1997 – Das Jahr, in dem die Kinder- und Jugendliteratur um einen Meilenstein der besonderen Art erweitert wurde. Der erste Band der Harry-Potter-Romane „Harry Potter und der Stein der Weisen“ hält Einzug in die Buchläden der ganzen Welt. Bis zum Erscheinungszeitpunkt dieser Arbeit sind vier Bände der Geschichte um Harry Potter erschienen und weltweit verkauften sie sich ungefähr 112 Millionen mal, davon in Deutschland allein mehr als 11 Million mal. Seitdem sind die vier Bände in diversen Bestsellerlisten auf den vordersten Plätzen zu finden. Ein etwa vergleichbarer Erfolg lässt sich nur in den 70er Jahren bei Tolkiens „Herr der Ringe“ finden. Als eine Konsequenz dieses Erfolgs beschäftigen sich Kritiker, Pädagogen, Literaturwissenschaftler, Medien, die Kirche und auch Eltern mit der Wirkung und dem Einfluss der Harry-Potter-Romane auf die Erziehung und Sozialisation der Kinder und Jugendlichen.
Ein Boom, wie ihn diese Bücher ausgelöst haben, bedarf immer einer detaillierten Betrachtung und Analyse. Allerdings lassen sich noch keine professionellen Abhandlungen zu dieser Thematik finden. Das Internet oder Zeitschriften als populärwissenschaftliche Plattformen für Diskussionen, in denen der Inhalt und Wert der Harry-Potter-Romane analysiert werden, erscheinen mir da als nicht ausreichend, obgleich ich mich gelegentlich auch auf Angaben der Zeitschrift „Spiegel“ beziehe.
Um eine fundierte Bestätigung oder auch Widerlegung meiner Theorien über die Einflussmöglichkeiten der Harry-Potter-Romane auf Erziehung und Sozialisation von Kindern und Jugendlichen zu erlangen, habe ich mich eines von mir erarbeiteten Fragebogens für Schüler bedient. Den Rahmen dieser Arbeit bildet zudem die Auseinandersetzung mit der Begriffsdifferenzierung von Kinder- und Jugendliteratur und deren Einfluss auf Erziehung und Sozialisation. Zusätzlich soll ein Überblick über die verschiedenen Genre von Kinder- und Jugendliteratur einen Einblick in das große Feld dieser Literaturgattung geben. Eine Ergänzung der Thematik dieser Arbeit wäre eine allgemeine Betrachtung bzw. ein Vergleich zur Nutzung anderer Medien durch Kinder und Jugendliche und deren Einfluss. Der Rahmen und die Eingrenzung des Themas ließen diese Betrachtungen jedoch nicht zu.
Inhaltsverzeichnis
1. Kinder- und Jugendliteratur – ein Überblick
1.1 Definitionen und Begriffsdifferenzierung
1.2 Zu den Gattungen der Kinder- und Jugendliteratur
1.2.1 Das Abenteuerbuch
1.2.2 Phantastische Kinder- und Jugendliteratur
2. Erziehung und Sozialisation
2.1 Begriffsklärung Erziehung
2.2 Begriffsklärung Sozialisation
2.3 Vergleich Erziehung - Sozialisation
3. Kinder- und Jugendliteratur in Erziehung und Sozialisation
3.1 Einfluss von Kinder- und Jugendliteratur auf Erziehung und Sozialisation
3.2 Zusammenhang: Definitionen von Kinder- und Jugendliteratur und Erziehung und Sozialisation
3.2 Autorentypen und ihre Intentionen
4. Einfluss der Harry-Potter-Romane auf Erziehung und Sozialisation
4.1 Kurzinhalt der Harry-Potter-Romane
4.2 Hypothesen: Einfluss der Harry-Potter-Romane auf Erziehung und Sozialisation
4.3 Aufbau des Fragebogens
4.4 Auswertung der Fragebögen
4.5 Vergleich: Ergebnisse der Fragebögen - Hypothesen
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den potenziellen Einfluss der Harry-Potter-Romane auf die Erziehung und Sozialisation von Kindern und Jugendlichen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob und in welcher Weise diese populäre Buchreihe als Medium der Wertevermittlung und Persönlichkeitsbildung fungiert.
- Grundlagen der Kinder- und Jugendliteratur sowie deren Gattungen
- Pädagogische Begriffe: Erziehung und Sozialisation im Vergleich
- Rolle des Autors als Erzieher und Vermittler von Werten
- Empirische Analyse des Leseverhaltens und der Rezeption der Harry-Potter-Romane
Auszug aus dem Buch
3.3 Autorentypen und ihre Intentionen
In der Kinder- und Jugendliteratur bedienen sich eine Reihe verschiedener Autorentypen unterschiedliche Mittel, um unterschiedliche Normen, Werte oder Erfahrungen zu vermitteln. In den einzelnen Epochen wurden ihnen somit andere Rollen zugeschrieben, die mit den Intentionen der jeweiligen Epoche mehr oder weniger konform gingen.
Der Begriff des Autoren als Erziehungsschriftstellers geht bis in das 18. Jahrhundert zurück. Die damalige Bedeutung dessen ist aber kaum noch mit der der neueren Zeit zu vergleichen. Autoren wie Basedow, Campe oder Salzmann erfüllten in den 70er Jahren des 18. Jhd. teilweise Rollen wie die des Theologen, Moralphilosophen und Erziehungstheoretikers. Diese Rollenzuschreibungen brachten ihnen die Anerkennung der aufgeklärten Gesellschaft (vgl. EWERS 2000, S. 157).
Die Mittel, mit denen ein authentisches Werk der damaligen Zeit geschaffen wurde, entsprangen dabei häufig einer Phantasie, d.h. einer biographischen Konstruktion des Autors. Solange diese Werke jedoch durch den Leser aber auch durch den Autoren selbst legitimiert worden waren, spielte das nur eine untergeordnete Rolle. Die Informationen, die für eine authentische Widergabe von Bedeutung waren, sammelten die Autoren in Gesprächen mit Kindern in erzieherischer Absicht z.B.: in welcher Tonlage mit Kindern zu reden ist, welche Stilmittel, welche Vergleiche angebracht sind, in welchem Maße Komik und Spannung einzusetzen sind usw.. Fragen nach Inhalten der Kommunikation oder wann und in welcher Reihenfolge bestimmte Normen und Wissensgebiete vermittelt werden können, ließen sich die Autoren z.B. von kirchlichen Autoritäten, Gelehrten, Philosophen, Wissenschaftlern etc. beantworten (vgl. EWERS 2000, S. 156).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kinder- und Jugendliteratur – ein Überblick: Einführung in die Begrifflichkeiten und Gattungen der Kinder- und Jugendliteratur.
2. Erziehung und Sozialisation: Definition und Vergleich der pädagogischen Grundbegriffe Erziehung und Sozialisation.
3. Kinder- und Jugendliteratur in Erziehung und Sozialisation: Analyse des Einflusses von Literatur auf die Wertevermittlung und Hineinwachsen in die Gesellschaft sowie Betrachtung verschiedener Autorentypen.
4. Einfluss der Harry-Potter-Romane auf Erziehung und Sozialisation: Darstellung des Inhalts der Romane und empirische Untersuchung des Einflusses mittels Fragebogenauswertung bei Schülern.
5. Schlussbetrachtungen: Zusammenfassende Einschätzung der Rolle von Literatur als Medium und Fazit zur Harry-Potter-Rezeption.
Schlüsselwörter
Harry Potter, Kinderliteratur, Jugendliteratur, Erziehung, Sozialisation, Wertevermittlung, Rezeption, Fragebogen, Identifikation, Lektüre, Medienpädagogik, Phantastik, Abenteuerliteratur, Sozialisationsinstanzen, Jugendlektüre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Kinder- und Jugendliteratur, insbesondere der Harry-Potter-Reihe, und deren Einfluss auf die Erziehung und Sozialisation junger Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Neben theoretischen Grundlagen zur Literaturpädagogik werden die Begriffe Erziehung und Sozialisation differenziert sowie die Rolle von Autoren in verschiedenen Epochen analysiert.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Wirkung und den Einfluss der Harry-Potter-Romane auf die Wertevermittlung und die persönliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu untersuchen und empirisch zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quantitative Forschungsmethode in Form einer schriftlichen Befragung von 70 Gymnasiasten, die mittels eines standardisierten Fragebogens ausgewertet wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Literatur und Erziehung sowie eine empirische Untersuchung, die Hypothesen über die Harry-Potter-Romane an der Realität der Schüler testet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Harry Potter, Sozialisation, Wertevermittlung, Jugendlektüre und Identifikation beschreiben.
Warum ist die Identifikation mit Harry Potter für die Sozialisation relevant?
Die Identifikation mit der Hauptfigur ermöglicht es jungen Lesern, Lösungswege für eigene Probleme zu finden und sich mit menschlichen Werten wie Freundschaft und Hilfsbereitschaft auseinanderzusetzen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der "Regelverstöße" in den Büchern?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Regelverstöße von Harry Potter nicht zur Nachahmung animieren, da der altruistische Zweck des Handelns im Vordergrund steht und die Leser den Kontext der Hilfe für Freunde erkennen.
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- Antje Brachmann (Autor), 2002, Kinder- und Jugendliteratur in Erziehung und Sozialisation anhand der Harry-Potter-Romane, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7661