Die Konstruktion von Feindbildern durch die Medien


Hausarbeit, 2007

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Begrifflichkeiten
Konstruktivismus: Wahrnehmung und Wirklichkeit
Image
Stereotypen
Vorurteile
Feindbilder

Funktionen von Feindbildern

Wie Feindbilder entstehen

Die Phase der Sozialisation

Wie die Medien Feindbilder bedienen und konstruieren
Selektionskriterien für Nachrichten
Wie Sprache und Form Feindbilder konstruieren
Analyse eines Zeitschriftenartikels

Fazit

Literaturverzeichnis

Einführung

„Als Schriftsteller hat mich beschäftigt die Genesis der Feindbilder: wie ein Ressentiment, Projektion der eigenen Widersprüche auf einen Sündenbock, ein Gemeinwesen erfasst und irreführt; die Epidemie der blinden Unterstellung, der Andersdenkende könnte es redlich nicht meinen [...]“ (Max Frisch 1976, S. 14)

Vorurteile und Feindbilder sind in unserer Gesellschaft allgegenwärtig, auch wenn sie nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar sind. Sie entstehen bei dem Versuch, unsere Umwelt zu kategorisieren und uns in ihr zu Recht zu finden, indem sie deren Komplexität vereinfachen. Gerade in Konfliktsituationen neigen wir dazu, die gegnerische Seite fremder wahrzunehmen als diese tatsächlich ist. Wir überschätzen die Unterschiede zwischen „uns“ und „den anderen“ (vgl. Weller 2002, S 49). Was Max Frisch anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels über Feindbilder sagte, war geprägt von der Realität des Kalten Krieges, in dem Ressentiments gezielt geschürt wurden, um die bestehenden Herrschaftsverhältnisse zu bewahren (vgl. Frisch 1976, S. 17). Seine Äußerungen haben aber bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Bedenkt man, auf welch fruchtbaren Boden die Propaganda der US-amerikanischen Regierung bei großen Teilen ihres Volkes stieß und mit welcher Begeisterung dieses mit ihr in den „Krieg gegen den Terrorismus“ zog, so scheint es heute wichtiger denn je, die Mechanismen der Feindbildkonstruktion und den Anteil der Massenmedien an diesen Prozessen zu untersuchen. Genau dies versucht die vorliegende Arbeit, indem zunächst einmal die grundlegenden Begriffe, die mit dieser Thematik verbunden sind, erläutert werden. Im Anschluss daran wird beschrieben, welche Funktionen Stereotype und Feindbilder sowohl für den Einzelnen als auch in der Gesellschaft innehaben und wie sie zustande kommen. Dabei soll das Augenmerk insbesondere darauf liegen, welche Rolle die Medien bei der Konstruktion von Feindbildern spielen und auf welche Art und Weise Journalisten bestehende Stereotype bedienen bzw. neue aufbauen. Zur Verdeutlichung dieser Problematik wird ein aktueller Zeitschriftenartikel anhand der gewonnenen Erkenntnisse untersucht, bevor im Schlussteil der Arbeit zusammenfassend noch einmal die Ursachen für die mediale Feindbildkonstruktion dargestellt und daraus resultierend Lösungsansätze für einen möglichen Abbau von Feindbilder diskutiert werden.

Begrifflichkeiten

Um sich dem Thema zu nähern, ist es zunächst notwendig, einige grundlegende Begrifflichkeiten zu erörtern. Die Theorie des Konstruktivismus ist für das Verständnis, wie die Medien Wirklichkeit überhaupt erzeugen können, immanent wichtig. Allerdings gibt es innerhalb der Vertreter des Konstruktivismus durchaus unterschiedliche Auffassungen über seine Bedeutung. Eine umfassende Darstellung des wissenschaftlichen Diskurses kann an dieser Stelle aber nicht erfolgen, stattdessen soll der Konstruktivismus im Hinblick darauf, wie die Medien die Wahrnehmung der Rezipienten beeinflussen, erläutert werden. Im Anschluss sollen die oft synonym verwendeten Begriffe „Image“, „Stereotyp“, „Vorurteil“ und „Feindbild“ voneinander abgegrenzt werden.

Konstruktivismus: Wahrnehmung und Wirklichkeit

Im Alltag machen wir keinen Unterschied zwischen der Wirklichkeit und unserer Wahrnehmung der Wirklichkeit, was wir beobachten, ist für uns real. Bewusstsein, Wahrnehmung und die „Echtheit“ unserer Wahrnehmung sind für uns selbstverständlich, wir hinterfragen sie nicht. Diese Vorstellung von der Erkenntnis bzw. der Erkennbarkeit der Realität wird von den Vertretern des Konstruktivismus angezweifelt. Für sie gibt es nicht eine einzige (absolute) Wirklichkeit, sondern unendlich viele. Ihre zentrale Aussage lautet: Erkenntnis beruht nicht auf einer Korrespondenz mit der externen Realität, sondern immer auf den Konstruktionen eines Beobachters bzw. auf dem Prozess des Beobachtens (vgl. Pörksen 2000, S. 24). Eine objektive, unabhängige Erkenntnis ist also nicht möglich, alle Wahrheit ist abhängig vom Betrachter. Anders ausgedrückt: „Objektivität ist die Wahnvorstellung, Beobachtungen könnten ohne Beobachter gemacht werden.“ (Heinz von Foerster, zitiert nach Foerster/Poerksen 1998, S. 154)

Der Begriff „Konstruktion“ meint dabei aber nicht (wie seine umgangssprachliche Bedeutung vermuten ließe), dass Wirklichkeitsentwürfe bewusst und planvoll gebildet werden. Vielmehr wird die Konstruktion der Wirklichkeit als ein durch die Auseinandersetzung mit der konkreten Umwelt in vielfacher Weise bedingter Prozess verstanden, der abhängig von biologischen, soziokulturellen und kognitiven Bedingungen ist (vgl. Pörksen 2000, S. 25). „Wirklichkeitskonstruktion widerfährt uns mehr, als dass wir über sie verfügen.“ (Schmidt 1995, S. 240). Die zentrale Rolle bei dieser Konstruktion von Realität spielt die Sprache.

„Erst vermittels der Sprache wird Wirklichkeit tatsächlich erfahrbar, denn als Medium mit ontologischer Funktion hilft die Sprache, die perzipierte Wirklichkeit, Informationen und Erfahrungen zu ordnen. [...] Wahrnehmung und Erfahrungen in der Wirklichkeit geschehen in Abhängigkeit und nur innerhalb der Grenzen von den Struktursystemen der Sprache und von den Sprachgewohnheiten der Gemeinschaft, die gleichzeitig gewisse Interpretationen der Wahrnehmungen und Erfahrungen (oder schlichtweg Interpretationen „der“ Wirklichkeit) vorweg nahe legen.“ (Ohde 1994, S. 55)

Wenn wir nun davon ausgehen, dass es keine objektivierbare, vom jeweiligen Bezugssystem unabhängige Realität gibt, so existieren genauso viele Realitäten wie beobachtbare bzw. beobachtende Systeme (vgl. Schmidt 1994, S. 8). Dies ist von besonderer Bedeutung, wenn wir untersuchen wollen, wie Medien Wirklichkeiten konstruieren. Denn auch jeder Reporter ist letztendlich nur ein Beobachter und nimmt somit nicht die (absolute) Wirklichkeit wahr, sondern nur seine eigene Interpretation der Wirklichkeit. Auf diese Weise können von ein und derselben Situation mehrere voneinander abweichende Berichterstattungen entstehen. Daraus folgert Siegfried J. Schmidt, dass die eigene Wirklichkeit der Rezipienten zunehmend durch die Medien vorkonstruiert und dann lediglich angepasst und durch Kommunikation und Handeln verfestigt wird (vgl. ebd., S. 18).

Image

Die Bezeichnung „Image“ ist aus dem englischen Sprachschatz ins Deutsche übernommen worden und geht auf das lateinische Wort „imago“ (das Bild) zurück. Gemeint ist damit aber keine optische Darstellung eines Objektes oder Subjekts, sondern seine kognitive Konstruktionen, die Walter Lippmann als „Bilder in unseren Köpfen“ versteht, als Vorstellungen von etwas, die unsere Wahrnehmung derselben Sache beeinflussen (vgl. Lippmann 1964, S.). Nicklas und Ostermann definieren Images als Formen der subjektiven Abbildung oder „Symbolisierungen von Realität“ im menschlichen Bewusstsein (Nicklas/Ostermann 1989, S. 28). Ein Image umfasst also alle Vorstellungen, die der Betrachter an einem Objekt wahrnimmt oder ihm zuschreibt. Die Genauigkeit dieser Merkmals- bzw. Eigenschaftszuschreibungen sind dabei abhängig von der Distanz des Betrachters zum Objekt: je näher das betrachtete Objekt dem (geographischen, psychischen, kulturellen, politischen) Standpunkt des Betrachters ist, desto genauer wird auch seine Vorstellung von dem Objekt ausfallen. Mit zunehmender Distanz nimmt diese Genauigkeit ab (vgl. Ohde 1994, S. 36f). Des Weiteren sind Images nicht starr, sie können sich wandeln, wenn wir neue Informationen erhalten.

Stereotypen

Das Wort stereotyp stammt aus dem Griechischen und bedeutet „feststehend“, „starr“, „immer wiederkehrend“. Umgangssprachlich bezeichnet ein Stereotyp ein ständig unverändert wiederkehrendes Muster und wird synonym zum „Klischee“ verwendet. Stereotype dienen dazu, die Komplexität der Welt zu vereinfachen, damit wir uns in ihr zurechtfinden.

„Die reale Umgebung ist insgesamt zu groß, zu komplex und auch zu fließend, um direkt erfasst zu werden. [...] Obwohl wir in dieser Umwelt handeln müssen, müssen wir sie erst in einem einfacheren Modell rekonstruieren, bevor wir damit umgehen können.“ (Lippmann 1964, S. 18)

Stereotype sind also Denkschablonen, kognitive Ordnungs- und Orientierungssysteme, anhand derer wir unsere Umwelt kategorisieren, vereinheitlichen und generalisieren. Sie stellen im Wesentlichen ein Konglomerat von Eigenschaften dar, die für den jeweiligen Beobachtungsgegenstand als vermeintlich „typisch“ angesehen werden (vgl. Klenner et. al. 1993, S. 112). Dabei werden diejenigen Merkmale aus unserer Wahrnehmung weggelassen, die nicht in das stereotype Bild von dem Objekt passen (vgl. Ohde 1994, S. 38f). Dies führt dazu, dass Stereotypzuweisungen sich verfestigen und über längere Zeit stabil bleiben; sie verändern sich kaum, weil sie selbst bereits die Wahrnehmung und die Konstruktion der Wirklichkeit beeinflussen (vgl. Klenner et. al. 1993, S. 112).

Vorurteile

Als Vorurteile bezeichnet man tradierte, erlernte, vorgefasste Urteile und relativ stabile Einstellungen über das Verhalten und die Eigenschaften von Mitgliedern einer Fremdgruppe.1 Die Einstellung zu einem Mitglied einer Fremdgruppe basiert nicht auf seinen persönlichen Merkmalen, sondern allein auf seiner Zugehörigkeit zu der Gruppe. Vorurteile besitzen eine hohe Stabilität, d.h., sie werden auch aufrechterhalten, wenn aufgrund neuer Information die Einstellung angepasst werden müsste. Vorurteile fallen meist negativ aus und sind (im Gegensatz zu den rein kognitiven Images und Stereotypen) überwiegend affektiv (emotional) besetzt (vgl. Ohde 1994, S. 47).

Feindbilder

Feindbilder können als (Über-)Steigerung negativer Stereotype und Vorurteile verstanden werden, als „pathologisches Extrem der überlebenswichtigen Funktionen von Abgrenzung, Kategorisierung und Unterscheidung“ (Spillmann/Spillmann 1989, S. 31). Feindbilder sind also nicht mehr nur Orientierungshilfen, sondern Orientierungsdiktate, an denen (ebenso wie an Stereotypen oder Vorurteilen) festgehalten wird, selbst wenn widersprechende Informationen vorliegen (vgl. Pörksen 2000, S. 39). Betrachtet man die Zusammensetzung des Wortes, so fällt zunächst die negative Konnotation des Begriffs Feind ins Auge. Es erfolgt also eine Einteilung der Umwelt in die emotional stark belegten Kategorien „Freund“ und „Feind“, wobei der eigene Standpunkt (die ingroup) stets als „Freund“, das Andere, das Fremde, das Bedrohliche (die outgroup) als „Feind“ wahrgenommen wird (vgl. Klenner et. al. 1993, S. 112; Lueg 2002, S. 56). Vor dem Hintergrund der Vorüberlegungen zum Konstruktivismus impliziert der Begriff Bild des Weiteren, dass Feindbilder Konstruktionen der Wirklichkeit sind. Der „Feind“ ist das Ergebnis einer kollektiven Projektion, die das Andere als Bedrohung, als das „Böse“ ausmacht (vgl. Mentzos 2004, S. 72). Das Bild des Feindes kann zwar seinen Ursprung in realen Gefahren bzw. Bedrohungsszenarien haben und somit realitätsgerechten Wahrnehmungen entsprechen, häufiger jedoch und in einem von Fall zu Fall unterschiedlichen Ausmaß entspringt es Verzerrungen der Wahrnehmung des Feindes (vgl. ebd.).

Im Vergleich mit den vorgenannten Begriffen konstatiert Ohde eine hierarchische Ordnung von „Image“, „Stereotyp“, „Vorurteil“ und „Feindbild“: eines ist Teilelement des nächsten und ohne das vorhergehende nicht möglich. Dies geschieht zum einen in Hinblick auf den Extremitätsgrad der jeweils mit ihnen verbundenen Gefühle, zum anderen anhand ihrer Zugänglichkeit zu neuen Informationen: vom neutralen, deskriptiven, offenen Image, zum polarisierenden, wertenden, geschlossenen Feindbild (vgl. Ohde 1994, S. 30ff).

Funktionen von Feindbildern

Folgt man der Argumentation von Mentzos, so sind Feindbilder in doppelter Weise in unserer Gesellschaft wirksam: zum einen dienen sie auf rationaler Ebene der Begründung kriegerischer „Lösungen“ von machtpolitisch-ökonomischen Interessenskonflikten. Zum anderen sind Feindbilder sehr effektiv für die Erfüllung psychosozialer, bewusster wie unbewusster Bedürfnisse und „Zielsetzungen“ (vgl. Mentzos 2004, S.63f). In dieser Arbeit sind vor allem die subtileren, psychosozialen Funktionen von Feindbildern von Interesse, die uns Erklärungen dafür liefern, warum Menschen so bereitwillig Feindbilder entwickeln (vgl. Weller 2002, S. 49).

Feindbilder haben „zunächst einmal eine pseudostabilisierende, abgrenzende, den eigenen Wert per Kontrast zum schlechten und bösen Feind erhöhende Wirkung auf das individuelle oder das kollektive Selbst“ (Mentzos 2004, S. 72). Sie dienen dazu, das eigene Selbstwertgefühl zu steigern, die eigene Gruppe (die ingroup) im Vergleich mit der Fremdgruppe (der outgroup) aufzuwerten und sie im Kontrast umso strahlender erscheinen zu lassen (Flohr 1991, S. 63). Die Differenzen zwischen den Gruppen werden dabei überbetont, während Unterschiede innerhalb der Gruppen unterschätzt werden. Die Aufmerksamkeit wird auf jene Aspekte gerichtet, die dazu beitragen, dass die eigene Gruppe im Vergleich mit der Fremdgruppe positiv dasteht (vgl. Weller 2002, S. 54).

„In unseren Tagen erleben wir, auf welche Weise der berühmte Ausspruch von Präsident Bush von der „Achse des Bösen“ nicht nur der Begründung eines (schon vorher) geplanten Krieges diente [...], sondern gleichzeitig auch der Besserung der amerikanischen nationalen Identität, des eigenen Images und des Selbstwertgefühls des amerikanischen Volkes“ (Mentzos 2004, S. 73).

Indem Bush die Anderen als das „Böse“ deklariert, impliziert diese Polarisierung, dass die USA das „Gute“ verkörpern. Anhand dieser extrem vereinfachenden Einteilung der Welt in gut und böse, schwarz und weiß, zeigt sich, dass Feindbilder dazu dienen, die Komplexität der Umwelt zu reduzieren und dem Einzelnen (ähnlich den Stereotypen) Orientierung zu bieten. Aber auch eine weitere Aufgabe der Feindbilder wird hier deutlich, nämlich „den Gruppenzusammenhalt nach innen zu stärken und die Gruppe nach außen hin abzugrenzen“ (Ohde 1994, S. 52). Durch den gemeinsamen Feind wird das Wir-Gefühl gestärkt, der Kampf gegen ihn eint die Gruppenmitglieder, innere Unterschiede verschwinden. Die zunehmende Verteufelung und De-Humanisierung des Gegners erhöht die Bereitschaft der Gruppe zur Verteidigung und blockiert im militärischen Konfliktfall die Tötungshemmung des einzelnen Soldaten (vgl. ebd. S., 51f). Eindrucksvoll beschreibt dieses Phänomen Stefan Zweig anhand des Enthusiasmus am Vorabend des ersten Weltkrieges:

„Wie nie fühlten die Tausende und Hunderttausende von Menschen, was sie besser in Frieden hätten fühlen sollen, dass sie zusammengehören. Eine Stadt von zwei Millionen, ein Land von fast Millionen empfanden in dieser Stunde, dass sie Weltgeschichte, dass sie einen nie wiederkehrenden Augenblick miterlebten und dass jeder aufgerufen war, sein winziges Ich in diese glühende Masse zu schleudern, um sich dort von aller Eigensucht zu läutern. Alle Unterschiede der Stände, der Sprachen, der Klassen, der Religionen waren überflutet für diesen einen Augenblick von dem strömenden Gefühl der Brüderlichkeit. [...] Jeder einzelne erlebte eine Steigerung seines Ichs, er war nicht mehr der isolierte Mensch von früher, er war eingetan in eine Masse, er war Volk, und seine sonst unbeachtete Person hatte einen Sinn bekommen.“ (Zweig 1970, S. 165)

Diese Begeisterung der Bevölkerung für den Krieg erlebten wir ebenfalls nach der „Kriegserklärung“ von George W. Bush beim amerikanischen Volk. Der Feind wird ins moralische Abseits geschoben und die eigene Gruppe glaubt sich in der Verpflichtung, „höhere Werte“ zu verteidigen. Anstatt den Gegner mit Sachargumenten entgegenzutreten, wird ihm jede moralische Integrität abgesprochen (vgl. Ohde 1994, S. 52). Dass gemeinsame Feindbilder auch von inneren Konflikten ablenken können, zeigte sich besonders deutlich während des Falkland-Krieges 1982, als der gemeinsame Feind Argentinien in der britischen Bevölkerung ein Zusammengehörigkeitsgefühl schuf, das wirtschaftliche und innenpolitische Probleme (zumindest vorrübergehend) aus dem Bewusstsein der Briten verdrängte (vgl. Ohde 1994, S. 52).

In der Psychoanalyse werden Feindbilder seit Sigmund Freud als Abwehrmechanismen angesehen: Auf das Fremde werden die eigenen unterdrückten Triebwünsche oder Ideen projiziert und dann verdammt (vgl. Klenner et. al. 1995, S. 113f). Man fühlt sich in seinem Selbstbild bedroht, wenn ein anderer das auslebt, was man sich selbst nicht erlaubt (vgl. Ohde 1994, S. 50). Mentzos spricht von einer „projektiven Entsorgung des abgespaltenen „bösen“ Anteils der eigenen Ambivalenz, der eigenen intraindividuellen oder intragruppalen Gegensätzlichkeit“ (Mentzos 2004, S. 63). Das eigene Ich wird entlastet, indem aggressive Impulse nach außen verlagert werden, auf eine andere Person oder Gruppe.

[...]


1 Mit „Gruppe“ kann entweder eine ganze Nation oder auch eine Gruppierung innerhalb einer Gesellschaft gemeint sein.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Konstruktion von Feindbildern durch die Medien
Hochschule
Universität Lüneburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V77463
ISBN (eBook)
9783638829236
ISBN (Buch)
9783638843478
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konstruktion, Feindbildern, Medien
Arbeit zitieren
Mathias Becker (Autor), 2007, Die Konstruktion von Feindbildern durch die Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/77463

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