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Globalisierung als gesellschaftliche Narration

Exposé einer narrativen Analyse des Globalisierungsdiskurses

Title: Globalisierung als gesellschaftliche Narration

Seminar Paper , 2007 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Helmut Wagner (Author)

Sociology - Methodology and Methods
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Auf den ersten Blick erscheint die Globalisierung als natürliche Entwicklung und historisches Fakt der Menschheitsgeschichte. Doch mit etwas Abstand handelt es sich doch nur um eine mögliche Geschichte, die Welt sinnhaft zu erzählen, von vielen. Globalisierung erscheint aus dieser Perspektive als ein Klischee: Weil wir glauben, dass auf der ganzen Welt alles eins wird und durch diesen Filter Unterschiede nicht mehr wahrnehmen, verhalten wir uns auch so. Das Klischee der Globalisierung hat sich dabei bereits so tief verankert in der Alltagswahrnehmung, dass niemand es mehr ernsthaft hinterfragt. Der Globalisierungs-Diskurs ist somit ein Paradebeispiel dafür, wie über den sozialen Diskurs die gesellschaftliche Wirklichkeit konstruiert und legitimiert wird. Der Begriff Globalisierung eignet sich dabei hervorragend, um der modernen Geschichte der Menschheit Sinn zu verleihen. Er ist ausreichend vage, um ein nicht fassbares Phänomen zu bleiben und suggeriert dennoch eine positive Zukunftsvision für die Menschheit: nämlich den lang gehegten Traum von der Einheit in der Vielheit. Die Menschheit erreicht ihren zivilisatorischen Höhepunkt, ihre Bestimmung – und krönt sich selbst.
Betrachtet man das heutige Geschehen in der internationalen Wirtschaftswelt genauer, so lässt sich jedoch feststellen, dass es sich im Wesentlichen wie früher auf drei Regionen beschränkt, nämlich Europa, Asien und die USA. Auch der Löwenanteil der größten multinationalen Konzerne der Welt kommt immer noch aus diesem Block. Nicht nur dies widerspricht der für die Globalisierung so zentralen Hypothese von einer zunehmenden Ausbreitung des Kapitals über alle Grenzen hinweg, die zu immer größerer globaler Angleichung führt. Das Kapital scheint eher exklusiv zu zirkulieren und auch von Chancengleichheit ist nur wenig zu sehen. Ist also alles nur ein Märchen? Es bestehen jedenfalls genügend Zweifel, um die Narration Globalisierung kritisch zu hinterfragen. Wie jede Erzählung von Welt ist auch sie mythisch und sozial konstruiert. Einmal etabliert, färbt sie dann unsere Blickweise. Nicht in erster Linie Fakten lassen uns dabei an die Globalisierung glauben – sondern Angst vor dem Neuen und Ungewissen, dem Fall ins Nichts. Ihr Erfolg ist dennoch nicht zufällig, sondern beruht auf gewissen Gesetzmäßigkeiten – nämlich denjenigen von Macht und Interesse. Die Offenlegung dieser verborgenen Kräfte hinter der Erfolgsstory Globalisierung ist das Ziel einer narrativen Diskursanalyse der Globalisierung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A GLOBALISIERUNG ALS GESELLSCHAFTLICHE NARRATION

B EXPOSÉ EINER NARRATIVEN ANALYSE DES GLOBALISIERUNGS-DISKURSES

I. DIE METHODOLOGIE

II. DIE FRAGESTELLUNG

III. DER DISKURSBEGRIFF

IV. DIE METHODE

C FAZIT

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Phänomen der Globalisierung nicht als naturgegebene Tatsache, sondern als konstruierte gesellschaftliche Narration zu entlarven. Dabei soll analysiert werden, welche Machtmechanismen und Interessen hinter dieser Erzählung stehen und warum sie sich gegenüber anderen Deutungen der Welt als so erfolgreich durchsetzen konnte.

  • Dekonstruktion der Globalisierung als soziale Narration
  • Untersuchung von Machtstrukturen im globalen Diskurs
  • Analyse der Rolle von Diskurskoalitionen bei der Meinungsbildung
  • Verknüpfung von hermeneutischem Verstehen und diskursanalytischem Erklären
  • Hinterfragung der Stabilität internationaler Ordnungsmodelle

Auszug aus dem Buch

GLOBALISIERUNG ALS GESELLSCHAFTLICHE NARRATION

Auf den ersten Blick erscheint die Globalisierung als natürliche Entwicklung und historisches Fakt der Menschheitsgeschichte. Doch mit etwas Abstand handelt es sich nur um eine mögliche Geschichte die Welt sinnhaft zu erzählen, d.h. um eine Narration von vielen. Globalisierung, wie wir sie verstehen, ist ein Klischee, aber eines mit ungeheurer Wirkung: Weil wir glauben, dass auf der ganzen Welt alles eins wird und durch diesen Filter Unterschiede nicht mehr wahrnehmen können, verhalten wir uns auch so. Das Klischee der Globalisierung ist mittlerweile so verankert in der Alltagswahrnehmung, dass es nicht mehr ernsthaft hinterfragt wird. Der Globalisierungs-Diskurs ist damit ein Paradebeispiel dafür, wie über den sozialen Diskurs die gesellschaftliche Wirklichkeit konstruiert und legitimiert wird.

Der Begriff Globalisierung eignet sich scheinbar besonders gut, um der modernen Geschichte der Menschheit Sinn zu verleihen. Es handelt sich dabei um ein genügend vages Schlagwort, damit es ein nicht fassbares Phänomen bleibt. Der Begriff verbirgt dennoch eine positive Zukunftsvision, indem er eine progressive Fortentwicklung der Menschheit suggeriert. Es ist dies der lang gehegte Traum von der Einheit in der Vielfalt. Die Menschheit erreicht demnach in der Globalisierung ihre Bestimmung, ihren zivilisatorischen Höhepunkt – und krönt sich selbst. All dies erscheint als nur allzu logische Konsequenz der menschlichen Entwicklung und wird ermöglicht durch den wissenschaftlich-technologischen Fortschritt. Die neuen Informationstechnologien und die weltweite Vernetzung ermöglichen das Zusammenwachsen der verschiedenen Kulturen auf dem Prinzip der Chancengleichheit über den freien Zugang zu den Märkten. All das in absehbarer, aber dennoch unbestimmter Zukunft. Dies ist die positive, die gute Seite des Begriffs. Gerade weil er aber auch die negative und dunkle Seite zu bedienen weiß, eignet sich der Begriff Globalisierung so hervorragend als Narration der modernen Menschheitsgeschichte. Überall lauern Gefahren - es entsteht eine neue elementare Unsicherheit in Form einer existentiellen Bedrohung durch die Ungewissheit. Wo Chancen sind, da sind immer auch Risiken. Wo Gewinner, da auch Verlierer und Betrüger. Mit dem Begriff werden also gleichzeitig Hoffnungen geweckt und Ängste geschürt.

Zusammenfassung der Kapitel

A GLOBALISIERUNG ALS GESELLSCHAFTLICHE NARRATION: Das Kapitel führt in die Grundthese ein, dass Globalisierung eine sozial konstruierte Erzählung ist, die unsere Wahrnehmung prägt und gesellschaftliche Wirklichkeit legitimiert.

B EXPOSÉ EINER NARRATIVEN ANALYSE DES GLOBALISIERUNGS-DISKURSES: Dieses Kapitel legt den Rahmen für die wissenschaftliche Untersuchung fest.

I. DIE METHODOLOGIE: Hier wird der methodische Ansatz der narrativen Diskursanalyse vorgestellt, der Handlung und Struktur durch den Einbezug sozialer Akteure verbindet.

II. DIE FRAGESTELLUNG: Es wird die zentrale Forschungsfrage formuliert, warum sich die Globalisierungs-Narration gegenüber anderen Deutungsangeboten erfolgreich durchgesetzt hat.

III. DER DISKURSBEGRIFF: Dieses Kapitel definiert das theoretische Fundament, basierend auf Ricoeurs Diskursmodell, ergänzt durch Waldschmidts machtkritische Perspektive.

IV. DIE METHODE: Hier werden die fünf methodischen Schritte der Untersuchung, von der Forschungsfrage bis hin zur Textanalyse und Codebuch-Erstellung, detailliert beschrieben.

C FAZIT: Das Kapitel fasst die Zielsetzung zusammen, kritische Einblicke in die Machtmechanismen hinter dem Globalisierungsdiskurs zu ermöglichen und alternative Denkweisen anzuregen.

Schlüsselwörter

Globalisierung, Narration, Diskursanalyse, Machtmechanismen, soziale Konstruktion, Diskurskoalitionen, Hermeneutik, Wissenssoziologie, gesellschaftliche Wirklichkeit, Diskurs, Macht-Wissen-Formation, Transformation, Narrative.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht Globalisierung nicht als ökonomisches oder technologisches Faktum, sondern als mächtige Erzählung (Narration), die unsere gesellschaftliche Wahrnehmung strukturiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Machtmechanismen im internationalen Diskurs, die Rolle von Massenmedien bei der Verbreitung von Narrationen sowie die Frage nach Kontinuität und Wandel gesellschaftlicher Ordnung.

Was ist das primäre Ziel der Forschung?

Das Ziel ist es, den Erfolg der Globalisierungs-Narration zu erklären und aufzudecken, welche Interessen und Machtverhältnisse durch diese Erzählung stabilisiert oder verschleiert werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt das Verfahren der narrativen Diskursanalyse nach Willy Viehöver, erweitert um machttheoretische Aspekte von Michel Foucault und Anne Waldschmidt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der methodischen Fundierung, der Herleitung der Fragestellung, der theoretischen Bestimmung des Diskursbegriffs sowie der operationalen Umsetzung der Analyse in fünf Schritten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Diskurs, Narration, Macht-Wissen-Formation, soziale Konstruktion und Diskurskoalition geprägt.

Warum wird der Zeitraum 1990 bis 2006 fokussiert?

Dieser Zeitraum markiert den Zusammenbruch der Sowjetunion und die darauf folgende Notwendigkeit, eine neue, positive Interpretation der Weltgeschichte zu etablieren, die in der Globalisierung gefunden wurde.

Welche Bedeutung kommt den Massenmedien zu?

Massenmedien fungieren als zentrale Arena, in der konkurrierende Narrationen präsentiert werden; sie besitzen eine Eigendynamik, die die ursprünglichen Intentionen der Akteure verändern kann.

Wie unterscheidet sich diese Arbeit von einer bloßen Wirtschaftsanalyse?

Während ökonomische Analysen oft Fakten (Handel, Märkte) betrachten, fragt diese Arbeit danach, wie diese Fakten sprachlich und erzählerisch gerahmt werden, um Deutungsmacht zu erlangen.

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Details

Title
Globalisierung als gesellschaftliche Narration
Subtitle
Exposé einer narrativen Analyse des Globalisierungsdiskurses
College
LMU Munich  (Institut für Soziologie)
Course
Hauptseminar: Diskurs und sozialer Wandel
Grade
1,0
Author
Helmut Wagner (Author)
Publication Year
2007
Pages
16
Catalog Number
V77450
ISBN (eBook)
9783638828307
ISBN (Book)
9783638862172
Language
German
Tags
Globalisierung Narration Hauptseminar Diskurs Wandel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Helmut Wagner (Author), 2007, Globalisierung als gesellschaftliche Narration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77450
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