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Wirtshäuser als kommunikative Knotenpunkte in den Reisebeschreibungen frühneuzeitlich Reisender

Titre: Wirtshäuser als kommunikative Knotenpunkte in den Reisebeschreibungen frühneuzeitlich Reisender

Dossier / Travail , 2007 , 31 Pages , Note: 2,0

Autor:in: Jasmin Ruge (Auteur)

Histoire - Divers
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In einer Reisebeschreibung des späteren Arztes Jung-Stilling heißt es:
„Nicht weit vom Ufer war ein Wirtshaus, Stilling mit seinen Kameraden ging da hinein und in die Stube, welche voller Stroh gespreitet war. Dort in der Ecke lag ein vortrefflicher ansehnlicher Mann. Eine Strecke von demselben ein Soldat. Wieder einen Schritt weiter ein junger Mensch, der einen versoffenen Kauz von Studenten so ähnlich sahe als ein Ei dem anderen. […] Der andre hatte sein Schnupftuch um den Kopf gebunden und den Soldatenrock über ´sich her und schnarchte. Der dritte lag da mit bloßem Haupt im Stroh, und ein englischer Frack lag quer über ihn her;[…] Hinten in der Ecke lag etwas, man wusste nicht, was es war,[…] nun entdeckt Stilling, dass es eine Gattung von Weibsmenschen war.“ Diese Beschreibung eines Wirtshauses von Jung-Stilling trifft in ihrer lebhaften Schilderung den Nerv der Zeit und wirft zugleich zahlreiche Fragen auf.
In einem Zeitalter der „Medienrevolution“, die durch den Bau von befestigten Straßen, der Entwicklung eines ausdifferenzierten Postsystems, der wachsenden Alphabetisierung und nicht zuletzt der Verbreitung von Zeitungen als Informationsquellen gekennzeichnet war, stellt sich zwangsläufig die Frage, welche Rolle ein öffentlicher Ort wie das Wirtshaus gespielt haben mag.
War es nur ein Ort, an dem sich die einheimische Bevölkerung zum abendlichen Trinkgelage eingefunden hat, oder fanden hinter der unscheinbaren Fassade eines Wirtshauses nicht vielmehr Kommunikationsprozesse zwischen den unterschiedlichsten sozialen Schichten ihren Anfang? Stellt man ferner in Rechnung, dass ein Zusammentreffen von verschiedenen Menschen nur durch die wachsende Mobilität und eine zunehmende Ausdifferenzierung der Verkehrsmittel möglich war, so ist die Gruppe der Reisenden als Gäste der Wirtshäuser von besonders hohem Interesse. Warum so viele Reisende der Frühen Neuzeit immer wieder Wirtshäuser besuchten, und welche Bedingungen sie dort vorfanden sind zentrale Fragen meiner Untersuchung. Um jedoch das Wirtshaus in den Kontext der oben erwähnten technischen und kommunikativen Veränderungen der Frühen Neuzeit einordnen zu können, muss hier zwangläufig die zentrale Frage nach der Rolle des Wirtshauses als kommunikativem und sozialem Zentrum im Zuge des zunehmenden Reiseverkehrs gestellt werden.
Vor diesem Hintergrund sollen die Reiseberichte von Reisenden des 18. Jahrhunderts einen Schwerpunkt der Arbeit darstellen. Die Fülle von Reiseberichten, die in dieser Zeit entstanden sind, veranlassten die Forschung zu einer breiten Diskussion um Probleme, die bei der Arbeit mit Reiseliteratur auftreten. Sie fragen nach den verschiedenen Reisetypen wie der Kavalierstour oder der Pilgerreise, aber auch der Einfluss geistesgeschichtlicher Strömungen auf die Reisenden sowie Frauenreisen werden problematisiert. Die genannten Aspekte sollen für diese Untersuchung allenfalls eine marginale Rolle spielen. Vielmehr sollen die Reiseberichte nach den Wirtshäusern des 18. Jahrhunderts befragt werden.
Die verwendete Methodik bedarf klärender Worte. Bevor ein gezieltes Augenmerk auf einige ausgewählte Reiseberichte gelegt werden kann, ist eine Beschäftigung mit der Bedeutung des frühneuzeitlichen Wirtshauses im Zuge des zunehmenden Reiseverkehrs unerlässlich. An dieser Stelle soll eine Auskunft über die Entwicklung des Wirtshauses in der Frühen Neuzeit bis zu dessen Funktion als Ort der Kommunikation für die Reisenden gegeben werden. Im Anschluss soll dem Leser ein orientierender Einblick in die Reisebeschreibungen frühneuzeitliche Reisender verschafft werden, um dann den Blick auf drei ausgewählte Reisebeschreibungen des 18. Jahrhunderts wenden zu können. Wie bereits oben angemerkt, brachte das 18. Jahrhundert eine Vielzahl von Reisebeschreibungen hervor. Daher muss an dieser Stelle der Untersuchung eine soziale Abgrenzung erfolgen, um einen möglichst differenzierten Blick auf die Rolle der Wirtshäuser für die Reisenden des 18.Jahrhunderts zu erhalten.
Aus diesem Grund habe ich mich dafür entschieden, den Reisebericht eines Schweizer Bauernsohnes, den der Pfarrerstochter Sophie Becker auf ihrer Reise als Gesellschafterin von Charlotte von der Recke sowie den eines englischen Gelehrten nach den Wirtshäusern des 18. Jahrhunderts zu befragen. Auf diese Weise werden die Wirtshausverhältnisse des 18. Jahrhunderts aus drei völlig konträren Blickwinkeln beleuchtet.
Den Abschluss der Untersuchung bildet ein Resümee, welches versucht, auf die hier aufgeworfenen Fragen unter Heranziehung der Untersuchungsergebnisse eine Antwort zu finden. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sollen schließlich die Aussagen der Reiseberichte über die Wirtshäuser auf deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede betrachtet werden.
In der Gesamtschau und Würdigung aller Ergebnisse der Arbeit, soll schließlich eine abschließende These darüber aufgestellt werden, wie groß die Bedeutung des Wirtshauses als kommunikatives Zentrum für die Reisenden tatsächlich war.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung des frühneuzeitlichen Wirtshauses im Zuge des zunehmenden Reiseverkehrs

2.1 Kurze Darstellung der Entwicklung des Wirtshauses in der Frühen Neuzeit

2.2 Bedeutung des Wirtshauses als Verpflegungs-und Übernachtungsstation für die frühneuzeitlich Reisenden

2.3 Bedeutung des Wirtshauses als kommunikatives und soziales Zentrum

3. Darstellung der Wirtshäuser in den Reisebeschreibungen frühneuzeitlich Reisender

3.1 Allgemeine Bemerkungen zu den Reisebeschreibungen frühneuzeitlich Reisender

3.2 Reisebeschreibung von Ullrich Bräker 1756

3.1.1 Zur Person Ullrich Bräkers

3.1.2 Darstellung der Wirtshausverhältnisse auf Bräkers Marsch von Berlin nach Pirna 1756

3.2 Reisebeschreibung von Sophie Becker aus den Jahren 1784 bis 1786

3.2.1 Hintergrund der Verfassung des Reisetagebuchs von Sophie Becker

3.2.2 Beschreibung der Wirtshäuser in Sophie Beckers Reisetagebuch

3.3 Thomas Nugents Reisen durch Mecklenburg

3.3.1 Zur Person Thomas Nugent

3.3.2 Wirtshausbeschreibungen in Nugents Reisebriefen

4. Resümee

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Wirtshauses als kommunikatives und soziales Zentrum während der Frühen Neuzeit, wobei insbesondere der Einfluss des zunehmenden Reiseverkehrs im 18. Jahrhundert beleuchtet wird. Die Forschungsfrage fokussiert darauf, welche Bedeutung Wirtshäuser als Orte des Austauschs, der Informationsverbreitung und der sozialen Interaktion für Reisende unterschiedlicher Herkunft hatten.

  • Entwicklung des frühneuzeitlichen Gastgewerbes
  • Die Funktion von Wirtshäusern als Verpflegungs- und Übernachtungsstationen
  • Soziale und kommunikative Dynamiken (face-to-face Kommunikation) in Wirtshäusern
  • Vergleichende Analyse von Reiseberichten (Ullrich Bräker, Sophie Becker, Thomas Nugent)
  • Wahrnehmung von Wirtshäusern aus unterschiedlichen sozialen und geschlechtsspezifischen Perspektiven

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Darstellung der Wirtshausverhältnisse auf Bräkers Marsch von Berlin nach Pirna 1756

Ullrich Bräker marschiert im Jahr 1756 als zur preußischen Armee rekrutierter Bauersohn von Berlin nach Pirna. Die Reisebeschreibung Bräkers enthält zahlreiche Hinweise darauf, welche Wirtshausverhältnisse Bräker auf seiner Reise antraf.

Besonders imposant beschreibt Bräker ein Wirtshaus namens „Hecht“ zu Beginn seiner Reise. „Wir kehrten beim Hecht ein und blieben da den ganzen Tag über. Alles gaffte mich an, als wenn sie noch nie einen jungen Tockenburger- oder Appenzeller gesehen hätten,[…] An allen Tischen hört ich da von viel Wohlleben und lustigen Tagen reden. Man setzte uns wacker zu trinken vor. Ich war des Weins nicht gewohnt und darum bald aufgeräumt und recht guter Dingen.“45 Offenbar wird Bräker von dem Publikum im Wirtshaus als Fremder und damit als Reisender wahrgenommen. An dieser Stelle lässt sich die Vermutung aufstellen, dass sich das Stammpublikum in den Wirtshäusern sehr gut kannte, und Reisende daher stets als solche erkannt wurden.

Dass an den Tischen von „Wohlleben“ und „lustigen Tagen“ geredet wird, ist ein weiterer Hinweis für den in Wirtshäusern stattfindenden Meinungsaustausch zwischen Menschen aus unterschiedlichen lokalen Regionen. Als Reisender und damit Unbekannter wurde Bräker auch in einem Wirtshaus in Schaffhausen wahrgenommen. „Als ich vom Pferd eher fiel als stieg, war ich halb lahm und stund da wie ein Hosendämpfer. Da ging`s von Seite meiner Führer an ein Mustern, das mich bald wild machte,[…] Als wir die Stiege hinaufkamen, hießen sie mich ein wenig auf der Laube warten, traten in die Stube und riefen mich dann nach wenigen Minuten auch hinein.[…] Sofort hieß man mich die Schuh ausziehn, mich an eine Saul unter ein Maß […] Dann redeten sie etwas heimliches miteinander.“46

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des frühneuzeitlichen Wirtshauses ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach dessen Rolle als soziales und kommunikatives Zentrum.

2. Bedeutung des frühneuzeitlichen Wirtshauses im Zuge des zunehmenden Reiseverkehrs: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des Wirtswesens und analysiert dessen zentrale Funktionen als Herberge und Ort des Austauschs.

3. Darstellung der Wirtshäuser in den Reisebeschreibungen frühneuzeitlich Reisender: Hier werden Reiseberichte von Ullrich Bräker, Sophie Becker und Thomas Nugent analysiert, um Wirtshausverhältnisse aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

4. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bekräftigt die These, dass das Wirtshaus eine essenzielle Rolle in der Kommunikation und Informationsverbreitung der Frühen Neuzeit spielte.

Schlüsselwörter

Wirtshaus, Frühe Neuzeit, Reiseverkehr, Reisebeschreibung, Kommunikation, soziales Zentrum, Reisebericht, Ullrich Bräker, Sophie Becker, Thomas Nugent, Gastgewerbe, Mobilität, Wissensaustausch, 18. Jahrhundert.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle und Bedeutung des Wirtshauses als kommunikatives und soziales Zentrum für Reisende in der Frühen Neuzeit, insbesondere im 18. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die historische Entwicklung des Gastgewerbes, die Funktion der Wirtshäuser als Übernachtungs- und Verpflegungsorte sowie ihre Rolle als Knotenpunkte für den Austausch von Informationen und Gerüchten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Anteil der Reisenden an den Kommunikationsprozessen in Wirtshäusern zu untersuchen und zu verdeutlichen, wie Wirtshäuser zur sozialen Vernetzung beitrugen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine qualitative Auswertung von zeitgenössischen Reiseberichten (u.a. von Ullrich Bräker, Sophie Becker und Thomas Nugent), um die Wirtshausverhältnisse differenziert aus verschiedenen sozialen Perspektiven zu beleuchten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird zunächst die allgemeine Entwicklung des Wirtshauses dargestellt, gefolgt von einer detaillierten Analyse, wie unterschiedliche Reisende die Gastbetriebe erlebten und welche Rolle das Wirtshaus als Heiratsmarkt, Informationsquelle oder Ort der Konspiration einnahm.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wirtshaus, Frühe Neuzeit, Reiseverkehr, Kommunikation, soziales Zentrum und Reiseberichte charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung von Wirtshäusern bei Frauen und Männern?

Während männliche Reisende häufig den geringen Komfort oder hygienische Mängel beklagten, nahmen reisende Frauen in den untersuchten Berichten die „urige“ Atmosphäre oft positiver wahr, wobei sie jedoch stärker mit Betrugsversuchen konfrontiert waren.

Warum war das Wirtshaus ein wichtiger Ort für die Informationsverbreitung?

Aufgrund der damals fehlenden modernen Massenmedien fungierte das Wirtshaus als Ort der „face-to-face“ Kommunikation, an dem Reisende aus verschiedenen Regionen und sozialen Schichten Informationen, Neuigkeiten und Gerüchte austauschten.

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Résumé des informations

Titre
Wirtshäuser als kommunikative Knotenpunkte in den Reisebeschreibungen frühneuzeitlich Reisender
Université
University of Potsdam  (Historisches Institut)
Cours
Hauptseminar
Note
2,0
Auteur
Jasmin Ruge (Auteur)
Année de publication
2007
Pages
31
N° de catalogue
V76682
ISBN (ebook)
9783638812641
Langue
allemand
mots-clé
Wirtshäuser Knotenpunkte Reisebeschreibungen Reisender Hauptseminar
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Citation du texte
Jasmin Ruge (Auteur), 2007, Wirtshäuser als kommunikative Knotenpunkte in den Reisebeschreibungen frühneuzeitlich Reisender, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76682
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Extrait de  31  pages
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