Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)

Was ist Bioethik?

Eine Analyse der Bioethik als Machtinstrument

Title: Was ist Bioethik?

Term Paper , 2006 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Philipp Appel (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„Heilen- eine Frage des Gewissens“ lautete die Überschrift eines Artikels in der Wochenzeitung „Die Zeit“. Dieser Artikel beschrieb, wie Schweizer Wissenschaftler die medizinische Nutzbarkeit von abgetriebenen Föten erforschten und das aus den Föten gewonnene Humanmaterial zur Therapie von Verbrennungsopfern nutzten. Solche und andere medizinische und wissenschaftliche Entwicklungen sind vermehrt Gegenstand gesellschaftlicher Debatten, die im Allgemeinen als Bioethik umschrieben werden.

Betrachtet man die Funktionsweise der Bioethik näher, könnte man zu dem Schluss kommen, dass das Ziel der Bioethik sein könnte, moralische Dilemmata, die durch die technische Entwicklung erzeugt wurden, zu benennen, eine breite gesellschaftliche Debatte zu erzeugen und ggf. eine zukünftige, in der Gesellschaft akzeptierte(n) Marschrichtung/Konsens in Sachen Biotechnologien zu ermöglichen.
Unter zur Hilfenahme des Biomachtkonzepts des französischen Philosophen, Psychologen und Historikers Michel Foucault, möchte diese Arbeit eine Verbindung zwischen Biomacht und Bioethik suchen. Foucault beobachtete in seinen Untersuchungen eine zunehmende Einbeziehung des menschlichen Lebens in die Sphäre der Macht und Politik. Diese spezielle Machttheorie soll helfen zu verdeutlichen, welchen Machtgehalt der bioethische Diskurs in der heutigen Gesellschaft entfalten kann. Denn gerade die Bioethik, die neben den Fragen „zur optimalen Verwaltung des menschlichen Lebens [...]“ (hierbei bezieht sich Leben zunächst auf das (Über)Leben einer ganzen Gattung)“ auch jene Fragen behandelt, „[...]wer wann und von wem (Anmerkung: unter Umständen im Namen und um des Gemeinwohls aller) getötet werden darf, sollte als Machtinstrument nicht unterschätzt werden“.
Zunächst wird sich diese Hausarbeit mit der Machttheorie der Biomacht von Foucault auseinandersetzen. In einem zweiten Schritt soll das Feld der Bioethik näher erläutert werden. In einem dritten Schritt sollen Biomacht/Biopolitik/Bioethik zusammengeführt werden.
Grundlegend für diese Hausarbeit ist das Buch „Was ist Biomacht“ von Petra Gehring und das Werk „Menschenwürde und Biomedizin“ von Kathrin Braun. Der Theorieansatz der Biomacht von Michel Foucault sind seinem zweibändigem Werk „Sexualität und Wahrheit“ und der Abschrift seiner Vorlesungen am College de France mit dem Titel „In Verteidigung der Gesellschaft“ entnommen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Von der Macht des Schwertes zur Lebensmacht

2.1 Der Foucaultsche Machtbegriff

2.2 Von der Macht des Schwertes zur Lebensmacht

2.2.1 Der Machtmodus der Biomacht

3. Was ist Bioethik?

3.1. Gegenstand der Bioethik

3.2. Äußerungsmodalitäten der Bioethik

3.3. Begriffe der Bioethik

3.4. Strategien der Bioethik

4. Bioethik als Teil der Biomacht/Biopolitik

4.1. Bioethik als „Grenzwissenschaft“?

4.2. Bioethik, Recht und politische Macht

4.3. Was ist Bioethik?

5. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Bioethik unter Rückgriff auf das Biomachtkonzept von Michel Foucault kritisch zu analysieren, um ihren Charakter als Machtinstrument innerhalb der modernen Gesellschaft offenzulegen.

  • Analyse der Machttheorie von Foucault (Biomacht und Biopolitik)
  • Untersuchung der strukturellen Bestandteile und Strategien der Bioethik
  • Kritische Reflexion der Rolle der Bioethik als pseudodemokratischer Willensbildungsmotor
  • Verhältnis zwischen Bioethik, Politik und Recht
  • Dekonstruktion des pseudowissenschaftlichen Anspruchs der Bioethik

Auszug aus dem Buch

3.4. Strategien der Bioethik

Will man nach der Diskursanalyse Foucaults vorgehen, so muss man, um Strategien eines Diskurses zu isolieren, nach den sog. „Bruchpunkten“ eines Diskurses suchen. Hierunter versteht Foucault Stellen, „wo im Diskurs etwas gleichwertig - unvereinbar nebeneinander steht [...]“, Foucault nennt sie auch „Aufhängepunkte einer Systematisierung“ 41 Gehring isoliert drei Bruchpunkte (Zitat Gehring: „Sie schließen einander begrifflich aus und sind doch äquivalent. Alle drei erscheinen jeweils für sich als letzte Notwendigkeit, als höchste Schicksalsmacht - wie auch als höchste Norm“ (S. 148)], die sie für den bioethischen Diskurs als charakteristisch empfindet und zwischen welchen der Diskurs läuft. Gehring nennt folgende Bruchpunkte: „Das sich reproduzierende biosoziale Leben“, die „technische Kreation“ und die „Selbstbestimmung und Selbstverantwortung des Menschen“42.

Ausgehend von diesen „Polen“ organisieren sich die Debatten und die Standpunkte, die aus der Bioethik hervorgehen. Insbesondere beim ersten Bruchpunkt, der „Reproduktion des Lebens durch das Leben“, kann man auch vom Organisieren des Überlebens sprechen, d.h., durch die Optimierung des Menschen das Überleben einer Gattung zu sichern. Aus dieser „Ecke“ rekrutieren sich die Debatten aus der amerikanischen Bioethik. Der isolierte Bruchpunkt der „technischen Kreation“ berücksichtigt die Fähigkeiten des vernunftbegabten Menschen, der durch technische Selbstverwirklichung Fortschritt und Menschlichkeit zu ermöglichen meint und durch die technische Reproduktion der Menschheit zu verwirklichen sucht.43 Im letzten „Bruchpunkt“ vereint die Bioethik die moralische und ethische Abwägung jener biosozialen und technischen „Bruchpunkte“ ihrer eigenen Disziplin. Bioethik wägt ab und muss letztlich entscheiden, was sich Menschen im Namen der Menschlichkeit antun wollen oder nicht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Bioethik ein, stellt die Verbindung zum Biomachtkonzept her und skizziert die methodische Vorgehensweise der Arbeit.

2. Von der Macht des Schwertes zur Lebensmacht: Dieses Kapitel erläutert Michel Foucaults Machtbegriff, insbesondere den Übergang von souveräner Macht zur Biomacht, die das Leben als Objekt der Politik begreift.

3. Was ist Bioethik?: Hier werden die Grundlagen der Bioethik analysiert, einschließlich ihrer Gegenstände, Akteure (bioethisches Podium), Begrifflichkeiten und der zentralen Bruchpunkte ihrer Strategien.

4. Bioethik als Teil der Biomacht/Biopolitik: Dieses Kapitel führt die Theorie Foucaults mit der Praxis der Bioethik zusammen und kritisiert deren Funktion als Instrument der politischen Steuerung und ihre Wirkung auf das Recht.

5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Literatur und Quellen zur Arbeit.

Schlüsselwörter

Bioethik, Biomacht, Biopolitik, Michel Foucault, Lebensmacht, Diskursanalyse, technische Kreation, Normalisierung, Machtinstrument, Ethikkommission, Grenzfragen, Lebenswissenschaften, Regierungstechnologie, gesellschaftlicher Konsens, Machttheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Bioethik nicht als neutrale wissenschaftliche Disziplin, sondern analysiert sie als Machtinstrument im Sinne des Biomachtkonzepts von Michel Foucault.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind der Machtbegriff Foucaults, die Funktionsmechanismen der Bioethik in der modernen Gesellschaft, der Einfluss des technischen Fortschritts auf das Leben und die Rolle der Bioethik als Instrument der Biopolitik.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, den Machtgehalt des bioethischen Diskurses offenzulegen und aufzuzeigen, wie Bioethik zur Kontrolle und Verwaltung des menschlichen Lebens beiträgt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich auf das Modell der Diskursanalyse nach Michel Foucault, um die Strukturen, Akteure und Strategien des Feldes "Bioethik" zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in das Machtkonzept, eine Bestandsaufnahme der Bioethik (Begriffe, Strategien) und die kritische Zusammenführung von Bioethik, Recht und politischer Macht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Schlagworte sind Biomacht, Biopolitik, Bioethik, Normalisierung, Diskursanalyse und Lebensmacht.

Welche Rolle spielt die "Norm" laut dem Autor?

Die Norm fungiert als Verbindungsglied zwischen Disziplinar- und Regulierungstechnologien und führt zur Etablierung einer Normalisierungsgesellschaft, in der das Leben der Bevölkerung gesteuert wird.

Wie bewertet der Autor die demokratische Legitimität bioethischer Debatten?

Der Autor sieht in der Bioethik eher einen "pseudodemokratischen Willensbildungsmotor", der kollektive Partizipation lediglich suggeriert, während er faktisch Interessen von Politik und Wirtschaft legitimiert.

Excerpt out of 18 pages  - scroll top

Details

Title
Was ist Bioethik?
Subtitle
Eine Analyse der Bioethik als Machtinstrument
College
European University Viadrina Frankfurt (Oder)  (Juristische Fakultät)
Course
Recht und Religion
Grade
1,3
Author
Philipp Appel (Author)
Publication Year
2006
Pages
18
Catalog Number
V77436
ISBN (eBook)
9783638828253
Language
German
Tags
Bioethik Recht Religion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philipp Appel (Author), 2006, Was ist Bioethik?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77436
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint