„Möge es mir vergönnt sein, die Republik auf gesunde
und sichere Grundlagen zu stellen und dafür den
Lohn zu empfangen, nach dem ich strebe;
der Schöpfer der bestmöglichen Verfassung genannt
zu werden und die Hoffnung mit ins Grab nehmen zu
können, dass die von mir errichteten Fundamente
des Staates nie wanken werden.“
Augustus nach Suetons Leben des vergöttlichten Augustus XXVIII
Die Frage, ob Augustus seine selbst gesteckten Ziele erreicht hat, die in diesem Zitat zum Ausdruck kommen, hat die Geschichte zweifelsfrei beantwortet.
Als Begründer der julisch-claudischen Dynastie, die sich in die Zeit zwischen Republik und Kaiserreich einfügt, hat er zwar für Stetigkeit und klare Verhältnisse gesorgt - diese dauerten allerdings nicht ewig an, wie er es gerne gesehen hätte. Auch den Verdienst, die Republik gerettet zu haben, kann man Augustus nicht widerspruchslos zugestehen. Allerdings ist es ihm zu verdanken, dass ein so immenses Reich wie das Römische nach Jahrzehnten des Bürgerkrieges wieder zur Ruhe kam und zum Frieden fand.
Das Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist, die Familienpolitik des Augustus insbesondere im Bezug auf seine politische Nachfolge genauer zu untersuchen und nachzuzeichnen. Es soll geklärt werden, ob Augustus nur „geschickter Politiker“ war, oder ob er nicht vielmehr im Bestreben um die Sicherung seiner Nachfolge jeden nur möglichen Preis zu zahlen bereit war .
Die Quellenlage zu Augustus stellt sich sehr gut dar, auch die Forschungslage ist erschöpfend. Als besonders ergiebig im Bezug auf Quellen haben sich die Annalen des TACITUS erwiesen. Besonders hilfreich waren die Darstellungen von Chris Scarre und Dietmar Kienast. Ebenfalls hervorzuheben sind die von Hermann Bengtson und Jochen Bleicken verfassten Biographien. Zwar nicht auf dem neuesten Stand der Forschung, dennoch unerlässlich ist die Abhandlung von Theodor Mommsen.
Das erste Kapitel dieser Arbeit wird darstellen, warum sich für Augustus überhaupt die Frage der Regelung seiner Nachfolge stellte.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den einzelnen Nachfolgeregelungen im Kontext der davon betroffenen Charaktere.
Abschließend wird eine Schlussfolgerung zur Beantwortung der zu Beginn aufgeworfenen Frage vorgenommen.
Die Arbeit endet mit einem Ausblick auf die Regentschaft von Augustus direktem Nachfolger Tiberius.
Inhaltsverzeichnis
I. Hinführung
II. Die rücksichtslose Familienpolitik des Augustus
II.1 Die Notwendigkeit einer Nachfolgeregelung
II.2 Die Bemühungen um eine Regelung
II.2.1 Gaius und Lucius Caesar
II.2.2 Agrippa Postumus
II.2.3 Tiberius
III. Schlussfolgerung
IV. Ausblick
V. Bibliographie
V.1 Literatur
V.2 Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Familienpolitik des Augustus mit dem primären Fokus auf die Sicherung seiner politischen Nachfolge. Dabei wird analysiert, ob Augustus lediglich als geschickter Politiker agierte oder ob er im Bestreben, eine stabile dynastische Nachfolge zu etablieren, bereit war, moralische Bedenken und persönliche Bindungen hinter das staatspolitische Ziel zurückzustellen.
- Dynastische Strategien des Augustus
- Die Rolle der Adoption als politisches Instrument
- Konflikt zwischen persönlicher Zuneigung und staatlicher Notwendigkeit
- Die Auswirkungen der augusteischen Familienpolitik auf Tiberius
Auszug aus dem Buch
II.2.1 Gaius und Lucius Caesar
Augustus adoptiert 17 n. Chr. seine beiden Enkel Gaius und Lucius, um eine Erbfolge in der männlichen Linie sicher zu stellen. Allerdings scheint Augustus mit seinen Enkeln eine durchaus persönliche Beziehung zu verbinden. Er schrieb laut Aulus Gellius an seinen Enkel Gaius:
Am neunten Tag vor den Kalenden des Oktober. Sei gegrüßt, lieber Gaius, mein süßes kleines Eselchen, das ich, wie die Götter wissen, unendlich vermisse, wann immer wir getrennt sind. Besonders an Tagen wie diesen ersehne ich den Anblick des Gaius, und hoffentlich hast Du, o immer Du Dich aufhälst meinen vierundsechzigsten Geburtstag gesund und zufrieden feiern können.... , und bete zu den Göttern, dass ich die Zeit, die mir noch vergönnt ist, friedlich und sicher mit dir zubringen kann und das Land blüht und gedeiht, während Du ein Mann wirst und Dich darauf vorbereitest, an meine Stelle zu treten.10
In der Quelle kommen außer der Zuneigung des Augustus auch seine dynastischen Pläne unmissverständlich zum Ausdruck. Er treibt dessen Karriere im cursus honorum voran.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Hinführung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der augusteischen Familienpolitik ein und stellt die Forschungsfrage nach dem Preis, den Augustus für die Sicherung seiner Nachfolge zu zahlen bereit war.
II. Die rücksichtslose Familienpolitik des Augustus: Das Hauptkapitel analysiert die verschiedenen Etappen der augusteischen Nachfolgeplanung, von den Enkeln Gaius und Lucius über Agrippa Postumus bis hin zur letztlichen Einsetzung des Tiberius.
II.1 Die Notwendigkeit einer Nachfolgeregelung: Hier wird dargelegt, warum trotz des römischen cursus honorum das Bedürfnis nach einer dynastischen Absicherung entstand.
II.2 Die Bemühungen um eine Regelung: Dieses Unterkapitel beschreibt die konkreten Schritte zur dynastischen Sicherung durch Eheschließungen und Adoptionen.
II.2.1 Gaius und Lucius Caesar: Untersuchung der Adoptionspläne für seine Enkel und deren Instrumentalisierung für die Thronfolge.
II.2.2 Agrippa Postumus: Darstellung des Scheiterns der Nachfolge durch den verbannten Enkel Agrippa Postumus.
II.2.3 Tiberius: Analyse der erzwungenen Nachfolgeregelung durch Augustus zugunsten von Tiberius, trotz persönlicher Distanz.
III. Schlussfolgerung: Zusammenfassende Betrachtung der politischen Strategien des Augustus, der trotz persönlicher Verluste die neue Epoche der Kaiserzeit einleitete.
IV. Ausblick: Ein kurzer Ausblick auf den Regierungsantritt des Tiberius und die Fortführung der dynastischen Problematik.
V. Bibliographie: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Quellen.
V.1 Literatur: Verzeichnis der herangezogenen Sekundärliteratur.
V.2 Quellen: Verzeichnis der antiken Quellen und Primärtexte.
Schlüsselwörter
Augustus, Familienpolitik, Nachfolge, Dynastie, Tiberius, Agrippa Postumus, Gaius Caesar, Lucius Caesar, cursus honorum, Kaiserzeit, Adoption, römische Geschichte, julisch-claudische Dynastie, Machtpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Familienpolitik des Augustus unter besonderer Berücksichtigung seiner Bestrebungen, die politische Nachfolge im Römischen Reich durch seine engste Familie zu sichern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Themen Nachfolgeplanung, dynastische Ambitionen, die Rolle der Adoption innerhalb der julisch-claudischen Linie sowie der Konflikt zwischen privatem Familienleben und staatspolitischem Pragmatismus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu klären, ob Augustus lediglich ein geschickter politischer Stratege war oder ob er bereit war, für den Erhalt seiner Dynastie jeden Preis zu zahlen, auch auf Kosten seiner familiären Beziehungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse historischer Dokumente, insbesondere der Annalen des Tacitus, sowie der Auswertung einschlägiger moderner historischer Biographien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den konkreten Schritten der Nachfolgeregelung, den einzelnen Personen wie Gaius, Lucius, Agrippa Postumus und Tiberius, sowie dem Scheitern beziehungsweise dem Erfolg dieser jeweiligen Maßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Augustus, Nachfolge, Dynastie, Tiberius und römische Kaiserzeit geprägt.
Warum musste Augustus Tiberius als Nachfolger wählen, obwohl er ihn persönlich ablehnte?
Augustus sah sich aufgrund der vorzeitigen Tode seiner bevorzugten Erben gezwungen, auf Tiberius zurückzugreifen, um die julische Linie aufrechtzuerhalten und die Stabilität des Staates zu gewährleisten.
Welche Rolle spielte Livia in der Nachfolgeplanung?
Livia wird in der Forschung oft als treibende Kraft hinter den Kulissen gesehen, die darauf hinarbeitete, ihren eigenen Sohn Tiberius als Erben zu positionieren, wobei ihr in antiken Quellen ein negativer Einfluss unterstellt wird.
Warum wurde Agrippa Postumus letztlich von der Nachfolge ausgeschlossen?
Agrippa Postumus wurde aufgrund seines als unstädtisch beschriebenen Lebenswandels verbannt und kurz nach dem Tod des Augustus auf Befehl des Tiberius ermordet.
- Citation du texte
- Stefanie Klering (Auteur), 2006, Die rücksichtlose Familienpolitik des Augustus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77245