Die sportliche Tätigkeit bietet eine günstige Gelegenheit soziales Verhalten zu Erleben und Erlernen. Bei vielen gemeinsamen sportlichen Tätigkeiten lernen Sportler die Wechselseitigkeit des Gebens und Nehmens, indem sie Vereinbarungen treffen und sie auch selbst einhalten. Nach Müller (1999) zählen Verlässlichkeit, Hilfe, Akzeptanz und Vertrauen zu den Gewünschten sozialen Eigenschaften auf die sich soziales lernen in der Bewegungserziehung beziehen kann.
Thomas (1995) beschreibt, dass sich in nahezu allen sportlichen Tätigkeiten soziale Interaktionsformen wieder finden: Während bei Mannschaftssportarten Kooperation und Kommunikation das zentrale Thema ist, stehen beispielsweise bei Kampfsportarten die Auseinandersetzung zweier Sportler mit den Regeln und der Taktik des Gegenübers im Vordergrund. Sogar Individualsportler werden subtil beeinflusst durch Reaktionen von Zuschauern oder von Leistungen anderer Sportler.
Dem Sport wird ein großer Stellewert zur Vermittlung der oben genannten wünschenswerten sozialen Werte attestiert, welche als prosoziales Verhalten zusammengefasst werden. Jedoch geht aus der aktuellen Literatur keine einheitliche Gliederung der Interaktionsformen im Sport hervor.
Mit dieser Arbeit wird versucht eine klare Gliederung der Interaktionsformen im Sport zu schaffen, im Hauptteil wird beschrieben wie sich diese Prozesse Interagierenden Handelns charakterisieren, welche von besonderer Wichtigkeit in der Bewegungserziehung sind und welche möglichen Konsequenzen sich für die praktische Umsetzung ergeben.
Im empirischen Teil der Arbeit wird mittels Experteninterviews der Frage nachgegangen, welche Interaktionsformen häufig beim Sporttreiben beobachtet werden können und welche Vorraussetzungen und Ziele gegeben sein müssen, damit eine funktionierende Kooperation zwischen Sportlern zustande kommt. Spieler von Mannschaftssportarten (Fußball, Eishockey, Handball, Basketball, Volleyball) bilden hierbei das Feld meiner Untersuchung.
Am Ende der Arbeit steht eine Zusammenfassung, die einen Grobüberblick über die gesamte Arbeit gibt und die wichtigsten Punkte in kompakter Form schildert.
Inhaltsverzeichnis
1 PROBLEMSTELLUNG : INTERAKTIONSFORMEN IM SPORT
2 DIE VIER INTERAKTIONSFORMEN
2.1 Kommunizieren
2.1.1 Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun
2.1.2 Die fünf Axiome der Kommunikation
2.1.3 Kommunikation innerhalb einer Mannschaft
2.1.4 Pädagogische Bedeutsamkeit der Interaktionsform Kommunizieren
2.2 Kooperieren
2.2.1 Aufgaben- und Sozialkooperation
2.2.2 Vorraussetzungen um zu Kooperieren
2.2.3 Pädagogische Bedeutsamkeit der Interaktionsform Kooperieren
2.3 Konkurrieren
2.3.1 Arten des Konkurrierens
2.3.2 Vorraussetzungen um zu Konkurrieren
2.3.3 Pädagogische Bedeutsamkeit der Interaktionsform Konkurrieren
2.4 Helfen/Schädigen
2.4.1 Zum Begriff der Schädigung
2.4.2 Klassen schädigender Handlungen im Sport
2.4.3 Zum Begriff des Helfens
2.4.4 Pädagogische Bedeutsamkeit der Interaktionsform Helfen/Schädigen
3 DARSTELLUNG DER UNTERSUCHUNG
3.1 Zielsetzung
3.2 Untersuchungsmethodik
3.3 Darstellung der Ergebnisse, Interpretation
4 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel der Arbeit ist es, eine strukturierte Gliederung der sozialen Interaktionsformen im Sport zu entwickeln, deren pädagogische Relevanz zu beleuchten und mittels Experteninterviews in Mannschaftssportarten zu untersuchen, welche Voraussetzungen für eine funktionierende Kooperation zwischen Sportlern erforderlich sind.
- Klassifizierung sozialer Interaktionsformen im Sport (Kommunizieren, Kooperieren, Konkurrieren, Helfen/Schädigen).
- Analyse theoretischer Grundlagen zu Kommunikation und Kooperation im sportlichen Kontext.
- Untersuchung der pädagogischen Bedeutsamkeit der verschiedenen Interaktionsformen für die Persönlichkeitsentwicklung.
- Empirische Erhebung von Voraussetzungen und Motiven für Kooperation durch Experteninterviews mit Athleten.
- Diskussion über das Gleichgewicht von aufgabenorientierten und sozialorientierten Kooperationsaspekten.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun
Die vier Ebenen der Kommunikation haben nicht nur Bedeutung für das private Miteinander, sondern auch und vor allem auch auf den sportlichen Bereich, wo das Professionelle und das Menschliche ständig miteinander verzahnt sind.
In seinem Modell hat also jeder Sender 4 Schnäbel und jeder Empfänger 4 Ohren. Psychologisch gesehen sind also auf jeder Seite 4 Schnäbel und 4 Ohren beteiligt wenn wir miteinander reden. Die Art und Qualität des Gespräches hängt sehr davon ab in welche Weise diese Instrumente zusammen spielen.
Im Folgenden werden die vier Ebenen einer Nachricht beschrieben (nach Schulz von Thun, 1981):
1. Sachebene: Hierbei stehen Sachinformationen im Vordergrund, es geht um Daten Fakten, und Sachverhalte. Dabei gilt zum einen das Wahrheitskriterium wahr oder unwahr (zutreffend/nicht zutreffend), zum anderen das Kriterium der Relevanz (sind die aufgeführten Sachverhalte für das anstehende Thema von Belang/nicht von Belang?) und zum Dritten erscheint das Kriterium der Hinlänglichkeit (sind die angeführten Sachhinweise für das Thema ausreichend, oder muss vieles andere auch bedacht sein?)
2. Selbstkundgabe: Wenn jemand etwas von sich gibt, gibt er auch etwas von sich. Jede Äußerung enthält auch, ob ich will oder nicht, eine Selbstkundgabe, einen Hinweis darauf, was in mir vorgeht, wie mir ums Herz ist, wofür ich stehe und wie ich meine Rolle auffasse. Während der Sender also mit dem Selbstkundgabe-Schnabel, implizit oder explizit, Informationen über sich preisgibt, nimmt der Empfänger diese mit dem Selbstkundgabe-Ohr auf: Was sagt mir das über den Anderen? Was ist der für einer? Wie ist er gestimmt?
Zusammenfassung der Kapitel
1 PROBLEMSTELLUNG : INTERAKTIONSFORMEN IM SPORT: Einführung in die Thematik sozialer Interaktion im Sport und Begründung der Gliederung in vier Hauptgruppen.
2 DIE VIER INTERAKTIONSFORMEN: Detaillierte theoretische Darstellung der Formen Kommunizieren, Kooperieren, Konkurrieren sowie Helfen/Schädigen und deren pädagogische Bedeutung.
3 DARSTELLUNG DER UNTERSUCHUNG: Beschreibung der Zielsetzung, Methodik und Ergebnisse der Experteninterviews zur Bedeutung der Kooperation in Mannschaftssportarten.
4 ZUSAMMENFASSUNG: Kompakte Rückschau auf die Arbeit mit einer Synthese aus theoretischen Erkenntnissen und empirischen Ergebnissen.
Schlüsselwörter
Interaktionsformen, Sportpädagogik, Kommunikation, Kooperation, Konkurrieren, Helfen, Schädigen, Mannschaftssport, Experteninterviews, soziale Kompetenz, Persönlichkeitsentwicklung, aufgabenorientiert, sozialorientiert, Teambuilding, Sportpsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht soziale Interaktionsformen im Sport, kategorisiert diese in Kommunizieren, Kooperieren, Konkurrieren sowie Helfen/Schädigen und analysiert deren pädagogischen Stellenwert sowie ihre praktische Bedeutung im Mannschaftssport.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die theoretische Einordnung der Interaktionsformen, ihre Anwendung in Mannschaftssportarten, die Rolle von Kommunikation und Kooperation für den Teamerfolg sowie die psychologischen Voraussetzungen für soziales Handeln im Sport.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, eine klare Gliederung der Interaktionsformen zu schaffen und die Forschungsfrage zu beantworten, welche Voraussetzungen für eine funktionierende Kooperation innerhalb einer Mannschaft gegeben sein müssen und wie diese gewichtet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Teil zur Literaturaufarbeitung und einen empirischen Teil, in dem halbstrukturierte Experteninterviews mit zwölf Sportlern verschiedener Mannschaftssportarten durchgeführt wurden.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Ausarbeitung der vier Interaktionsformen inklusive ihrer pädagogischen Bedeutsamkeit sowie die Darstellung und Interpretation der empirischen Untersuchungsergebnisse zu Kooperationsbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Interaktionsformen, Sportpädagogik, Kooperation, Kommunikation, Mannschaftssport, Teambuilding und Sportpsychologie charakterisieren.
Welche Bedeutung kommt der "Aufgabenorientierung" in der Kooperation zu?
Die Untersuchung zeigt, dass aufgabenorientierte Voraussetzungen – wie das Erreichen gemeinsamer Ziele oder die Verteilung von Teilaufgaben – von den befragten Sportlern häufiger genannt und als wichtiger für die Kooperation eingestuft werden als sozialorientierte Aspekte.
Inwiefern beeinflussen die Erkenntnisse die praktische Sportgestaltung?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass im Leistungssport ein stärkeres Gleichgewicht zwischen aufgaben- und sozialorientierten Ansätzen angestrebt werden sollte, um die soziale Bindung zu stärken und eine breitere Basis für den Zusammenhalt zu schaffen.
- Quote paper
- Bacc. Manuel Pircher (Author), 2007, Interaktionsformen im Sport - Kommunizieren, Kooperieren, Konkurrieren, Helfen/Schädigen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77099