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Das Theodizeeproblem: Das Argument der Willensfreiheit und moralische Übel

Title: Das Theodizeeproblem: Das Argument der Willensfreiheit und moralische Übel

Seminar Paper , 2004 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Stephanie Schmitz (Author)

Theology - Systematic Theology
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Summary Excerpt Details

Der Begriff Theodizee wurde von Leibniz geprägt und stellt das Widerspruchsproblem zwischen der christlichen Annahme von der Existenz eines allmächtigen und gütigen Gottes und dem offenkundigen Vorhandensein von Leid und Übel in der von ihm geschaffenen Welt dar. Das Theodizee-Problem bezeichnet den Versuch einer Rechtfertigung Gottes bzw. des Glaubens an Gott angesichts des physischen Übels, des moralischen Bösen und des Leidens der von Gott geschaffenen Lebewesen in der Welt. Das Theodizee-Problem lässt sich bis ins Alte Testament zurückverfolgen, wo es insbesondere im Buch Hiob behandelt wird. Dass Gott allmächtig und gütig ist, stellt eine Grundvoraussetzung des christlichen Glaubens dar und dass unsere Welt zu jeder Zeit voller Leid war und ist, steht außer Frage, das wohl erschreckenste Beispiel für unfassbares Übel und Leid stellt der Massenmord an den Juden im Dritten Reich dar. Durch diesen Gegensatz drängen sich Fragen auf wie zum Beispiel warum Gott eine solch leidvolle Welt erschaffen hat und ob es ihm möglich gewesen wäre, eine Welt, die weniger Leid beinhaltet, zu erschaffen. Wenn es ihm möglich war, aus welchem Grund hat er es nicht getan und ist es zu rechtfertigen ihn weiterhin als gütig zu bezeichnen? Wenn es ihm nicht möglich war, kann er dann noch als allmächtig bezeichnet werden?
Es bestehen verschiedenste Theorien und Ansätze zur Lösung des Theodizee-Problems. So halten viele beispielsweise die Ästhetisierung des Leidens für eine mögliche Lösung des Theodizee-Problems, indem sie behaupten, dass Gott Schönheit nur schaffen konnte, indem er auch die Übel schuf. Leibniz veranschaulicht diese Sicht mit dem Beispiel, dass Missklang die Harmonie hervortreten lässt und stellt die rhetorische Frage, ob ein Mensch, der noch nie krank war, seine Gesundheit genügend schätzt und Gott genug dafür dankt. Eine solche Ansicht ist jedoch menschenverachtend und es wäre unmoralisch, Elend in Kauf zu nehmen, um eine ästhetisch schöne Welt zu schaffen. Wenn man nur an Geschehnisse wie die Völkermorde in Ruanda oder die Schoa denkt, so darf weder eine Gläubiger noch ein Ungläubiger jemals zu der Antwort kommen, dass das Leiden und Sterben unschuldiger Kinder irgendeinen Sinn hat.
Wie aber ist es möglich, die Existenz von Leid und Übel in der Welt zu erklären und gleichzeitig an einen sittlich guten und allmächtigen Gott zu glauben?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung in die Thematik

1.1 Einleitung in das Thema Theodizee

1.2 Grundsätzliche Überlegungen zur free will defense

2 Diskussion der Prämissen nach Kreiner

2.1 Prämisse [1]: Die Existenz der Willensfreiheit

2.2 Prämisse [2]: Die Werthaftigkeit der Freiheit

2.3 Prämisse [3] und [4]: Die Möglichkeit leidverursachender Freiheit und die Unausweichlichkeit des Freiheitsmissbrauchs

2.4 Prämisse [5]: Der Preis der Freiheit

3 Auswertung und Schlussfolgerung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit setzt sich kritisch mit der "free will defense" als Antwort auf das Theodizeeproblem auseinander. Ziel ist es, die logische Stichhaltigkeit der von Kreiner formulierten Prämissen zur Willensfreiheit zu prüfen und zu hinterfragen, ob der Wert des freien Willens das existierende Ausmaß an moralischem Übel und Leid in der Welt rechtfertigen kann.

  • Das Theodizeeproblem im Kontext christlicher Gottesvorstellungen
  • Analyse und Diskussion der fünf Prämissen zur Willensfreiheit nach Armin Kreiner
  • Die Abgrenzung von malum morale und malum physicum
  • Kritische Auseinandersetzung mit der moralischen Rechtfertigung von Leid durch Freiheit
  • Die Grenzen menschlicher Erkenntnis hinsichtlich Gottes Güte und Allmacht

Auszug aus dem Buch

2.3 Prämisse [3] und [4]: Die Möglichkeit leidverursachender Freiheit und die Unausweichlichkeit des Freiheitsmissbrauchs

Kreiner legt dar, dass ein logischer Zusammenhang zwischen Willensfreiheit und Leid besteht. Besäßen Menschen Willensfreiheit, die sich nur auf das Handlungssubjekt selbst beschränkt, wären sie jedoch in ihrem Handeln gegenüber anderen Menschen determiniert, sodass sie ihnen kein Leid zufügen könnten, so besäßen sie zwar (eine eingeschränkte) Willensfreiheit, diese wäre jedoch ohne jegliche ethische Bedeutung. Diese Form der Willensfreiheit wäre nicht wertvoll und würde somit Prämisse 2 widersprechen. Von ethischer Relevanz ist die Freiheit erst, wenn sie ermöglicht, anderen gegenüber sowohl sittlich gut als auch sittlich schlecht zu handeln. Nur wenn der Handelnde wählen kann, ob er einem anderen Leid zufügt, es unterlässt, oder ob er hilft, Leid zu überwinden, kann von einer ethischen Handlung und von Tugenden gesprochen werden. Nur eine Freiheit, die von ethischer Relevanz ist, ist wertvoll und lässt sich mit Prämisse 2 vereinbaren, somit muss Willensfreiheit auch die Möglichkeit, anderen Leid zuzufügen beinhalten.

Von anderer Seite wird hier bestritten, dass Willensfreiheit logisch notwendig die Möglichkeit, anderen Leid zuzufügen beinhalten muss. Die Willensfreiheit wäre auch ethisch relevant, wenn nur die Wahl zwischen guten Taten und deren Unterlassung bestünde. Allerdings wäre damit immer noch Leid vorhanden, da zum einen auch die Unterlassung einer Tat sittlich schlecht sein kann, wenn damit einem leidenden Menschen die Hilfe verwehrt wird. Zum anderen muss um eine Entscheidung zwischen einer guten Tat und deren Unterlassung sittlich relevant zu machen zunächst einmal schon Leid vorhanden sein. Immerhin wäre jedoch die Quantität des Leids stark eingeschränkt. Der entscheidende Einwand gegen diesen Ansatz lautet jedoch, dass eine Welt, in der nur gute Taten oder deren Unterlassung möglich wären, eine vollkommen andere Welt wäre als die unsere. Der Freiheitsspielraum der Menschen in einer solchen Welt wäre stark eingeschränkt und somit wäre auch die Entwicklung von Werten und Tugenden in ihrer Qualität vermindert.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung in die Thematik: Dieses Kapitel führt in das klassische Theodizeeproblem ein und stellt die "free will defense" als einen zentralen Lösungsansatz vor.

2 Diskussion der Prämissen nach Kreiner: Hier werden die fünf Prämissen zur Willensfreiheit detailliert analysiert, auf ihre Stichhaltigkeit geprüft und mit Einwänden von Kritikern wie Streminger, Mackie und Gesang konfrontiert.

3 Auswertung und Schlussfolgerung: Das letzte Kapitel fasst die Diskussion zusammen und zieht das Fazit, dass die "free will defense" keine eindeutige Antwort auf das Theodizeeproblem liefern kann, aber das Festhalten am Glauben an Gott eine existenzielle und persönliche Entscheidung bleibt.

Schlüsselwörter

Theodizee, Willensfreiheit, free will defense, moralisches Übel, Leid, Armin Kreiner, Gott, Ethik, Handlungsfreiheit, Determinismus, Rechtfertigung, malum morale, malum physicum, Schöpfung, Verantwortung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Theodizeeproblem, also der Frage, wie man die Existenz eines allmächtigen und gütigen Gottes mit dem Vorhandensein von Leid in der Welt vereinbaren kann.

Welche zentralen Themen werden behandelt?

Im Mittelpunkt stehen die Willensfreiheit als zentrales Element der "free will defense", die Unterscheidung zwischen moralischem und natürlichem Übel sowie die ethische Rechtfertigung von Leid.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine kritische Prüfung der von Armin Kreiner formulierten Argumentation, um festzustellen, ob sie als schlüssige Antwort auf das Theodizeeproblem Bestand hat.

Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?

Die Autorin analysiert die fünf Prämissen von Kreiner systematisch und stellt sie Gegenargumenten aus Philosophie und Theologie gegenüber, um deren Plausibilität zu bewerten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Diskussion der einzelnen Prämissen: von der Existenz des freien Willens über dessen Werthaftigkeit bis hin zur Frage, ob der Preis der Freiheit das Leid in der Welt aufwiegen kann.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Theodizee, Willensfreiheit, moralisches Übel und die Auseinandersetzung mit der Verantwortung Gottes bestimmt.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen verschiedenen Arten des Übels?

Sie greift auf die Definition von Leibniz zurück und differenziert zwischen dem "malum morale" (moralisches Übel, durch Menschen verursacht) und dem "malum physicum" (natürliches Übel, wie Katastrophen).

Warum hält die Autorin die "free will defense" trotz Kritik für beachtenswert?

Sie erkennt zwar Schwachstellen an, hält aber Kreiners Argumentation für schlüssiger als die der Kritiker, da ein Entzug der Freiheit den Menschen in seinem Wesen abwerten würde.

Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Lösbarkeit des Problems?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die "free will defense" keine endgültige, unanfechtbare Lösung bietet, da der Glaube an Gott im Angesicht massiven Leids eine persönliche Entscheidung bleiben muss.

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Details

Title
Das Theodizeeproblem: Das Argument der Willensfreiheit und moralische Übel
College
University of Cologne  (Seminar für Katholische Theologie)
Course
Das Theodizeeproblem
Grade
1,3
Author
Stephanie Schmitz (Author)
Publication Year
2004
Pages
18
Catalog Number
V76768
ISBN (eBook)
9783638822992
Language
German
Tags
Theodizeeproblem Argument Willensfreiheit Theodizeeproblem
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stephanie Schmitz (Author), 2004, Das Theodizeeproblem: Das Argument der Willensfreiheit und moralische Übel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76768
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