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Ernst Blochs Begriff der Utopie

Title: Ernst Blochs Begriff der Utopie

Examination Thesis , 2005 , 99 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Tim Kirchner (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Summary Excerpt Details

Bereits bei der Konzeptionalisierung eines Utopiebegriffs werden Probleme hinsichtlich einhergehender Werturteile und des nicht vorhandenen wissenschaftlichen Konsens’ sichtbar. Erhält heutzutage beinahe jedweder Utopiediskurs eine pejorative Färbung, so muss dies als Resultat auf den begrifflichen Werdegang des Utopiebegriffs verstanden werden. Das utopische Denken hat es geschafft, in die Alltagssprache im Sinne von ‚träumerisch’ und ‚unrealistisch’ einzudringen und somit den Gegenstand, welchen Utopien seit Platon und Thomas Morus bildeten, bis zur Unkenntlichkeit zu verstümmeln. Somit werden Utopien stigmatisiert als Vorstellungen, die zwar den „[…] gegebenen Status quo in Frage stellen“ , dies aber gleichzeitig auf einer weltfremden Ebene problematisieren. Auch in vielfältigen wissenschaftlichen Diskursen wird nicht recht deutlich, was jeweils unter dem Begriff Utopie verstanden wird, da er interdisziplinär eine je spezifische und exklusive Verwendung findet. Schaut man sich die historische Entwicklung des Utopiediskurses an, so stößt man schon seit Mitte der 1980er Jahre auf den Begriff des ‚postutopischen Zeitalters’ als Reaktion auf den Realitätsschock, „[…] der von zwei Weltkriegen, den totalitären Systemen des Faschismus und des Stalinismus und dem erkennbaren Destruktionspotential der modernen Technik ausgeht […]“ . Dies ist insofern verwunderlich, da der Utopiediskurs von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Ausbruch der Französischen Revolution noch ganz im Zeichen radikaler Kritik an der absolutistischen Monarchie stand und somit in der Utopie eine Antwort auf die Realität einhergehend mit konkreten Veränderungsmustern gesehen wurde. Diente die Utopie in der Zeit der absolutistischen Willkürherrschaft noch als Instrumentarium für eine Verbesserung der Welt, so setzte sie mit dem Realitätsschock zweier Weltkriege aus.
Hiermit ist direkt das Problem angesprochen, mit welchem sich die sowohl die aktuelle Utopieforschung als auch moderne Utopisten konfrontiert sehen. Es handelt sich dabei um unterschiedliche Wahrnehmungsweisen der Gegenwart im Lichte der Utopie. Auf der einen Seite wird vom Ende der Geschichte gesprochen, von einem erreichten und sich manifestierenden ‚telos der Welt’. Mit Beendigung des Zweiten Weltkrieges und vor allem nach Beendigung des Ost-West-Konflikts wird dieses Ende der Geschichte postuliert und folglich die Notwendigkeit von utopischen Gedanken als obsolet abgetan.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

0.1 Utopiebegriff in der Sozialphilosophie

0.2 Problemexposition und Vorgehensweise

1 Ernst Blochs philosophische Wurzeln

1.1 Grundlagen

1.2 Periodisierung des Denken Blochs

1.2.1 Das ‚subjektorientierte Denken’

1.2.2 Übergang zum ‚objektorientierten Denken’

1.2.3 Systematische Entfaltung des Denkens bei Bloch: marxistische Philosophie

1.2.4 Blochs ‚marxistische Philosophie’

1.2 Theoretische Einordnung

2 Rekonstruktion des Utopiegedankens

2.1 Bedeutung der Utopie

2.2 Kategorien

2.3 Möglichkeit der Utopieentwicklung: das offene System

2.4 Ontologische Grundannahmen

2.4.1 Grundlagen

2.4.2 Die Materie

2.5 Anthropologische Grundannahmen

2.5.1 Grundlagen

2.5.2 Tagträume

2.5.3 Antizipierendes Bewusstsein

2.6 Zeittheoretische Grundannahmen

2.7 Grundannahmen des Blochschen Materialismus

2.8 Utopistische Zielvorstellungen

2.9 Resumee: Die systematische Rolle der Utopie

3 Neubetrachtung der Sozialphilosophie Blochs

3.1 Notwendigkeit der Neubetrachtung

3.2 Grundlagen

3.3 Philosophische Anthropologie oder Geschichtsphilosophie?

3.4 Bloch als Vertreter eines intentionalen Utopiebegriffs

3.5 Analyse der objektiven Möglichkeiten

3.6 Resumee

4 Relevanz der Blochschen Sozialphilosophie

4.1 Grundlagen

4.2 Aktualität der Blochschen Sozialphilosophie

4.3 Detailanalysen

4.4 Wider den Normativismus

4.5 Fortschrittskritik

4.6 Resumee

5 Schluss und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis der Sozialphilosophie Ernst Blochs zu seinem Utopiebegriff. Ziel ist es, durch die Rekonstruktion seiner zentralen Grundbegriffe und deren Einbettung in einen philosophiehistorischen Kontext die systematische Rolle der Utopie in Blochs Denken herauszuarbeiten und ihre Relevanz für den aktuellen sozialphilosophischen Theoriediskurs zu evaluieren.

  • Rekonstruktion der Blochschen Grundbegriffe (Ontologie, Anthropologie, Zeittheorie)
  • Analyse der Bedeutung von Hoffnung und ‚Noch-Nicht-Sein‘ im Blochschen System
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Bloch-Rezeption und dem aktuellen Sozialphilosophie-Verständnis
  • Untersuchung der intentionalen Utopiekonzeption und ihrer Rolle in der modernen Gesellschaft
  • Kritische Fortschrittsanalyse und die Bedeutung der ‚konkreten Utopie‘

Auszug aus dem Buch

2.4.1 Grundlagen

Gemeinhin wird in der Philosophie unter dem Begriff ‚Ontologie’ eine Disziplin verstanden, „[…] in der über das >Seiende als Solches< logisch begriffliche Untersuchungen anzustellen sind.“ Ontologie kann folglich als philosophischer Ausgangspunkt betrachtet werden, insofern Übereinstimmung dahingehend herrscht, dass das Sein die Grundlage aller weiteren Überlegungen darstellt. Ontologie ist für Bloch die Lehre

„[…] des Seins quer durch Seiendes hindurch – als Lehre von den nicht etwa allgemeinsten, sondern wesentlichsten Seinsbestimmungen – nur eine des Seienden als bewegter Gestaltreihe offener, nach vornhin offener Seinsbedeutungen.“

Seine ontologischen Grundannahmen beziehen sich auf ein prozessual gestaltendes Seiendes, welches Erscheinendes ist. Auf dieser phänomenologischen Grundlage steht das Erscheinende in ständigem Bezug zu einem vollkommenen Sein, in der Art und Weise, als das es einen Anfang, einen Startpunkt hin zur Vervollkommnung meint. Diese teleologische Betrachtungsweise lässt bereits an dieser Stelle deutlich werden, dass es in der Blochschen Ontologiekonstruktion eine ontologische Differenz zwischen dem Seienden und dem Sein gibt. Das Sein wird verstanden als bloße Möglichkeit, dass Seiende hingegen als realisiert und stets veränderbar. Es ist eine ständige Suche nach dem Sein, ein Treiben im Prozess des Seienden.

Zusammenfassung der Kapitel

0 Einleitung: Darstellung der Problematik des heutigen Utopiebegriffs und Skizzierung der methodischen Vorgehensweise.

1 Ernst Blochs philosophische Wurzeln: Analyse der prägenden Einflüsse auf Blochs Denken und Einordnung seiner philosophischen Phasen.

2 Rekonstruktion des Utopiegedankens: Systematische Herleitung der Blochschen Grundbegriffe wie Hoffnung, Materie und offenes System.

3 Neubetrachtung der Sozialphilosophie Blochs: Kritische Untersuchung von Blochs Philosophie vor dem Hintergrund heutiger sozialphilosophischer Debatten.

4 Relevanz der Blochschen Sozialphilosophie: Darlegung der heutigen Aktualität und des kritischen Potentials von Blochs Denken.

5 Schluss und Ausblick: Zusammenfassende Einschätzung und abschließende Reflexion über die Zukunftsfähigkeit des Blochschen Ansatzes.

Schlüsselwörter

Ernst Bloch, Utopie, Noch-Nicht-Sein, Hoffnung, Sozialphilosophie, Prozessphilosophie, Materie, Anthropologie, konkrete Utopie, dialektischer Materialismus, Heimat, Selbstversöhnung, antizipierendes Bewusstsein, Fortschrittskritik, Tagträume.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt Ernst Blochs Begriff der Utopie und seine Bedeutung für seine Sozialphilosophie im Kontext heutiger theoretischer Debatten.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Im Zentrum stehen die Rekonstruktion der Blochschen Ontologie und Anthropologie, sein Verständnis von Materie und Zeit sowie die Bedeutung der Hoffnung als Prinzip.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die systematische Rolle der Utopie bei Bloch werkimmanent zu rekonstruieren und zu prüfen, ob und wie diese Konzeption für heutige sozialphilosophische Fragestellungen relevant bleibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine philosophiehistorische und systematische Analyse von Blochs Primärwerken unter Einbeziehung kritischer Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Rekonstruktion des Blochschen Utopiegedankens (Kategorien, Ontologie, Anthropologie) und einer anschließenden Neubetrachtung seiner Sozialphilosophie hinsichtlich aktueller theoretischer Anforderungen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Utopie, Noch-Nicht-Sein, Hoffnung, Sozialphilosophie, Prozessphilosophie, Materie und Heimat sind die zentralen Begriffe.

Wie positioniert sich Bloch zur Psychoanalyse?

Bloch kritisiert die Psychoanalyse, da diese zwar Vergangenes aufdecken könne, aber den entscheidenden Bereich des Zukünftigen („Noch-Nicht-Bewusstes“) vernachlässige und sich auf retrospektive Analysen beschränke.

Was meint Bloch mit der Metapher „Heimat“?

„Heimat“ ist für Bloch das utopische Endziel der menschlichen Hoffnung, das den Zustand der Identität von Mensch und Welt sowie die Aufhebung der Entfremdung beschreibt.

Warum ist das „offene System“ bei Bloch so wichtig?

Das offene System ist entscheidend, da es den Weltprozess nicht als determiniert, sondern als veränderbar und zukunftsorientiert begreift, wodurch das „Tätig-Offene“ des Menschen möglich wird.

Excerpt out of 99 pages  - scroll top

Details

Title
Ernst Blochs Begriff der Utopie
College
University of Duisburg-Essen
Grade
2,0
Author
Tim Kirchner (Author)
Publication Year
2005
Pages
99
Catalog Number
V77108
ISBN (eBook)
9783638741095
Language
German
Tags
Ernst Blochs Begriff Utopie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tim Kirchner (Author), 2005, Ernst Blochs Begriff der Utopie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77108
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