Das 19. Jahrhundert fokussierend ist der Mitteleuropa-Gedanke im wesentlichen auf zwei Pfeiler gestützt:
1. Die Frage, wie die Einheit des Deutschen Reiches herzustellen ist (großdeutsche oder kleindeutsche Lösung)
2. Die Überlegung, die ökonomischen Strukturen dieses neuen deutschen Staatengebildes in einer föderalen Struktur zusammenzufassen.
Daraus resultierend leitet sich der Mitteleuropa-Gedanke auf die Struktur des 19. Jahrhunderts ab: Mitteleuropa als Teil der Welt von Wille und Vorstellung wie sie sich unter anderem in den Schriften Schopenhauers manifestiert. Der Mitteleuropa-Gedanke im Sinne des 19. Jahrhunderts bedeutete, daß die Brückenfunktion zwischen Ost und West angesichts der Handelsströme und der politischen Neugestaltung der Landkarte errichtet wurde und diesbezüglich die Minimalisierung auf die wesentlichen politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Standards erfolgte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Voraussetzungen
3. Friedrich Lists Vorstellungen einer Deutsch-mitteleuropäischen Großraumwirtschaft
3.1 Der „Ergänzungsraum“ Holland
3.2 Der „Ergänzungsraum“ Südosteuropa
4. Deutschland innerhalb der „Weltreichslehre“
5. Mögliche Gründe für das Denken Lists
6. Fazit
7. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomischen und politischen Vorstellungen von Friedrich List im 19. Jahrhundert, insbesondere im Hinblick auf sein Konzept einer mit Mitteleuropa verbundenen deutschen Großraumwirtschaft, und analysiert, inwieweit diese Gedanken als Vorläufer oder Rechtfertigung für spätere imperialistische Bestrebungen in der deutschen Außenpolitik interpretiert werden können.
- Friedrich Lists Theorie des „nationalen Systems der politischen Ökonomie“
- Die Konzeption von „Ergänzungsräumen“ (Holland und Südosteuropa)
- Der Zusammenhang zwischen nationaler Einheit und wirtschaftlicher Großraumplanung
- Kritische Einordnung von Lists Denken im Kontext des Imperialismus nach 1890
Auszug aus dem Buch
3. Friedrich Lists Vorstellungen einer deutsch-mitteleuropäischen Großraumwirtschaft
Es fällt schwer zu verstehen, wie man am Vorabend der Revolution 1848/49 die Idee einer mitteleuropäischen Großraumwirtschaft unter deutscher Führung entwickeln konnte; zumal ja noch nicht einmal die Grundvoraussetzung, die deutsche Einheit vollzogen war, geschweige denn sich das deutsche Kapital in das unmittelbare Ausland verlagerte. Selbst Preußen, zweifelsohne die stärkste Wirtschaftskraft auf dem Gebiet des deutschen Reiches ab 1871, besaß in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur eine unbedeutende Wirtschaft, die zu großen Teilen von der Landwirtschaft getragen wurde.
Der jährliche Eisenausstoß wurde nicht nur von Frankreich, England und Rußland übertroffen, sogar Österreich konnte bessere Zahlen vorweisen. Der relative Anteil an der Weltproduktion für alle deutsche Staaten (außer Österreich) lag um 1830 bei 3,5% (im Vergleich: Europa als Ganzes besaß 34,2% Anteil!). Erst mit den 50er und 60er Jahren des 19. Jahrhunderts konnte man von einer Industrialisierung innerhalb Deutschlands sprechen. Zuvor war man jedoch von dieser Tatsache noch weit entfernt. Zudem wurde ein Wirtschaftswachstum durch den latenten Gegensatz zwischen Landadel und Wirtschaftsbürgertum gehemmt wie das Beispiel Preußens nach den Gebietserweiterungen am Rhein bestens beweist. Es ergab sich ein unübersehbarer Konflikt zwischen dem liberalen Westen und dem agrikulturellen Osten.
Friedrich List war mit seinem Denken der Zeit um mindestens 30 Jahre voraus. Zu einer Zeit, da Deutschland der nationalen Einheit ferner stand als je zuvor, entwickelte er sein Konzept einer Großraumwirtschaft. Auf dem Weg zur Verwirklichung seines Ziels konnte der Zollverein von 1834 nur eine Etappe sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den historischen Hintergrund des Europagedankens im 19. Jahrhundert und führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein, ob Friedrich List imperialistisch dachte.
2. Voraussetzungen: Dieses Kapitel behandelt die wirtschaftliche Situation Deutschlands im frühen 19. Jahrhundert sowie das Wirken von Friedrich List als Vorkämpfer für wirtschaftliche Einheit und Zollvereinsbestrebungen.
3. Friedrich Lists Vorstellungen einer Deutsch-mitteleuropäischen Großraumwirtschaft: Hier werden Lists theoretische Konzepte einer auf Deutschland ausgerichteten Großraumwirtschaft sowie seine spezifischen Überlegungen zu Holland und Südosteuropa als wirtschaftliche „Ergänzungsräume“ dargelegt.
4. Deutschland innerhalb der „Weltreichslehre“: Das Kapitel analysiert Lists Bestrebungen zur nationalen Einheit Deutschlands vor dem Hintergrund der globalen Machtkonstellationen und seinen Wunsch nach einer Vermittlerrolle zwischen Ost und West.
5. Mögliche Gründe für das Denken Lists: Zusammenfassende Darstellung der historischen Ursachen, wie der Wirtschaftskrise nach 1815, die Friedrich List dazu veranlassten, sein ökonomisches System zu entwerfen.
6. Fazit: Das Fazit schließt, dass Lists Theorien zwar revolutionär für die deutsche Wirtschaft waren, aber durch ihre geopolitische Ausrichtung die Basis für spätere imperialistische Ambitionen legten.
7. Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur zur Unterstützung der Argumentation.
Schlüsselwörter
Friedrich List, Mitteleuropa-Gedanke, Großraumwirtschaft, Nationalökonomie, Deutscher Zollverein, Imperialismus, Industrialisierung, Weltreichslehre, Ergänzungsraum, Holland, Südosteuropa, Deutschland, Politische Ökonomie, Hegemonie, Wirtschaftsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den wirtschafts- und außenpolitischen Visionen von Friedrich List und untersucht dessen Konzepte für ein geeintes, wirtschaftlich starkes Deutschland im Mitteleuropa des 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Gründung des Zollvereins, die Theorie der „kosmopolitischen Teilung der Arbeit“, die Einordnung der Türkei und Hollands als wirtschaftliche Hinterländer sowie der Vergleich mit dem Imperialismus des späten 19. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, inwieweit Friedrich List bereits imperialistisch dachte und ob seine Konzepte als ideologische Wegbereiter für die deutsche Außenpolitik nach 1890 dienten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, indem sie die Schriften von Friedrich List in den Kontext der zeitgenössischen ökonomischen Krisen und politischen Umbrüche des 19. Jahrhunderts setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der wirtschaftlichen Voraussetzungen Deutschlands, die theoretische Herleitung der Großraumwirtschaft durch List, die spezifische Betrachtung der „Ergänzungsräume“ sowie die Verortung Deutschlands in der Weltreichslehre.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Friedrich List, Großraumwirtschaft, Mitteleuropa, deutsche Nationaleinheit, Imperialismus und Wirtschaftsgeschichte.
Wie bewertet der Autor Lists Haltung zu den Ländern der „heißen Zone“?
List wird als Vertreter einer Denkweise dargestellt, die Ländern in klimatisch wärmeren Zonen den Status von bloßen Rohstofflieferanten zuwies und ihnen die Fähigkeit zu einer eigenständigen Industrieentwicklung absprach, was der Autor als Rechtfertigung für Ausbeutung interpretiert.
Inwiefern sieht der Autor eine Verbindung zwischen List und dem späteren Nationalsozialismus?
Der Autor argumentiert, dass Lists Konzepte der Großraumwirtschaft und die damit verbundenen imperialistischen Spielregeln so wirkmächtig waren, dass sie teilweise bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein als ideologische Referenzpunkte aktiv blieben.
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- Magister Artium Yves Dubitzky (Author), 2003, Der „Mitteleuropa-Gedanke“ im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/76918