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Der Wissensbegriff in De docta ignorantia (Die belehrte Unwissenheit) von Nikolaus von Kues

Title: Der Wissensbegriff in  De docta ignorantia  (Die belehrte Unwissenheit) von Nikolaus von Kues

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 47 Pages , Grade: gut

Autor:in: Tobias Zell (Author)

Philosophy - Philosophy of the Middle Ages (approx. 500-1350)
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n "De docta ignorantia", seinem ersten philosophischen Werk, hat Nikolaus von Kues seine bleibenden Grundgedanken festgehalten. Für viele gelten die drei Bände auch als Hauptwerk des Kusaners. Abgeschlossen hat Cusanus seine "belehrte Unwissenheit", die er Kardinal Julian Cesarini widmete, am 12. Februar 1440 zu Kues an der Mosel.

In dem Werk legt Cusanus zwei zentrale Themen seiner Philosophie und Theologie dar. Zum einen stellt er den Zusammenfall der Gegensätze heraus. Dieser sei nur in Gott möglich, wobei Jesus Christus das Bindeglied zwischen Gott und der Welt sei. Die Welt sei stufenweise geordnet, vom Höchsten bis hin zum Niedrigsten. In diesem Zusammenhang tritt auch die Vorliebe des Cusanus für mathematische Denk- und Ausdrucksweisen zu Tage. Derer bedient er sich besonders, wenn es darum geht, die Probleme des unendlich Großen und unendlich Kleinen zu bewältigen und auszudrücken.
Der zweite Schwerpunkt, den Cusanus in "De docta ignorantia" einbettet, ist der, der dem Werk seinen Namen gibt: Die belehrte Unwissenheit - das Wissen um das eigene Nicht-Wissen. Nach Cusanus wird ein Mensch gerade dadurch umso gelehrter, je mehr er um sein eigenes Nicht-Wissen weiß. Das Wissen um das Nicht-Wissen ist also das Ziel. Denn, so Cusanus, wenn uns diese Absicht gelingt, dann haben wir die belehrte Unwissenheit erreicht, die er ausgibt.

Das philosophische Werk des Cusanus ist zugleich ein Dokument für den Wandel scholastischen Denkens hin zum Geist des Humanismus der Renaissance. Damit gehört Cusanus zu den "Wegbereitern der Neuzeit" – wenngleich sein Einfluss zunächst dürftig war. Denn Nikolaus von Kues ist mit seiner Annahme, das Gott das Absolute und das Zentrum aller Überlegungen ist, noch ganz dem Mittelalter verhaftet. Auf der Gegenseite zieht Cusanus aber einen wichtigen Schluss: Die von den antiken Philosophen getroffene Unterscheidung zwischen den Himmelskörpern und der Erde, zwischen himmlischer und irdischer Materie, ist unhaltbar. Mit diesem Ansatz bereitet Cusanus bereits die kopernikanische Wende vor – vorweg genommen hat er sie, entgegen einiger Stimmen, wohl eher nicht. Ähnlich beurteilt Wilhelm Totok die cusanische Philosophie. Sie sei "eine Philosophie des Übergangs". Und sie sei zum einen der Abschluss des mittelalterlichen Denkens, zum anderen der Beginn des neuzeitlichen Denkens.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Zur Einführung

2. Zu Entstehung und Inhalt von "De docta ignorantia"

2.1. Der Blitz der Erkenntnis

2.2. Aufbau des Werkes

3. Belehrte Unwissenheit – Wissendes Nicht-Wissen

3.1. Ich weiß, dass ich nichts weiß

3.2. Die cusanische Erkenntnistheorie

3.3. Der Zusammenfall der Gegensätze im Unendlichen

3.4. Negative Theologie und unfassbarer Gott

4. Der unendliche Weg des Erkennens – die belehrte Unwissenheit als Ziel

5. Zur Gotteserkenntnis

6. Die belehrte Unwissenheit als hermeneutischer Zirkel?

7. Schlussbetrachtungen

Als Nachwort ein Essay: Vom Beginn einer neuen Zeit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Wissensbegriff in Nikolaus von Kues’ Hauptwerk "De docta ignorantia", analysiert die Konzeption der "belehrten Unwissenheit" als bewusstes Nicht-Wissen und beleuchtet deren erkenntnistheoretische sowie theologische Tragweite.

  • Die Philosophie der "coincidentia oppositorum" (Zusammenfall der Gegensätze)
  • Die Grenzen des menschlichen Erkenntnisvermögens und der menschliche Geist
  • Negative Theologie und das Verhältnis von Gott und Welt
  • Die methodische Bedeutung der Mathematik in der cusanischen Spekulation
  • Die Transformation scholastischen Denkens hin zum Humanismus der Renaissance

Auszug aus dem Buch

3.1. Ich weiß, dass ich nichts weiß

"Verglichen mit diesem Menschen, bin ich doch weiser. Wahrscheinlich weiß ja keiner von uns beiden etwas Rechtes; aber der glaubt, etwas zu wissen, obwohl er es nicht weiß; ich dagegen weiß zwar auch nichts, glaube aber auch nicht, etwas zu wissen. Um diesen kleinen Unterschied bin ich offenbar doch weiser, dass ich eben das, was ich nicht weiß, auch nicht zu wissen vermeine."

(Platon, Die Verteidigungsrede des Sokrates)

Die belehrte Unwissenheit, die Cusanus proklamiert, verweist auf das bekannte sokratische Eingeständnis der Unwissenheit. "Ich weiß, dass ich fast nichts weiß, und ich weiß kaum das", möchte man zustimmend sagen. Sokrates stellt unter anderem die Forderung auf, dass der Staatsmann weise sein soll. Das bedeutet aus seiner Sicht, "dass der Staatsmann sich seiner eklatanten Unwissenheit voll bewusst sein soll", erläutert etwa Karl R. Popper. Sokrates wirbt für intellektuelle Bescheidenheit, die das Motto "Erkenne dich selbst!" interpretiert als Appell: "Sei dir bewusst, wie wenig du weißt!"

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zur Einführung: Einführung in Nikolaus von Kues’ Hauptwerk und die zentralen Themen der belehrten Unwissenheit sowie des Zusammenfalls der Gegensätze.

2. Zu Entstehung und Inhalt von "De docta ignorantia": Darstellung des historischen Entstehungskontexts und des Aufbaus der dreibändigen Schrift.

3. Belehrte Unwissenheit – Wissendes Nicht-Wissen: Analyse des Kernkonzepts, der sokratischen Wurzeln und der Erkenntnistheorie des Cusanus.

4. Der unendliche Weg des Erkennens – die belehrte Unwissenheit als Ziel: Untersuchung des unendlichen Strebens des Geistes nach Erkenntnis und der konjekturalen Natur des menschlichen Wissens.

5. Zur Gotteserkenntnis: Erörterung der Trinitätslehre und der Unfassbarkeit Gottes innerhalb der cusanischen Philosophie.

6. Die belehrte Unwissenheit als hermeneutischer Zirkel?: Anwendung des Modells des hermeneutischen Zirkels auf den fortwährenden Prozess des Verstehens bei Cusanus.

7. Schlussbetrachtungen: Reflexion über die historische Wirkung von "De docta ignorantia" und die Bedeutung mathematischer Spekulationen.

Schlüsselwörter

Nikolaus von Kues, De docta ignorantia, belehrte Unwissenheit, Erkenntnistheorie, Nicht-Wissen, coincidentia oppositorum, negative Theologie, Humanismus, Philosophie, Gotteserkenntnis, Mathematik, Konjektur, hermeneutischer Zirkel, Unendlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Nikolaus von Kues' philosophisches Hauptwerk "De docta ignorantia" und interpretiert den zentralen Begriff der belehrten Unwissenheit im Kontext der Erkenntnistheorie und Theologie.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Zusammenfall der Gegensätze, den Grenzen der menschlichen Vernunft, der negativen Theologie sowie dem Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Struktur des cusanischen Wissensbegriffs freizulegen, der durch das bewusste Eingeständnis des eigenen Nicht-Wissens geprägt ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geistesgeschichtliche und systematisch-philosophische Untersuchung, die sich auf Primärtexte und relevante Sekundärliteratur zur cusanischen Philosophie stützt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert das Werk in seine wesentlichen erkenntnistheoretischen Stufen, diskutiert den hermeneutischen Charakter des Denkens und untersucht die mathematischen Spekulationen des Autors.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören belehrte Unwissenheit, Koinzidenz, Erkenntnistheorie, Gotteserkenntnis und das unendliche Streben des menschlichen Geistes.

Wie unterscheidet Cusanus zwischen Verstand und Vernunft?

Der Verstand ist bei Cusanus auf die Welt der Gegensätze beschränkt, während die Vernunft in der Lage ist, diese Gegensätze im Unendlichen zusammenzuführen.

Welche Rolle spielt die Mathematik bei Cusanus?

Die Mathematik dient Cusanus als wichtiges Anschauungsmaterial, um die Grenzen der menschlichen Erkenntnis durch Grenzwertbetrachtungen zu veranschaulichen und sich so dem Unendlichen anzunähern.

Warum ist das "Wissen um das Nicht-Wissen" kein bloßes Resignieren?

Es ist ein aktiver, erkenntnisreicher Zustand, da das bewusste Eingeständnis der Unwissenheit den menschlichen Geist erst für die notwendige Reflexion und die Annäherung an das Unendliche öffnet.

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Details

Title
Der Wissensbegriff in De docta ignorantia (Die belehrte Unwissenheit) von Nikolaus von Kues
College
University of Bamberg  (Philosophie I)
Course
Cusanus, De docta ignorantia
Grade
gut
Author
Tobias Zell (Author)
Publication Year
2002
Pages
47
Catalog Number
V7708
ISBN (eBook)
9783638148702
ISBN (Book)
9783656246527
Language
German
Tags
Cusanus Nikolaus von Kues Cusanus "Die belehrte Unwissenheit" "De docta ignorantia" Wissensbegriff
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Zell (Author), 2002, Der Wissensbegriff in De docta ignorantia (Die belehrte Unwissenheit) von Nikolaus von Kues, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/7708
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