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Katholischer Antisemitismus in Österreich am Beispiel des Pfarrers Joseph Deckert

Title: Katholischer Antisemitismus in Österreich am Beispiel des Pfarrers Joseph Deckert

Term Paper , 2006 , 27 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Jasmin Ruge (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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„Es ist kein Wunder Christen, wenn uns Christus durch Krieg, Hunger, Durst, Hagel, Reif züchtigt; wenn er uns, sein Volk, das er mit seinem kostbaren Blute erlöst hat, immer tiefer sinken lässt, da wir es dulden, dass unter uns seine Feinde herrschen. Was ist das, so frage ich, als mit Verachtung des heiligen Glaubens seinen ewigen Feinden anhängen?

Simon, von dem wir erzählt haben, war geboren Freitag, den 26. November 1474 nach Christi Geburt von armen Eltern Andreas und Maria, unter der Regierung Johannes VI. Hinderbach, des Herrn von Trient. Um dieses Verbrechens willen wurden alle Juden von Trient jung und alt, ins Gefängnis gebracht und in Ketten gelegt; sie werden nicht daraus kommen, bevor sie nicht die gebührenden Strafen gebüßt. Lebet wohl!“
Dieses Zitat von Pfarrer Joseph Deckert illustriert in prägnanter Form seinen tiefen Judenhass. Darüber hinaus kann man anhand der Worte des österreichischen Pfarrers Rückschlüsse auf die Haltung der katholischen Kirche in Österreich gegenüber den Juden ziehen. Im Folgenden wird daher vor allem der Frage nachgegangen, wie sich die katholische Kirche gegenüber den Juden positioniert hat. Man könnte sogar soweit gehen und danach fragen, ob die katholische Kirche in der Habsburger Monarchie eine gezielte Judenhetze zum Zweck der eigenen Profilierung betrieben hat. Die verwendete Methodik bedarf klärender Worte. Zunächst wird ein historischer Abriss des katholischen Antisemitismus in Österreich unternommen. Hier interessiert vor allem die Zeitspanne zwischen dem ausgehenden neunzehnten und dem beginnenden zwanzigsten Jahrhundert. Neben einer Beschreibung der historischen Rahmenbedingungen des katholischen Antisemitismus in Österreich treten bekennende und einflussreiche österreichische Antisemiten wie der Wiener Bürgermeister Karl Lüger ins Zentrum des Interesses.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Katholischer Antisemitismus in Österreich

2.1 Historischer Abriss

2.2 Ursachen des katholischen Antisemitismus

3. Joseph Deckert und seine antisemitischen Schriften

3.1 Zur Person Joseph Deckert

3.2 „Türkennot und Judenherrschaft“

3.3 „Der ewige Jude“

3.4 „Ein Ritualmord – Aktenmäßig nachgewiesen“

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des katholischen Pfarrers Joseph Deckert im Kontext des Antisemitismus in Österreich zwischen 1897 und 1914. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, inwieweit Deckerts Schriften den katholischen Antisemitismus seiner Zeit widerspiegeln oder prägen und ob er als Stereotyp dieser Strömung betrachtet werden kann.

  • Historische Grundlagen des katholischen Antisemitismus in der Habsburger Monarchie.
  • Die ideologische Verknüpfung von religiösen Vorurteilen mit politischen Argumentationsmustern.
  • Analyse der antisemitischen Schriften von Joseph Deckert („Türkennot und Judenherrschaft“, „Der ewige Jude“, „Ein Ritualmord – Aktenmäßig nachgewiesen“).
  • Vergleich der Deckert’schen Argumentation mit anderen Akteuren des politischen Antisemitismus, insbesondere Karl Lueger.
  • Die Funktion der katholischen Kirche und ihres Klerus als Verbreiter antisemitischer Ideologien.

Auszug aus dem Buch

3.4 „Ein Ritualmord – Aktenmäßig nachgewiesen“

Eine dritte Schrift von Joseph Deckert soll als ein weiteres Beispiel für den katholischen Antisemitismus in Österreich herangezogen werden. Dabei handelt es sich um „Ein Ritualmord – Aktenmäßig nachgewiesen“. Diese antisemitische Schrift von Joseph Deckert kann zugleich als die gefährlichste unter seinen antisemitischen Schmähschriften gesehen werden. Der katholische Pfarrer beschuldigt die Juden von Trient in der Schrift „Ein Ritualmord – Aktenmäßig nachgewiesen“ der „[…]Ermordung des Kindes Simon Berber[…]“ im Jahr 1475.

Hat Deckert in seinen vorangegangen Schriften die Emanzipation der Juden und ihren angeblichen Hang zur Wucherei gebrandmarkt, so ist doch der Vorwurf Christenkinder zur Befriedigung der eigenen religiösen Bedürfnisse zu töten, kaum zu übertreffen. Insofern scheint es plausibel, dass Deckert die Leser seiner Schrift gar nicht auffordern musste, gegen die Juden vorzugehen, da ein solcher Vorwurf gegen die Juden eine eigene Sprache spricht. Darüber hinaus ist Deckert bestrebt, die Beschreibung des Mordes an Simon von Trient so objektiv wie möglich wirken zu lassen. Zu diesem Zweck beginnt Deckert seine Schrift mit der Beschreibung der genauen Tatumstände.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik des katholischen Antisemitismus anhand des Pfarrers Joseph Deckert sowie Darlegung der forschungsleitenden Fragen und methodischen Vorgehensweise.

2. Katholischer Antisemitismus in Österreich: Historischer Überblick über die Entwicklung judenfeindlicher Strömungen in Österreich und Analyse der Ursachen für die Verbreitung des Antisemitismus im katholischen Milieu.

3. Joseph Deckert und seine antisemitischen Schriften: Detaillierte Untersuchung von Person und Werk des Pfarrers Joseph Deckert sowie die kritische Analyse seiner drei zentralen antisemitischen Schriften.

4. Zusammenfassung: Synthese der Erkenntnisse über den katholischen Antisemitismus und Einordnung von Joseph Deckert als Repräsentant einer antisemitischen Tradition innerhalb der katholischen Kirche.

Schlüsselwörter

Katholischer Antisemitismus, Joseph Deckert, Habsburger Monarchie, Österreich, Judenhetze, Ritualmord, Karl Lueger, Christlichsoziale Partei, Kirchenzeitung, Judenemanzipation, Traditionsthese, Sozialisation, Religiöser Antisemitismus, Politischer Antisemitismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die antisemitische Publizistik des katholischen Pfarrers Joseph Deckert und setzt diese in den größeren Kontext des katholischen Antisemitismus im Österreich des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Neben den historischen Rahmenbedingungen werden die ideologischen Wurzeln des katholischen Judenhasses, die Verbindung von Religion und Politik sowie die Rolle von Geistlichen als Multiplikatoren antisemitischer Stereotype behandelt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Deckerts Antisemitismus zu charakterisieren und zu klären, ob er als typischer Vertreter des katholischen Antisemitismus der Habsburger Monarchie gesehen werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die vor allem auf der Untersuchung von Deckerts Schriften sowie auf der Auswertung relevanter Forschungsliteratur zu diesem Themenbereich basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich biographischen Eckdaten von Joseph Deckert und der detaillierten inhaltlichen Untersuchung seiner drei einflussreichsten antisemitischen Schriften.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Katholischer Antisemitismus, Ritualmordlegende, Judenfeindschaft, christlich-soziale Bewegung und die Rolle des Klerus.

Inwiefern unterschied sich Deckerts Antisemitismus von anderen Vertretern wie Karl Lueger?

Während Lueger eher politisch-agrarisch und wirtschaftlich argumentierte, legitimierte Deckert seine Positionen stärker durch die Verbindung von traditionell-religiösem Antijudaismus mit modernen antisemitischen Vorurteilen.

Warum war die Ritualmordlegende ein zentrales Element für Deckert?

Die Ritualmordlegende diente Deckert als „objektiv“ getarntes Mittel, um den Judenhass mit historischer Autorität zu belegen und die Zielgruppe – das einfache Volk – emotional zu mobilisieren.

Welche Rolle spielte die katholische Kirche bei der Verbreitung dieser Thesen?

Die Arbeit zeigt, dass die Kirche durch offizielle Publikationen und das Wirken von Geistlichen wie Deckert maßgeblich zur Etablierung eines judenfeindlichen Klimas beitrug, wobei der Judenhass oft als „christlich legitim“ dargestellt wurde.

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Details

Title
Katholischer Antisemitismus in Österreich am Beispiel des Pfarrers Joseph Deckert
College
University of Potsdam  (Historisches Institut)
Grade
2,0
Author
Jasmin Ruge (Author)
Publication Year
2006
Pages
27
Catalog Number
V76684
ISBN (eBook)
9783638814874
Language
German
Tags
Katholischer Antisemitismus Beispiel Pfarrers Joseph Deckert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jasmin Ruge (Author), 2006, Katholischer Antisemitismus in Österreich am Beispiel des Pfarrers Joseph Deckert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76684
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