Obwohl im Prinzip nur das heilpädagogische Reiten/Voltigieren (HPR/V) zu den „sozial- und psychotherapeutischen Verfahren“ gezählt werden kann, habe ich diese Hausarbeit dennoch eher allgemein gehalten. Zwar liegt wohl ein leichter Schwerpunkt auf diesem Teilbereich der Reittherapie, doch wollte ich aus eigenem Interesse die Hippotherapie und das Reiten als Behindertensport ausreichend mitbeleuchten. Letztendlich wollte ich außerdem einen Überblick über den Gesamtbereich „Reittherapie“ geben und mich nicht nur mit einem Teilaspekt davon befassen. Meiner Ansicht nach sind die Übergänge der einzelnen Disziplinen nämlich derart fließend, dass eine strikte Trennung unmöglich erscheinen muss: der Behindertensport wie die Hippotherapie wirken sich durch den partnerschaftlichen Umgang mit dem Pferd auch positiv auf die Psyche aus, während sowohl beim Sport als auch im HPR/V eine gewisse krankengymnastische Komponente zu finden ist sowie das HPR/V stärker noch als die Hippotherapie von sich aus natürlich eine Form von sportlicher Aktivität darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Mensch und Pferd
1.1 Historische Betrachtung
1.2 Physiologische Wirkung des Reitens
1.3 Psychologische Bedeutung der Mensch-Pferd-Beziehung
2. Reittherapie – was ist das?
2.1 Definition
2.2 Das Therapiepferd
2.2 Das Therapiepferd
2.3 Das Therapiesetting
2.4 Vor- und Nachteile der Therapie mit dem Pferd
3. Reiten als Behindertensport
3.1 Allgemeines
3.2 Beispiele
4. Hippotherapie
4.1 Das Therapieprinzip
4.2 Indikation und Gegenindikation (nach STRAUß 1991: 50-53)
4.3 Kosten
5. Heilpädagogisches Reiten / Voltigieren (HPR/V)
5.1 Definition
5.2 Entstehung und Ziele des HPR/V
5.3 Die Besonderheit des selbständigen Reitens
5.4 Übungen
5.5 Praxisfelder
5.6 Ausbildung zum Reit- oder Voltigierpädagogen in D
6. Abschließende, persönliche Anmerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Reittherapie in ihren verschiedenen Facetten, um aufzuzeigen, wie das Medium Pferd als unterstützendes Element in sozial- und psychotherapeutischen Kontexten sowie im Behindertensport eingesetzt werden kann, wobei insbesondere die physiologischen und psychologischen Wirkmechanismen im Fokus stehen.
- Historische und psychologische Symbiose zwischen Mensch und Pferd
- Differenzierung der Reittherapie (Hippotherapie, Heilpädagogisches Reiten/Voltigieren)
- Einsatz des Pferdes als Sportpartner für Menschen mit Behinderungen
- Anforderungen an Therapiepferde und das therapeutische Setting
- Praktische Anwendungsbereiche und die Ausbildung zur Fachkraft
Auszug aus dem Buch
1.1 Historische Betrachtung
Mensch und Pferd bilden schon seit Jahrtausenden eine sehr interessante Symbiose. Zunächst als Beutetier gejagt, war das frühere Wildpferd für viele Menschen eine wichtige Nahrungsquelle.
Mit der Domestizierung des Pferdes entdeckte der Mensch seine Nutzbarkeit als Last- und Zugtier sowie den Nährwert der Stutenmilch, welcher heute noch verschiedene Heilwirkungen zugeschrieben werden.
Das erste Reitervolk waren schließlich die Griechen. Bereits ca. 400 v. Chr. schrieb der griechische Schriftsteller, Philosoph und Politiker Xenophon, ein Schüler des Sokrates, mit seinen beiden Werken „Über die Reitkunst“ und „Der Reitoberst“ erstaunliche Abhandlungen über die Praxis und die Ethik des Umgangs mit dem Pferd. Da seine grundlegenden Ansätze bis heute nicht an Gültigkeit verloren haben, gilt Xenophon als der Begründer der klassischen Hippologie, der Lehre vom Pferd und vom Reiten.
Die Verwendung des Pferdes im Krieg legte schließlich den Grundstein für die moderne Reiterei. Viele der aktuellen Gesetzmäßigkeiten in der klassischen Reitausbildung (wie z.B. das Aufsitzen von der linken Pferdeseite aus) rühren noch von ehemaligen Kriegszeiten her. Auch die „Hohe Schule“, die heutzutage als „Tanz der Pferde“ äußerst beliebt ist, war nichts weiter als die gezielte Ausbildung von Pferden zu Kriegswaffen. Indem man den Tieren unter dem Reiter auf Befehl zu steigen oder auszuschlagen lehrte, konnte man sich in einer Schlacht besser verteidigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Mensch und Pferd: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung der Mensch-Pferd-Beziehung, die physiologischen Effekte des Reitens und die psychologische Bedeutung dieser Interaktion.
2. Reittherapie – was ist das?: Hier werden Definitionen sowie Anforderungen an Therapiepferde und das therapeutische Setting erläutert, ergänzt um eine Analyse der Vor- und Nachteile der Therapie.
3. Reiten als Behindertensport: Das Kapitel widmet sich dem Reiten als Sportart für Menschen mit Behinderungen und präsentiert prominente Beispiele erfolgreicher behinderter Reitsportler.
4. Hippotherapie: Dieses Kapitel fokussiert auf das medizinische Therapieprinzip, Indikationen und Gegenindikationen sowie die Kostenstruktur der Hippotherapie.
5. Heilpädagogisches Reiten / Voltigieren (HPR/V): Hier werden Ziele, Übungsformen, Praxisfelder und die Anforderungen an eine Zusatzausbildung zum Reitpädagogen im Kontext des HPR/V beschrieben.
6. Abschließende, persönliche Anmerkungen: Die Autorin reflektiert ihre persönliche Motivation und die Erfahrungen, die sie bei der Bearbeitung dieses Themas gewonnen hat.
Schlüsselwörter
Reittherapie, Mensch-Pferd-Beziehung, Hippotherapie, Heilpädagogisches Reiten, Behindertensport, Physiologische Wirkung, Psychologische Bedeutung, Therapiepferd, Psychomotorik, Paralympics, Inklusion, Reitpädagogik, Körperbewusstsein, Rehabilitation, Sozialtherapie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen umfassenden Überblick über den Bereich der Reittherapie und ihre verschiedenen Ausprägungen, von der medizinisch orientierten Hippotherapie bis zum pädagogisch ausgerichteten Heilpädagogischen Reiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Schwerpunkte sind die Mensch-Pferd-Beziehung, die physiologischen und psychischen Wirkungen der Therapie, der Behindertensport und die praktischen Anforderungen an Therapeuten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Komplexität und den Nutzen der Reittherapie als unterstützendes Verfahren wissenschaftlich darzustellen und ihre Bedeutung für die Lebensqualität von Patienten aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse sowie ihre eigenen praktischen Erfahrungen im Bereich des Heilpädagogischen Reitens, um das Thema fundiert aufzubereiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die Differenzierung der verschiedenen therapeutischen Ansätze (HPR/V, Hippotherapie, Behindertensport) und deren spezifische Anforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Reittherapie, Heilpädagogisches Reiten, Hippotherapie, Behindertensport und Mensch-Pferd-Symbiose definiert.
Warum ist das "Interieur" des Pferdes für die Therapie so entscheidend?
Das Interieur beschreibt das Wesen des Pferdes; ein Therapiepferd muss laut Arbeit menschenfreundlich, ruhig und ausgeglichen sein, um eine sichere und effektive Therapieumgebung zu gewährleisten.
Welche Herausforderungen nennt die Autorin in Bezug auf die Kosten der Hippotherapie?
Die Hippotherapie ist bisher keine allgemein anerkannte Regelleistung der Krankenkassen, was die Finanzierung häufig zu einer Hürde für Patienten macht.
Wie unterscheidet sich das Heilpädagogische Reiten von der Hippotherapie?
Während die Hippotherapie primär krankengymnastische, medizinische Ziele verfolgt, steht beim Heilpädagogischen Reiten die pädagogische und psychologische Förderung im Vordergrund.
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- Sandra Deichmann (Author), 2005, Reittherapie: Prinzipien und Praxisbeispiele, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77257