Hedge Fonds. Eine hochspekulative Anlage in der Kritik


Diplomarbeit, 2007

74 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

I. Die Grundlagen der Hedge Fonds
I.I Einleitung
I.II Die Geschichte der Hedge Fonds
I.II.I Alfred Winslow Jones, Gründer des ersten Hedge Fonds
I.II.II Die Krisen 1992, 1994 und 1998 bis hin zur heutigen Entwicklung
I.III Das Wesen der Hedge Fonds
I.III.I Charakteristika
I.III.II Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit Hedge Fonds
I.IV Das Umfeld der Hedge Fonds
I.IV.I Strategien
I.IV.II Risiken und Diversifikation
I.IV.III Marktüberblick

II. Hedge Fonds in der Kritik
II.I Einflussmöglichkeiten auf die Finanzmärkte
II.II Reglementierung und Überwachung von Hedge Fonds
II.III Der aktuelle Status

III. Die Zukunft der Hedge Fonds

Schlusswort

Quellenverzeichnis

Vorwort

In Zeiten instabiler Kapital- und auch Devisenmärkte aufgrund von politischen Einflüssen, Zinsentscheidungen sowie der zunehmenden wachsenden Terrorgefahr, investieren immer mehr Anleger ihr Kapital in vor allem kurssichere Anlagemöglichkeiten. Sie versuchen sich vom stark volatilen Aktienmarkt zu entfernen und das Risiko zu diversifizieren in dem sie ihre Portfolien gegen mögliche Kursrisiken abzusichern versuchen.

Unter dem Aspekt des „magischen Dreiecks der Vermögensanlage“ und des daraus resultierenden Konfliktes zwischen Rendite, Risiko und Liquidität, spielen vor allem die traditionellen Anlagemöglichkeiten wie die geschlossenen Immobilenfonds, Rentenfonds und selbstverständlich auch die festverzinslichen Wertpapiere eine immer größere Rolle, da diese als relativ sichere Anlage in schlechten Börsenzeiten gelten.

Da jedoch hier die goldene Regel zugrunde liegt, je niedriger das Risiko der Anlage, desto geringer auch seine Rendite, ist es hierbei sehr schwierig eine noch einigermaßen angemessene Rendite in den Portfolien zu erzielen.

Eine neuer Trend sind Investments weg von traditionellen hin zu alternativen Anlagen. Die Investitionsvolumina in alternative Anlagen sind zwar weltweit verschwindend gering, jedoch gibt es seit einigen Jahren, auch aufgrund der hohen Volatilität der Aktienmärkte, sowie der Aktienbaisse in den Jahren 2001 bis 2003, einen deutlichen Aufwärtstrend zu verzeichnen. Damit gemeint sind die für den Privatanleger seit 2004, durch das Investmentmodernisierungsgesetzes in Deutschland zugelassenen Hedge Fonds.

Das Ziel der alternativen Investments ist es absolute Gewinne zu generieren. Die Portfoliomanager der Hedge Fonds sind hierbei auf absolute Erträge fokussiert. Diese Ziele werden durch unterschiedliche Strategien, sowie der Aufnahme von Fremdkapital erreicht. Dabei spekulieren sie in sowohl steigende, als auch fallende Kurse an den Devisen-, Rohstoff- und Kapitalmärkten. Durch die breite Streuung der verschiedenen Anlagestrategien der Fondsmanager, wird versucht das Risiko in Grenzen zu halten. Hedge Fonds bieten eine gute Alternative für den Anleger um seine Portfolien vor Kursverlusten zu schützen und tragen gleichzeitig zur Diversifikation bei.

Jedoch stehen die Hedge Fonds und damit auch ihre Fondsmanager seit einiger Zeit in der Kritik. Die einen sehen in Ihnen ein Instrument, welches durch z.B. exzessive Leerverkäufe und Devisenspekulationen ganze Volkswirtschaften destabilisieren lässt. So auch der Einbruch der Kapitalmärkte Anfang März 2007, der aus einer erhöhten Nachfrage der Hedge Fonds Manager nach Yen führte. Diese sog. Carry Trades sorgten für eine Aufwertung der Yen Währung einerseits und einer Abwertung des US-Dollars anderseits, welche einen Kursverfall an den weltweiten Börsen nach sich zog. Andere wiederum glauben, mit alternativen Anlagen lässt sich auch in schlechten Zeiten einer Baisse und niedrigem Zinsniveau sehr gut Geld verdienen. Dies wiederum sei gut für den gesamten Kapitalmarkt und sorge zugleich für marktbereinigende Maßnahmen.

Im Rahmen dieser Diplomarbeit sollen die verschiedenen Strategien, Risiken von Hedge Fonds, sowie deren Einflussfaktoren und Aktivitäten in Bezug auf die Finanz- und Kapitalmärkte untersucht werden.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Einteilung in Asset Classes

Abbildung 2 Charakteristika verschiedener Fondstypen

Abbildung 3 Beispiel: Ein Indexzertifikat auf den DAX

Abbildung 4 Hedge Fonds Strategien

Abbildung 5 Spekulation eines Hedge Fonds Managers anhand eines Leerverkaufs

Abbildung 6 Typischer Kursverlauf von Anleihen bei spezifischen Ereignissen

Abbildung 7 Verwaltetes Vermögen je Stilrichtung (1990 und 2001)

Abbildung 8 Dach Hedge Fonds

Abbildung 9 Risikogehalt einzelner Hedge Fonds Strategien

Abbildung 10 Risiken eines Hedge Fonds

Abbildung 11 Die Effizienzkurve von Markowitz

Abbildung 12 Risikominimierung durch Beimischung eines Hedge Fonds

Abbildung 13 Anleihen und Gold am weitesten vom DAX entfernt

Abbildung 14 Hedge Fund Growth

Abbildung 15 Jährliche Wachstumsquellen der Hedge Fonds Industries

Abbildung 16 Cummulative Benchmark Performance 1988 - 2006

Abbildung 17 Rendite/Risiko Profil von Hedge Fonds Strategien

Abbildung 18 Anteil der Offshore Hedge Fonds (31.12.2004)

Abbildung 19 Die Top 10 der Hedge Fonds Manager

Abbildung 20 Funds under Management ($bn) March 2006

Abbildung 21 AHL Diversified Programme

Abbildung 22 Estimated Strategy Composition as at 31 March 2006 by Funds under Management

Abbildung 23 Die besten Hedge Fonds im Jahr 2004

Abbildung 24 Erträge von Investmentbanken durch Prime Broker Services

Abbildung 25 Anzahl der in Deutschland angebotenen Hedge Fonds Zertifikate

Abbildung 26 Forderungsverkauf von Banken an Hedge Fonds

Abbildung 27 Growth of the global Hedge Fund Industry

Abbildung 28 Estimated % of funds by asset size (March 2006)

Abbildung 29 Leverage einzelner Hedge Fonds Strategien (in Hundert %)

Abbildung 30 Direkte und indirekte Regulierung von Hedge Fonds

I. Die Grundlagen der Hedge Fonds

I.I Einleitung

Die letzten Börsenjahre haben einiges mit sich gebracht. Angefangen von den Höchstständen des Deutschen Aktienindex DAX, des japanischen Leitindizes Nikkei und des amerikanischen Dow Jones im Frühjahr 2000 bis über das Ende des Internet Booms und damit das Platzen der Technologieblase. Und nicht zuletzt aufgrund des 11. Septembers resultierte daraus ein Kursverfall an den Börsen weltweit. Hinzu kamen der schwächelnde Dollar und der dadurch wieder erstarkte Euro, teures Öl sowie diverse Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der amerikanischen Federal Reserve Bank (FED). Seit Mitte des Jahres 2003 jedoch befinden sich die Kapitalmärkte nach der Baisse erstmalig wieder im Aufschwung. DAX, Dow Jones und Nikkei erreichen Anfang Februar 2007 fast schon wieder ihre alten Höchststände. Jedoch drohen neue Ängste in den USA und dem Euroraum dem Wachstum an den Börsen die Luft zu rauben. Inflationsängste, ein sehr schwacher Dollar und ein extrem teurer Euro und nicht zuletzt das amerikanische Staatsdefizit sowie bevorstehende Zinserhöhungen durch die FED und EZB, könnten die seit einiger Zeit nach oben steigenden Kurse und auch die Euphorie bremsen. Darauf weisen auch die steigenden Zinsen der amerikanischen und europäischen Bund Futures hin, sowie der hohe Öl- und der stetig steigende Goldpreis. Zusätzlich drohen in den USA auch noch nach Zahlungsschwierigkeiten der US Hypothekenbank New Century Anfang März 2007, die Kunden mit schwacher Bonität Hypothekendarlehen anbieten, ein Zusammenbruch des amerikanischen Hypothekenmarktes.

All diese Ereignisse, sowie die zunehmende Popularität der Hedge Fonds, nicht zuletzt aufgrund ihrer Zulassung in Deutschland, sind das optimale Umfeld und gleichzeitige Nährboden für die Spekulationen der Hedge Fonds und ihrer Manager. Hedge Fonds versuchen anhand ihrer Strategien und durch Fremdkapitalaufnahme diese volatilen Märkte zu nutzen um eine absolute Rendite zu erwirtschaften und nicht wie der Begriff Hedge es eigentlich sagt Anlagen gegen mögliche Kursverluste und Risiken abzusichern.

I.II Die Geschichte der Hedge Fonds

Um ein bestimmtes Preisniveau ihrer Ernte schon bereits im Vorfeld abzusichern, haben bereits schon im 17. Jahrhundert japanische Reisanbauern mittels einer Kreditnote den Begriff hedging (absichern) geprägt. Dies zwang sie zwar zu einer kleinen Abgabe ihres Gewinnes, jedoch wurden so mögliche Risiken abgegrenzt und somit auch das Risiko eines möglichen Preisverlustes.

In den folgenden Jahren wurde das Hedging auf Rohstoffe und vor allem auf landwirtschaftliche Güter ausgeweitet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Rohstoffe auf Terminmärkten gehandelt, welches zu einem raschen Wachstum durch die zunehmende Marktattraktivität führte. In den 70er Jahren kamen noch Futures hinzu, welches als Sammelbezeichnung für standardisierte Terminkontrakte steht. Diese werden an Börsen gehandelt und haben neben dem spekulativen Aspekt vor allem die Absicherung von Wechselkurs-, Aktienkurs- oder Zinsänderungsrisiken im Vordergrund. Heutzutage können diese Kontrakte an allen Börsen weltweit und rund um die Uhr gehandelt werden.[1]

I.II.I Alfred Winslow Jones, Gründer des ersten Hedge Fonds

Der Begründer des eigentlich ersten Hedge Fonds war der Amerikaner und Soziologe Alfred Winslow Jones 1949. Jones gründete zusammen mit einem Analysten der Wall Street eine Anlagefirma, in der Rechtsform einer Limited Investment Partnership. Dies entspricht in etwa einer deutschen Kommanditgesellschaft. Er fügte den traditionellen Investments zwei wesentliche Neuerungen bei. Zum einen Fremdkapital als Möglichkeit der Steigerung der Eigenkapitalverzinsung durch Erhöhung des Fremdkapitalanteils (Leverage Effekt[2] )und zum anderen Leerverkäufe2 oder auch Short Selling genannt.

Durch diese beiden neuen Elemente war ein Investor nicht mehr so stark von den Marktbewegungen und seinen Marktprognosefähigkeiten abhängig, sondern er konnte sich vielmehr auf seine Strategien und sein Talent konzentrieren um so die richtigen Titel herauszusuchen. „Die Titelselektion kann zusätzlich durch den Einsatz von Fremdkapital gehebelt werden, während die Leerverkäufe nicht nur bei einem Markteinbruch Nutzen stiften, sondern darüber hinaus bei richtiger Auswahl positive Selektionserträge generieren sollten.“[3]

Beispiel:

Jones kaufte mit 100 Dollar Eigenkapital und 10 Dollar Fremdkapital Aktien im Wert von 110 Dollar. Diese verkaufte er für 40 Dollar, was die Bruttoanlagen auf 150 Dollar (110 + 40) anwachsen ließ und die Nettoanlage auf 70 Dollar (Investition 110 Dollar – Leerverkäufe 40 Dollar) brachte. Jones typische Allokation betrug somit 150 % und netto knapp 70 %.[4]

„Das Niveau der Nettoanlage [….] wurde jedoch variiert. Die Variation erfolgte entsprechend der Erwartungen der Gesamtmarktentwicklung. Wurde ein deutlicher Anstieg erwartet, so wurde die Nettoanlage erhöht. Es wurden also weniger Leerverkäufe getätigt.“[5]

Jones war somit auch der Begründer der ersten Long - Short Strategie[6] und führte auch als erster eine performanceabhängige Entlohnung von 20% aller realisierten Gewinne ein, die jedoch noch keine Verlustvorträge beinhaltete.[7] Er verpflichtete sich außerdem, sein gesamtes Finanzvermögen zu den gleichen Bedingungen wie seine Anleger in einem Fonds zu halten. Dies ist heute noch ein wesentlicher Bestandteil im Hedge Fonds Geschäft.

Bis in die späten 60er Jahre waren Hedge Fonds nicht wirklich populär. Jedoch als sich die Redakteurin eines Artikels in der Fortune über die 10-Jahresperformance der Jones Fonds wunderte, die den damals besten Anlagefond trotz 20% Gebühr um 87% geschlagen hatte, wurde erstmalig auch der Begriff Hedge Fond geprägt. Die traditionellen Fondmanager ließen nicht lange auf sich warten und bis 1968 gab es auch schon rund 140 registrierte Hedge Fonds bei der Securities and Exchange Commission (SEC). Durch diesen plötzlichen Boom, kamen die neuen Hedge Fonds Manager auf den Plan und hatten auch gleich neue Ideen. So versuchten sie z.B. ohne Short Sellings und Absicherungen ihre Investments zu fahren. Sie verließen sich nur auf die performanceabhängige Gebühr. Dies führte dazu, dass viele dieser Fonds die Wirtschaftskrise und die erste Ölkrise in den Jahren 1969 bis 1970 und 1973 bis 1974 nicht überstanden haben. Das verwaltete Vermögen der 28 größten Fonds verringerte sich um 70%. Fünf Fonds mussten sogar komplett aufgelöst werden, ein Ereignis welches sich später wiederholen sollte.[8]

Jedoch gab es auch zwei Gewinner in dieser Zeit, die von der ganzen Sache profitiert haben. Zwei Hedge Fonds Manager namens Michael Steinhardt und Georges Soros haben sich in dieser Zeit selbstständig gemacht und gründeten 1969 den Quantum Fonds mit einem Fondsvermögen von 4,6 Millionen US-Dollar, mit dem sie 1992 in die Geschichte eingegangen sind.

1986 wurden anhand der 43 prozentigen jährlichen Wertentwicklung in den ersten 6 Jahren, des von Julian Robertson gemanagten Tiger Fonds erstmalig über neue Strategien und Anlagemöglichkeiten im Bereich Aktienindizes, Währungen und Zinssätzen von der Global Macro Strategie[9] gesprochen. Durch diese neuen Erkenntnisse folgte ein neuer Boom. In dieser Zeit wurden erneut hohe Renditen erzielt und zahlreiche neue Hedge Fonds gegründet. Der Aktienmarkt tat sein übriges mit steigenden Kursen und verstärkte noch zusätzlich diese Entwicklung.

I.II.II Die Krisen 1992, 1994 und 1998 bis hin zur heutigen Entwicklung

Eine kurze Erschütterung gab es 1992 durch George Soros Quantum Fonds. Dieser spekulierte auf Grundlage der Global Macro Strategie gegen das überbewertete Britische Pfund. Durch einen taktischen Leerverkauf von 10 Milliarden Britischen Pfund, hauptsächlich gegen die Deutsche Mark und den Französischen Franc, war die Britische Notenbank, die Bank of England, nicht mehr in der Lage durch Devisenmarktinterventionen die festen Wechselkurse des Britischen Pfunds gegenüber den Währungen der anderen Europäischen Wirtschaftsstaaten aufrecht zu erhalten. Am 15. September 1992 sah sich die Bank of England gezwungen eine Abwertung des Britischen Pfunds vorzunehmen. Nach der Abwertung konnte Soros die geliehenen Britischen Pfund zu einem niedrigeren Kurs zurückkaufen. Durch die erfolgreiche Wette gegen das Britische Pfund verzeichnete der Quantum Funds innerhalb einer Woche einen Gewinn von 1 Milliarde US-Dollar. Dadurch wurde Soros und dessen Fonds weltweit bekannt, da Großbritannien als Konsequenz die festen Wechselkurse aufgab und aus dem Europäischen Währungssystem austrat.

1994 hat die FED die Leitzinsen sehr stak angehoben. Dies führte jedoch nicht wie erwartet zu einem Kursrückgang an den Börsen, sondern zu einem Engpass der Liquidität der Hedge Fonds. Die bekanntesten unter ihnen, die drei Davids: David Askin (Askin Capital Management), David Gerstenhaber (Argonaut Fund), David Weill (Varja Fund, Dorje Fund)). Ihre Fonds hatten sehr hohe Verluste, da ihre Strategie bei den Mortgage Backed Securities (Securitisation von Hypothekendarlehen) und auch an den an den europäischen Zinsmärkten auf fallende Zinsen zu setzen, nicht aufging. So verlor z.B. Askin von rund 600 Millionen US-Dollar, Kundengelder in Höhe von 420 Millionen US-Dollar und musste somit Bankrott anmelden. Gerstenhabers Vermögen schrumpfte von 400 auf 65 Millionen US-Dollar und Weill musste sogar seinen Fonds, dessen Vermögen rund 1,2 Milliarden US-Dollar betrug, liquidieren.

1998 ereignete sich auf den Finanzmärkten eine erneute Krise. Der Long Term Capital Management Fund wurde 1994 gegründet und kurze Zeit später durch negative Schlagzeilen berühmt. Dank der guten Performance der ersten Jahre mit Wertentwicklungen von bis zu 40% bis noch zu 17% im Jahr 1997 und der Verknüpfung mit vielen Banken, verfügte der Fonds über einfachen Zugang zum Kreditmarkt. So kontrollierte LTCM zu Beginn des Jahres 1998 ein Portfolio in der Höhe von rund 100 Milliarden US-Dollar und dies bei einem Substanzwert von lediglich 4 Milliarden US-Dollar. Die entspricht einem 25-fachen Leverage. Im August 1998 kündigte der russische Staat ein Moratorium (durch Staatsakt gewährter Zahlungsaufschub für fällige staatliche in- oder ausländische Verbindlichkeiten) seiner Rubelschulden an. Panik machte sich breit und eine Talfahrt an den weltweiten Aktienmärkten war die Folge. Allein der Dow Jones verlor im August 1998 gut 15%. Der Substanzwert des Fonds fiel in rund zwei Wochen um 42,5% auf 2,3 Milliarden US-Dollar, aufgrund einer anders gewählten Strategie. Hinzu kamen Liquiditätsprobleme, da der LCTM noch zuvor über 2 Milliarden US-Dollar an seine Investoren zurückbezahlen musste. LCTM verlor am Ende knapp 90% seines Fondsvermögens. Er konnte nur durch eine Rettungsaktion der FED und 12 weiteren Großbanken gerettet werden. Der damalige US-Notenbankchef Alan Greenspan reagierte mit einer sofortigen US-Leitzinssenkung. Der lädierte LCTM Fonds wurde von den Großbanken mit Krediten in Höhe von 3,65 Milliarden US-Dollar versorgt. Durch diese Kredite wurde schlimmeres verhindert. Im Gegenzug jedoch bekam der LCTM eine neue Geschäftsleitung und die Fondsmanager wurden mit einem Redeverbot belegt.[10]

In den Folgejahren profitierten die Hedge Fondsmanager von einem Bullenmarkt, besonders diese, die in Technologiewerte investiert waren. In den Jahren 2000 und 2001 wurden schon wieder weniger Gewinne generiert, 2002 war sogar erstmals die Performance der Hedge Fonds seit 12 Jahren negativ. Jedoch waren Fondmanager mit Long-Position Strategien in Aktien, aufgrund der Baisse in den Jahren 2000 bis 2003 an den Aktienmärkten sehr erfolgreich. So mussten sogar einige der bekanntesten Fonds aufgrund der großen Nachfrage geschlossen werden und nahmen damit kein Geld mehr an. Der Sektor der Hedge Fonds gehört zu den am stärksten wachsenden Anlageprodukten. Ende 2003 betrug das weltweite Vermögen der ca. 8.000 Hedge Fonds „nur“ 850 Milliarden US-Dollar.[11] Heute beträgt es bereits, bei einer Anzahl von über 9.000 Hedge Fonds, 1,4 Billionen US-Dollar, Tendenz weiter steigend.

I.III Das Wesen der Hedge Fonds

I.III.I Charakteristika

Die Hedge Fonds sind wie folgt in Asset Classes (Anlageklassen) einteilbar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aktien Edelmetalle Privat Equity Kunst

Anleihen Währungen Rohstoffe Antiquitäten

Immobilienfonds … Direktanlage Immobilien ..

Geldmarktinstrumente

Hedge Fonds

Abbildung 1 Einteilung in Asset Classes[12]

Jedoch lassen sich die Hedge Fonds nicht eindeutig zuordnen, denn unter dem eigentlichen Begriff „Hedge“ versteht man laut wörtlicher Übersetzung: Schutz, Absicherung. Diese Definition trifft nicht wirklich zu, da sich die Begrifflichkeiten im Laufe der Zeit durch die erweiterten neuen Anlagemöglichkeiten geändert haben.

Am Anfang dienten Hedge Fonds als traditionell-konservative Anlage noch zur Absicherung und Verminderung eines Anlagerisikos. Durch Investitionen jedoch in derivative Anlagen wie Optionen und Futures, Aktien und Währungen, sind sie nun nicht mehr eindeutig zu zuordnen.

Ebenfalls steht die eigentliche Absicherung oder der Schutz der Kapitalanlage nicht mehr im Vordergrund, sondern die reine Erwirtschaftung absoluter Erträge und zwar in jedem Marktumfeld. Deshalb zählen sie unter den Fonds auch mit zu den spekulativsten Anlagemöglichkeiten, da der Anleger hier sein gesamtes Investitionskapital durch ein sehr hohes Risiko verlieren kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Charakteristika verschiedener Fondstypen[13]

Die Hedge Fonds sind durch signifikante Merkmale gekennzeichnet:

1. durch Direktinvestitionen in derivative Anlagen
2. Leerverkäufe tätigen zu dürfen
3. die Aufnahme von Fremdkapital (leverage) zur Nutzung der Hebelwirkung
4. sowie einer performanceabhängigen Gebührenstruktur

Diese vier Merkmale zusätzlich zu den verschiedenen Strategien[14] sind die Charakteristika des Hedge Fonds. Das deutsche Investmentgesetz (InvG) sieht dies ähnlich:

„Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken sind Investmentvermögen, die den Grundsatz der Risikomischung beachten und im übrigen im Rahmen ihrer Anlagestrategie keinen Beschränkungen bei der Auswahl der Vermögensgegenstände [….] unterworfen sind. Die Vertragsbedingungen des Sondervermögens gemäß Satz 1 müssen zudem mindestens eine der folgenden Bedingungen vorsehen:

- Eine Steigerung des Investitionsgrades des Sondervermögens über grundsätzlich unbeschränkte Aufnahme von Krediten für gemeinschaftliche Rechnung der Anleger oder über den Einsatz von Derivaten (Leverage)
- Den Verkauf von Vermögensgegenständen für gemeinschaftliche Rechnung der Anleger, die im Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses nicht zum Sondervermögen gehören (Leerverkauf).

[….] Das Recht der Anleger auf die Rückgabe der Anteile am Sondervermögen kann [….] beschränkt sein.[15]

Da jedoch die Hedge Fonds hierzulande stärkeren Reglementierungen unterliegen[16], sind sie demnach eher mit Investmentfonds gleichzustellen und werden demnach auch von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kontrolliert. Zudem haben auch nur institutionelle Investoren die Möglichkeit direkt in die sog. Single-Hedge Fonds zu investieren, während private Investoren sich mit Dach Hedge Fonds begnügen müssen.

Außerhalb Deutschlands aufgelegte Hedge Fonds sind im Vergleich hierzu viel freier. Sie unterliegen einer unterschiedlich starken Überwachung, agieren aber meistens ohne ein Kontrollsystem der Finanzmarktaufsicht, z.B. durch die SEC in den USA. Hier gibt es jedoch seit kurzem eine Registrierungspflicht. Die meisten Hedge Fonds haben jedoch ihren Sitz in Offshore Destinationen. Gründe liegen in steuerlichen Behandlungen und geringeren Zutrittsbeschränkungen zu den dortigen Märkten[17]. Was jedoch alle Hedge Fonds gemeinsam haben ist das Ziel, sowohl bei fallenden, als auch bei steigenden Kursen auf den Finanzmärkten eine sog. absolute Rendite zu erzielen. Unter absoluter Rendite wird das Ziel verstanden, erzielte Gewinne periodisch an die Investoren zu verteilen und Verluste zu vermeiden.

Hedge Fonds werden hierzulande als Sondervermögen von Kapitalanlagegesellschaften geführt. Das Sondervermögen wird aus dem gegen Ausgabe von Anteilscheinen, den sog. Investmentzertifikaten, eingelegten Geld der Investoren gebildet und für gemeinschaftliche Rechnung der Einleger von der Investmentgesellschaft im eigenen Namen angelegt.

Die Verwaltung der Hedge Fonds unterliegt im Gegensatz zu herkömmlichen Fonds einer performanceabhängigen Gebühr. Diese beträgt ca. 15-25% des erzielten Gewinnes sowie einer zusätzlichen Managementgebühr von 1,3%. Da diese Gebühren relativ hoch sind, gibt es zwei Möglichkeiten den Anleger ein wenig zu schützen. Dies wäre zum einen die „High-Watermark“ Klausel. Ist diese vereinbart, wird eine Gebühr erst erhoben, wenn der Fonds seinen Verlust vom letzten Jahr wieder erwirtschaftet hat. Die zweite Möglichkeit ist die „Hurdle Rate“. Bei dieser Klausel muss zumindest eine Mindestrendite erwirtschaftet werden, bevor die Gebühr erhoben wird.[18]

I.III.II Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit Hedge Fonds

Im Folgenden sollen einige wichtige Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit Hedge Fonds Anlagen erläutert werden. Diese Begriffe gehören zum Sprachgebrauch und zum Allgemeinverständnis der Hedge Fonds Anlagen und Strategien dazu.

Sie werden jedoch im Rahmen dieser Arbeit jedoch nur zum Teil behandelt oder sogar nur am Rande erwähnt.

[...]


[1] Vergl. Weber (2004), S. 19

[2] Vergl. hierzu „Kapitel I.III.II Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit Hedge Fonds“ im Rahmen dieser

Arbeit

[3] Weber (2004), S. 20

[4] Vergl. Weber (2004), S. 21

[5] Berg (2004), S. 21

[6] Vergl. hierzu „Kapitel I.IV.I Strategien“ im Rahmen dieser Arbeit

[7] Vergl. hierzu „Kapitel I.III.I Charakteristika“ im Rahmen dieser Arbeit

[8] Vergl. Weber (2004), S. 22

[9] Vergl. hierzu „Kapitel I.IV.I Strategien“ im Rahmen dieser Arbeit

[10] Vergl. Weber (2004), S. 23-25

[11] Vergl. Clashinrichs (2005), S. 25

[12] Vergl. Achleitner (2002), S. 641

[13] Vergl. Achleitner (2002), S. 670

[14] Vergl. hierzu „Kapitel I.IV.I Strategien“ im Rahmen dieser Arbeit

[15] Investmentgesetz § 112 Abs. 1

[16] Vergl. hierzu „Kapitel I.IV.III Marktüberblick“ im Rahmen dieser Arbeit

[17] Vergl. hierzu „Kapitel I.IV.III Marktüberblick“ im Rahmen dieser Arbeit

[18] Vergl. Clashinrichs (2005), S. 18f

Ende der Leseprobe aus 74 Seiten

Details

Titel
Hedge Fonds. Eine hochspekulative Anlage in der Kritik
Hochschule
HBC Hochschule Biberach. University of Applied Sciences
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
74
Katalognummer
V77421
ISBN (eBook)
9783638743679
ISBN (Buch)
9783668147942
Dateigröße
1239 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hedge, Fonds, Eine, Anlage, Kritik
Arbeit zitieren
Daniel Hohls (Autor), 2007, Hedge Fonds. Eine hochspekulative Anlage in der Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77421

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