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Moses Mendelssohn und das Judentum

Title: Moses Mendelssohn und das Judentum

Seminar Paper , 2000 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Martin Feyen (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Das 18. Jahrhundert ist das Zeitalter, in dem in West- und Mitteleuropa die Ideen der Aufklärung zum Durchbruch kommen. Die Grundüberzeugung der Aufklärer ist die Gleichheit aller Menschen aufgrund ihrer Vernunft, eine ihrer zentralen Forderungen die Toleranz im Hinblick auf religiöse Überzeugungen. Dies macht die bis dahin selbstverständliche Verbindung von Staat und Kirche fragwürdig und schafft ein Klima, in dem schließlich auch die Juden als gleichwertige Mitmenschen ins Blickfeld rücken. Doch lange Zeit „fehlte noch die persönliche Verwirklichung, der lebendige persönliche Beweis“ , dass auch ein Jude am geistigen Leben des aufgeklärten Europa teilnehmen konnte.
Diesen Beweis hat Moses Mendelssohn (1729-1786) erbracht. Er war „der erste moderne Jude, der nicht nur als Zaungast an der Umweltkultur teilnahm, sondern tätiger Mitträger und Mitgestalter dieser Kultur war.“ Und bei alledem blieb er doch sein ganzes Leben lang der Religion seiner Väter treu und hielt sich an die Vorschriften des scheinbar so unvernünftigen und despotischen mosaischen Gesetzes. Er zeigte seinen Zeitgenossen, wie „der Jude, der sich treu blieb, der von seinem Judentum nicht abdankte noch von ihm etwas fortnahm, im neuen Europa aufrecht auf seinem Platz stand.“
Im Rahmen dieser Arbeit soll untersucht werden, wie es Mendelssohn gelang, in seinem Denken jüdische Religion und Vernunft in Einklang zu bringen. Den Ausgangspunkt bildet hierbei der Lavaterstreit, zum einen wegen der Bedeutung, die dieser Auseinandersetzung in Mendelssohns Biographie zukommt, zum anderen weil die im Zusammenhang damit entstandenen Schriften wohl - wie sich im Vergleich mit seiner Spätschrift Jerusalem ergibt - mit einigem Recht als „abstract of Moses Mendelssohn’s religious-philosophical works“ angesehen werden können. Im Folgenden wird dann zunächst untersucht, welche positiven Glaubensinhalte nach Mendelssohns Auffassung unbedingt zum Judentum gehören, und in welchem Sinne er dieses als eine in seinen Lehren den Anforderungen der Vernunft genügende Universalreligion betrachtet. In einem zweiten Teil richtet sich der Blick dann auf das unterscheidend Jüdische, d.h. das mosaische Gesetz, und die Ansichten, die Mendelssohn in seinen Schriften über dessen Sinn, Ursprung und Gültigkeit äußert. Stets im Auge behalten wird dabei sein Verhältnis zur rabbinischen Tradition und zu den jüdischen Philosophen des Mittelalters, sowie zu Spinoza.

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Inhaltsverzeichnis

I.) Einleitung

II.) Moses Mendelssohn und das Judentum

II.1.1) Ein missglückter Bekehrungsversuch

II.1.2) Das Judentum als Vernunftreligion

II.1.3) Anspruch und Wirklichkeit

II.2) Das spezifisch Jüdische

II.2.1) Die Gesetzgebung am Sinai

II.2.2) Die Gültigkeit der Tora

II.2.3) Der Sinn des Gesetzes

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie es Moses Mendelssohn gelang, die jüdische Religion mit den Anforderungen der Vernunft in Einklang zu bringen, und analysiert dabei insbesondere seine Haltung zum mosaischen Gesetz im Kontext der Aufklärung.

  • Die Vereinbarkeit von jüdischem Glauben und aufklärerischem Denken
  • Die Rolle des Zeremonialgesetzes im Denken Mendelssohns
  • Das Judentum als Universalreligion im Vergleich zum Christentum
  • Der Stellenwert der rabbinischen Tradition und des Talmud
  • Die Bedeutung der Sinai-Gesetzgebung für die jüdische Identität

Auszug aus dem Buch

II.1.1) Ein missglückter Bekehrungsversuch

„Wenn ich bedenke, was man zur Anerkennung der Heiligkeit unserer Religion zu thun schuldig ist, so begreife ich gar nicht, wie so Manche unserer Glaubensgenossen immer schreien, ich solle um des Himmels willen nicht mehr davon schreiben. Auch habe ich es, Gott weiß es, nicht gern gethan, daß ich mich vom Disput losgemacht habe; mein eigener Wille trat gegen den Willen Anderer zurück. Wäre es mir nachgegangen, so hätte ich eine ganz andere Antwort geben wollen.“ Diese Worte Mendelssohns in einem Brief an seinen Schwager Elkan Herz vom 16. November 1770 geben Zeugnis davon, wie sehr ihn die Auseinandersetzung mit dem jungen Schweizer Theologen Johann Kaspar Lavater innerlich aufgewühlt hat.

Dieser hatte den jüdischen Denker in der Zueignung seiner Übersetzung von Charles Bonnets Schrift La Palingénésie Philosophique - erschienen im August 1769 in Zürich unter dem Titel Herrn Carl Bonnets (...) philosophische Untersuchung der Beweise für das Christentum - aufgefordert, „dieselbe öffentlich zu widerlegen, wofern Sie die wesentlichen Argumentationen, womit die Thatsachen des Christenthums unterstützt sind, nicht richtig finden: Dafern Sie aber dieselben richtig finden, zu thun, was Klugheit, Wahrheitsliebe, Redlichkeit Sie thun heissen; - was Socrates getan hätte, wenn er diese Schrift gelesen, und unwiderleglich gefunden hätte.“

Dieser unverhohlene Bekehrungsversuch war ein schwerer Schlag für den noch kurz zuvor als „deutscher Sokrates“ gefeierten Philosophen, der eine öffentliche Stellungnahme zu religiösen Fragen bis dahin stets vermieden hatte. Der Grund für diese Zurückhaltung wird selbst aus dem scheinbar so großzügigen Bescheid des Berliner Konsistoriums deutlich, das Mendelssohn zwar den Druck seiner Antwort an Lavater ohne Vorzensur erlaubte – allerdings unter dem Hinweis, man sei sicher, die Schrift werde nichts enthalten, was ein „öffentliches Ärgernis“ erregen könne.

Zusammenfassung der Kapitel

I.) Einleitung: Die Einleitung verortet Mendelssohn im 18. Jahrhundert als Brückenbauer zwischen jüdischer Identität und aufklärerischem Geist.

II.) Moses Mendelssohn und das Judentum: Dieses Kapitel erörtert die Grundspannungen zwischen jüdischem Glauben und rationalistischer Philosophie.

II.1.1) Ein missglückter Bekehrungsversuch: Hier wird der Lavaterstreit als persönlicher und intellektueller Wendepunkt in Mendelssohns Wirken analysiert.

II.1.2) Das Judentum als Vernunftreligion: Mendelssohns Verständnis des Judentums als einer mit der Vernunft verträglichen Religion ohne widersprüchliche Dogmen wird erläutert.

II.1.3) Anspruch und Wirklichkeit: Dieses Kapitel befasst sich mit der apologetischen Dimension von Mendelssohns Schriften gegenüber christlichen Zeitgenossen und jüdischen Autoritäten.

II.2) Das spezifisch Jüdische: Hier wird der Übergang von allgemeinen Vernunftwahrheiten zur Bedeutung der jüdischen Partikularität vollzogen.

II.2.1) Die Gesetzgebung am Sinai: Das Sinai-Ereignis wird als historisches Fundament und Quelle der jüdischen Gesetzgebung begründet.

II.2.2) Die Gültigkeit der Tora: Es wird untersucht, warum das Gesetz für Mendelssohn auch in der Moderne verpflichtend bleibt.

II.2.3) Der Sinn des Gesetzes: Das Kapitel schließt mit der Begründung des Gesetzes als bewahrende Identitätsinstanz gegen Götzendienst und Atheismus.

Schlüsselwörter

Moses Mendelssohn, Judentum, Aufklärung, Vernunftreligion, Lavaterstreit, Tora, Zeremonialgesetz, Sinai, Religionsphilosophie, jüdische Identität, Religionskritik, Maimonides, Spinoza, Offenbarung, Toleranz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Denken von Moses Mendelssohn und sein Bestreben, das Judentum innerhalb der Aufklärung als eine vernunftgemäße Religion zu verteidigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Rolle des mosaischen Gesetzes, das Verhältnis zwischen jüdischer Offenbarung und Vernunft sowie die Identitätswahrung des Judentums.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es soll untersucht werden, wie Mendelssohn jüdische Religion und Vernunft in seinem Denken in Einklang brachte und welche Bedeutung er dem Gesetz dabei beimaß.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer textkritischen Analyse der Schriften Mendelssohns, insbesondere im Kontext zeitgenössischer Kontroversen und philosophischer Diskurse.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Lavaterstreits, Mendelssohns Universalismus-Verständnis und die spezifische Bedeutung der Sinai-Gesetzgebung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören Mendelssohn, Vernunftreligion, Judentum, Aufklärung, Gesetzgebung und Offenbarung.

Wie bewertet Mendelssohn das Verhältnis zwischen Gesetz und Vernunft?

Er betrachtet das Judentum als natürliche Vernunftreligion, die durch das Zeremonialgesetz als unverzichtbare Identitätspraxis ergänzt wird.

Warum spielt der Lavaterstreit eine so wichtige Rolle für das Verständnis von Mendelssohns Position?

Der Streit zwang Mendelssohn dazu, seine religiöse Überzeugung öffentlich zu artikulieren, was ihn letztlich zu einem Vorkämpfer für jüdische Belange machte.

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Details

Title
Moses Mendelssohn und das Judentum
College
Ruhr-University of Bochum
Grade
1,0
Author
Martin Feyen (Author)
Publication Year
2000
Pages
23
Catalog Number
V77004
ISBN (eBook)
9783638819169
ISBN (Book)
9783638821216
Language
German
Tags
Moses Mendelssohn Judentum Aufklärung Philosophie Geschichte Lessing Preußen Religion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Feyen (Author), 2000, Moses Mendelssohn und das Judentum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77004
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