Schüler unterrichten Schüler. Eine Unterrichtseinheit zur Einführung des Spiels "Ultimate Frisbee" in einer 10. Klasse Realschule


Examensarbeit, 2007
27 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

GLIEDERUNG DER HAUSARBEIT

Vorwort

1. Problemstellung
1.1 Bezug zu Modulen, Ausbildungsstandards und Lehrplan
1.2 Ausgewählte Literatur zur vorliegenden Arbeit
1.3 Zielvorstellungen und Leitfragen

2. Unterrichtspraxis
2.1 Lernumfeld und Angaben zur Lerngruppe
2.2 Methodisch-didaktische Entscheidungen
2.3 Aufbau der Unterrichtseinheit und Hauptintentionen der Stunden

3. Evaluation und persönliches Resümee
3.1 Verfahren
3.2 Ergebnisse
3.2.1 Unterrichtsbeobachtungen
3.2.2 Unterrichtsgespräche
3.2.3 Schüler-Fragebögen
3.3 Fazit in konkretem Bezug auf die Leitfragen
3.4 Offener Unterricht’ vs. ‚direkte Instruktion’
3.5 Ausblick und eigene Visionen offenen Unterrichts

LITERATURVERZEICHNIS

Vorwort

In der Arbeitswelt von heute werden insbesondere Eigenschaften wie Teamfähigkeit, ein selbstbewusstes Auftreten und Mut zu initiativem Handeln mit Verantwortungsübernahme hoch geschätzt. Die Chance einen Zugang zu Aus­bildung und Arbeitsmarkt zu erlangen, hängt entscheidend von einer starken Persönlichkeit mit ausgeprägten sozialen Kompetenzen ab. Der Lehrplan fordert nach dem Konzept der Grundbildung die Auseinandersetzung mit Kernproblemen und das Vermitteln von Schüsselqualifikationen als Vorbereitung auf Leben und Arbeitswelt (vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein[1] 1997, S. 4ff). Im klassisch strukturierten Schul- und Unterrichtsalltag sind aber diese Ziele nicht immer einfach zu erreichen.[2]

Neuere pädagogische Ansätze nutzen eine starke Einbindung der Schülerinnen und Schüler[3] in den Prozess der Unterrichtsgestaltung im Sinne von L. Klingberg[4] und fordern das Zurücknehmen des herkömmlichen, eher lehrerzentrierten Vorgehens. Hier ist der Lehrer nicht mehr die einzige Person, die moderierend und fragend auf Unterrichtsziele hinarbeitet. Neben dem herkömmlichen frontalen resp. hierarchischen Unterrichtsprinzip sollen S nun vielmehr untereinander Wissen und Erfahrungen austauschen und weitergeben, womit sie direkt in der Mitverantwortung für ihr eigenes Lernen und Handeln stehen. Für mich bietet der Sportunterricht mit seiner Bewegungs- und Handlungsorientierung einzigartige Chancen im Hinblick auf eine schüleraktivierende Unterrichtseinheit.

In dieser Arbeit soll gezeigt werden, inwieweit diese Form des Unterrichts in einer 10. Realschulklasse den oben genannten angestrebten Zielen entsprechen und Selbst- und Sozialkompetenzen fördern kann. H. Meyer bezeichnet einen solchen Ansatz als „unsichtbares Lernen“, bei dem im Idealfall ein „Repertoire der gemeinsam erarbeiteten didaktischen Kompetenzen der S und Lehrer“ (Meyer 2005, Faltblatt „Didaktische Landkarte“) erreicht werden könnte: Planungskompetenz, Moderationskompetenz, Kontrollkompetenz, Reflexionskompetenz.

1. Problemstellung

1.1 Bezug zu Modulen, Ausbildungsstandards und Lehrplan

Die Idee zu dieser Unterrichtseinheit und der daraus hervorgehenden Arbeit resultiert aus der Teilnahme an zwei Pflichtmodulen. In den Modulen „integrative Spielerziehung in der Schule“ (B-Modul bei Clemens Richert) sowie „Mit dem Partner und in Mannschaften spielen“ (C-Modul bei Thomas Werthen) wurde unter anderem deutlich, dass es insbesondere im Mannschaftssport um weit mehr als nur die Vermittlung von Sach- und Methodenkompetenzen geht. Der Lehrplan führt folgende für meine Arbeit wichtige Intentionen dieses Themenbereichs[5][6][7] auf:

- das Ausprobieren von Spielen und Spielgeräten
- das Spielen mit- und gegeneinander nach Regeln und
- „Spiele erleben und gestalten“ (Lehrplan, S. 21).

Das Erreichen dieser Intentionen lege ich weitgehend in die Hände der S, was zur „Mitwirkung und Mitverantwortung“ und somit zu Handlungskompetenz und Selbstwertgefühl der S führen soll.[8] Um das Konzept der Grundbildung zu realisieren sollen Sozial- und Arbeitsformen gewählt werden, „die es den S ermöglichen,

- den Unterricht aktiv und selbstverantwortlich mitzugestalten
- eigene Schwerpunkte zu setzen und unterschiedliche Lernwege zu entwickeln (differenzierendes und individualisierendes Lernen)
- partnerschaftlich mit anderen zu lernen und zusammenzuarbeiten (soziales Lernen)“ (Lehrplan, S. 7).

Die Wahl der Sozial- und Arbeitsformen, die ich für meine Unterrichtseinheit getroffen habe (Details siehe 2.2), wird im Folgenden noch verdeutlichen, dass das Festigen von Selbst- und Sozialkompetenzen hier im Vordergrund steht. Das Berücksichtigen dieser Lernkompetenzen weist auf eine Auseinandersetzung mit AS Nr. 4 im Zuge der Planung dieser Unterrichtseinheit hin (vgl. IQSH 2005, S. 10). Das Fördern der Selbstständigkeit der Lernenden und das aktive Einbeziehen der S in die Gestaltung des Unterrichts betreffen direkt AS Nr. 5 und 6 (vgl. IQSH 2005, S. 10). Als Folge dieser Selbstständigkeit tragen die Lernenden in meinem Unterricht auch „Verantwortung für den eigenen Lernprozess“ (AS Nr. 30, IQSH 2005, S. 11). Das Arbeiten in Gruppen sowie das Überwechseln der S in die Lehrerrolle bedeutet Abwechslung in Bezug auf die Sozialformen (vgl. AS Nr. 31, IQSH 2005, S. 11).

Die meisten übrigen AS erachte ich als selbstverständlich oder sie sind für diese Unterrichtseinheit nicht von besonderer Relevanz, weshalb ich hier nicht näher darauf eingehen will.

1.2 Ausgewählte Literatur zur vorliegenden Arbeit

Ermutigung für die in der vorliegenden Unterrichtseinheit gewählte projektähnliche Arbeit im Team fand ich u.a. bei Huber, Konrad und Wahl[9]. Die Autoren berichten, dass beim Lernen durch Lehren in kleinen Gruppen sowohl die lehrenden als auch die lernenden S gute Lernfortschritte machen (Perspektivenwechsel), diese Variante des kooperativen Lernens also für mein Vorhaben sehr vielversprechend schien.

Hartinger[10] belegt z.B. durch seine Untersuchungen, dass eine Interessenförderung der S besonders durch selbsttätiges Arbeiten erreicht werden kann. Unterrichtseinheiten dieser Art können meines Erachtens auch langfristig dazu beitragen, ein günstigeres Lernklima in der Klasse zu schaffen, da sie das Gefühl für eine gemeinsam geteilte Verantwortung entwickeln helfen (auch im Sinne von gegenseitigem Respekt, Rücksicht und Einhaltung von gemeinsam entwickelten Regeln). Bereits 1980 wiesen Rutter et al.[11] Nach, dass durch Verantwortungsübernahme ein positives Schülerverhalten stark gefördert wird.

1.3 Zielvorstellungen und Leitfragen

Die S sollen in dieser Unterrichtseinheit gemeinsames sportliches Handeln zum Thema ‚Ultimate Frisbee’ selbst gestalten[12]. Dies soll, wie oben schon angedeutet, im Idealfall zur Förderung von selbstbewusstem, selbstverantwortlichem und kommunikativem Verhalten der S im Sinne der Selbst- u. Sozialkompetenzen führen. Jeder S soll letztendlich persönlich gestärkt aus dieser Einheit herauskommen und ein kleines Stück mehr auf das spätere Leben vorbereitet sein, in dem ebenfalls immer wieder Situationen auftauchen werden, die ein sicheres Auftreten vor und eine produktive Zusammenarbeit mit anderen Menschen erfordern. Die Grundfrage ist also, inwieweit sich im Rahmen dieser Einheit die angesprochenen Kompetenzen fördern lassen. Begriffe wie selbstbewusstes oder kommunikatives Verhalten lassen allerdings einen großen Interpretationsspielraum zu. Aus diesem Grunde leite ich aus der allgemeinen Zielsetzung drei Hauptintentionen[13] ab, die jeweils zu einer Leitfrage führen. Diese Leitfragen bilden später das Gerüst für die Evaluation der Einheit:

a) Es soll das Selbstvertrauen und damit die Bereitschaft der S gestärkt werden Initiative und Verantwortung für das Sporttreiben zu übernehmen. Das betrifft sowohl die konkrete Planung als auch die methodische Durchführung des Unterrichts[14]. (Sozialkompetenz, Selbstkompetenz)

→ Inwieweit übernehmen die S tatsächlich Verantwortung in Bezug auf die Gestaltung des Unterrichts?

b) Die S lernen Strukturen der Sportvermittlung kennen und wenden diese am Beispiel ‚Ultimate Frisbee’ selbst an. (Sach- und Methodenkompetenz, Selbstkompetenz)

Die S sollen ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten erfahren und realistisch einschätzen lernen (Übungen, Spiele und deren Durchführbarkeit mit anderen S). Die geplanten Inhalte werden erst im kleinen Rahmen der eigenen Klasse erprobt und dabei verinnerlicht (Sach- und Methodenkompetenz). Mit jedem weiteren Schritt ihrer Lehrtätigkeit sollen die Inhalte sowie das methodische Agieren vertieft und ein größeres Vertrauen in die eigenen Leistungen erreicht werden (Selbstkompetenz).

→ Inwieweit erlernen die S Strukturen der Sportvermittlung in der eigenen Anwendung als lehrende Person?

c) Die S sollen ihre Fähigkeiten der zielgerichteten Kommunikation und Beobachtung trainieren. (Selbst- und Sozialkompetenz) Dies birgt auch die Chance, diejenigen S in den Sportunterricht stärker zu integrieren und motivieren, die sich aufgrund hoher kognitiver, verbaler Qualitäten in diesem Bereich besonders beweisen können.

→ Inwieweit schulen die S ihre Fähigkeiten zur Kommunikation und zur kritischen Beobachtung?

2. Unterrichtspraxis

2.1 Lernumfeld und Angaben zur Lerngruppe

Nach einer zweimonatigen Kennenlernphase[15] mit der recht kleinen 10c (22 S) der Dannewerk-Realschule war ich überzeugt, diesen S im Rahmen des geplanten Unterrichtsversuches umfangreich Verantwortung übertragen zu können. Nahezu alle S waren stets offen für bekannte und unbekannte Inhalte des Sportunterrichts und waren auch schon an das Vermitteln kurzer Inhalte vor der eigenen Klasse gewöhnt. Ich hatte die Aufwärmphasen des Unterrichts in die Hände der S gelegt, so dass schon einmal die Ansprache einer Schülergruppe im Sportunterricht geübt werden konnte. Auch die kurzen Reflektionsphasen nach den schülergeleiteten Unterrichtsteilen waren aus diesem Zusammenhang schon bekannt.

Eine weitere für mein Vorhaben besonders günstige Voraussetzung war die Tatsache, dass jeden Dienstag in der 7. und 8. Std. alle drei 10. Klassen gleichzeitig Sportunterricht haben. So konnte ohne aufwändige Stundenplanänderungen klassenübergreifender Unterricht überhaupt erst möglich werden.

2.2 Methodisch-didaktische Entscheidungen

Bei einer 10. Realschulklasse kann man – so denke ich – davon ausgehen, dass motorische Basisfähigkeiten und -fertigkeiten in den Grundsportarten sowie in den großen und kleinen Sportspielen vorhanden sind. Es ging in diesem Versuch also nicht hauptsächlich darum, spezifische sportliche Fähigkeiten und Kenntnisse aus dem Unterricht mit nach Hause zu nehmen, sondern eher darum, die Schülerpersönlichkeit im Sinne der schon erwähnten Lernziele zu fordern und zu fördern. Die Schüler sollten aktiv in den Unterrichtsprozess eingebunden und zu größerer Selbständigkeit gebracht werden. Um dafür geeignete Lernarrangements zu schaffen, wählte ich eine offene Unterrichtsform, die im Idealfall kognitives, motorisches, affektives und soziales Lernen fördern sollte. Jedoch musste ich gerade aufgrund der Öffnung des Unterrichts klare Strukturen in der Organisation der Einheit schaffen, wie z.B. bei zeitlichen Fragen und bei der Wahl von Inhalt und Umfang des Materials für den Unterricht.

[...]


[1] im weiteren Text immer mit „Lehrplan“ bezeichnet

[2] H. Meyer formuliert dieses Dilemma wie folgt: „Im Schulalltag werden die methodischen Grundformen Lehrgang, Projekt- und Freiarbeit oft unausgewogen genutzt. Der Lehrgang [frontaler Plenumsunterricht] dominiert fast überall – die Frei- und Projektarbeit werden entsprechend stiefmütterlich behandelt“ (Meyer, 2005 S.80).

[3] aus Gründen der Platzersparnis und des Leseflusses im Folgenden stets mit „S“ abgekürzt

[4] L. Klingberg drückt dies folgendermaßen aus: „Der dialektische Widerspruch von Führung und Selbsttätigkeit treibt den Unterrichtsprozess voran (Klingberg 1989, S. 189)

[5] im Folgenden stets mit „AS“ abgekürzt

[6] Das von mir gewählte Unterrichtsprojekt sollte meines Erachtens auch im Kontext der an der Dannewerkschule praktizierten „Enger-Methodik“ gesehen werden.

[7] gleichnamig wie das oben aufgeführte C-Modul

[8] siehe Kernproblem Nr. 5: „Partizipation“ (Lehrplan, S. 6)

[9] vgl. Huber/Konrad/Wahl 2001

[10] vgl. Hartinger 1997: Hartingers Studie bezieht sich zwar auf den Sachkundeunterricht, seine Ergebnisse können aber ohne weiteres auf andere Fächer übertragen werden.

[11] vgl. Rutter et al. 1980

[12] vgl. Sozialkompetenzen (Lehrplan, S. 18)

[13] Die Hauptintentionen sollen das übergeordnete Ziel der Unterrichtseinheit konkretisieren.

[14] Von besonderer Bedeutung in der Auswertung wird der klassenübergreifende Unterricht sein.

[15] seit Schuljahresbeginn

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Schüler unterrichten Schüler. Eine Unterrichtseinheit zur Einführung des Spiels "Ultimate Frisbee" in einer 10. Klasse Realschule
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
27
Katalognummer
V76790
ISBN (eBook)
9783638738163
ISBN (Buch)
9783656069584
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schüler, Durchführung, Beobachtung, Auswertung, Unterrichtseinheit, Einführung, Spiels, Ultimate, Frisbee, Schülern, Realschulklasse
Arbeit zitieren
Nils Furkmann (Autor), 2007, Schüler unterrichten Schüler. Eine Unterrichtseinheit zur Einführung des Spiels "Ultimate Frisbee" in einer 10. Klasse Realschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76790

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