüsselt würden, sodass später niemand darauf zu- rückgreifen könnte.

Die Beobachtung endete nach jeweils 60 Minuten. Lediglich eine Beobachtung dauerte - mit Einverständnis der Betroffenen - 75 Minuten. Waren andere Kinder und Angehörige in unmittelbarer Nähe, wurden sie im Vorfeld von der Beobachtung informiert. In keinem Fall äußerten sie Bedenken.

Mit Beginn der Beobachtung setzte sich der Forscher etwas abseits in ei- ne Ecke des Raumes. Eindrücke wurden sofort in chronologischer Reihenfolge verschriftlicht. Gelegentlich stellte der Forscher Fragen zum besseren Verständ- nis.

Gab es Momente, in denen der Forscher das Gefühl bekam, die Beobachtung könnte dem Kind oder seinen Angehörigen unangenehm sein, versuchte er durch eine Bemerkung, die von der Beobachtung ablenkte, die aufgebaute Spannung zu lösen. Dieser Partizipationsgrad des Beobachters heißt bei Lamnek: „Beobachter als Teilnehmer“ (Vgl. Lamnek, 2005, S. 575).

Unmittelbar nach Ende der Beobachtungen, schlossen sich die Interviews an. Die Eltern begannen mit der Beantwortung der Fragen, dann folgten die Kin- der. Die Interviews fanden so statt, dass die Kinder die Antworten der Eltern nicht kannten. Ergebnisse wurden stichpunktartig aufgeschrieben.

1.4.7. Grenzen der Untersuchung

Die Beobachtungen konnten nicht auf alle Tageszeiten verteilt werden. Dies wäre von Nutzen gewesen, weil jede Tageszeit ihre eigenen Schwierigkeiten und Herausforderungen mit sich bringt.9 Organisatorische Probleme und Befindlichkeiten von Kindern und Angehörigen mussten hier berücksichtigt werden.

Außerdem kam es vor, dass Eltern in der Beobachtung eine Möglichkeit sahen, Ärgernisse über bestimmte Vorkommnisse im Krankenhaus gegenüber dem Beobachter zu artikulieren. Hier manifestiert sich die emotionspsychologi- sche Erkenntnis, dass „verbale Daten“ gezielte Versuche von Täuschung oder einen Versuch von Manipulation gegenüber dem Forscher bedeuten können (Vgl. Ulich 1989, S. 83) und damit die Ergebnisse beeinflussen können.

Sichtweisen der MitarbeiterInnen der Kinderstation blieben unberücksichtigt. Genauso wenig wurden Hintergründe für bestimmte Handlungsmuster oder Strukturen erfragt.

Des Weiteren wurden verbesserungswürdige Aspekte beobachtet, die in der praktischen Umsetzung aber keinen Lösungsansatz boten. Etwa die Un- mutsäußerung eines Jungen, der einen Zimmerkameraden als unangenehm empfand, scheiterte mithilfe der Klassifikation nach Donabedian in der Kriterien- suche.

Durch die laufende Materialverringerung in Auswertung und Analyse qualitativer Interviews nach Lamnek sind Fehlinterpretationen nicht auszuschließen (Vgl. Lamnek, 2005, S. 404).

Nicht alle stattfindenden Dialoge, Mimiken oder Gestiken konnten vom Forscher erfasst werden.

Verständnisfragen wurden vom Forscher bereits während der Beobachtungen gestellt. Einige Fragen ergaben sich aber erst während der Transkribierungs- und Auswertungsphase und blieben daher unbeantwortet.

1.4.8. Das Auswertungsverfahren nach Mayring

Die Auswertung des Beobachtungsmaterials fand nach Mayring statt. Hierbei wurden die Analyseschritte von Zusammenfassung, Explikation und Strukturie- rung angewandt (Vgl.: Lamnek 1995, S. 215). Diese Schritte sind für die Überprü- fung auf Verbesserungsmöglichkeit relevant. Aufgrund des größeren Volumens sind sie nicht im Ergebnisteil zu finden, sondern im Anhang nachzuschlagen.

a) Zusammenfassung

Die Bestimmung und Zusammenfassung der Analyseeinheiten unter dem Ge- sichtspunkt „geäußerte Empfindung“ läuft Text und Schema- geleitet ab. In dieser Methodik werden die beobachtungsrelevanten Empfindungen in drei Schritten kategorisiert:

aa) Einordnung in die Aspekte „persönliche Empfindungen“, „Umgebung“, „Inventar“, „Organisation“, „Personal“, „Essen“, „Behandlung“ und „allgemeine Umstände“,

ab) Interpretation angenehmer bzw. unangenehmer Empfindungen, ac) Trennung von kindlichen und elterlichen Aspekten.

Innerhalb der im Anhang befindlichen Zusammenfassung ist das Material mithilfe des 1. Reduktionsschrittes selektiert und paraphrasiert; unwesentliche Aspekte wurden gestrichen (Vgl. Mayring 2000, S. 59).

b) Explikation

Das paraphrasierte und kategorisierte Material wurde in diesem Schritt generalisiert, wobei die Paraphrase der besseren Nachvollziehbarkeit halber mit aufgeschrieben wurde. Durch das Herantragen zusätzlichen Materials10 wurden die Generalisierungen dem zweiten Reduktionsschritt unterzogen. Dies geschah unter Zuhilfenahme der Qualitätsdimensionen von Struktur, Prozess und Ergebnis nach A. Donabedian (Vgl. Lecher, 2002, S. 21), mit denen gleichzeitig der Anspruch der Strukturierung nachgekommen wurde.

In drei Prozessschritten (Qualität, Standard, Kriterium) wurden als Unmutsäußerung interpretierte Aspekte auf ihre Verbesserungsfähigkeit untersucht. Nicht verbesserbare Kriterien wurden an dieser Stelle aus dem Kategoriengebilde unter Nennung eliminiert.

c) Strukturierung

Die inhaltliche Strukturierung wurde auf der Explikationsebene unter der Heran- ziehung der nach A. Donabedian festgelegten Kriterien von Struktur (vorgefun- dene Struktur), Prozess (Interaktionsebene) und Ergebnis (Heilungsresultat) voll- zogen. Dies dient der Klärung des Zuständigkeitsbereiches (Pflege, ärztliche Zu- ständigkeit, Verwaltung etc.).

Aspekte, die vom Beobachter als angenehme Empfindung interpretiert worden waren, wurden nicht außer Acht gelassen, sondern dem gleichen Pro- zess nach Donabedian unterzogen. Dies dient dem entsprechenden Personal als positive Verstärkung auf bereits adäquaten Umgang mit Empfindungen von Kindern.

1.4.9. Ergebnisse der Untersuchung

Nach verschiedenen Zwischengesprächen über Methode und Zeitpunkte der Untersuchung mit der Leitung der Kinderklinik fand am 22. Mai 2007 die Präsentation der Ergebnisse statt.11 Hierzu wurden im ersten Teil der Darstellung transkribierte Aspekte der Beobachtung, welche der 1. Reduktionsstufe unterzogen worden waren, in die Lebensaktivitäten nach N. Roper (Vgl. Hoehl et al. 2002, S. 53) eingeordnet. Im zweiten Teil der Darstellung standen die Ergebnisse der fokussierten Interviews in wörtlicher Rede im Mittelpunkt.

Die Leitung zeigte sich zufrieden mit den beobachteten Aspekten und äußerte, dass sie die Station in den Ergebnissen wieder finden könnte. Es erfolgte eine Einladung zur Präsentation der Ergebnisse für die Angehörigen der Station im Juli 2007. Einige Wochen später sollen sie für den Jahresrückblick des Krankenhauses Verwendung finden.

1.5. Recherche und Bewertung der Literatur

Zu den beiden Themenkomplexen „Methoden der Zufriedenheitserfassung“ und „Bedürfnisse von Kindern“ liegen pflegewissenschaftliche, medizinische, sozial- wissenschaftliche und psychologische Werke in verschiedenen Bibliotheken Ber- lins vor. Online halfen die Datenbanken DIMDI, CareLit, Medline und PubMed12 weiter. Recherchiert wurde des Weiteren in den Zeitschriften „Kinderkranken- schwester“ (Jg. 2000-2007) und „Kinderärztliche Praxis“ (Jg. 2003-2007).

Literatur zur Methodenauswahl lag in ausreichendem Maße vor und wird regelmäßig zitiert. Sie half dem Autor die Entscheidung zu treffen, die Beobachtung der Fragebogenerstellung vorzuziehen.

Auch zum Themenkomplex der kindlichen Bedürfnisse lag Literatur in sehr großem Umfang vor. Nicht zuletzt wird auf die kindlichen Bedürfnisse in den Entwicklungstheorien, speziell bei E. Erikson (Vgl. Flammer 2004), eingegangen. Jedoch ist zur Verbindung der Themenkomplexe, dem Erkennen, Erfas-sen und Umgang mit kindlichen Bedürfnissen im Krankenhaus kaum wissen-schaftliches Material vorhanden. Manche These, etwa die der Copingstrategien im Krankenhaus, wurde aus der Pflege Erwachsener entliehen. Günstigstenfalls nähern sich Autoren wie Biermann (Vgl. Biermann 1978) oder Becher (Vgl. Be-cher 1980) der Mitaufnahme von Eltern im Kinderkrankenhaus an. Sicherlich könnte die Wissenschaft wertvolle Daten zur Erforschung des Themenkomplexes Kind, Krankenhaus und Bedürfnisse liefern.

Trotzdem finden sich nützliche Aspekte in neueren Lehrbüchern der Kinderkrankenpflege. Hier ist die Betrachtung kindlicher Bedürfnisse breit angelegt, findet dann aber oft einen eher spärlichen Bezug zum Pflegealltag. Die Vorstellung von noch mehr Beispielen wäre Lernenden sicherlich hilfreich.13

Dieser praktischere Bezug zum Stationsalltag wird auch von leitender Stelle des Aktionskomitees Kind im Krankenhaus (AKIK) vermisst14. Hier beklagt man, dass die Auslegungen zur Charta der Rechte von Kindern im Krankenhaus seit 20 Jahren dieselben sind. In anderen europäischen Ländern wird zum Thema vielmehr geforscht, sodass in diesen Ländern regelmäßig neue Erkenntnisse zur Kinderkrankenpflege vorliegen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie ambivalent noch heute die Mitaufnahme von Eltern im Krankenhaus betrachtet wird. Statt gesundheitsfördernder Einflüsse auf kranke Kinder bei Anwesenheit der Eltern hervorzuheben - und dem Schaden bei Nicht-Anwesenheit (Vgl. Becher 1980, S. 19) - wird auf Studien verwiesen, die keine „nennenswerten Schäden bei Kindern“ erkennen ließen, welche in den 1970er Jahren15 ohne Elternteil stationär aufgenommen waren (Vgl. Straßburg et al. 2007, S. 179).

Für die Zeitschrift „Kinderkrankenschwester“, wäre es sicherlich eine sinnvolle Herausforderung, weniger pflegetechnische Abhandlungen und Krank- heitsbilder zu veröffentlichen als sich mehr Themen zu widmen, welche der Kinderkrankenschwester Rüstzeug für eine umfassendere Pflege liefern.

1.6. Aufbau der Arbeit

Zum grundlegenden Verständnis setzt sich der theoretische Teil zunächst mit Qualitätssicherung in Form von Zufriedenheitsabfragen per Fragebogen auseinander. Die Entwicklung eines Fragebogens für eine Kinderstation war zunächst vorrangiges Ziel dieser Diplomarbeit, wurde aber nach ausführlicher Literaturrecherche verworfen. Ergebnisse dazu werden dargestellt.

Im Anschluss wird auf den Begriff der Empfindung eingegangen. Mit diesem nähert sich der Autor dem Ausdruck kindlicher Gefühle und deren Erkennen und Wahrnehmen durch Außenstehende. Empfindungen sind aufgrund emotionspsychologischer Erkenntnisse der Schlüssel zum Erfassen von Bedürfnissen (Vgl. Otto et al. 2000, S. 103).

Die Bedürfnisse richten sich in wesentlichen Schritten nach der Maslow- schen Definition (Vgl. Smith 1999). Hierbei werden körperliche Bedürfnisse weni- ger berücksichtigt als geistige. Lediglich das körperliche Bedürfnis nach Bewe- gung wird im weiteren Verlauf näher vorgestellt, weil es während des stationären Aufenthaltes eines Kindes kaum berücksichtigt wird, obschon sich die Kinder gerne mehr bewegt hätten.

Sind Definitionen zu Empfindungen und Bedürfnissen einmal dargestellt, geht es um die Frage, wie Kinder durch gelungene Kommunikation erreicht werden können. Hiermit soll die Rolle der Kommunikation im Austauschprozess zwischen Kind und Kinderkrankenschwester beschrieben werden.

Ein kurzer geschichtlicher Rückblick zeigt, dass über viele Jahrhunderte kindliche Grundbedürfnisse in Krankenhäusern und -anstalten vernachlässigt wurden und erst im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts damit verbundene Probleme als solches erkannt und verbessert wurden.

Die wichtigsten Auszüge aus der Pflegetheorie von Patricia Benner und Judith Wrubel (Vgl. Benner/Wrubel 1997) erläutern den Zusammenhang zwi- schen

- Bedürfnissen
- Beziehung zwischen Patient und Pflegekraft
- Problemlösung und
- dazugehöriger Kommunikation.

Dieses Kapitel wurde bewusst ans Ende des theoretischen Teils gestellt, weil auf dieses Verständnis aufbauend die sich anschließenden Beobachtungen aus der Forschungsphase nachvollziehbarer werden.

2. Theoretischer Rahmen

2.1. Der Begriff der Zufriedenheit und gängige Abfragemethoden

In der Regel werden Zufriedenheitsabfragen von Patienten bezüglich ihres stati- onären Krankenhausaufenthaltes per Interview oder mithilfe eines Fragebogens realisiert.

Diese Methode der Zufriedenheitsmessung wird innerhalb der einschlägi- gen Literatur kritisch betrachtet. Zum einen existieren keine einheitlichen theore- tischen Konzepte und Definitionen des Zufriedenheitsbegriffs (Vgl. Jakob, Bengel 2000, S. 282). Zum anderen ist der Zustand der Zufriedenheit bzw. Unzufrieden- heit ein individueller und daher nicht objektivierbarer Gefühlszustand.16

Diese Subjektivität begründet die nordamerikanische Pflegetheoretikerin P. Benner durch die Existenz eines Kontextes, in dem ein Mensch lebt, fühlt und handelt. Sinnzusammenhänge sind abhängig von der Umwelt, in welcher ein Mensch aufgewachsen ist. Die Interpretation der Welt erfolgt daher immer auf sehr individuelle Weise (Vgl. Benner/Wrubel 1997, S. 65). So wird nachvollzieh- bar, warum einem Kind das im Krankenhaus angebotene Spielzeug besonders gut gefällt - etwa weil es zuhause kaum Spielzeug besitzt - während ein anderes Kind, das mit vielen und teuren Spielsachen zuhause aufwächst, das gleiche Spielzeug schlichtweg als „öde“ bezeichnet. Solche und ähnliche Faktoren ken- nen wir alle und mit ihnen die Erfahrung, dass sich „über Geschmack streiten lässt“. Ähnliche Faktoren, die oft in Fragebögen zu finden sind, betreffen „Essen“, „Einrichtung“ und „Freundlichkeit des Personals“. Jeder Mensch bewertet dieses aufgrund seines persönlichen Kontextes anders. Es besteht der Zweifel daran, ob solche Aspekte fragebogenrelevant und damit verbesserungsfähig sind.

Ein ähnliches Beispiel betrifft vorinstallierte Fernseher in (Kinder-) Kran- kenzimmern. Fast alle Kinder finden es „toll“, einen Fernseher anschalten zu kön- nen, wann immer sie es wünschen. Genauso viele Eltern halten davon ganz und gar nichts. Gäbe es aber keine Fernseher in Krankenzimmern, würden Kinder sie vermissen. Hier zeigt sich, dass neben dem Kontext, aus dem Kinder stammen, weitere Faktoren wie Alter und Entwicklungsstand Wünsche und Vorstellungen beeinflussen und letztere daher noch weniger objektivierbar machen.

2.2. Reaktionen von PatientInnen auf Zufriedenheitsabfragen

Neben kaum objektivierbaren Ergebnissen aus Zufriedenheitsabfagen steht die Frage, was es in PatientInnen auslöst, wenn sie nach ihrer Zufriedenheit befragt werden. Diese Frage drängte sich dem Forscher nach einzelnen Beobachtungen auf: Wurden beispielsweise während der Beobachtung17 Situationen vom For- scher erfasst, die er für das Kind als unangenehm bzw. angenehm interpretierte, sagten die Kinder im anschließenden Interview, dass „alles im Krankenhaus schön sei“. Diese für Kinder typischen „Gefälligkeitsantworten“ (Vgl. Heinzel 2000, S. 38) sind unter der These „Patient satisfaction rates are too high“ be- kannt und werden auch in der deutschen Forschung (Vgl. Alt 1995, S. 2) be- schrieben.18 Ein dreijähriges Forschungsprojekt zum Thema Patientenzufrieden- heit in Hamburg-Eppendorf bestätigt dies. Die dort tätige Forscherin kam zum Ergebnis, dass die Fragebogenangaben von Patienten, die in zahlreichen Kran- kenhäusern begleitet, beobachtet und befragt wurden, im krassen Gegensatz zu den beobachteten Gegebenheiten, den Interviewinhalten oder einfach dem ge- sunden Menschenverstand standen (Vgl. Lecher, 2002, S. 5). Es kam sogar vor, dass PatientInnen dem Arzt gegenüber sehr dankbar waren, obwohl aus medizi- nischer Sicht kein optimaler Heilungsverlauf zu verzeichnen war oder sogar Komplikationen auftraten (Vgl. Wüthrich-Schneider 1999, S. 65).

Gründe für diese „falsch-hohe“ Zufriedenheit können zum einen im „Bewältigungsverhalten“ (Vgl. Lecher 2002, S. 90) von Patienten in unliebsamen Situationen liegen. Zum anderen liegt es bei Kindern an der „Sprachbarriere“, den bereits erwähnten Gefälligkeitsantworten.19

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich bei Kindern aus der Tatsache, dass sie oft nur das wiedergeben, was ihnen erwachsene Bezugspersonen vorgeredet haben (Vgl. Heinzel 2000, S. 39). Dies liegt am geringeren Umfang an Wissen und Erfahrung von Kindern, was sie von der Meinung der sie umgebenden Er- wachsenen abhängig macht. Aufgrund der räumlichen Enge im Krankenhaus sind Kinder regelmäßig den Meinungsäußerungen ihrer Eltern ausgesetzt, was sie konsequenterweise in ihrer persönlichen Meinungsbildung beeinflusst.

2.3. Der Begriff der Empfindung

Gerade weil sich der Zugang zu angenehmen oder unangenehmen Erfahrungen aus den o. g. Gründen als schwierig erweist, soll überprüft werden, wie diese trotzdem erkannt und erfasst werden können. Ein Schlüssel dazu liegt in der Kindheitsforschung und mit ihr in der Erforschung kindlicher Empfindungen.

Der Begriff „Empfindung“ definiert sich über die Emotionspsychologie. Zum einen sind Empfindungen Manifestationen von angenehmen bzw. unangenehmen Emotionen (Vgl. Otto et al. 2000, S. 103). Zum anderen sind sie das Gegenteil von Gleichgültigkeit, und „sie entstehen nur, wenn eigene Ziele, Interessen und Bedürfnisse betroffen sind“ (Vgl. Ulich 1989, S. 34).

Die Emotionspsychologie stellt die Verbindung von Empfindungen zu be- dürfnisrelevanten Faktoren, wie Angst und Freude, dem Ausdruck von befriedig- ten bzw. unbefriedigten Bedürfnissen her. Diese Faktoren laufen „- im Vergleich zu anderen psychischen Erscheinungen - bevorzugt auch über nicht-verbale Kommunikationskanäle“ (Vgl. Ulich 1989, S. 39). Kinder besitzen „die Fähigkeit, Signale auszusenden, die von der Umwelt als sozial interpretiert werden“ (Vgl. Rossmann 1995, S. 68).

Daher nutzen Emotionspsychologen vorzugsweise qualitativ orientierte Analysen, wie die offene Beobachtung, um diese Signale erfassbar zu machen (Vgl. Otto et al. 2000, S. 469). Auf diese Weise können Empfindungen, welche die leib-seelische Zuständlichkeit und das Involviertsein (Berührtsein) widerspie- geln, nachgewiesen werden. In den durchgeführten Beobachtungen wurde z.B. Angstempfinden durch Angespanntheit und das Kneten des Stofftieres beobach- tet. Auslöser für die Angst bot eine Fernsehszene, in der eine Zeichentrickfigur nach einer Messerattacke verblutete.

Menschen erleben sich beim Auftreten von Empfindungen in der Regel passiv20 (Vgl. Ulich et al. 1992, S. 56f). Diese Tatsache ist in Bezug auf das Krankenhauserleben von besonderer Bedeutung, denn aus der Erfahrung des Autors äußern PatientInnen und Angehörige oft das Gefühl von Ausgeliefertsein und Hilflosigkeit in Bezug auf Krankheit, Pflege und Behandlung.

2.4. Kindliche Bedürfnisse

Aufbauend auf die Emotionspsychologie lässt sich ableiten, dass angenehme bzw. unangenehme Empfindungen menschliche Bedürfnisse widerspiegeln (Vgl. Otto 2000, S. 103).

In der Rückschau auf die Ergebnisse der Forschungsphase tauchen re- gelmäßig Interpretationen wie „Angst“, „Schmerz“, „Nacht“ oder „Bewegungs- mangel“ auf. Solche Aspekte lassen sich auf die außergewöhnliche psychische und physische Belastung eines Kindes im Krankenhaus zurückführen. Dieser Betrachtungsansatz zielt ab auf die „Erfassung der Bedürfnisse eines Kindes während eines Klinikaufenthaltes, ferner [auf] die Berücksichtigung von kindli- chen Bedürfnissen während der Behandlung“ (Vgl. Biermann 1978, S. 79ff). Dies bedeutet für die Praxis, dass die Kinderkrankenschwester die Angstempfindun- gen eines Kindes erkennt und adäquat darauf reagiert. Dies hat zum Ziel den physisch und psychisch eingeschränkten Kräften [eines Kindes] so zu begegnen, dass „seine Kräfte mobilisiert werden, damit es die jeweils gegebenen individuel- len psychischen Schwierigkeiten und Nöte bewältigen kann“ (Vgl. Biermann 1978, S. 85).

Daher sollen im Folgenden weniger allgemeine - nach Benner kontextabhängige - Wünsche betrachtet werden, als mehr kindliche Grundbedürfnisse. Gerade durch sie kann in erheblicher Weise das Wohlbefinden eines Kindes beeinflusst werden. Dies begründet sich nicht nur mit der Annahme, dass Kinder versuchen, „Unlust“ zu vermeiden (Miller 1993, S. 166): „Mallmann sagt, dass die Befriedigung jeder acht Bedürfnisse Voraussetzung für die Vermeidung von Krankheit sei“ (Kollak et al. 1999, S. 41).

Selbst ohne wissenschaftlichen Hintergrund wird nachvollziehbar, dass einem Kind in Angst machenden Momenten, wie Verbandswechsel oder Injektion, das Bedürfnis von Sicherheit wichtiger ist als die Freude an Besitz oder Erreichbarkeit von „tollem“ Spielzeug. Das hier angesprochene Bedürfnis nach Sicherheit steht zweifellos über dem Besitz von Gegenständen, die den Geschmack eines Kindes treffen oder nicht.21

Angst drückt das Bedürfnis nach mehr Sicherheit aus. Bedürfnisse wer- den allgemein als Bedarfs- oder Mangelzustand bezeichnet, in dessen Folge ein psychisches Spannungsgefälle auftritt. Der Mensch strebt nach Beseitigung des zu Grunde liegenden Mangels (Bedürfnisbefriedigung, Vgl. Hondrich, K.O. 1975, S. 26).

Nach dem hierarchischen Stufenmodell von Maslow werden körperliche Bedürfnisse (Nahrung, Schlaf, Bewegung etc.) und geistige Bedürfnisse (Sicher- heit, Geborgenheit und Liebe, Wertschätzung und Selbstverwirklichung) unter- schieden (Vgl. Der Brockhaus - Psychologie 2001, S. 68). H. Smith (Vgl. Smith 1999, S. 18ff) und Hondrich haben das Maslowsche Stufenmodell erweitert. Die- se Erweiterung sieht den Menschen als "ein System, dessen Einheiten Bedürf- nisorientierungen mit unterschiedlicher Intensität sind“. Dies ist in Bezug auf Macht und damit verbundene Konflikte von Bedeutung, die bei der Erfüllung von Bedürfnissen Einfluss haben können. Diese Sichtweise wendet sich eher dem Verhältnis der Konfliktpartner zu, als der inneren Befindlichkeit von Individuen im Verhältnis zu befriedigten oder nicht befriedigten Bedürfnissen (Vgl. Hondrich 1975, S. 30f). Diese Aspekte spielen für die Situation des Kindes im Kranken- haus nur insofern eine Rolle, als sie Opfer von Machtkämpfen unter Erwachse- nen werden können, etwa wenn sie - wie in den Beobachtungen aufgeführt - Streitereien Erwachsener ausgesetzt sind.

Kritische Stimmen aus dem Umfeld des Autors sahen die Maslowsche Bedürfnispyramide als ein nicht mehr gebräuchliches, da überholtes Modell. Weil es aber immer noch von PflegetheoretikerInnen genutzt wird (Kollak et al. 1999, S. 56), wird auch in dieser Diplomarbeit darauf zurückgegriffen.

Die Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. aus: Informatikkaufmann, Internet (s. Literaturverzeichnis)

Das Stufenmodell von Maslow unterscheidet Bedürfnisse hierarchisch nach ihrer Wichtigkeit. So ist die Sorge um Sicherheit das wichtigste Bedürfnis eines Menschen. Danach folgen Geborgenheit, Liebe und Wertschätzung. Am Ende steht die Selbstverwirklichung des Menschen (Vgl. Hondrich, K.O. 1975, S. 26, Kollak et al. 1999, S. 57). Dieses Prinzip rückt nachrangige Bedürfnisse in den Hintergrund: Wertschätzung und Selbstverwirklichung bleiben für den Menschen bedeutungslos, solange seine Sicherheit nicht garantiert ist.

Die Erfüllung aller Grundbedürfnisse ist Voraussetzung für die gesunde psychologische Entwicklung eines Kindes. Wenn Grundbedürfnisse des Kindes u.U. über einen längeren Zeitraum unerfüllt bleiben, kann das Kind Schaden nehmen, was sich wiederum ungünstig auf seine weitere Entwicklung auswirkt (Kollak et al. 1999, S. 41). Im Folgenden wird der Zusammenhang von Bedürf- nissen und der Entwicklung von Kindern innerhalb seiner Entwicklungsphasen beschrieben, um die Wichtigkeit zu unterstreichen, mit kindlichen Empfindungen - besonders während eines stationären Aufenthaltes - adäquat umzugehen.

Bedürfnisse haben in jeder existierenden Kultur einen so hohen Stellenwert, dass diese „allgemein akzeptierte Normen entwickelt, um den Bedürfnissen eines Kindes in den verschiedenen Stufen der Reifung entgegenzukommen“ (Vgl. Miller 1993, S. 156, zitiert in Holoch et al. 1999, S. 183).

Der Psychoanalytiker Erik H. Erikson hat in seinem Stufenmodell der Entwicklung dargelegt, dass eine gesunde kindliche Entwicklung nur mit der adä- quaten Antwort auf kindliche Bedürfnisse einhergeht. Dies geschieht, indem das Kind die Erfahrung macht, dass „zwischen der Welt und den persönlichen Be- dürfnissen eine Übereinstimmung besteht“. Diese Übereinstimmung ist z.B. er- reicht, wenn ein Kind Hunger hat und Nahrung erhält, wenn es weint und getrös- tet wird, oder wenn es Angst empfindet und sich nicht allein gelassen, sondern beschützt fühlt. Diese Erfüllung der zitierten Bedürfnisse prägt die Entwicklung des kindlichen Urvertrauens innerhalb des ersten Lebensjahres entweder in der einen oder in der anderen Richtung. Werden die Bedürfnisse gestillt, entwickelt das Kind ein gesundes Urvertrauen gegenüber der Umwelt und seinen Men- schen. Geschieht dies nicht, bleibt das Kind lt. Erikson für immer misstrauisch gegenüber seiner Umwelt (Urvertrauen vs. Urmisstrauen, Vgl. Flammer 2004, S. 85).

2.4.1. Bedürfnis nach Sicherheit

Angst ist das emotionale Befinden einer Person, wenn sie in einer bedrohlichen Situation nicht weiß, wie sie reagieren kann, oder wenn sie den bedrohlichen Anteil nicht eindeutig identifizieren kann (Vgl. Holoch et al 1999, S. 140). Mit dem Gefühlszustand der Angst sind Kinder und Erwachsene gleichermaßen konfron- tiert; wenn auch auf anderen Ebenen. Beim Kind werden eher reale bzw. fassba- re Erfahrungen von Gefahr oder durchlebter Traumatisierung, (Vgl. Pschyrembel 2002, S. 79) Alleinsein, Krankheit oder Schmerz ausgedrückt (Vgl. Zlotowicz 1983, S. 153). Beim Erwachsenen sind Ängste wegen der Erweiterung der Erfahrungswelt vor allem auf der Vorstellungsebene angesiedelt: Armut, Angst vorm Altern, Krankheit etc. (Vgl. Nickel et al. 1991, S. 63).

Bei Kindern wie Erwachsenen sind physiologische Komponenten von Angst gleich: Herzklopfen, Magenschmerzen, Zittern, Blässe, feuchte Hände, Erröten, Luftnot, Erhöhung der Atemfrequenz, Schweißausbrüche, Unruhe, Hilf- losigkeit, Gefühl der Enge und Unlust (Vgl. Nickel et al. 1991, S. 61, Wolf 2002, Schulte/Spranger 1993, S. 802). In Abhängigkeit von der Intensität der durchleb- ten Angst bleibt sie anderen Menschen manchmal verborgen. Angstzustände lassen sich auf drei Ebenen erfassen: verbal-subjektiv, verhaltensbedingt und durch die Kontrolle physiologischer Daten (Vgl. Wolf 2002 S. 37).

Achtmonatsangst (Fremdeln), Trennungsangst, Verlustangst, Reifungs- angst bis hin zur Existenzangst gehen mit dem physiologischen Entwicklungs- gang eines Kindes einher (Vgl. Schulte/Spranger 1993, Nickel et al. 1991). Schellhas unterscheidet in der Altersgruppe der Sieben- bis Fünfzehnjährigen zwei Angstbereiche:

1. Angst vor körperlichen und psychischen Verletzungen, Unfällen und Krankheiten, Alleinsein, unheimlichen Ereignisse, Tieren und:
2. Angst, den Eltern22 könne etwas passieren, vor Alleinsein, Verlust sozi- aler Geborgenheit, Trennung. (Vgl. Schellhas zit. in: Holoch et al 1999, S. 143)

Wichtig ist zu wissen, ab wann ein Angstzustand bei einem Kind noch normal ist, und ab wann krankmachend. Unerkannte kindliche Ängste können zum Rückfall auf frühere Entwicklungsstufen (Regression. Vgl. Becher 1980, S. 17) führen. Alltägliche und alterstypische Aktivitäten werden dann nicht mehr ausgeführt. Der Trennung von Eltern ist beim Krankenhausaufenthalt eines Kindes besondere Bedeutung beizumessen, weil sie schlimmstenfalls im Deprivationssyndrom en- den können23 (Vgl. Zlotowicz 1983, S. 153). Deprivation bezeichnet aber auch eine „fehlende körperliche bzw. affektive Zuwendung“, die vor allem in den ersten Lebensjahren zu anaklitischer Depression, psychomotorischer Retardierung, ins- besondere Abweichung der Sprachentwicklung und des psychosozialen Verhal- tens oder zu psychischem Hospitalismus führen kann. Die sog. Deprivationstrias besteht aus Angst, Aggressivität u. Kontaktschwäche (Vgl. Pschyrembel 2002, S. 350).

Im Krankenhaus gibt es viele Menschen und Situationen, die Kindern Angst einflößen können. Diese Ängste nehmen nicht unbedingt mit dem Älter- werden des Kindes ab. Manche Ängste gehen, andere aber, etwa die Angst vor Phantasiegestalten, kommen dazu. Auch größere Kinder können im Kranken- haus Angst vor Nacht und Dunkelheit haben. Eine andere Angst auslösende Quelle stellen unverstandene oder nicht richtig verarbeitete Berichte von Erwach- senen dar (Vgl. Nickel et al. 1991, S. 64), etwa wenn ein Kind nicht versteht, wel- che Krankheit es hat, und welche Konsequenzen damit verbunden sind.

Im Krankenhaus treten neben Kinderkrankenschwestern und Ärzten viele andere unbekannte Menschen an das Kind heran, wollen etwas von ihm, sprechen in einer ihm unverständlichen Sprache und bereiten ihm vielleicht sogar Schmerzen. Wird ein Kind mit akuten Beschwerden stationär aufgenommen, leidet es zudem unter einem reduzierten Allgemeinzustand und ist schon aufgrund dessen gar nicht in der Lage, kognitiv nachzuvollziehen, was Kinderkrankenschwestern und Ärzte von ihm wünschen oder ihm erklären.

Werden die Ängste nicht erkannt oder beachtet, können sie zu Stress auslösenden Faktoren mit mehr oder weniger großen Folgen für die psychische Entwicklung heranwachsen. Selbst leichte Stresserfahrungen setzt die Entwick- lungspsychologie mit dem Durchleben eines kritischen Lebensereignisses in Verbindung (Vgl. Oerter et al. 1999, S. 460). Schon das Fehlen einer Bezugsper- son kann ein solches kritisches Lebensereignis darstellen. Besonders dann, wenn das Kind sein Bindungsverhalten erhöht24, das gesteigerte Bedürfnis aber unerfüllt bleibt, etwa weil es durch die Kinderkrankenschwestern nicht berück- sichtigt wird und die Eltern unerreichbar sind. (Vgl. Suess 2001, S. 54). Die Emo- tionspsychologie weist einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Emotionen aufgrund eines Bedürfnisses und zwischenmenschlichen Beziehun- gen nach (Vgl. Ulich 1989, S. 38). Die Schwere der Folgen aufgrund eines uner- füllten Bedürfnisses steht in Abhängigkeit von Entwicklungstand und Empfin- dungszustand des Kindes (Vgl. Becher 1980, S. 17).

Werden kindliche Ängste nicht sichtbar, etwa, weil sie vom Kind durch kühne Reden überspielt werden, sollten belastende oder Angst machende Situa- tionen frühzeitig erkannt und angesprochen werden. Dies gilt auch für das ältere Kind mit seinen vielseitiger und abstrakter werdenden Ängsten25 (Vgl. Zlotowicz, 1983, S. 186). Das hierfür notwendige Fingerspitzengefühl erlangt die Kinderkrankenschwester dadurch, dass sie sich Zeit für das Kind nimmt und sich mit ihm beschäftigt (Vgl. Holoch 1999, S. 152).

Allerdings kann auch die unmittelbare Nähe der Eltern Angst in Kindern auslösen oder verstärken. Auch Eltern können unsicher und ängstlich sein, weil sie nicht wissen, was mit ihrem Kind im Krankenhaus geschieht. Diese Gefühle werden nicht unbedingt ausgesprochen, spiegeln sich aber in Mimik und Gestik wider. Kinder erkennen Ängste ihrer Eltern. Diese Erfahrungen hat der Autor im pflegerischen Alltag immer wieder gemacht. Auch diese Ängste sollten von Ärz- ten und Pflegekräften erkannt werden, um gemeinsam einen Weg zu finden, die- se nicht auf die Kinder zu übertragen.

Ein wichtiges Aufgabengebiet der Kinderkrankenschwester ist der adäquate Umgang mit Angst von Kindern und Eltern. Hierzu gehören die Vermeidung der Erfahrung von Hilflosigkeit, das Vermitteln von Sicherheit und Vorhersagbarkeit von Situationen sowie das Sichern von Betreuungskontinuität. Durch die aufmerksame Gestaltung und Unterstützung während der Eingewöhnungsphase für Kind und Eltern sorgt die Kinderkrankenschwester für den tragenden Vertrauensaufbau (Vgl. Holoch et al 1999, S. 152).

Bleiben Kinder allein im Krankenhaus, übernimmt die Kinderkrankenschwester elterliche Aufgaben: Schutz des Kindes vor Gefahren und vermeidbarem Schmerz, Sorge um emotionale Stabilität und Ansprechpartnerin in den Lebensfragen des Kindes. Sie ist überdies Vermittlerin zwischen dem Kind und anderen Berufsgruppen, mit denen es konfrontiert wird. Sie stellt dem Kind die Personen vor, die für seine weitere Pflege und Behandlung zuständig sind und begleitet es in Angst oder Schmerz auslösenden Situationen.

Maßnahmen und Techniken, mit denen auf Angst reagiert werden kann, existieren. Neben dem Prinzip des Nachahmungs- oder Imitationslernens (siehe Bedürfnisse - Stabilität) gibt es noch weitere Instrumente zur Bewältigung von Angst. Eine sehr gebräuchliche ist die „Gegenkonditionierung“: Mit einer Angst auslösenden Situationen wird ein angenehmer Reiz dargeboten. Bei Kindern sind das in der Regel Süßigkeiten, Spiele, gefühlsmäßige Zuwendung und Entspan- nung (Vgl. Jones 1924, zitiert aus: Nickel et al. 1991, S. 64). Weitere Instrumente zur Angstbewältigung sind Vertrauensfindung durch Ermutigung (Vgl. Ripple et al. 1982, zitiert aus: Nickel et al. 1991, S. 66) und der gezielte Einsatz von Rol- lenspielen (Vgl. Lorton und Lorton 1984, zitiert aus: Nickel et al. 1991, S. 66).

Gefühle wie Furcht, Hilflosigkeit und Stress sind mit der Angst eng ver- wandt. Im Gegensatz zur Angst beschreibt die Furcht eine eindeutige Gefährdungssituation, die für eine Person benennbar und erkennbar ist. Hilflosigkeit ist das Erleben der Tatsache, ein bedrohliches Ereignis nicht abwenden zu können. Stress erlebt ein Mensch, wenn er sich mit einer Situation überfordert fühlt (Vgl. Holoch et al 1999, S. 140).

Viele Bedürfnisse von PatientInnen im Krankenhaus finden sich auf den ersten beiden Hierarchieebenen der Bedürfnispyramide nach Maslow wieder. Allerdings spielen für Kinder Bedürfnisse höherer Hierarchieebenen auch eine Rolle. Dies begründet Erikson mit dem Bemühen eines Kindes um die Entwicklung eines positiven Identitätsgefühls (Miller 1993, S. 166). So lässt sich beispielsweise die Angst vor verpasstem Unterricht eines zehnjährigen Jungen (Beobachtung E) auf der obersten Ebene26 von Maslows Bedürfnispyramide wieder finden.

Da also alle geistigen Bedürfnisse für die weitere psychologische Entwick- lung eines Menschen eine wichtige Rolle spielen, sollten sie vom Kinderkranken- pflegepersonal im Umgang mit den kindlichen Empfindungen mitberücksichtigt werden müssen.

2.4.2. Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Liebe

Das Bedürfnis, von einem Menschen geliebt zu werden, das durch Eltern oder andere Bezugspersonen im häuslichen Umfeld befriedigt wird, kann zu einem Problem für das Kind werden, wenn es während eines Krankenhausaufenthaltes zu einem Bruch kommt. Kinder, die tagsüber oder nachts im Krankenhaus alleine bleiben müssen, leiden zum Teil unter großen Entbehrungen. Sie vermissen die Liebe, die ihnen durch elterliche Zuwendung zuteil wird. Diese Rolle muss durch die Bezugspersonen ausgefüllt werden, die temporär an die Stelle der Eltern tre- ten:

„Arzt und Schwester sind im Krankenhaus Elternersatz für die Kinder. Auf sie übertragen sich ihre sonst an die Eltern gerichteten Wünsche. […] Dies verlangt über die ärztlich-pflegerische Betreuung hinaus eine intensi- ve persönliche Zuwendung zum kranken Kinde“ (Vgl. Biermann 1982, S. 30).

Die Erfüllung dieses emotionalen Grundbedürfnisses ist auch für die Entwicklung älterer Kinder wichtig.

In der Konsequenz bedeuten die Erfüllung von Zugehörigkeit und Liebe weitere Faktoren:

2.4.2.1. Zuwendung durch Erwachsene

Erwachsene müssen Kindern Zeit widmen. Dabei kommt es weniger auf ein festes Zeitmaß an als mehr auf das Gefühl beim Kind, dass Erwachsene sich mit ihm beschäftigen. In diesem Zusammenhang beschreibt Smith die Wichtigkeit vom engen körperlichen Kontakt, wie der Berührung, dem Halten oder der Umarmung. Diese sind „für das Wohlbefinden eines Kindes von grundlegender Bedeutung. […] doch auch größere Kinder bedürfen der beruhigenden Wohltat einer Umarmung […]“ (Vgl. Smith 1999, S. 20). Inwieweit Umarmungen oder ähnliche körperliche Zuwendungen auf einer Kinderstation angebracht sind, liegt im Ermessen der einzelnen Kinderkrankenschwester.

2.4.2.2. Stabilität

Kinder benötigen Zutrauen zu Erwachsenen, und dies wird durch Stabilität entwi- ckelt. Ereignisse werden voraussehbar, geben Sicherheit und verringern damit Angst machende Faktoren. Stete Veränderungen wirken auf ein Kind irritierend. Reagiert einer Bezugsperson nicht oder nur unzulänglich auf die Ängste des Kin- des, wird es unsicher und überängstlich (Vgl. Nickel et al. 1991, S. 55). Darüber hinaus identifiziert sich ein Kind mit einer Bezugsperson und versucht, sie nach- zuahmen (Vgl. Nickel et al. 1991, S. 80). Dieses Nachahmungs- oder Imitations- lernen (Vgl. Mary Jones 1924) ist da von Nutzen, wo ein Kind durch Beobachtung eines anderen lernt, vor Personen, Dingen, Situationen etc. keine Angst haben zu müssen.

2.4.2.3. elterliche Fürsorge

Fürsorge muss sich bei Eltern in einer Balance halten. Auf der einen Seite brau- chen Kinder Zuwendung, auf der anderen Seite wollen sie aber keine Eltern, die sich ihnen als Freunde geben. Mit der notwendigen Distanz würdigen Erwachse- ne die wachsende Unabhängigkeit von Kindern. Allerdings darf das Kind nicht den Eindruck gewinnen, es sei den Bezugspersonen gleichgültig: „Dies bedeutet für die Eltern, dass sie das Drängen des Kindes nach Selbständigkeit unterstüt- zen, ohne das Bedürfnis nach Abhängigkeit zu übersehen.“ (Vgl. Smith 1999, S. 22)

2.4.3. Bedürfnis nach Wertschätzung

Kinder wollen, dass ihre Gefühle von Traurigkeit, Zorn, Angst und Furcht weder angezweifelt, verkleinert oder ignoriert werden. Wenn Kinder in ihren Gefühlen respektiert werden, wissen sie, dass für ihr Gegenüber alles mit ihnen Zusam- menhängende von Interesse ist. Kinder wollen auch unabhängig und frei sein; dies steht aber oft im groben Gegensatz zur relativen Unbeweglichkeit und Ab- hängigkeit des Krankenhausalltages und provoziert in der Konsequenz eine re- signativ-passive Haltung der Patienten (Vgl. Hondrich, K.O. 1975, S. 26).

2.4.4. Bedürfnis nach Selbstverwirklichung

In der Alltagsprache meint Selbstverwirklichung: Realisierung der eigenen Ziele, Sehnsüchte und Wünsche. Unter Miteinbeziehung der individuell gegebenen Talente steht das Übergeordnete Ziel, „das eigene Wesen völlig zur Entfaltung zu bringen“ (Vgl. Nickel et al. 1991, S. 80). Ziele, Sehnsüchte und Wünsche haben Kinder auch - oder besonders - während eines stationären Krankenhausaufent- haltes. Der Wunsch, wieder gesund zu werden, zurück in den Mittelpunkt der Familie zu können und sein Leben in Kindergarten, Schule oder Ausbildung wei- terführen zu können, steht über allen anderen Bedürfnissen der Maslowschen Bedürfnispyramide.

Nach der Darstellung der geistigen Bedürfnisse eines Menschen und deren Bedeutung für seine Entwicklung soll noch das körperliche Bedürfnis nach Bewegung dargestellt werden. Wenn auch alle anderen körperlichen Bedürfnisse erwähnenswert sind, sieht der Autor im Bedürfnis nach Bewegung besondere Priorität. Während der Beobachtungen fiel ihm regelmäßig auf, dass Kinder trotz guten Allgemeinzustandes unter Bewegungsmangel litten. Wenn dies auch europaweiter Trend ist, bleibt es im Hinblick auf Möglichkeiten, Kindern ihrem Bewegungsdrang nachgehen zu lassen, nicht nachvollziehbar.27

2.4.5. Das Bedürfnis nach Bewegung

Kinder besitzen von Geburt an einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Diese Be- wegung dient ihrer gesunden körperlichen Entwicklung. Auch geistige, emotiona- le und soziale Entwicklung werden durch Bewegung entfaltet (Vgl. Krombholz)28.

Im Alter von vier und fünf Jahren zeigt sich bereits ein ausgeprägtes Leistungs- bewusstsein (Vgl. Nickel et al. 1991, S. 38). Der Gleichgewichtsinn ist mit fünf Jahren gut entwickelt. In der frühen Kindheit erfolgt eine zunehmende Vervoll- kommnung der Grundfertigkeiten bei gleichzeitiger Modifizierung und Entwick- lung neuer Fertigkeiten. Ab dem 6. Lebensjahr werden sie verfeinert, flüssiger und besser kontrolliert (Vgl. Krombholz)20. Die Entwicklung der Körpermotorik verläuft bei Jungen und Mädchen weitgehend ähnlich (Vgl. Vogt 1981, zitiert aus Nickel et al. 1991, S. 40).

Bewegung und Sport werden aus entwicklungsbiologischer und - psychologischer Sicht als unverzichtbare Bestandteile der Erziehung des Kindes angesehen. Daneben sind sie Ausdruck seiner natürlichen Lebensfreude, dienen dem Wohlbefinden und der Förderung des allgemeinen Gesundheitszustandes (Vgl. Krombholz).

Die Sport- und Bewegungswissenschaft empfiehlt zum Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit für Erwachsene dreimal pro Woche eine körperliche Belastung von ca. 45-60 Minuten. Für Kinder dagegen liegt die notwendige Belastung bei täglich zwei bis drei Stunden (Vgl. Breithecker)29.

Werden Kinder am Ausleben ihres Bewegungsdranges gehindert, kommt es zu Beeinträchtigungen in der körperlichen, geistigen und seelisch-emotionalen Entwicklung. Breithecker führt Veränderungen des kindlichen Lebensstiles auf, die eine altersgerechte und körperliche Entwicklung hemmen: weniger werdende Spiel- und Bewegungsräume, angeleitete Aktivitäten („verplante Kindheit“), „sta- tisch passiv sitzende“ Haltung in der Auseinandersetzung mit den multimedialen Angeboten einer Spiel- und Informationstechnologie, weniger werdende Spiel- partner, Überbehütung durch verunsicherte Erwachsene. Haug-Schnabel (Vgl. Haug-Schnabel 2003, Internet) führt dieser Liste einengender Faktoren noch die starren institutionellen Vorgaben, etwa in Kindergärten und Schulen an.

Folgen mangelnder Bewegung sind Lernstörungen in der Schule, Haltungsstörungen, Wahrnehmungs- und Koordinationsstörungen, emotional-soziale Störungen und Verhaltensstörungen (Vgl. Breithecker 2005, Internet)20, resignierte Bewegungsunlust (Vgl. Haug-Schnabel 2003).

Im Appell zugunsten einer gesunden kindlichen Entwicklung fordern Be- wegungswissenschaftler: Umdenken im persönlichen Umgang mit kindlichen Bewegungswünschen und Neugestaltung der Bewegungsumwelt in Form von humanökologisch orientierten Spiel- und Bewegungslandschaften.

Ein Kind, das seinen Bewegungsdrang ausleben kann, fühlt sich wohler, befriedigt und bereit für neue Aktivitäten. Es ist in der Lage konzentrierter nachzudenken, vertiefter zu lesen, auf andere zuzugehen und es kann aufkommende Langeweile mit Ideen besiegen (Vgl. Haug-Schnabel 2003).

Daher ist es unerlässlich, dass auch stationär aufgenommenen Kindern Bewegungsmöglichkeiten angeboten werden. Spannungen zwischen Eltern und Kindern aufgrund zu lauten Spielens gäbe es viel weniger, weil sich die Kinder draußen an der frischen Luft austoben könnten. Möglicherweise sind sich die mit aufgenommenen Eltern nicht sicher, inwieweit Kinder aufgrund ihrer Krankheit laufen und spielen können. Daher sollte regelmäßig eine Ermutigung seitens der Kinderkrankenschwester erfolgen, mit dem Kind spazieren zu gehen, zu spielen etc.

2.5. Umgang mit kindlichen Bedürfnissen

2.5.1 Kommunikation im Umgang mit Bedürfnissen

Um Defizite auf der Bedürfnisebene über Signale erkennen zu können, bedarf es eines ausgeprägten Einfühlungsvermögens durch Kinderkrankenschwestern. Ist diese Fähigkeit, sich in die Gefühls- und Gedankenwelt eines anderen Menschen hineinversetzen zu können, vorhanden, bedeutet sie einen Erfolgsfaktor für gelungene Pflege, der durch Patienten aller Altersstufen honoriert wird (Vgl. Perschke-Hartmann, Ch. 2001, S. 43).

Dieses Einfühlungsvermögen ist umso wichtiger im Hinblick auf potentielle Anpassungsstrategien (Coping)30, die eine Bedürfnismitteilung unterdrücken kön- nen. Die Bedürfnisse werden nicht mehr erkannt, können aber trotzdem die menschliche Entwicklung bzw. das menschliche Sein auf ungünstige Weise be- einflussen. Hier seien die Strategie der Abdichtung und die Strategie der perso- nalen Veränderung (Vgl. Hondrich 1975, S. 35) genannt, die Folge einer „Um- weltveränderung“, etwa eines Krankenhausaufenthaltes, sein können. Beide An- passungsstrategien setzen das Unvermögen voraus, etwas an seiner Situation ändern zu können. Entweder schottet der Mensch sich ab (Abdichtung) und sperrt sich gegen seine Wahrnehmung, oder er schränkt seine Bedürfnisse ein oder zieht sich auf eine frühere Stufe der Befriedigung (Regression) zurück (per- sonale Veränderung).

Intensive Kommunikation zwischen Kinderkrankenschwester und Kind bietet die Möglichkeit, besondere Bedürfnisse beim Kind zu erkennen und durch Handeln etwa den Rückfall auf eine frühere Entwicklungsstufe zu vermeiden. So ist es von besonderer Bedeutung, dass Kinderkrankenschwestern Botschaften und Signale von Kindern wahrnehmen und diese auch zwischen den Zeilen zu deuten wissen. So kann das alltägliche „Nörgeln“ oder „Jammern“ ein Hilferuf sein, das Bedürfnis nach Zuwendung und Anteilnahme zu stillen (Vgl. Hartwanger 2002, S. 45).

2.5.2. Geschichtlicher Rückblick

Empfindungen und Bedürfnisse standen nicht immer im Mittelpunkt pflegerischen und ärztlichen Handelns. Welche überlebenswichtige Bedeutung kindliche Be- dürfnisse und deren Befriedigung spielen, zeigt die bereits 1895 gewonnene Er- kenntnis in der Kinderklinik der Berliner Charité zur Trennungserfahrung von Kin- dern und Müttern und der damit verbundenen hohen Kindersterblichkeit: Die Kin- der konnten nur dadurch gerettet werden, sie möglichst bald wieder in ihre Fami- lien zurückzugeben (Vgl. Biermann 1982, S. 47); denn sie „lagen in den Sälen zwischen den Erwachsenen, bis zu acht Kinder in einem Bett […]“ (Vgl. Geiger 1986, zitiert in: Hoehl et al. 2002, S. 4). Ein Ende dieser ‚nicht länger tragbaren Sitte’ begann 1802 mit dem ersten Kinderkrankenhaus für zwei- bis fünfzehnjäh- rige Kinder. Schon 1850 existierten in Europa 30 Kinderkliniken (Vgl. Catel 1983, S. 7f).

Ende des 19./20. Jahrhunderts entsteht der Beruf der Kinderkrankenpflege. Erstmals stehen weniger heilkundliche Interessen im Vordergrund als vielmehr „die Milderung von sozialer, physischer und psychischer Not der Armen und Hilfsbedürftigen, also für verwaiste und unerwünschte, und weniger kranke Kinder“ (Vgl. Hoehl et al. 2002, S. 4).

Anfang der 1960er Jahre veröffentlicht ein Schweizer Kinderarzt, Paul Nef, seine „psychohygienischen Reformgedanken“ zur täglichen Besuchszeit wie zur Mitaufnahme von Müttern erkrankter Kinder (Vgl. Becher 1980, S. 29). Als im Jahre 1969 das erste Krankenhaus in München31 die Mitaufnahme von Müttern erkrankter Kinder anordnete32, erhob sich gegen diese psychohygienischen Re- formen an deutschen Kinderkliniken heftiger Widerstand. Dieser gipfelten in der Aussage eines namhaften Chefarztes, „er habe noch kein Kind gesehen, das aus seelischen Gründen gestorben sei (Vgl. Becher 1980, S. 29). Seine Bedenken, daß[!] auf diese Anordnung hin alle Schwestern kündigen würden, bestätigten sich allerdings nicht“ (Vgl. Biermann 1982, S. 55). Auch Kinderkrankenschwestern äußerten ernsthafte Bedenken. So könnten Eltern Infektionen „einschleppen“, Ärzte und Schwestern durch Fragen Ärzte und Schwestern belasten oder Schwestern durch die mütterliche Mitarbeit „arbeitslos“ machen. Die in der Jenaer Universitäts-Kinderklinik kurz zuvor eingeführte offene Besuchszeit wirkte sich auf den Genesungsprozess der Kinder „positiv“ aus, wurde aber trotzdem lange Zeit ambivalent betrachtet (Vgl. Elendt 1992, S. 105).

Da aber schon früh der „leibliche Verfall des Kindes“ durch die Trennung des Kindes von der Mutter beobachtet wurde, prägte sich der Begriff der „psychi- schen Intoxikation“33 und „Inanition mit Marasmus“34 (Vgl. Spitz 1968, S. 875). Aufgrund dieser Beobachtungen beschäftigte sich John Bowlby auf wissenschaft- lichem Niveau ab Mitte des vergangenen Jahrhunderts ausführlicher mit Bin- dungstheorien: 1969 (Bindung), 1973 (Trennung) und 1980 (Verlust) (Vgl. Suess 2001, S. 29).

Schon bald nach Einführung von ausgedehnten Besuchszeiten und der Mitaufnahme von Müttern kranker Kinder wurden erste „fruchtbare Ansätze“ für den Genesungsprozess erkannt, sodass viele Kinderkliniken nachzogen. Aller- dings wurde der Begriff des Besuchs von Eltern breit ausgelegt; auch von Man- gelzuständen diesbezüglich wurde berichtet: „Hierzu gehörte an erster Stelle der „Scheibenbesuch“, daß[!] Eltern lediglich auf dem Gang stehend durch eine Fensterscheibe Kontakt zu ihrem Kind aufnehmen können, was für jedes Kind […] eine erhebliche Versagung bedeutet.“ - In fortschrittlicheren Kinderkliniken gehörten schon bald „heilpädagogische Hilfskräfte“, wie heilpädagogisch ge- schulte Sonderlehrer und Psychotherapeuten, zum psychischen Beistand kranker Kinder (Vgl. Becher 1980, S. 32). Diese und viele andere Verbesserungen sind dem Aktionskomitee „Kind im Krankenhaus“, namentlich Gabriele Braun und Irm- gard Volkers mit ihrem unermüdlichen Einsatz in Form von Bürgerinitiativen und -aktivitäten zu verdanken.

2.5.3. Das Verständnis von Sorge und Pflege nach Benner und Wrubel

Pflegetheorien bereichern zudem wissenschaftliche Erkenntnisse um physische und psychische Belange und Mangelzustände von PatientInnen. Sie helfen Pfle- gekräften, menschliche Empfindungen und Bedürfnisse über die Kommunikation zu erkennen, Lösungen zu finden und sie gemeinsam mit dem Patienten umzu- setzen. Mit Pflegetheorien soll die Bereitschaft geweckt oder vertieft werden, die Sinne für die Bedürfnisse von PatientInnen zu sensibilisieren. Dieses Verständnis von Sorge und Pflege stammt aus der Pflegetheorie von Patricia Benner und Judith Wrubel.

Ein ideales Verständnis aus Sorge und Pflege baut auf Expertenwissen, welches sich sowohl aus angelerntem Fachwissen als auch aus praktischer Erfahrung im Umgang mit Kranken und ihren Bedürfnissen zusammensetzt (Vgl. Rennen-Allhoff et al. 2000, S. 434).

Sorgende Haltung geschieht über die Bindung zwischen Pflegekraft und PatientIn. Diese Bindung vergleicht Benner mit einer Beziehung zwischen Eltern und Kindern oder zwischen zwei guten Freunden. So wird der Pflegekraft deutlich, was dem Patienten wichtig oder ihn anstrengt und welche Optionen der Bewältigung in seinem ganz persönlichen Fall zur Verfügung stehen.

Diese Haltung kann mit allzu großer emotionaler Nähe zum Patienten verwechselt werden. Diese „dysfunktionale emotionale Nähe“ schafft eine zu große Identifikation und führt mittelfristig zum Burn-out-Syndrom (Vgl. Arets et al. 1999, S. 19). Auf der anderen Seite bedeutet totale Abgrenzung den Zustand von Anomie35 und ist frei von jeder Bindung. Die Einhaltung sog. beruflicher Neutralität wurde noch in den Pflege-Lehrbüchern der sechziger Jahre gelehrt und ist kontraproduktiv zu Pflegeprozess und fürsorgender Pflege.

Die sorgende Haltung Benners meint keine „allzu große Gemeinschaft“ sondern eher „das richtige Gleichgewicht zwischen (emotionaler) Nähe und ei- nem bestimmten Maß an Distanz“ (Vgl. Arets et al. 1999, S. 17), also der An- spruch, über die Emotionen den Menschen als Menschen ernst zu nehmen (Vgl. Ulich 1989, S. 86). Diese „funktionale emotionale Nähe“, „die zu Respekt, Empa- thie und Echtheit fähig ist, fördernde Maßnahmen ergreifen kann und in der Lage ist sich abzugrenzen, damit der Patient unterstützt wird“ (Vgl. Arets et al. 1999, S. 17), ist nach Benner wesentliche Voraussetzung einer jeden erfolgreichen Bewäl- tigung. Erst die Sorge schafft Wege, mit einer bestimmten Situation umzugehen. Innerhalb des pflegeethischen Denkens wird dieses Verständnis von Sorge auch als „Nachdenken über verantwortliches Handeln im Rahmen der Berufsaus- übung“ bezeichnet (Lay 2004, S. 75). Pflegekräfte, die Pflege auf dieser Kompe- tenzstufe ausüben, werden von Benner als Pflegeexperten36 bezeichnet (Vgl. Rennen-Allhoff et al. 2000, S. 790).

Durch diese sorgende Haltung wird eine Pflegeexpertin in die Lage ver- setzt, Probleme wahrzunehmen, potentielle Lösungen zu erkennen und daraus entwickelte Strategien praktisch umzusetzen. Für Eltern [und Kinderkranken- schwestern]37, die sich auf zwischenmenschliche Bindungen zwischen ihnen und dem Kind stützen können, ist es leichter, ihre spezifischen Bedürfnisse zu erken- nen und adäquat auf sie einzugehen (Vgl. Benner et al. 1997, S. 24).

Benner und Wrubel kommen zum Schluss, dass kompetente Pflege erst durch eine sorgende Haltung effektiv wird. Auf dieser Basis ist es der Pflegenden möglich, selbst subtile Anzeichen von Verbesserung oder Verschlechterung wahrzunehmen. Diese Feinfühligkeit unterstützt das Erkennen von kindlichen Empfindungen, mögen ihre Signale auch noch so schwach sein.

2.6. Fazit zum theoretischen Rahmen

Bedürfnisse von Kindern manifestieren sich auf den verschiedenen nach Maslow dargestellten Ebenen. So individuell ein Kind ist, so unterschiedlich können kind- liche Bedürfnisse sein und sich manifestieren. Jedes Kind empfindet Pflegesitua- tionen oder solche von Behandlung und Untersuchung auf andere Weise und mit unterschiedlicher Intensität. Daher sollte für Kinderkrankenschwestern oder Ärzte neben ihrem pflegetechnischen oder medizinischen Sachverstand die Beobach- tung des Kindes Vorrang haben. So lässt sich herausbekommen, ob bestimmte Situationen für das Kind mit angenehmen oder unangenehmen Empfindungen verbunden sind. Unangenehme Situationen sollten möglichst zeitnah erkannt werden mit dem Ziel eine pädagogisch sinnvolle Lösung zu finden, damit das Kind nicht unnötigerweise zu lange unter einem Bedürfnismangel leidet.

Bleiben Bedürfnisse unerkannt, können Entwicklungsstörungen wie Misstrauen, Deprivation, Überängstlichkeit etc. zu einem nicht wieder gutzumachenden Dauerzustand eines Menschen werden.

Daher sollte das Hauptziel von Kinderkrankenschwestern und Ärzten das innere und äußere Wohl des Kindes sein. Hierbei ist hinzunehmen, dass Dinge, die zum Wohle des Kindes entschieden werden, nicht als angenehm empfunden werden, wie es die Erläuterungen zum Bedürfnis nach Bewegung gezeigt haben.

3. Darstellung der Beobachtungen

3.1. Die Beobachtungen, dargestellt nach den Lebensaktivitäten von N. Ro- per

Im Folgenden werden die Ergebnisse der Beobachtungen und des Interviews eines Berliner Krankenhauses38 dargestellt. Die beobachteten Aspekte wurden in die hierzulande weit verbreiteten (Vgl. Rennen-Althoff 2000, S. 340) zwölf Le- bensaktivitäten nach N. Roper (Vgl. Hoehl et al. 2002, S. 53) eingeordnet39. Zwar wurden die von Roper 1993 entwickelten Lebensaktivitäten (LA) unter dem Beg- riff „Aktivitäten und Existenziellen Erfahrungen des Lebens (AEDL)“ weiterentwi- ckelt (Vgl. Rennen-Althoff 2000, S. 92), haben aber weiterhin Bedeutung in zu- mindest einem sehr gebräuchlichen Lehrbuch der Kinderkrankenpflege40. Dieser Bezug zur aktuellen Ausbildung war dem Autor wichtig, weil der Leser zum einen die Möglichkeit hat, durch Querverweise dieser Diplomarbeit auf theoretische Grundlagen zurückgreifen zu können. Zum anderen wird die aus der Methode der Beobachtung geforderte Nachvollziehbarkeit für einzelne relevante Aspekte unterstützt.

[Anmerkung: Die Zitate sind in den im Anhang befindlichen Beobachtungen (A bis F) nachzulesen. Dazu ist jeweils die Zeilenangabe (Z) an das Ende des Zitates angefügt worden.]

3.2.1. Lebensaktivität “Für eine sichere Umgebung sorgen“

Die Sorge um Sicherheit ist ein Merkmal, das den Menschen sein gesamtes Leben begleitet (Vgl. Hoehl et al. 2002, S. 390). Sicherheit ist nach Maslow das wichtigste Grundbedürfnis eines Menschen (Vgl. Smith 1999, S. 18ff). Ein Faktor, der nach Hoehl die Sicherheit beeinflusst, ist die Angst.

3.2.1.1. Angst vor pflegerischen/ärztlichen Maßnahmen

Angst ist ein ständiger Begleiter des Kindes während des Krankenhausaufenthal- tes. Wichtig ist, dass Pflegekräfte Angstsituationen erkennen und dem Kind Mög- lichkeiten vermitteln, sie zu überwinden.

[...]


1 Vgl. § 135a Sozialgesetzbuch V.

2 In diesem Zusammenhang: quantitativ: Fragebogen; qualitativ: Interview. 6

3 Da ein Vielfaches mehr an Kinderkrankenschwestern als -pfleger auf Kinderstationen tätig ist, wird im Folgenden der Begriff „Kinderkrankenschwester“ genutzt.

4 Abkürzung für: Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen. 8

5 (1) Völlige Identifikation mit dem Feld, (2) Teilnehmer als Beobachter, (3) Beobachter als Teilnehmer, (4) reiner Beobachter ohne Interaktion mit dem Feld (vollständige Beo- bachtung).

6 Beobachtet wurde etwa die Lage des intravenösen Zugangs, um zu sehen, ob auch diese Kinder durch ungünstige Lage behindert wurden.

7 Vgl. www.familienhandbuch.de/cmain/f_Fachbeitrag/a_Kindheitsforschung/s_940.html

8 Ein zehnjähriges Mädchen begründete ihre Absage auf die Nachfrage, sie beobachten zu dürfen mit dem Ausruf: „Ich bin doch kein Affe in Afrika!“

9 Morgens leiden die Kinder erfahrungsgemäß weniger unter Langeweile, weil Untersu- chungen und Behandlungen anstehen oder Schulunterricht und Spieltherapie angeboten werden.

10 Das zusätzliche Material ergab sich aus Fachliteratur (Lehrbücher der Kinderkrankenpflege) und Expertenwissen des Forschers.

11 Siehe Anhang, Kapitel 10.

12 DIMDI: http://www.dimdi.de/dynamic/de/index.html; CareLit: http://www.carelit.de/; Medline: http://www.medline.de/; PubMed: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?CMD=search&DB=pubmed.

13 Vgl. Hockenberry 2005; Holoch et al. 1999; Hoehl et al. 2002.

14 Diese Erkenntnisse gewann der Autor durch das Telefongespräch mit einer leitenden Mitarbeiterin des AKIK.

15 Die Mitaufnahme von Eltern begann in den 1970er Jahren erst zögerlich und hielt routinemäßig erst in den 1980er Jahren Einzug.

16 Eine Objektivierung ist daher vonnöten, weil Konsequenzen aus einem Fragebogen die Allgemeinheit der Patienten betreffen.

17 Während der Beobachtung wussten die Kinder nicht, weshalb sie beobachtet wurden. Dies erschloss sich ihnen erst im Interview.

18 Diese Theorie spezifiziert nicht, ob es sich bei der Untersuchungsgruppe um Kinder oder Erwachsene handelt.

19 Kindliche Empfindungen werden besser durch das Instrument der Beobachtung er- forscht, weil sie ihnen durch Mimik, Gestik und Verhalten besser Ausdruck verleihen als durch das Gespräch, etwa in Form eines Interviews. Auf diese kindliche „Sprachbarriere“ wird noch im Kapitel „Die offene teilnehmende Beobachtung“ eingegangen.

20 Diese Empfindungen sind ein „Widerfahrnis“, d.h. es handelt sich um Ereignisse, die wir nicht beeinflussen können. (Wilhelm Kamlha).

21 Die Priorität von Sicherheit über Spielzeug wird auch nicht durch die Tatsache ge- schmälert, dass Kindern von Eltern oft eine „Belohnung“ versprochen wird, wenn sie bei- spielsweise bei schmerzhaften Eingriffen kooperieren. Auch hier steht das Gefühl von Sicherheit im Vordergrund, da Eltern dem Kind im Wissen um seinen Schmerz Nähe und Sicherheit vermitteln.

22 In der Regel sind Eltern die unmittelbaren Bezugspersonen eines Kindes. Oft sind es aber auch andere Menschen, die ein Kind zu seinen unmittelbaren Bezugspersonen zählt, wie Großeltern, Paten, Freunde, etc. Im Folgenden wird aber der Einfachheit halber von „Eltern“ gesprochen, wenn es um die Bezugsperson eines Kindes geht.

23 Neben der Trennung von Bezugspersonen führt auch ein Mangel an Reizen und Erfahrungen, die normalerweise für das Kind ein Ergebnis seiner Beziehungen mit der Umwelt sind, zur Deprivation.

24 Gesteigertes Bedürfnis nach Nähe zu einer Bezugsperson.

25 Primitive Reaktionen werden infolge aller Entdeckungen des Kindes komplizierter […] Reden und Handeln der Anderen lässt seine Sensibilität für das Unbekannte und die Zufälle erwachen.

26 Bedürfnis nach Selbstverwirklichung.

27 Das Krankenhaus liegt an einem großen Wald und bietet auch sonst viele Auslauf- und Spielflächen.

28 Vgl.: http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_kindliche_entwiclungs/s_644.htnl.

29 Vgl.: http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_kindliche_entwiclungs/s_596.html.

30 Grundsätzlich ist eine Copingstrategie eine natürliche psychische Reaktion auf ein kritisches Ereignis, für das es keine andere Lösung mehr gibt. Wenn das Problem aber auch ohne Copingstrategie gelöst werden kann, ist dieser Weg zu bevorzugen.

31 Das 1966 neu errichtete städtische Kinderkrankenhaus München-Harlaching wurde speziell zum Mutter-Kind-Krankenhaus bestimmt.

32 Zur Förderung des Stillens wurde bereits in den 50er Jahren in Mainz und Würzburg das rooming-in (i.d.R. zeitweilige Unterbringung des Neugeborenen im Zimmer der Wöchnerin) eingeführt.

33 Vergiftung.

34 Hungerzustand aufgrund eines Kohlenhydratemangels. 33

35 Nicht-Sorge.

36 Stufen der Pflegekompetenz nach Benner: a) fortgeschrittener Anfänger b) kompetente Pflegende c) erfahrene Pflegende d) Pflegeexpertin.

37 Anmerkung vom Autor.

38 Krankenhaus der Grundversorgung.

39 Der Versuch, die beobachteten Aspekte in die EACH-Charta (Rechte für Kinder im Krankenhaus) einzusortieren und daran die Ergebnisse darzustellen, scheiterte. Einige Aspekte, etwa die Miteinbeziehung von Kindern in den Pflegeprozess, hätten nicht untergebracht werden können. Dies war unter Zuhilfenahme des Abhängigkeits- /Unabhängigkeitskontinuum v. Roper leichter darzustellen.

40 S. Hoehl, Lehrbuch der Kinderkrankenpflege. 36

Ende der Leseprobe aus 177 Seiten

Details

Titel
Der Umgang mit Empfindungen von Kindern im Krankenhaus. Ein Modell zur Erfassung kindlicher Bedürfnisse
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
177
Katalognummer
V76547
ISBN (eBook)
9783638742825
ISBN (Buch)
9783638743044
Dateigröße
1629 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Auszug aus dem Gutachten zu dieser Diplomarbeit: Die wissenschaftliche Leistung von Herrn Weber liegt insbesondere in der Exploration des Feldes, der fundierten Durchführung der teilnehmenden Beobachtung und den ergänzenden Interviews, bei der er aufgrund ihrer sozialen Kompetenz viele wertvolle Hinweise für die Pflegepraxis extrahieren konnte, in der akribisch durchgeführten Auswertung der teilnehmenden Beobachtung und der Interviews und den daraus gewonnenen aussagekräftigen Ergebnissen. Es ist ihm eindrücklich gelungen, die Datenmenge zu klaren, nachvollziehbaren Aussagen [...]
Schlagworte
Umgang, Empfindungen, Kindern, Krankenhaus, Modell, Erfassung, Bedürfnisse
Arbeit zitieren
Alexander Weber (Autor), 2007, Der Umgang mit Empfindungen von Kindern im Krankenhaus. Ein Modell zur Erfassung kindlicher Bedürfnisse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76547

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