Die Entwicklung der Eigentümerstruktur sowie ihr vermuteter Einfluss auf den Unternehmenserfolg sind seit einigen Jahren auch in Deutschland vermehrt Bestandteil empirischer Studien. Dabei konzentrierten sich die Untersuchungen jedoch meist auf eine stark eingegrenzte Stichprobe bzw. die Betrachtung eines einzelnen Jahres. Der Betrachtungszeitraum der letzten umfassenden Untersuchung endete im Jahre 2000. Aus diesem Nachholbedarf leitet sich der erste Fokus dieser Arbeit ab: Durch eine umfassende Datenerhebung über den Zeitraum der letzten zehn Jahre soll der Stand der Forschung bezüglich der Eigentümerstrukturen in Deutschland aktualisiert werden.
Ökonometrische Untersuchungen hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Eigentümerstruktur und Unternehmenserfolg waren bislang in Bezug auf Zeitrahmen und Stichprobengröße ähnlich begrenzt. Hinzu kommt, dass bei den meisten Untersuchungen das Erfolgsmaß auf Buchwerten basierte, eine Methode, die insbesondere für Deutschland inzwischen vermehrt kritisch gesehen wird. Daher widmet sich der zweite Fokus der Arbeit der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Eigentümerstruktur und Unternehmenserfolg anhand einer Analyse der Stichprobe, wobei der Erfolg in Marktwerten gemessen werden soll
Das 2. Kapitel behandelt die theoretischen Grundlagen der AG und ihrer Anteilsstruktur. Ein Überblick über den aktuellen Stand der Forschung hinsichtlich der Eigentümerstrukturen in Deutschland bildet die Überleitung zum 3. Kapitel. Dieses widmet sich anhand einer deskriptiven Statistik der Stichprobe der Aktualisierung des Forschungsstandes bezüglich der Eigentümerstruktur in Deutschland. Im ersten Teil des 4. Kapitels werden potentielle Konflikte innerhalb einer AG aus institutionenökonomischer Sicht erörtert. Der zweite Teil widmet sich der theoretischen Analyse des Einflusses von Paketaktionären auf den Unternehmenserfolg. Die Herleitung von vier Hypothesen bezüglich eines exogenen Einflusses der Eigentümerstruktur auf den Unternehmenserfolg bildet die Überleitung zum 5. Kapitel. In diesem werden die formulierten Hypothesen auf Basis der Stichprobe mittels multivariater Regressionen untersucht. Im Schlussteil werden die Resultate zusammengefasst und versucht weitere Forschungsfragen zu identifizieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Gang der Untersuchung
2. Theorie der Aktiengesellschaft und ihrer Eigentümerstruktur
2.1 Rechtlicher Rahmen der Aktiengesellschaft
2.1.1 Organe der Aktiengesellschaft
2.1.2 Entwicklung des Aktienrechts
2.2 Rechtsstellung des Aktionärs in der AG
2.2.1 Vermögensrechte
2.2.2 Herrschaftsrechte
2.2.3 Informationsrechte
2.2.4 Pflichten des Aktionärs
2.2.5 Aktiengattungen
2.2.6 Gleichbehandlungsgrundsatz
2.3 Arten von Anteilseignern
2.3.1 Publikumsaktionäre
2.3.2 Paketaktionäre
2.4 Charakter der Eigentümerstrukturen in Deutschland
2.4.1 Ergebnisse empirischer Studien zu deutschen Eigentümerstrukturen
2.4.2 Ursachen der Entwicklung der Eigentümerstrukturen in Deutschland
2.4.3 Divergenz von Stimm- und Kapitalanteil durch Pyramidenbildung
3. Deskriptive Statistik
3.1 Technische Übersicht
3.1.1 Sampleauswahl
3.1.2 Datenbasis
3.1.3 Bestimmung der Stimmrechts- und Kapitalanteile
3.1.4 Definition weiterer Variablen
3.2 Deskriptive Ergebnisse
3.2.1 Überblick über die Eigentümerstruktur im Zeitverlauf
3.2.2 Entwicklung der Stimmrechtsanteile und Anteilskonzentration
3.2.3 Identität des größten Paketaktionärs
3.3 Robustheitstest
4. Theoretische Verknüpfung von Eigentümerstruktur und Unternehmenserfolg
4.1 Analyse der Konflikte zwischen den Akteuren
4.1.1 Agencytheoretische Beziehung zwischen Management und Aktionären
4.1.2 Agencytheoretisches Verhältnis zwischen Aktionären
4.2 Instrumente zur Reduzierung der Konflikte
4.2.1 Direkte Kontrolle durch den einzelnen Aktionär
4.2.2 Rationale Apathie der Aktionäre
4.2.3 Weitere disziplinierende Mechanismen
4.3 Auswirkung eines Paketaktionärs auf den Unternehmenswert
4.3.1 Differenzierung der Paketaktionäre
4.3.2 Interessenskonvergenzhypothese
4.3.3 Ausbeutungshypothese
4.3.4 Nichtlinearitätshypothese
4.3.5 Die Auswirkung mehrerer Paketaktionäre
4.3.6 Kontrolle bei Divergenz von Stimm- und Kapitalanteil
4.4 Kontrollanreize und Kontrollpotentiale unterschiedlicher Paketanleger
4.4.1 Finanzinvestoren
4.4.2 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen
4.4.3 Staat
4.4.4 Private Investoren
4.4.5 Ausländischer Investor
4.4.6 Management
4.5 Herleitung der Hypothesen
4.5.1 Relevanz der Anteilskonzentration
4.5.2 Relevanz der Anteilshöhe
4.5.3 Relevanz der Divergenz von Stimm- und Kapitalanteilen
4.5.4 Relevanz der Aktionärsidentität
5. Ökonometrische Untersuchung der Stichprobe
5.1 Technische Übersicht
5.1.1 Samplebasis
5.1.2 Definition des Erfolgsmaßes
5.1.3 Unabhängige Variablen
5.1.4 Kontrollvariablen
5.1.5 Korrelationskoeffizientenmatrix
5.2 Hypothesenüberprüfung mittels multivariater Regressionsanalyse
5.2.1 Relevanz der Anteilskonzentration
5.2.2 Relevanz der Stimmanteilshöhe
5.2.3 Relevanz der Divergenz von Stimm- und Kapitalanteilen
5.2.4 Relevanz der Identität des Hauptaktionärs
5.3 Robustheitstest
6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht den Einfluss der Eigentümerstruktur deutscher Aktiengesellschaften auf den Unternehmenserfolg. Das primäre Ziel besteht darin, den Stand der Forschung durch eine umfassende Datenerhebung über einen Zeitraum von zehn Jahren zu aktualisieren und mittels einer ökonometrischen Analyse zu überprüfen, ob sich die in bisherigen Studien konstatierte Zunahme der Anteilskonzentration fortgesetzt hat und welche Auswirkungen unterschiedliche Eigentümerstrukturen auf den Marktwert von Unternehmen haben.
- Theoretische Grundlagen der Aktiengesellschaft und deren Eigentümerstruktur.
- Empirische Analyse der Entwicklung von Eigentümerstrukturen in Deutschland zwischen 1996 und 2006.
- Untersuchung von Konflikten zwischen Management, Großaktionären und Publikumsaktionären (Principal-Agent-Problematik).
- Ökonometrische Überprüfung von Hypothesen zum Einfluss von Anteilskonzentration, Stimmrechtsdivergenz und Aktionärsidentität auf den Unternehmenserfolg.
Auszug aus dem Buch
4.1 Analyse der Konflikte zwischen den Akteuren
Spätestens seit dem grundlegenden Werk von Berle/Means (1932) ist allgemein anerkannt, dass die Übertragung der Unternehmensführung von den Anteilseignern auf ein externes Management die Effizienz der AG durch das sog. Agency-Problem schmälert. Unter dieser Problematik ist der Interessenskonflikt zwischen Auftraggebern (Aktionären) und Delegierten (Managern) zu verstehen. Sehen sich die Manager keinerlei Kontrolle ausgesetzt, werden sie versuchen, durch opportunistisches Verhalten ihren eigenen Nutzen zu maximieren, was den Zahlungsstrom an die Aktionäre reduzieren kann. Diese Tatsache macht die Kontrolle der Unternehmensführung durch ihre Auftraggeber erforderlich.
Daher sollen im Folgenden anhand der Principal-Agent-Theorie (PAT) potentielle Konflikte sowie möglichen Lösungswege erläutert werden. Diese Theorie erscheint für die Betrachtung des Problems geeignet, da sie die Handlungen einzelner Individuen und nicht nur die des Unternehmens an sich berücksichtigt.
In einer Welt mit perfekten Informationen würden die Delegation solcher Verfügungsrechte zur Bildung wohlstandsmaximierender Strukturen der Arbeitsteilung/Spezialisierung bzw. des Tausches/der Abstimmung führen, in denen niemand einen Anreiz für vertragsabweichendes Verhalten hätte. Die PAT bezeichnet diesen Zustand als die First-best-Lösung. In der Realität entstehen jedoch durch Informationsasymmetrien, beschränkte Rationalität und individuelle Nutzenmaximierung, Verhaltensprobleme und Konflikte in der Beziehung zwischen Principal und Agent. Diese Konflikte versucht die PAT zu lösen bzw. zu mildern, um einen Second-best-Lösung zu erreichen. Die Differenz zwischen den Ergebnissen dieser beiden Lösungsszenarien wird als Agency-Kosten bezeichnet.
Die potentiellen Konflikte zwischen Principal und Agent lassen sich in vor- und nachvertragliche Agency-Probleme unterteilen, dabei wird nachfolgend stets von einer Benachteiligung des Principals durch Handlungen des Agents ausgegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Trennung von Eigentum und Verfügungsmacht in Aktiengesellschaften ein und definiert das Ziel der Arbeit, den Stand der Forschung zu deutschen Eigentümerstrukturen mittels einer umfassenden Datenanalyse zu aktualisieren.
2. Theorie der Aktiengesellschaft und ihrer Eigentümerstruktur: Das Kapitel vermittelt die rechtlichen Grundlagen der AG und differenziert zwischen verschiedenen Aktionärstypen sowie Eigentümerstrukturen, um ein theoretisches Fundament für die Untersuchung zu schaffen.
3. Deskriptive Statistik: Hier wird der Forschungsstand anhand einer eigenen Stichprobe über den Zeitraum von zehn Jahren aktualisiert, wobei insbesondere die Entwicklung von Anteilsbesitz, Stimmrechtskonzentration und das Auftreten von Pyramidenstrukturen dargestellt werden.
4. Theoretische Verknüpfung von Eigentümerstruktur und Unternehmenserfolg: Dieses Kapitel erörtert die agencytheoretischen Konflikte zwischen den Akteuren und leitet Hypothesen her, wie sich die Eigentümerstruktur (Anteilsbesitz, Identität der Aktionäre) auf den Unternehmenserfolg auswirken könnte.
5. Ökonometrische Untersuchung der Stichprobe: Der empirische Teil der Arbeit, in dem die in Kapitel 4 entwickelten Hypothesen auf Basis der Stichprobe mittels multivariater Regressionen statistisch überprüft und robustheitsgetestet werden.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der empirischen Ergebnisse, ordnet diese in den Kontext bisheriger Forschung ein und gibt Anregungen für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen.
Schlüsselwörter
Aktiengesellschaft, Eigentümerstruktur, Unternehmensführung, Principal-Agent-Theorie, Anteilskonzentration, Unternehmenserfolg, Stimmrechte, Kapitalanteile, Paketaktionäre, Publikumsaktionäre, Corporate Governance, Agency-Kosten, Regressionsanalyse, Kapitalmarkt, Minderheitenschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Eigentümerstruktur deutscher Aktiengesellschaften und deren Einfluss auf den Unternehmenserfolg unter Berücksichtigung der agencytheoretischen Perspektive.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?
Zentrale Themen sind die rechtliche Struktur der AG, die empirische Entwicklung der Anteilsverteilung über zehn Jahre, die ökonomischen Interessen von Groß- und Kleinaktionären sowie die statistische Verknüpfung von Eigentümerstrukturen mit dem Unternehmenserfolg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Aktualisierung des Forschungsstands zur Eigentümerstruktur in Deutschland durch eine umfassende Datenerhebung und die Beantwortung der Frage, wie sich unterschiedliche Eigentümerstrukturen (z.B. Anteilskonzentration, Aktionärsidentität) auf den Marktwert auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es wird ein methodischer Mix aus theoretischer Analyse auf Basis der Principal-Agent-Theorie und einem empirischen Teil verwendet, der eine deskriptive Statistik sowie multivariate Regressionsanalysen umfasst.
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Interessenskonflikte (Principal-Agent-Konflikt, rationale Apathie) und die darauf aufbauende empirische Untersuchung mittels Regressionsmodellen unter Einbeziehung von Kontrollvariablen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Untersuchung lässt sich vor allem durch die Begriffe Corporate Governance, Eigentümerstruktur, Anteilskonzentration und Unternehmenserfolg beschreiben.
Wie wird in dieser Arbeit mit dem Phänomen der "Pyramidenstrukturen" umgegangen?
Pyramidenstrukturen werden als Anomalie betrachtet, die eine Divergenz zwischen Stimm- und Kapitalanteilen erzeugt; ihre Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg werden spezifisch als Variable in das Regressionsmodell aufgenommen.
Welche Rolle spielen "Finanzinvestoren" im Vergleich zu anderen Anteilseignern?
Finanzinvestoren werden als Gruppe mit komparativem Kontrollvorteil definiert, bei der jedoch potenzielle Interessenskonflikte durch vielfältige Geschäftsbeziehungen zum Beteiligungsunternehmen bestehen können.
Warum wurde Tobin’s Q als Robustheitstest herangezogen?
Tobin’s Q wurde verwendet, um zu prüfen, ob die Ergebnisse des Hauptmodells (das auf Renditekennzahlen basiert) stabil bleiben, wenn ein in der Literatur weit verbreitetes, wertbasiertes Erfolgsmaß eingesetzt wird.
- Quote paper
- Diplom-Kaufmann Alexander Freiherr v. Fritsch (Author), 2007, Die Eigentümerstruktur deutscher Aktiengesellschaften und ihre Relevanz für den Unternehmenserfolg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76893